Caracalla – LIBERALITAS VI

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Petronius
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Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Petronius » Mi 15.07.20 11:05

Die unten gezeigte Münze wirft mir einige Fragen auf, zu denen ich gerne Eure Meinung erfahren würde.

Es handelt sich dabei um einen Fourrée-Denarius des Caracalla mit Liberalitas-Rückseite.

Vs.: ANTONINVS PIVS AVG
Rs.: LIBERALI – TAS AVG VI
3,87 g; Durchm.: 2,0 cm

DSC01482 Kopie.jpg
DSC01483 Kopie.jpg

Die silbrige Auflage der Münze ist zu dünn, um von einer Silberfolie zu stammen. Gehe ich recht in der Annahme, dass die Münze im Silbersud-Verfahren versilbert wurde?

Da die Münze von Gewicht und Stil vergleichbar mit offiziellen Versionen ist, könnte es sich hier vielleicht doch um eine offizielle Prägung handeln?

Ich habe die Münze als RIC(IV) 158 (Rom, geprägt zw. 206 und 210 n.Chr.) bestimmt, finde diesen Münztyp (im RIC und BM) allerdings nur mit dem bärtigen Erwachsenenporträt oder mit dem Porträt des heranwachsenden Caracalla mit Bartansatz. Ein so jugendliches Porträt wie bei meiner Münze habe ich für diesen Münztyp nicht finden können. Eine neue Variante oder ein Fehler der Münzfälscher?


Bin gespannt, was Ihr von der Münze haltet,
Peter

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beachcomber
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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von beachcomber » Mi 15.07.20 13:38

die ist nicht subaerat, sondern wurde nur scharf gereinigt! :)
das kupferne ist nicht der kern, sondern nur nach obengespülter anteil der legierung!
wenn du diese kupfrigen stellen mit einem skalpell oder nadel abtragen würdest, käme darunter wieder silber zum vorschein.
grüsse
frank

Petronius
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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Petronius » Mi 15.07.20 15:35

Vielen Dank für Deine Antwort, Frank.
beachcomber hat geschrieben:
Mi 15.07.20 13:38
wenn du diese kupfrigen stellen mit einem skalpell oder nadel abtragen würdest, käme darunter wieder silber zum vorschein.
Würdest Du eine solche Behandlung zur Verschönerung der Münze empfehlen (ich denke da in erster Linie an die Vorderseite)?

Gruß,
Peter

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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Perinawa » Mi 15.07.20 15:41

Damit verschönerst du sie nicht, sondern verkratzt sie.

Ich würde sie höchstens mit Wasser und Natron abreiben.
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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Lucius Aelius
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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Lucius Aelius » Mi 15.07.20 16:05

Die Liberalitas trägt doch einen caduceus statt einen coin catcher, nicht wahr?
Gruss
Lucius Aelius

Petronius
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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Petronius » Mi 15.07.20 16:11

Perinawa hat geschrieben:
Mi 15.07.20 15:41
Ich würde sie höchstens mit Wasser und Natron abreiben.
Alles klar, so soll es sein.

Wie ist Eure Meinung zur Frage der Büstenvariante?

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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Petronius » Mi 15.07.20 16:42

Lucius Aelius hat geschrieben:
Mi 15.07.20 16:05
Die Liberalitas trägt doch einen caduceus statt einen coin catcher, nicht wahr?
Ein Abakus würde wohl sinnvoller sein bei diesem Rückseitenmotiv (Liberalitas), aber man könnte durchaus auch zwei umeinander sich windende Schlangen erkennen können – siehe Ausschnittsvergrößerung.

DSC00184.jpg

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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von andi89 » Mi 15.07.20 18:38

Petronius hat geschrieben:
Mi 15.07.20 11:05
Es handelt sich dabei um einen Fourrée-Denarius des Caracalla mit Liberalitas-Rückseite.
...
Die silbrige Auflage der Münze ist zu dünn, um von einer Silberfolie zu stammen. Gehe ich recht in der Annahme, dass die Münze im Silbersud-Verfahren versilbert wurde?

Da die Münze von Gewicht und Stil vergleichbar mit offiziellen Versionen ist, könnte es sich hier vielleicht doch um eine offizielle Prägung handeln?
Anmerkung 1: entweder es ist ein Fourée oder via Silbersud-Verfahren versilbert. Beides gleichzeitig geht grundsätzlich nicht.

Anmerkung 2: der Stil deiner Münze ist für mich eindeutig nicht offiziell. Das Portrait kommt schon mal gar nicht hin und auch die Rückseite ist sehr ungelenk.


Grüße
Andi
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Petronius
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Re: Caracalla – LIBERALITAS VI

Beitrag von Petronius » Mi 15.07.20 22:54

andi89 hat geschrieben:
Mi 15.07.20 18:38
Anmerkung 1: entweder es ist ein Fourée oder via Silbersud-Verfahren versilbert. Beides gleichzeitig geht grundsätzlich nicht.
Stimmt. Habe das ungeschickt und missverständlich dargestellt. Die Münze wurde vom Händler als Fourree beschrieben und ich wollte das ja gerade anzweifeln und um Eure Einschätzung bitten.

Was den Stil betrifft, so finde ich das Schriftbild von Vorderseite- und Rückseite unverdächtig. Das Porträt Caracallas kommt auf dem Foto etwas flau rüber, ist in natura aber deutlich besser (wenngleich ich inzwischen auch Zweifel daran habe). Um hier ein Urteil zu fällen, fehlt es mir leider an Vergleichsmünzen. Ich habe nur eine einzige Münze mit LIBERALITAS VI -Revers finden können, die eine ähnlich jugendliche Büste zeigt ( https://www.acsearch.info/search.html?id=1277532 ). Wie bereits erwähnt zeigen die allermeisten Münzen dieses Typs einen älteren Caracalla.
Dagegen verrät die Figur der Liberalitas auf der Rückseite am ehesten den inoffiziellen Charakter der Münze: Die Figur steht etwas steif, der Kopf nach vorne gebeugt und die Falten des Gewands werden durch zahlreiche parallele Linien angedeutet, was insgesamt sehr unnatürlich wirkt. Das Füllhorn in der Linken ist sehr viel weniger deutlich gekrümmt als auf den offiziellen Stücken im RIC und
Lucius Aelius hat geschrieben:
Mi 15.07.20 16:05
Die Liberalitas trägt doch einen caduceus statt einen coin catcher, nicht wahr?
Lucius Aelius hat völlig recht, das Objekt in der Rechten ist keinesfalls ein Abakus sondern vermutlich ein Caduceus, ganz offensichtlich ein Versehen des Stempelschneiders.

Alles in allem handelt es sich wohl tatsächlich bei der gezeigten Münze um eine Imitation von RIC(IV) 158.

Nochmals herzlichen Dank für Eure Hilfe,
Peter

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