Reinigung antiker Münzen - Methoden-Besprechung

Tipps zur Reinigung, Konservierung und Photographie von Münzen

Moderator: Homer J. Simpson

kc
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Reinigung antiker Münzen - Methoden-Besprechung

Beitrag von kc » Fr 06.02.09 08:50

In diesen Thread sollen zunächst mal alle Reinigungsmethoden gepostet werden,die dann diskutiert werden können,sodass man nach und nach einige grundlegende Verfahrensweisen herausbekommt.
Suche Asse, Dupondii und Sesterzen der Flavier.

emieg1
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Beitrag von emieg1 » Fr 06.02.09 11:28

Wie es der Zufall wollte, ist mir eben ein mir noch unbekanntes, aber schmutziges Kaiserlein zugeflogen.

Er wird sich jetzt erstmal von seiner langen Reise von GB in einem milden Kernseifenbad erholen; eine vorsichtige Prüfung unter dem Mikroskop mit der Nadel ergab, dass zumindest ein Großteil der Oberflächenverkrustungen einfach nur "Dreck" sind, die sich leicht ablösen lassen.

Über den Fortgang werde ich weiter berichten... :)
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beachcomber
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Beitrag von beachcomber » Fr 06.02.09 14:34

wenn es denn schon noch einen extra reinigungs-thread geben soll, dann kopiere ich mal meine ausführungen hierher, da sie in dem anderen thread garantiert untergehen.

im prinzip ist es ganz einfach. :)
eigentlich gibt es nur je eine methode für bronze und für silber.
gutes silber kann mit der salzsäure/alufolien-methode gefahrlos und schnell gereinigt werden.
ALLE anderen münzen kann man NUR mechanisch, möglichst unter einem stereo-mikroskop, mit stahlnadeln reinigen!
ALLE CHEMISCHEN MITTEL SIND FÜR DIE REINIGUNG VON BRONZEMÜNZEN UNGEEIGNET. PUNKT.
die anwendung von neusilberbürsten sind NUR NACH DER REINIGUNG zu empfehlen.
WER DIESE BÜRSTEN ZUR REINUNG BENÜTZT, WIRD DIE PATINA AN DEN ERHABENEN PUNKTEN MIT SICHERHEIT ZERSTÖREN!

soviel zur reinigung antiker münzen. :)
allerdings gibt's da noch was zu bemerken:
SEHR OFT,(UND VOR ALLEM BEI DEN UNGEREINIGTEN LOTS) GIBT'S DA NIX MEHR ZU REINGEN!
und zwar deshalb, weil das meistens ackerfunde aus total überdüngten, sauren feldern sind, deren hellgrüne, mehlige patina NICHT ZU RETTEN IST!
bei dem versuch den anhaftenden dreck mechanisch zu entfernen, fliegt garantiert die patina gleich mit weg!
in diesen fällen gibt's nur 2 lösungen: so lassen wie sie sind, oder DIE PATINA KOMPLETT ENTFERNEN!
(ich höre schon das aufstöhnen der 'fundamentalisten' ) :wink:
aber eins wollen wir doch mal festhalten: so wunderschön eine intakte patina eine antike münze macht,( und mit sicherheit ihren kommerziellen wert steigert) so ist doch genauso klar, dass die münzen zu ihrer umlaufzeit
KEINE PATINA HATTE!
und solange mit dem entfernen der patina nicht auch die ganze information verloren geht (was durchaus passieren kann, je nach dem grad der mineralisation!) IST EINE ENTPATINIERTE MÜNZE IMMER NOCH ANSEHNLICHER, ALS EINE MIT EINER SCHLECHTEN PATINA!
grüsse
frank

emieg1
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Beitrag von emieg1 » Fr 06.02.09 14:48

beachcomber, dann kopiere ich meine Frage an dich auch nochmal hier hinein :wink:

Mir ist nur die Notwendigkeit des Alupapiers noch nicht ganz klar. Bei der Salzsäuremethode gehe ich nach dem Vorschlag von Horst Winskowsky in seinem Buch "Münzen pflegen" so vor: Die Münze wenige Sekunden in Salzsäure tauchen, anschliessend auf einen Teelöffelberg Natron legen und zwischen den Fingern gut abreiben.

Übrigens hat diese Methode in einem Wettbewerb unter Münzsammlern der ersten Preis bekommen...

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beachcomber
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Beitrag von beachcomber » Fr 06.02.09 15:29

wie das funktioniert weiss ich auch nicht so genau. :)
es ist wohl so eine art chemo-elektrolytische reduktion des hornsilbers.
so ist die salzsäure durchaus nicht notwendig, das alu-papier schon!
speichel z.b. und alupapier funktioniert ebenso, und wahrscheinlich geht sogar einfach wasser. aber salzsäure beschleunigt das verfahren ungeheuer!
ansonsten möchte ich an dieser stelle nochmal auf diesen link hinweisen:

http://www.restaurierung-und-mehr.de/html/patina1.html

der ist wirklich sehr fundiert, was patina angeht, und enthält jede menge infos über die zusammensetzung von bronzen usw.
auch wenn's auf dieser seite wohl hauptsächlich um das verkaufen diverser mittelchen geht, so sind doch die erklärungen der chemischen prozesse die bei den diversen metallen im laufe der zeit so ablaufen bemerkenswert.
grüsse
frank

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cepasaccus
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Beitrag von cepasaccus » Fr 06.02.09 15:36

Nummis Durensis, das Alu bildet mit der edleren Silbermuenze ein Spannungselement und reduziert dort Silbersalze. Das ist genauso wie bei Silbergeschirr mit heisser Salzloesung und Alu. Ob sich das aber positiv auf die Reinigung der Muenze auswirkt weiss ich nicht. Schoen waere es, wenn man eine Muenze vierteilt und an den Vierteln verschiedene Methoden ausprobiert.
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Beitrag von emieg1 » Fr 06.02.09 15:45

Na, ich bin gespannt, welche Erfahrungen andere mit Salzsäure, Alupapier, "Spucke" & Co. gemacht haben :wink:

Zu dem link: Ich habe vor knapp zwei Wochen dort dieses EDTA bestellt und heute mal vorsichtig angemahnt, da man mir eine Rechnung bisher nicht zugesandt hat. Somit kann ich noch keine Beurteilungen fällen, was die Reinigung mit EDTA anbelangt, es scheint jedoch laut vieler Stimmen im Forum recht gut (und vor allem schonend) zu wirken. Ich bin gern bereit, ein paar Euro zu investieren - und ich hoffe, auf der Münzbörse in Dortmund ein paar reinigungswürdige (und preiswerte) Exemplare zu finden, um weitere Reinigungsversuche zu unternehmen.

Aber die Ausführungen auf dieser website kann ich auch nur weiterempfehlen :)

Übrigens, diese Funde aus überdüngten und sauren Ackerfeldern kann ich nur bestätigen.. ein paar Beispiele hier:
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fundmuenze_1.jpg
fundmuenze_2.jpg

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Beitrag von emieg1 » Fr 06.02.09 15:54

cepasaccus, Scherzkeks, allein der Gedanke, ein unwiderbringliches Kulturgut zu vierteilen, wird manchen hier die Fußnägel aufrollen lassen. Sei's drum, aber die Möglichkeit, anschliessend einen stichhaltigen Vergleich zu haben, lässt vielleicht ersteres in den Hintergrund schlüpfen.

Und, wie gesagt, werde ich vielleicht bei der Münzbörse Dortmund fündig, was ein Experiment dieser Art zulassen dürfte...

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cepasaccus
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Beitrag von cepasaccus » Fr 06.02.09 16:25

"Wo gehobelt wird, da fallen Spaene."

Man muss ja keine vorzueglichen Stuecke nehmen.
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alexander20
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Beitrag von alexander20 » Fr 06.02.09 16:36

Hallo beachcomber,

Du schreibst,dass "ALLE anderen münzen(alle außer Silbermünzen) kann man NUR mechanisch, möglichst unter einem stereo-mikroskop, mit stahlnadeln reinigen!".
Hierzu eine rein technische Frage zum Ablauf: Was für Stahlnadeln ( ich meine mal gelesen zu haben, dass sich hierzu Zahnarztinstrumente eignen) verwendet man und wo bekommt man die?

alexander20

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Beitrag von beachcomber » Fr 06.02.09 18:01

hallo alexander2o,
ich hab's zwar schon sehr oft bei allen möglichen gelegenheiten hier beschrieben, aber hier gehört's dann ja auch noch mal hin.
natürlich kann man auch zahnarztinstrumente benützen.
allerdings sind die nur für's grobe gut! wenn ich grosse, harte auflagen absprengen will, dann benütze ich auch mal ein (angeschliffenes) zahnarztinstrument zum druck ausüben. denn oft springen grobe verkrustungen, einfach durch stark ausgeübten druck auf dieselben, ab.
ansonsten benütze ich jedoch meistens die spitzen von einweg-spritzen, die ich von dem plastikstück abbreche, und dann in einen drehbleistifthalter, wie in z.b. die technischen zeichner benützen, einspanne.
die gibt es in verschiedenen stärken von 0,5 bis mehrere mm. ich benütze meistens spitzen mit 1mm durchmesser (am schaft, die spitze selber ist natürlich noch viel dünner, und kommt auch in die feinsten haar-rillen eines spätrömers.)
wie man diese spitzen einsetzt, muss dann jeder selbst herausfinden.
man kann mit ihnen versuchen unter die auflagen zu kommen, um diese stück für stück abzusprengen, aber auch wie mit einem mini-hobel gleitend, den dreck von oben abarbeiten.
wichtig dabei ist, dass die spitzen immer scharf gehalten werden! deshalb öfter austauschen (kosten ja fast nichts) oder zwischendurch immer wieder anschleifen.
grüsse
frank

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Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 06.02.09 18:07

Ich habs mit Nähmaschinennadeln versucht, ging ganz gut, die haben auch hinten einen vierkantigen Abschluß, sodaß man sie sogar ohne extra Halter verwenden kann. Man braucht aber sehr viel Geduld und eine ruhige Hand, um nicht im Metall unschöne Kratzspuren zu hinterlassen. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von beachcomber » Fr 06.02.09 18:15

Ich habs mit Nähmaschinennadeln versucht, ging ganz gut, die haben auch hinten einen vierkantigen Abschluß, sodaß man sie sogar ohne extra Halter verwenden kann. Man braucht aber sehr viel Geduld und eine ruhige Hand, um nicht im Metall unschöne Kratzspuren zu hinterlassen. Grüße, KarlAntonMartini
ja, kann ich mir vorstellen, dass die funktionieren.
allerdings habe ich immer noch das fluchen meiner freundinnen im ohr, wenn ihnen wieder eine nadel abgebrochen war (und das kam wohl öfter vor).
bei zuviel druck könnte eine abbrechende nadel wahrlich böse spuren hinterlassen, deshalb sind die spritzennadeln wohl besser, die sind sehr flexibel!
grüsse
frank

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Beitrag von emieg1 » Fr 06.02.09 18:19

Frank, auf jeden Fall gehört das hier hin, denn darin liegt ja gerade der Sinn dieses Sammel-threads :)

Meine Erfahrungen zum Thema Instrumente:

Aus dem Uhrmacherbedarf gibt es feinste Schraubendreher, deren Dicke 0,5 mm betragen. Diese angeschliffen und immer scharf gehalten eignen sich hervorragend für die Reinigung von Flächen. Scharf hält man sie, indem man sie hin und wieder auf einem Stück feinsten Sandpapiers abstreift.

Die Problematik der Spritzen liegt meiner Meinung nach in der Rundung der Spitze; ich hatte jetzt eine mit 0,9 mm Durchmesser zur Probe und komme gar nicht damit zurecht. Sie mag sicherlich für die feinsten Aussparungen tauglich sein, aber auf den Flächen hinterlässt sie (unter dem Mikroskop betrachtet) wesentlich grössere Rillen als der kleine Schraubendreher.

Wie ich heute abend feststellte, lassen sich in diese kleinen Schraubendreher auch abgeschnittene Stückchen Rasierklingen spannen, deren Gebrauch ich allerdings noch nicht getestet habe.

Fotos sowie Reinigungserfolge bzw. -misserfolge folgen...

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Beitrag von beachcomber » Fr 06.02.09 18:50

Rundung der Spitze
??
deswegen heisst es doch spitze, und nicht runde! :mrgreen:
aber im ernst, die spitzen sind doch flach angeschnitten, und ich nütze natürlich die flache seite (meistens)!
im übrigen:die feinen spuren, die eine nadel (oder jedes werkzeug) IMMER in der patina hinterlässt, sind doch mit der silberbürste locker zu verwischen?
grüsse
frank

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