Das Parthenon oder Der Parthenon?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Peter43
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Das Parthenon oder Der Parthenon?

Beitrag von Peter43 » Sa 23.01.10 18:16

Ich bin heute über den Titel eines Dokumentarfilms im Kultursender ARTE gestolpert. 20:15 Der Parthenon, Geschichtsdoku. F 2008. Als Altgrieche weiß ich noch, daß Parthenon Neutrum ist, was im Deutschen mit das Parthenon übersetzt wird. Oder hat sich seit der unsäglichen Rechtschreibreform hier auch etwas geändert?

Bei Google findet man z.B. für 'das Parthenon' 8.440 Einträge, für 'der Parthenon' hingegen 11.000. Das wäre sozussagen eine Abstimmung mit den Füßen, oder vielmehr mit den Tasten. Aber ich habe verinnerlicht, daß man zwar über demokratische Entscheidungen abstimmen kann, aber nicht über richtig oder falsch.

Irgendwelche Meinungen?

Mit freundlichem Gruß
Zuletzt geändert von Peter43 am Sa 23.01.10 20:23, insgesamt 1-mal geändert.
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beachcomber
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Beitrag von beachcomber » Sa 23.01.10 18:29

für mich ist's auch DAS parthenon, aber heutzutage ist wohl beides möglich :)
grüsse
frank

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Zwerg
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Beitrag von Zwerg » Sa 23.01.10 18:29

Gottfried Gruben, Die Tempel der Griechen (nicht so ganz neu, aber noch fast Standard) schreibt "Der Parthenon" - und dem glaube ich einfach.

Grüße
Zwerg
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Beitrag von Pflock » Sa 23.01.10 20:01

Die Online-Duden-Rechtschreibprüfung sagt mir bei "Der Parthenon":
Kongruenz überprüfen. Bitte überprüfen Sie, ob das Substantiv (und) sein Artikel ... in ... Genus übereinstimmen.
Bei "Das Parthenon" hat er nichts zu meckern.

Wem glaubt man nun? :roll:
Gruß Pflock

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Sa 23.01.10 20:08

Der Duden hat heute das Problem, daß er nicht mehr Sprach- und Schreibnormen setzt, sondern nur noch nachplappert, was die Menge plappert. Also gerade etwas macht, was dem Symbol des Parthenons genau entgegengesetzt ist.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von areich » Sa 23.01.10 20:08

Ich finde man sollte das nicht so eng sehen. Es ist ein Tempel und man sagt der Tempel. Eine Sprache verändert sich und außerdem sprechen wir Deutsch und kein Altgriechisch. Ob das nun streng genommen falsch ist oder nicht ist für mich nebensächlich.

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Beitrag von manuel1935 » Sa 23.01.10 20:10

Vielleicht hat Gruben im Hinterkopf an Parthenon-Tempel gedacht? :? Ich bin weder Alt-, noch Neugrieche, aber ich bleibe beim althergebrachten "das P."

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Beitrag von Peter43 » Sa 23.01.10 20:20

Ich kann mich zu Gruben auch nicht äußern, da ich ihn nicht kenne. Aber ich möchte noch folgendes zu bedenken geben:
Linke Soziologen haben die Rechtschreibung bezeichnet als Instrument der herrschen Klassen zur Unterdrückung der unteren Klassen. Weil sich nun durch die korrekte Benutzung der Fremdwörter die Bildungsklasse des Benutzers verrät, wird diese verfemt. So liest man immer öfter 'der Pont' oder andere Mißgeburten. Ich erwähne nur 'Tollpatsch' oder 'Quäntchen', Wörter die mir physische Bauchschmerzen bereiten. Oder 'platzieren', warum nicht auch 'spatzieren'? Aber dies ist wohl ein anderes Thema!

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Pflock » Sa 23.01.10 20:23

Laut Wikipedia (gut, ich weiß, daß das auch nicht der Weisheit letzter Schluß ist) würde Parthenon mit "Jungfrauengemach" übersetzt. Damit würde "das" wieder vorne liegen. :mrgreen:

Aber eigentlich ist mir das auch wurscht. Ich glaube, ich habe das Wort "Parthenon" heute das erste Mal geschrieben. :roll:
Gruß Pflock

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Beitrag von Peter43 » Sa 23.01.10 20:27

Einige Äußerungen erinnern mich an Vince Ebert, bei dem wir vorgestern in Tübingen waren. Wird jemand auf der Straße gefragt, was heutzutage schlimmer sei, die Ignoranz oder die Gleichgültigkeit. Antwort: Weiß ich nicht, ist mir auch egal! :D

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Zwerg » Sa 23.01.10 20:36

Der "Gruben" ist von 1966, da hat sich die Sprache sicherlich noch nicht verändert. Auch für Frank Brommer, ebenfalls verstorben, aber seinerzeit Fachmann für die Giebel des Parhenon, ist der Parthenon männlich (Die Akropolis von Athen, WBG 1985).

Ich habe einmal nach "Das Parthenon" gegoogelt - die ersten Einträge sind für "Der Parthenon". Ein Germanist wird es sicherlich erklären können - ich bleibe dabei, da ich es nie anders gelernt habe.

Grüße
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Beitrag von Peter43 » Sa 23.01.10 20:40

Jetzt habe ich die korrekte Lösung gefunden. Es heißt tatsächlich 'der Parthenon'. Es kommt nämlich von griech. ho parthenon, wobei das letzte o kein Omikron ist sondern ein Omega, das auch den Akzent trägt. So ist dieses Wort nicht Neutrum sondern ein Maskulinum. Das hatte ich übersehen.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von richard55-47 » So 24.01.10 11:01

Das ist die wissenschaftlich korrekte Begründung.

Landläufige Begründung:
Der Parthenon ist ein Tempel. Im Deutschen wird das Geschlecht dieses maskulinen Begriffes auf den Namen des einzelnen Tempels übertragen - der Parthenon(unausgesprochen: -tempel). Selbst wenn das Geschlecht des Parthenon im Griechischen das neutrale wäre, sagte man also "der Parthenon".
do ut des.

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Beitrag von Iotapianus » Mo 25.01.10 09:33

Ganz korrekt müssten wir das Wort nicht nur als Maskulinum behandeln, sondern auch die Betonung auf die letzte Silbe schieben und das -o- lang sprechen. Meine Prognose: das wird sich nicht durchsetzen...

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Beitrag von chinamul » Mo 25.01.10 10:31

Iotapianus hat geschrieben:Meine Prognose: das wird sich nicht durchsetzen...
Und das wird auch mit Nero nicht passieren, dessen zweiter Buchstabe im Griechischen Epsilon (E, also kurzes e) ist und nicht Eta (H, was ein langgesprochenes e wäre). Aber auch ich sage Neeero und nicht Nerrro, weil die eigentlich korrekte Aussprache bei den Zuhörern immer ein gewisses Befremden verursacht.
Glücklicherweise aber sind solche Philologica von nur geringer numismatischer Relevanz.
Dennoch: Gut, daß wir mal drüber gesprochen haben. :wink:

Gruß

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