Die Imitationen islamischer Münzen

Kreuzfahrer
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Albert von Pietengau
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Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 19.03.14 13:05

So, nun wird's höchste Zeit wieder einige Beiträge zu liefern: schließlich sollen die hehren Kreuzritter nicht zu Waisenknaben mutieren. :wink:

Weitestgehend bekannt sind die qualitativ schlechten Bezant-Imitationen (geringer Goldgehalt), wie sie z. B. zur Zeit Balduin III. (Nennung des 10. Fatimiden-Kalifen Al-Amir (1096-1130)) in Jerusalem geprägt wurden.

Wenn wir dann endlich "in" Jerusalem angelangt sind, würde ich Comthur bitten, seinen Bezant (aus "Schönheiten des Mittelalters") erneut hier einzustellen.

Nun aber zu den Silbermünzen:

Teil I
Die Einführung des Silber-Dirhams in Syrien begann 571 AH (1176 AD). Das Silber kam aus Sachsen (Freiberg), der Steiermark (Oberzeiring) und Kärnten (Meiselding, Obervellach). Über die norditalienischen Handelsrepubliken (Genua, Pisa, Venedig) fand es den Weg in die syrischen Münzstätten Aleppo und Damaskus. Saladins Münzreform liegt zweifelsohne das europäische Interesse an orientalischen Waren zugrunde. Um 580 (1185) kam es zu einem deutlichen Anstieg der ayyubidischen Münzproduktion. Das früheste Zeugnis für diese Entwicklung ist ein Vertrag aus dem Jahr 1201 zwischen Venedig und dem Königreich Kleinarmenien. 1245 wurden die Privilegien erneuert: Venedig wurde zugesichert, nur dann keine Abgaben auf den Import von Gold und Silber entrichten zu müssen, wenn die beiden Bodenschätze nicht zur Münzprägung herangezogen werden. Ansonsten galten dieselben Abgaben, wie sie für die Belieferung der Münzstätte Akkon anfielen.

Venedig schloss auch einen Vertag mit dem Ayyubiden-Herrscher von Aleppo az-Zahir Ghazi, der von 582 - 613 (1186 - 1216) regierte. Aus diesem Vertrag geht hervor, dass Venedig berechtigt ist, gegen die geringe Abgabe von 5% Silberbarren zu Münzzwecken zu exportieren.

Von "az-Zahir Ghazi" sind neben den offiziellen (ayyubidischen) Prägungen (sechseckiger Stern) auch solche bekannt, die nach seinem Todesjahr 613 geprägt wurden. Es ist offensichtlich, dass es sich hierbei um Kreuzfahrer-Imitationen handelt, die nicht in Aleppo, sondern bis zum Jahr 630 in "fränkischen" Münzstätten (z. B. Akkon) ohne Unterbrechung geprägt wurden. Die letzte gefundene Kreuzfahrer-Prägung stammt aus dem Jahr 638.

Hier ein Beispiel für den "Kreuzfahrer-Stern":
https://www.numisbids.com/n.php?p=lot&sid=653&lot=881

Ein weiterer, noch bekannterer Münztyp (Quadrat), der posthum von den Kreuzfahrern geprägt wurde, ist die Imitation des Dirhems von as-Salih Ismail, dem Ayyubiden-Herrscher von Damaskus (637 (1240) - 643 (1245)). Im Gegensatz zu den Aleppo-Imitationen kommt es bei diesem Typ nicht nur zur Nennung von fiktiven Prägejahren, sondern auch zur irreführenden Beschriftung "Geprägt in Damaskus".
Auch hierzu ein Beispiel:
https://www.numisbids.com/n.php?p=lot&sid=653&lot=878

Da ich auf diesen Imitationstyp - dank Klaupos Bestimmungstabelle - noch näher eingehen möchte, bringe ich hierzu einen eigenen Beitrag (Teil II) ein.

Bis bald
AvP


PS:
Mit den folgenden Näherungsformeln lassen sich islamische Jahreszahlen in gregorianische umrechnen und umgekehrt:
C = H x 32/33 + 622
H =(C - 622) x 33/32
C (Jahr nach christlicher Zeitrechnung), H (Jahr nach der Hidschra)

Ach ja, hier noch ein "Bezant":
http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... 81&t=49706

Und dieses Angebot geht schon in Richtung "Lennestadt":
http://www.ebay.de/itm/Kreuzfahrer-Koni ... 2c7e983252

Beim "Stern" handelt es sich um "Artuqiden von Mardin (Najm al-Din Ghazi I. als Vasall des Ayyubiden-Herrschers an- Nasir Yusuf)", und beim "Quadrat" handelt es sich um "Ayyubiden (al-Nasir Yusuf II.)". Kreuzfahrer-Imitationen von diesen Herrschaften sind nicht bekannt.
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am Do 27.03.14 11:33, insgesamt 3-mal geändert.
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Albert von Pietengau
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 19.03.14 18:35

Teil II

Da sich eine Zuordnung von Dirhems aufgrund stilistischer Merkmale zu Ayyubiden bzw. Kreuzfahrer bestenfalls im Bereich von Mutmaßungen beweget, ist man beim Damaskus-Typ auf die Randlegenden angewiesen: der Inhalt der Quadrate ist identisch, und die Bestimmung ist bei schlechter Ausprägung bzw. starker Randabnützung oder -beschneidung alles andere als einfach.

Was besagte Randlegenden anbelangt, gibt es zwei unterschiedliche Vorder- wie auch Rückseiten, was theoretisch vier Möglichkeiten ergibt. Bislang wurden aber nur drei gefunden.

Avers Variante 1 (Av.1) zeigt rundumlaufend die Schahada (islamisches Glaubensbekenntnis), die folgendermaßen lautet:
"Es gibt keinen Gott [illah] außer Allah [= (der) Gott], der keinen neben sich hat. Mohammed ist der Prophet Allahs [Gottes]".

[Das Wort Allah ist durch Silbenellipse aus al illah (also der Gott) entstanden, und religiöse Eiferer streiten sich darüber, ob Allah ausschließlich der Gott des Islams oder auch der Gott der Juden und Christen ist. Im Adi Granth, der hl. Schrift der Sikhs, und in den maltesischen Bibeln wird Gott Allah genannt.]

Avers Variante 2 (Av.2) ist ebenfalls gegen den Uhrzeigersinn in allen vier Quadranten umlaufend geschrieben und stellt die Basmala dar, die bis auf eine (blutige) Ausnahme jede Sure des Korans einleitet. Die Bedeutung ist: "Im Namen Allahs, dem Barmherzigen und Gnädigen".

Revers Variante 1(Rv.1): "Im Namen Allahs/geprägt in Damaskus/im Jahre vier/und vierzig und sechshundert" (644 AH).
Revers Variante 2 (Rv.2): "Geprägt in Damaskus/im Jahre tausend/und zweihundert und/drei und fünfzig" (1253 AD).

Wie man leicht erkennt, stellt die Stempelkombination Av.2 / Rv.2 die christlich modifizierte Form der Kombination
Av.1 / Rev.1 dar, die 1251 das Missfallen von Innozenz IV. erregte, der die Unfehlbarkeit des Papstes in der Folge dadurch unter Beweis stellte, dass er der islamischen Zeitrechnung die Geburt Mohammeds zugrunde legte. :wink: Viel schlimmer aber finde ich den Umstand, dass er den Namen des Propheten als "gotteslästerlichen Namen" bezeichnet und jedem Christen, der im Namen Mohammeds zu prägen wagt, mit der Exkommunikation droht.

Diesem päpstlichen Erlass sind jedoch die ebenso schönen wie auch seltenen Dirhems von 1251 zu verdanken, die in ihrem Zentrum das griechische Kreuz und drum herum die christliche Trinitätslehre in arabischer Schrift aufweisen. http://www.google.de/imgres?client=oper ... CGkQrQMwBg

Av.2 / Rv.1 kommt nicht vor, wohl aber die umgekehrte Kombination. In diesem Fall (also Av.1 / Rv.2) handelt es sich nur dann um eine Kreuzfahrerimitation, wenn das Prägejahr 643 oder jünger (höher) ist. Dasselbe gilt für die Variante Av.1 / Rv.1. Um das exakte Datum zu eruieren sind Arabischkenntnisse vonnöten.

In Kürze zeige ich zwei Stücke, die die Stempelkombination Av.2 / Rv.2 aufweisen und in jedem Fall Kreuzfahrerimitationen sind. Zweiteres habe ich kürzlich als Ayyubiden-Münze erstanden, was, abgesehen davon, dass es zum Nachteil des Verkäufers war, einmal mehr zeigt, wie schwierig sich die korrekte Bestimmung gestalten kann. Meistens ist es aber so, dass Ayyubiden-Münzen als Kreuzfahrermünzen angepriesen werden...
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am Do 27.03.14 11:45, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von KarlAntonMartini » Mi 19.03.14 21:02

Ich lese gern mit, großes Lob! Grüße, KarlAntonMartini
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von ischbierra » Mi 19.03.14 22:14

Damit hier nicht immer nur Verlinkungen auftauchen, stelle ich mal eine der Imitationen der Ayyubidendirhems ein. Ich habe allerdings noch nicht nachgeprüft, ob es tatsächlich eine Imitation ist (Datum - siehe oben) sondern vertraute erst mal dem Händler:
Gruß ischbierra
Dateianhänge
1200-1260 Kreuzfahrer, Dirhem,Immitation eines ayyub.Dih., Metc 216ff (1).JPG
1200-1260 Kreuzfahrer, Dirhem,Immitation eines ayyub.Dih., Metc 216ff (2).JPG

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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 19.03.14 22:35

Freut mich, dass es gefällt!
Zum Stern kann ich nicht viel sagen, da ich nicht einmal weiß, wo das Jahr steht. Arabische Ziffern, wie man sie von den zeitgenössischen islamischen Münzen her kennt, sucht man wohl vergebens. Beim Damaskus-Typ ist die Jahreszahl fast über die gesamte Münze (Randlegende) verteilt. Die in Buchstaben (Konsonanten) ausgeschriebene Jahreszahl 1253 ist für das Arabische gänzlich unüblich, da die Reihenfolge verkehrt ist (siehe Legenden Rv.). Ich finde es auch verwunderlich, dass die Stempelkombination 2/1 nicht vorkommt, dafür aber 1/2, also gregorianische Jahreszahl in Komb. mit der Schahada (Nennung des Propheten)!

Und hier die dazugehörende Grafik:
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Sham.JPG
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 19.03.14 23:46

ischbierra hat geschrieben:... eine der Imitationen der Ayyubidendirhems ein. Ich habe allerdings noch nicht nachgeprüft, ob es tatsächlich eine Imitation ist (Datum - siehe oben) sondern vertraute erst mal dem Händler.
Hallo ischbierra,

um welchen Herrscher soll es sich denn hierbei handeln? Sollte das Stück aus Aleppo sein, stehen ohnehin nur 4 Emire zur Auswahl, wobei m. E. zwei schon einmal auszuschließen sind.

Das obere Bild ist identisch mit einer Seite von Najm al Din Ghazi (Mardin).

Guck mal hier: http://www.google.de/imgres?client=oper ... J8BEK0DMBY

Gruß
AvP
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von klaupo » Do 20.03.14 11:22

Das Stück von ischbierra kommt wohl wirklich aus Mardin. Für das Jahr 656 AH passen beide Seiten - hier mit Referenz:

http://www.zeno.ru/showphoto.php?photo=125030

Wir sollten aber jetzt nicht in diesem hochinteressanten Thread versuchen alle möglichen potentiellen Kreuzfahrer-Imitationen einzustellen (ich hätte da auch welche, die sich dann als Ayyubiden geoutet haben). Besser wären handfeste Kriterien für die eine oder die andere Herkunft, und das läßt sich m.E. mangels Lesekenntnis bis auf weiteres nur durch Vergleich mit eindeutig zugewiesenen Stücken erreichen.

Meinen Dank übrigens für den ausführlichen historischen Hintergrund, von dem mir vieles nicht bekannt war.

Gruß klaupo

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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Fr 21.03.14 00:05

Das zuerst gezeigte Stück wurde für 100 Euro als Kreuzfahrerimitation [eines Dirhems des as-Salih Ismail] unter Hugo von Lusignan gekauft.
Das danach gezeigte und später erstandene Stück (als "AR Dirham, Damaskus" bezeichnet) kostete nur 25 Euro. Das Bestimmungsschildchen, das noch von einem früheren Händler vorlag, nennt "al-Nasir Yusuf (1237-1260)" als Münzherrn.

Dass eine Kreuzfahrerimitation das Vierfache eines vermeintlichen Ayyubiden-Dirhems kostete, spiegelt den ungefähren Marktwert wider. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Ayyubiden gerne als Kreuzf. angepriesen werden.

Wie man anhand der Bilder mühelos erkennen kann, handelt es sich bei beiden Stücken um Dirhems des as-Salih Ismail, und wenn man ganz genau hinsieht und die Randlegenden mit obenstehender Grafik vergleicht, erkennt man auch, dass beide Stücke unter die Kategorie Av.2/Rv.2 fallen.

Sollte das jemand anders sehen, bin ich gerne bereit, darüber zu diskutieren.

Hier noch die "echten" as-Salih Ismail-Dirhams zum Vergleich:
http://www.amalhayaty33.virtualave.net/ ... ion=Search

Gruß
AvP
Dateianhänge
K800_Av2-Rv2_1.JPG
K800_HvL2Av.JPG
AVERS
K800_HvL2Rv.JPG
REVERS
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Marc » Fr 21.03.14 12:35

Wie AvP schon andeutete, nutzen viele Verkäufer die mangelde Kenntnis der Ayyubidenmünzen um unerfahrenen diese Stücke als Kreuzfahrer anzudrehen. Und kaum ein Auktionator hat genügend Erfahrung in diesem Spezialgebiet um den Einlieferen ihre Träume zu nehmen. Also kauft nicht wenn ihr selbst nicht sicher ein zwingend nötiges Beizeichen gefunden habt.

So halte ich es auch:
http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... 4&p=351571
Obwohl ich den Auktionator für seriös halte, glaube ich nicht die Bestimmung als Kreuzfahrer wenn ich nicht ein Beizeichen oder eine In-/ Umschriftabweichung finde welche es als Kreuzfahrer kennzeichnet.

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Albert von Pietengau
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Do 27.03.14 12:09

@Marc:

Der Link im Link funktioniert nicht mehr. Hast Du von besagtem Stück evt. noch ein Bild?

Nicht 1250, sondern 643 AH (1245 AD) ist bei den beiden Stempelkombinationen Av.1 / Rv.1 oder Av.1 / Rv.2 das "Grenzjahr" (Todesjahr von as-Salih Ismail).
Die Stempelkombination Av.2 / Rv.2 weist entweder das Datum 1253 oder 641 (Metc. 137) auf.
Metcalf soll Nr. 137 inkorrekterweise mit gregorianischem Datum beschrieben haben. Hierbei soll es sich um eine Rückdatierung aus 1250 aufgrund der Tätigkeit des päpstlichen Legaten handeln, der bereits vor dem Edikt des Papstes mit Exommunikation (also ewigem Höllenfeuer) gedroht hat. Aber was hat ein islamisches Datum mit Rv.Var.2 zu tun :?:

@klaupo: Verstehst Du das?


Ein Witz ist folgender as-Sahir Ghazi:
http://www.vcoins.com/de/stores/calgary ... fault.aspx

"Date: Not visable on the coin, but some time after 1215" :roll: Das Todesjahr ist 1216! Aber bei dem Preis darf man nicht meckern. :wink:
BTW: Who is Steven Album? God?

VGAvP
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Marc » Do 27.03.14 14:06

Ich schaue noch mal nach. Aber vorweg:

Wir gehen da wohl von unterschiedlichen Sachen aus:
Ich meinte das 1250 Bischof Eudes im Auftrag des Papstes durchsetzte das kein Kreuzfahrerstaat mehr Münzen prägen dürfte welche den Namen Mohamet trägt. Somit alle Beischläge am Text einwandfrei erkannt werden können. Die Änderung der Ayyubiden ist für die Kreuzfahrer nicht so wichtig, denn sie konnten ja auch Beischläge zu älteren Münzen machen, und taten dies. Für die Kreuzfahrer ist deshalb 1250 das Jahr des Typenwandels.

Aber das von dir angegebene Beispiel sagt alles. Für mich ist es nur dann ein Kreuzfahrer, wenn man ein Beizeichen (oder Textstelle) findet die diese Zuschreibung rechtfertigen. Wer behauptet es sei ein Kreuzfahrer muss dieses Beizeichen auf dem Stück benennen, z. B. absichtlich falsches Jahr, dort auf der Münze zu lesen. Wobei nicht jede Fälschung/Beischlag ist auch von den Kreuzfahrern, aber das wäre ein zweiter Schritt dieses Stück in den Kreuzfahrerhorden vermehrt nachzuweisen. Jedenfalls hat man mittlerweile den Eindruck, bei den Stücken vor 1250 gibt es mehr Kreuzfahrerbeischläge als Orginale ;) Nach 1250 ist das schwerer denn auf den Orginalen steht der Name Mohamet, somit kann es kein Kreuzfahrer mehr sein.

Nach dem Stück im alten Thread such ich mal.

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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Marc » Do 27.03.14 15:10

Die alten WAGO-Auktionen scheinen nirgends mehr zum Download angeboten zu werden. Also wäre ein hochladen (selbst wenn ich das PDF/Foto noch auf meinem alten PC fände) eine Verletzung des Copyrights. Die WAG hat natürlich die Rechte am Foto, und ist nicht in mcsearch sondern bei coinarchives. Entzieht sich somit nach 6 Monaten einer öffentlichen Diskussion ihrer Stücke anhand ihrer Bilder.

Ich weis aber noch was es war. Ein Stück aus Damaskus mit absolut korrekter Beschriftung der beiden Quadrate, das Beizeichen konnte also nur noch in der Umschrift mit Prägeort und Jahr sein. Diese war aber wie so häufig flau oder beschnitten (wie bei deinem Beispiel aus Aleppo). Im Text wurde es ohne Begründung als Kreuzfahrer bezeichnet, nicht mal Godfather Steven Album wurde angeführt :D

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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Do 27.03.14 16:06

Kannst Du - vom (venezian.) Dukaten einmal abgesehen - Beispiele für Kreuzfahrer-Beischläge nennen? Meines Wissens gab es in der Anfangszeit nur Prägungen in Anlehnung an islamische Münzen (mit Trugschrift, wie wir es vom KR Sizilien oder auch aus Ungarn kennen). Die in Jerusalem geborene zweite Generation wuchs bereits zweisprachig auf: kein Wunder, dass die Trugschrift allmählich echten arabischen Buchstaben wich, was uns nun das Problem beschert, eine perfekte Imitation von einem Original auseinander zu halten.
Bei Lanz wurde einmal ein ayyubidischer Dirhem - vielleicht auch eine Imitation - als Kreuzfahrer-Beischlag bezeichnet. Aber bei Lanz wird grundsätzlich jeder "Aleppo-Stern" als al-Zahir Ghazi, jedes "Damaskus-Quadrat" als al-Kamil und jeder ineinander verschachtelter Vielpass als al-Adil (Kairo!) angeboten. :roll:

Den Namen Mohammed weisen auch Stücke auf, die bereits eine gregorianische Jahreszahl (1245 od. 1246) tragen; daher können sie - die Lesbarkeit vorausgesetzt - auch eindeutig den Kreuzfahrern zugeordnet werden. Das päpstliche Edikt ist allerdings von 1251! Möglicherweise liegt auch hier eine Rückdatierung vor. Das ist es ja gerade, was mich so sehr wundert: einerseits kommt man dem Edikt nach (Rv.), und andererseits (Av.) kümmert man sich keinen Deut darum. Der papstgefällige Oberstempel war wohl gerade nicht vorhanden oder - weiß der Geier. :P

Ich glaube nicht, dass es ayyubidische Beischläge (ohne Beizeichen!) von früheren (ayyubid.) Herrschern gab: da hätte der lebende Herrscher sicher etwas dagegen gehabt. Daher kann man sowohl beim Damaskus- als auch beim Aleppo-Typ davon ausgehen, dass es sich um Kreuzfahrerimitationen handelt, wenn das Datum das Todesjahr des angegebenen Herrschers überschreitet.
Klar, eine Stempeländerung aufgrund des Wirkens des päpstl Legaten (1250) oder aufgrund des päpstl. Edikts ist die Mutter der Beweise - Saddam Hussein lässt posthum grüßen - für eine Imitation; auch dann, wenn sie möglicherweise schon vor 1250 entstand.
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » Sa 29.03.14 14:22

Wie schwierig sich das korrekte Ermitteln des Datums (hier Rum-Seldschuken) gestalten kann, zeigt folgender Link:
http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... 15#p420762
Weiter unten habe ich einge Zeilen daraus übersetzt.

Des Weiteren gebe ich nachfolgend ein ernüchterndes Zitat einer email- Korrespondenz zwischen einem ausgesprochen netten wie auch hilfsbereiten türkischen Händler aus Österreich und mir wieder, der eine von mir ersteigerte Münze Saladins mit "SALAHADDIN HALEB 551AH" angeboten hatte, an deren Echtheit nicht der geringste Zweifel bestand. Er hatte mir auch angeboten, das Stück zurück zu nehmen, falls ich der Meinung wäre... Ich war aber nicht dieser Meinung, nur das Jahr passte eben nicht...
Seither gebe ich mich nicht mehr der Illusion hin, eines Tages vielleicht doch noch arabische Jahreszahlen auf mittelalterlichen Münzen lesen zu können, und besagter Händler, der Arabisch kann, verzichtete eine Zeit lang darauf, bei seinen zu ersteigernden Stücken eine Jahreszahl anzugeben.

"Lieber Haci E.,

die Münze ist schon in Ordnung, nur ist das Jahr als 581, und nicht 551 zu lesen. Bei der Jahreszahl ist wegen des geringen Raumes der zur Verfügung stand, eine Möglichkeit der Kürzung der Schreibweise zur Anwendung gekommen, die von Arabisten als scriptio defectiva bezeichnet wird und vor allen Dingen bei Namen im Koran verwendet wurde. Dabei wird das alif, das für ein langes A steht (also nicht bei Hamza), im Innern eines Wortes nur als Vokalzeichen, aber nicht als Buchstabe geschrieben. Da die Münzen keine Vokalzeichen wiedergeben sehen Sie also anstelle von thamânîn nur thamanîn, was wie khams aussieht aber korrekt auch als thamânîn zu lesen ist.

Beste Grüße

L. I."

Alles klar? Mir schon, allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob jetzt Ali Hamster zur Schamanin oder zur Germanin geht. :drinking:

Das deckt sich auch mit dem verlinkten Artikel, der leider nur auf Englisch ist.

Hieraus ein Auszug:

"Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, sind die Diwani- oder Siyakat-Zahlworte (Numerale), die aus dem Iran kommen. Von dort haben sie den Weg nach Anatolien - zuerst zu den Seldschuken, dann zu den Osmanen - genommen.
Divani-Numerale stellen verkürzte Formen arabischer Numerale dar. Mit der Zeit haben sowohl arabische Numerale als auch Divani-Numerale morphologische Veränderungen bzw. Deformationen erfahren; und das in solchem Ausmaß, dass ein Unerfahrener [hier ist natürlich ein Araber oder Perser gemeint (Anm. des Übers. 8))] nicht imstande ist, das Datum zu lesen...

Es steht außer Frage, dass einige Zeichen, die uns auf den Münzen der Seldschuken [dasselbe gilt natürlich auch für die bilingualen Münzen von Hetoum I. ] begegnen, echte Divani-Numerale sind. Andererseits können wir bezügl. verkürzter oder deformierter Formen nicht genau sagen, ob es sich dabei um Divani-Numerale oder Kurzschreibformen handelt. Wir sollten nicht die Schwierigkeiten der Stempelschneider bei ihrer Arbeit vergessen. Ein hartes Metall zu bearbeiten, ist etwas anderes, als auf einem Stück Papier zu schreiben. Einerseits ist der Platz sehr begrenzt, und andererseits muss in Spiegelschrift graviert werden. Wenn du versuchst, etwas von innen auf ein Schaufenster zu schreiben, das von außen gelesen werden soll, wirst du erkennen, wie mühevoll so etwas ist."

Das erklärt auch, wieso sich generell auf handgeschlagenen Münzen immer wieder einmal ein spiegelverkehrter Buchstabe finden lässt. Wenn einem dann ein solcher auf Arabisch begegnet, könnte man sich denken, dass man doch nicht das gesamte Alphabet kennt oder dass es sich um ein (erweitertes) persisches Schriftzeichen handelt, das man im Lauf der Zeit wieder verworfen hat... :mad:

Hier noch ein Siegel des Papstes Innozenz IV., wie es sich auch auf dem Edikt von 1251 befunden haben dürfte:
Mit Sicherheit ist es dasselbe. Brauche nur noch einen Numismatik- oder Bleisiegel-Papst, der mir das bestätigt. Dann kann ich es mit hohem Gewinn weiterverkaufen. :wink: :angel:

SPA bedeutet Sanctus Paulus, und SPE Sanctus Petrus. Über all die Jahrhunderte veränderte sich diese Seite nie.

Gruß
AvP
Dateianhänge
K800_PapstB.JPG
K800_PapstA.JPG
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am So 30.08.15 10:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Imitationen islamischer Münzen

Beitrag von Albert von Pietengau » So 06.04.14 00:17

Wenn das Datum (tausend und zweihundert?) richtig gelesen wurde, handelt es sich hierbei tatsächlich um eine Kreuzfahrer-Imitation von an-Nasir Yusuf II. (Todesjahr 1260 !):
http://www.zeno.ru/showphoto.php?photo=136439

BTW:
Bezüglich dieses Stücks https://www.numisbids.com/n.php?p=lot&sid=653&lot=881 habe ich mir die Mühe gemacht und nachgefragt, an welcher Stelle der Münze man erkennen könne, dass die Prägung posthum erfolgte. Darauf habe ich die tolle Antwort erhalten, dass das Stück vom hauseigenen Orient-Experten Mr. So&so mit dem Prägejahr 627 AH beschrieben worden wäre, und dass es deshalb offensichtlich sei, dass es sich um eine Imitation handelt. :roll:

Auf eine weitere mail, dass das leider nicht die Antwort auf meine Frage gewesen wäre, sondern dass ich eben gerne gewusst hätte, an welcher Stelle die Jahreszahl 627 gelesen werden könne, bekam ich keine Antwort mehr. :P


7-8h: seb' (7)
4-6h: aschrin (20)
Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am So 30.08.15 10:54, insgesamt 1-mal geändert.
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