Barbarische Imitation

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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harald
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Barbarische Imitation

Beitrag von harald » Sa 25.05.19 15:20

Diesen Denar des Caracalla halte ich für eine barbarische Imitation.
Gibt es zur Reversdarstellung eigentlich ein Vorbild bei den denaren dieses Kaisers?

G: 2,9g

Grüße
Harald
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Denar Imitation Caracalla.jpg

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harald
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von harald » Sa 25.05.19 15:31

Eine weitere Imitation, diesmal ein Denar des Hadrian.
Stilistisch nicht mal so schlecht gelungen.

G: 3,2g
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Denar Imitation Hadrian.jpg
Zuletzt geändert von harald am Sa 25.05.19 15:57, insgesamt 1-mal geändert.

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harald
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von harald » Sa 25.05.19 15:55

Und noch eine.
Barbarische Imitation eines Denars des Septimius severus.
Lustig finde ich das Auge mit mittig gesetzter Pupille, welches den Eindruck erweckt, der Kaiser würde einen anschauen.

G: 3,62

Das hohe Gewicht führt zu meiner Frage, was eigentlich der Beweggrund dieser Fälschungen war.
Im Gegensatz zu den subaeraten war da wohl kaum ein Gewinn drin.

Grüße
Harald
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Denar Imitation hybrid Sept. Sev. Julia Domna.jpg

andi89
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von andi89 » Sa 25.05.19 16:56

Sehr schöne und interessante Imitationen, die du da zeigst. Vielen Dank!
Für den Caracalla wird dieser Denar Vorbild gewesen sein: https://www.acsearch.info/search.html?id=3092191
Ob das wirklich Fälschungen waren, ist in der Tat zu bezweifeln. Es wird sich eher um zumindest geduldete Prägungen gehandelt haben, die den Zweck hatten lokale Geldknappheiten zu überwinden. Gerade bei dem Caracalla wird es schwer überzeugende Argumente zu finden, wie den jemand für echt halten soll; zumal es sich ja bei einem Denar nicht um Kleingeld gehandelt hat, bei dem man unterstellen könnte, das man nicht so genau hinsieht.
Grüße
Andi
"...nam idem velle atque idem nolle, ea demum perniciosa amicitia est." (frei nach C. Sallustius Crispus)

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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von harald » Sa 25.05.19 19:53

Das es sich hier um eine Art Notgeld handelt, war auch meine Vermutung und ich freue mich, dass ich damit nicht alleine bin.
Als Keltenexperte bin ich immer wiederüber die große Bandbreite der Abweichungen vom Original erstaunt, von einer relativ guten Kopie bis zur echten Karikatur, je nachdem wie talentiert der Stempelschneider war.
Meiner Meinung nach sind diese Prägungen auf jeden Fall weitaus interessanter als jedes noch so perfekt erhaltenes Original.

Grüße
Harald

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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von Tejas552 » So 26.05.19 14:44

Hallo Harald,

ich denke, dass diese Imitationen römischer Denarien noch zu wenig erforscht sind. So gibt es eine grosse Gruppe dieser Imitationen aus dem Gebiet des heutigen Polen und der Ukraine. Diese Münzen imitieren meistens Denare des 2. und 3. Jh.. Zudem gibt es aber auch Imitationen von Denaren aus dem 1. Jh., die wohl eher aus Westeuropa stammen, und vielleicht eher als Notgeld angesehen werden können. Auf jeden Fall ist dies ein sehr interessantes Gebiet.

http://www.numismatikforum.de/viewtopic.php?f=6&t=59402

Gruss
Dirk

curtislclay
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von curtislclay » So 26.05.19 20:39

Caracalla Vs.: Es fehlt das S von PIVS, nicht wahr?

Rs.: kann man ausmachen, ob die Legende ursprünglich mit P[ARTH]ICA oder P[VBL]ICA geendet hat? Oder gibt es andere Möglichkeiten für P[....]ICA?

Septimius: scheint mir eine offizielle östliche Prägung zu sein, selten mit nicht bloss SAECVL FELICIT sondern SAECVLI FELICITAS ausgeschrieben auf der Rs.

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harald
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von harald » Mo 27.05.19 19:08

Hallo Curtis,
Ja, es fehlt das S.
Ich hab nochmals versucht, ein halbegs aussagekräftiges Bild hinzubekommen.
Könnte es PARTHICA lauten?
Gerade die wichtigen Legendenteile sind infolge der Prägeschwäche nur schemenhaft erkennbar.

Dass es sich beim Septimius Severus um eine offizielle Emission handelt, hätte ich nie angenommen.
Herzlichen Dank für die Bestimmung.



Tejas, danke für die Infos.
Deine interessanten Münzen in dem link hab ich schon mehrmals bewundert.

Grüße
Harald
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Caracalla Denar Rv...jpg

Perinawa
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von Perinawa » Mo 27.05.19 21:36

Lieber Curtis, ich kann dir da beim Septimius leider nicht folgen.

Mir fehlt gerade beim Portrait der typische Stil "Emesa". Der typische spitze "Zwirbelbart" fehlt mir, aber auch der typisch dünne Hals. Auch diese "hervorgehobene" Linie unter dem Hals, die bis in das "C" endet, lassen mich an eine barbarische Imitation denken. Dann endet der vordere Halsabschnitt gewöhnlich hinter dem "COS II" und nicht, wie hier, hinter dem "COS".

By the way - wie viele verschiedene threads über barbarische Imitationen haben wir jetzt eigentlich? Die Frage ist nicht böse gemeint, aber es gibt ja schon einen "Ursprungs-thread":

http://www.numismatikforum.de/viewtopic.php?f=6&t=57891

Grüsse
Rainer
Zuletzt geändert von Perinawa am Di 28.05.19 00:10, insgesamt 1-mal geändert.
Manche Antworten sind zwar nicht nützlich, aber weniger schädlich als manche nützlichen.

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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von Perinawa » Mo 27.05.19 22:42

Zum Caracalla: Wenn ich den Raum der Buchstaben abmesse, muss das zwangsläufig eine VICTORIA PARTHICA sein und keine PVBLICA. Wenn es eine PVBLICA wäre, dann wäre die Schrägstellung des V auch anders als das A nach PARTHICA.

Grüsse
Rainer
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Re: Barbarische Imitation

Beitrag von curtislclay » Do 30.05.19 01:55

Lieber Rainer,

da wirst du wohl recht haben. Eine sonderbare Imitation, die den östlichen Stil recht gut und ohne Fehler nachmacht!

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