gelochte Brakteaten

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QVINTVS
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gelochte Brakteaten

Beitrag von QVINTVS » So 13.03.11 16:50

Grüßt Euch,

bei der letzten Auktion von Gorny und Mosch (197, Mittelalter, Schongau) wurde ein Lot mit Brakteaten angeboten, das auch gelochte Stücke enthielt. Sie waren interessanterweise über dem Kopf gelocht. Bisher habe ich solche Stücke noch nicht gesehen und ich habe mir Gedanken darüber gemacht.
War der Grund die "Aufbewahrung"? Hat man sie z. B. gelocht, um sie an einem Bändel zu tragen?
Wurden Brakteaten, die verrufen wurden, bevor man sie zum Einschmelzen gab vielleicht so "ungeültig" gemacht?
Dienten solche gelochte Brakteaten als Schmuckstücke? Was vielleicht nicht ganz zu diesem Lot passen würde, denn ein Teil könnte aus einem Fund stammt.

Das Lot wurde von einem mir bekannten Händler gekauft, der jetzt Teile davon bei E... anbietet. Hier die Links

http://cgi.ebay.de/Schongau-Brakteat-/1 ... 1c1a15b08d

http://cgi.ebay.de/Schongau-Brakteat-/1 ... 1c1a15af48

http://cgi.ebay.de/Schongau-Brakteat-/1 ... 1c1a15a904

Kennt jemand Literatur dazu oder hat jemand eine Ahnung?

Viele Grüße
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QVINTVS


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leodux
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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von leodux » So 13.03.11 23:32

Hallo Qvintvs,

das Lot bei GM hatte ich auch gesehen und die gelochten Brakteaten daraus bei Ebay waren mir ebenfalls gleich aufgefallen.
Literatur kann ich nicht nennen und Ahnung von gelochten Brakteaten habe ich auch nicht, aber eine Verwendung als Schmuck scheint mir eigentlich am logischsten zu sein. Vielleicht hat man damit auch ein Kleidungsstück oder etwas ähnliches verziert.
Eine Entwertung durch Lochung ist mir bei Brakteaten unbekannt und sie zu lochen, um sie aufgefädelt auf einer Schnur aufbewahren zu können, kann ich mir auch nicht so richtig vorstellen. Durch die Art der Lochung wäre der Brakteat leichter geworden und damit weniger wert. Möglicherweise wäre er von Händlern gar nicht angenommen worden. Ich glaube deshalb nicht, dass das jemand im Mittelalter mit Geld getan hätte, das er noch zum regulären Bezahlen verwenden wollte.

Viele Grüße
Peter

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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von Numis-Student » Mo 14.03.11 00:22

leodux hat geschrieben:. Durch die Art der Lochung wäre der Brakteat leichter geworden und damit weniger wert.Viele Grüße
Peter
Hallo,
wenn ich einen Nagel durchschlage, verdränge ich das Metall nur, das Gewicht bleibt passend. Einen Gewichtsverlust habe ich nur, wenn ich bohre.
Schöne Grüße,
MR

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leodux
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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von leodux » Mo 14.03.11 01:20

Hallo MR,

das ist schon klar, aber ich hatte nicht ohne Grund "die Art der Lochung" geschrieben. Auf den Fotos, besonders auf den ersten beiden, sieht das für mich wie gebohrt oder gestanzt aus.
Aber vielleicht irre ich mich auch. Man müsste die Rückseite sehen, dann kann man vermutlich besser sagen, ob das Metall noch vorhanden ist oder nicht.

Jedenfalls habe ich noch nicht davon gehört, dass Brakteaten gelocht und zum Transport aufgefädelt wurden. Auch der relativ geringe Anteil gelochter Brakteaten in Funden spricht eher dagegen, dass so ein Brakteatentransport nach Art der chinesichen Cashmünzen hier üblich war. Daran mag ich jedenfalls bis zum Beweis des Gegenteils nicht glauben und eine Verwendung als Schmuck oder Verzierung scheint mir viel wahrscheinlicher.

Viele Grüße
Peter

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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von Dude_199 » Mo 14.03.11 11:36

Hallo,

ich habe mir vor der Auktion noch weitere Bilder des Lots zusenden lassen. Auf diesen Bildern sind auch die Rückseiten sichtbar und man sieht keine Metallreste auf den Rückseiten. Ich gehe anhand der Bilder davon aus das die Löcher gebohrt wurden.

Zum Zweck der Lochung denke ich auch das die Brakteaten als Schmucksücke oder ähnliches getragen wurden.

Gruß Dude

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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von QVINTVS » Mo 14.03.11 18:21

Grüßt Euch,

bei einer Verwendung als Schmuckstücke ist mir die "Häufung" zu groß. Es wären dann einzelne verloren gegangen, nicht aber gleich mehrere! Erklärbar wäre das nur, wenn sie als Schmuckstücke dienten und dann das Schmuckstück "unmodern" wurde und wieder in seine einzelnen Bestandteile "zerlegt" worden wäre. Ich würde dann auch erwarten, dass es Bilder von solchen Schmuckstücken geben müsste (Wandmalereien, usw.) Der zeitliche Ansatz dürfte um 1300 liegen.

Viele Grüße
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QVINTVS


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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von leodux » Mo 14.03.11 19:04

Hall Dude,

vielen Dank für den aufschlussreichen Blick auf die Rückseite!

Hallo Qvintvs,

mein erster Gedanke bei der Gorny & Mosch-Auktion war, dass es sich nicht um eine mittelalterliche Lochung handelt, sondern dass diese erst später erfolgte.
Richtig begründen kann ich das allerdings nicht. Im Mittelalter hätte man wahrscheinlich aber wirklich das Loch einfach mit einem Dorn in das Blech gechlagen und nicht sorgfältig gebohrt oder gestanzt.
Die Lochung muss jedenfalls nicht unbedingt zeitgleich mit dem Umlauf der Brakteaten erfolgt sein.
Denkbar wäre z.B. dass sie als Verzierung auf ein Gewand genäht waren oder z.B. Bestandteil eines Charivaris oder etwas ähnlichen waren. Das würde auch erklären, warum gleich mehrere Brakteaten auf die gleich Art gelocht wurden.
Gesehen habe ich so eine Verwendung von Brakteaten zwar auch noch nicht, es gibt aber Brakteaten mit mehreren kleineren Löchern, die die Vermutung nahe legen, dass sie irgendwann mal auf Stoff festgenäht waren.

Viele Grüße
Peter

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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von cepasaccus » Mo 14.03.11 21:20

Es gibt die Medaillons von Judendorf. Das sind drei vergoldete Blechpraegungen, aehnlich dem Adler-Brakteat von Rottweil, die mit drei bzw. vier Loechern versehen auf Kleidung genaeht waren. Die Loecher sind alle sehr sorgfaeltig angebracht wie bei diesen Brakteaten.

http://www.villach.at/bilder/inhalt/Mue ... 00x308.jpg

http://www.villach.at/inhalt/museum/5475_25473.htm
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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von QVINTVS » Di 15.03.11 15:22

Grüß Dich Cepasaccus,

das ist ein sehr interessanter Hinweis. Danke

Viele Grüße
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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von celtic-coins.ch » Mi 16.03.11 08:00

Sowas ähnliches habe ich auf einem Gewand aufgenäht gesehen.
Waren Brakteaten und so Medaillons wie sie "cepasaccus" angefügt hat.
Habe selber so ein Medaillon in meinem Besitz, ist ebenfall fein gelocht und hat Vergoldungsspuren.

War ein Mädchen-Rock der heiligen Agnes, soweit ich mich erinnern kann.
Finde nur den Artikel nicht mehr. :roll:
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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von QVINTVS » Mi 16.03.11 08:56

Habe gerade bei Wiki nachgeschlagen, konnte dort leider kein Bild finden. Bist Du sicher, dass es die Hl. Agnes von Rom ist oder könnte es sich um eine örtliche Hl. Agnes handeln?
Viele Grüße

QVINTVS


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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von celtic-coins.ch » Mi 16.03.11 17:26

Sicher was örtliches, glaube es war aus der Innerschweiz. Ich suche den Bericht.

Auf die Schnelle habe ich dieses im Netz gefunden:
http://www.kulturfenster.ch/cgi-bin/ima ... iginal.jpg

Dieses wo ich meine, war schwarz und es waren Brakteaten aufgenäht.
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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von Denar » Mi 16.03.11 18:39

ich empfehle:
Münzen in Brauch und Aberglauben.
Mit 342 Schwarzweiß-Abbildungen und 24 Farb-Tafel
Verlag: Philipp von Zabern, Mainz am Rhein

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Re: gelochte Brakteaten

Beitrag von QVINTVS » Mo 21.03.11 04:19

Danke für den Tipp, das Buch habe ich mir über Amazon bestellt, da es so ziemlich keine Bücherei hat.

Viele Grüße
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QVINTVS


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