Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Peter43
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 21.01.22 15:06

Lysimachos - General Alexander des Großen

Eine der schönsten Münzen in meiner Sammlung ist diese Silbertetradrachme des Lysimachos aus Lampsakos. Sie hat mich jetzt endlich dazu geführt, mich mit dem Herrscher selbst zu beschäftigen, unter dem dieses Juwel geprägt worden ist. Doch zunächst die Münze.
thrakien_lysimachos_Thompson47_1.jpg
1. Münze:
Königreich Thrakien, Lampsakos, Lysimachos, 323-281 v. Chr.
AR - Tetradrachme, 28.8mm, 16.854g, 0°
       geprägt 286-281 v. Chr. in Lampsakos
Av.: Kopf Alexander des Großen, diademiert und mit Ammonshorn, n. r.
Rv.: BAΣIΛEΩΣ - ΛYΣIMAXOY
        Athena Nikephoros, in langer Robe und mit korinthischem Helm, n. l. thronend, li. Arm auf
        Schild mit Löwenkopf ruhend, Speer mit der Spitze nach unten quer an der re. Seite lehnend, in
        der ausgestreckten Rechten geflügelte Nike haltend, die den Namen bekränzt.
        Im li. Feld Monogramm HP (ligiert)
        im Abschnitt Mondsichel aufrecht stehend mit Höhlung n. l.
Ref.: Thompson 47; Müller 401; SNG France 2542
VZ, fabelhafter Stil, ein hellenistisches Kunstwerk!
Pedigree:
ex Ebay, Nr. 2224572544
ex Ancient Auction House (Dimitri Genov)
Certificate of Authenticity issued to AAH von David Sear vom 30.12.2003
ex coll. Pete Burbules 2004
ex coll. Alex Boggis, Hongkong, 2007
ex Forum Ancient Coins 2008

Anmerkung:
Thompson bemerkt, daß Lampsakos Lysimachos' größte Münzstätte in Kleinasien war, mit ungefähr 150 verschiedenen Av.-Stempeln. Der Ausstoß von Lampsakos ging erst zurück, als Amphipolis um 288 v.Chr. seine extensive Prägung begann. Die Mondsichel im Abschnitt soll nach Müller das Symbol von Sigeum sein. Sigeion (altgriechisch Σίγειον, lateinisch Sigeum) war in der Antike der Name eines Vorgebirges im Westen der Troas und einer griechischen Stadt auf diesem Vorgebirge an der Einfahrt zum Hellespont (Dardanellen).

Die Tetradrachme zeigt das Portrait Alexander des Großen. Der gehörnte Alexander war der Schutzpatron des Lysimachos. Da er der Weggefährte Alexanders gewesen ist, wird dieses Portrait dem tatsächlichen Bild Alexander des Großen sehr nahekommen. Gibt es aber auch Abbildungen 
des Lysimachos?
lysimacheia_BMC1.jpg
2. Münze:
Königreich Thrakien, Lysimacheia, c.309-281/79
AE 24, 13.56g, 24.18mm, 0°
Av.: Kopf des Lysimachos, diademiert, n. r.
Rv.: oben ΛYΣI, unten MAXEΩN
       Löwe n. r. springend, darunter Monogramm AP
       c/m Speerspitze
Ref.: BMC 1; SNG Copenhagen 899; HGC 3, 1496; Jurukova ????; Moushmov 5504
Selten, SS, dunkelgrüne Patina

Anmerkung:
Dieses Portrait gilt als die einzige bekannte Darstellung des Lysimachos auf einer Münze! Das wurde durch die Arbeit von Lichtenberger/Nieswandt/Salzmann noch einmal bestätigt. Das Porträt trägt zwar keinen Namen, aber es war in hellenistischer Zeit üblich, den Gründer der Stadt auf einer Münze abzubilden. Und das war in diesem Fall Lysimachos. Auffallend an diesem Porträt, wodurch es sich von allen anderen Porträts der Diadochen unterscheidet, ist seine Jugendlichkeit, die nicht dem tatsächlichen Alter des Lysimachos entsprach. Es ist, wie Lichtenberger schreibt, von einer "Alexanderhaftigkeit".
800px-Lisymachus,_marble_-_Ephesus_Museum_2.jpg
Es gibt eine Reihe von Büsten, die Lysimachos darstellen sollen. Aber keine Zuschreibung wird allgemein geteilt. Dazu gehört auch diese Marmorbüste aus dem Ephesos-Museum von Selcuk in der Türkei. Sie zeigt ihn ebenfalls als jugendlichen Herrscher.

(1) Herkunft
Lysimachos wurde 361 als Sohn des Agathokles in Pella/Makedonien geboren (Pauly). Seine Familie stammte aus Thessalien, hatte aber bereits unter Philipp II. das makedonische Bürgerrecht erhalten. Er hatte 2 Brüder.

(2) Unter Alexander dem Großen
Zusammen mit seinen Brüdern begleitete er Alexander den Großen bei seinem Eroberungszug durch Asien. Er gehörte zur Leibwache (Somatophylax) des Königs und nahm mit ihm zusammen bei Löwenjagden bei Sidon und Sogdiana teil. Am Hydaspes war er der persönliche Somatophylax des Königs und wurde bei Singara verwundet. 326 wurde er Triarch und 324 in Susa mit einem Goldkranz belohnt. Bevor Alexander in aufwallendem Zorn seinen Freund Kleitos erstach, hatte Lysimachos diese Katastrophe zu verhindern gesucht. Das Ende des Kallisthenes, der sein Lehrer gewesen war und als Mitwisser der sog. Pagenverschwörung hingerichtet wurde, bedauerte er. Der indische Gymnosophist Karanos schenkte ihm sein nysäisches Pferd, bevor er sich in Susa selbst verbrannte..

(3) Als Diadoche in der Nachfolge Alexander des Großen
Nach dem Tode Alexanders wurde dessen Reich aufgeteilt. Unter der Aufsicht von Antipatros, dem Strategen von Europa, erhielt er Thrakien. Dort war er mit der Niederwerfung der Odrysen unter Seuthes III. be-schäftigt.. Doch bald strebte er eine selbständige Herrschaft an und bekämpfte von da an jede Zentralgewalt. Das führte zu den sogenannten Koalitionskriegen mit wechselnden Bündnissen.
Zunächst verbündete er sich 322 mit Antigonos, Antipatros, dessen Tochter Nikaia er heiratete, Krateros und Ptolemaios gegen Perdikkas, dem Alexander auf dem Sterbebett als gewünschten Nachfolger seinen Siegelring übergeben hatte. Nach dessen Tod wurde Lysimachos 321 in Triparadeisos als Herrscher von Thrakien anerkannt.

319 bekriegten Lysimachos, Antigonos, Kassandros, Ptolemaios und Eumenes den Polyperchon, der nach dem Tod des Antipater Nachfolger des Perdikkas geworden war.

Im 3. Krieg 315 schloß sich Lysimachos Kassandros, Ptolemaios und Seleukos gegen Antigonos an, der Lysimachos durch einen Aufstand in Thrakien und in Kallatis lähmte. Im Frieden von 311 blieb Lysimachos zwar Thrakien, doch mußte er die Autonomie der Griechenstädte anerkennen.
Seine Herrschaft vom Ägäischen Meer bis zur Donaumündung festigte Lysimachos durch Heirat mit einer Odrysin und durch die 309 gegründete Hauptstadt Lysimacheia am Hellespont. Nach dem Vorbild des Antigonos nahm er 305 den Königstitel an, um damit seinen Anspruch auf volle Souveränität als hellenistischer Herrscher sichtbar zu machen. Dem von Antigonos belagerten Rhodos sandte er Getreide.

Im Bunde mit Kassandros, Ptolemaios und Seleukos griff er 302 im 4. Koaltionskrieg Antigonos an, eroberte in Kleinasien durch den Strategen Prepelaos mehrere Plätze, darunter Sardeis, und hielt den überlegenen Antigonos solange hin, bis Seleukos sich 301 mit seinen Kriegselefanten mit Lysimachos vereinigen konnte. Nachdem Antigonos bei Ipsos geschlagen und gefallen war, erhielt Lysimachos aus dem zerfallenen Antigonidenreich Kleinasien bis zum Taurus und kontrollierte mit den Meerengen die Verbindung zwischen Europa und Asien. Dadurch nahm die Rivalität zu Seleukos zu. Lysimachos heiratete in 3. Ehe Arsinoe, die Tochter des Ptolemaios, verbündete sich mit ihm und Kassandra 300 gegen Seleukos und gewann allmählich die von Demetrios Poliorketes besetzten westkleinasiatischen Städte, darunter Ephesos, Milet und Priene. Den ionischen Staatenbund unterstellte er seinen Strategen Hippostratos und Sosthenes. Allerdings verlor er auch Gebiete in Asien, als die Unterwerfung des bithynischen Dynasten Zigotes mißlang.

Durch die Komödiendichter Philippides und Lachares und durch Stiftungen suchte Lysimachos Athen zu gewinnen, was ihm nicht gelang. 294 wurde es von Demetrios besetzt.

Um den Rücken frei zu haben beim Krieg gegen die Geten unter König Dromichaites, mußte er Demetrios als König in Makedonien anerkennen. Unglücklicherweise wurde er 292 von Dromichaites gefangengenommen, konnte sich aber seine Freiheit erkaufen durch Preisgabe der Gebiete nördlich der Donau, behielt aber Stützpunkte südlich des Flusses und übernahm die Schutzherrschaft über Herakleia am Pontos. Demetrios hatte allerdings die Gelegenheit benutzt, um in Thrakien einzufallen. Deshalb vereinigte sich Lysimachos 289 mit Seleukos, Ptolemaios und Pyrrhos gegen Demetrios und teilte sich 287 mit Pyrrhos Makedonien. Nachdem Demetrios von Agathokles, dem Sohn des Lysimachos, in Kleinasien zurückgetrieben und 286 von Seleukos gefangen wurde, verdrängte Lysimachos den bisher verbündeten Pyrrhos aus dem westlichen Makedonien und Thessalien, besetzte Paionien und befreite Phokis. Die Aitoler nannten ihre neugegründete Stadt Lysimacheia. 284 herrschte Lysimachos nun über ein Gebiet, das von Mittelgriechenland imWesten und der Donau im Norden bis zum Taurusgebirge, dem “Tor zu Syrien”, erstreckte.
Diadochenreiche 301.jpg
Karte der Diadochenreiche 301 v.Chr.

(4) Niedergang
Im Alter wurde Lysimachos, der sein Reich mithilfe von Verwandten und Vertrauten beherrschte, immer mißtrauischer und handelte willkürlicher. Vom Höhepunkt seiner Macht aber stürzte er durch den Familienstreit, der zwischen Lysandra, der Frau seines Sohnes Agathokles, und Arsinoe, seiner Gemahlin, um das Erbrecht entbrannte. Arsinoe, der er Herakleia, Amastris und Tios als Fürstentum übereignet hatte, bewog ihn zur Hinrichtung seines Sohnes Agathokles, der ein fähiger Nachfolger geworden wäre. Durch weitere Hinrichtungen erschreckt flohen Lysandra und die Anhänger des Agathokles zu Seleukos und forderten ihn zum Krieg gegen Lysimachos auf. Philetairos, der Schatzmeister des Lysimachos, fiel von ihm ab und begründete das Fürstentum Pergamon. Der Kommandant von Sardeis übergab Selleukos Burg und Schätze. Da Ptolemaios kurz vorher gestorben war, konnte er Lysimachos nicht mehr zu Hilfe kommen. Bei Kurupedion nördlich von Magnesia am Sipylos kam es im Februar 281 zur Schlacht und Lysimachos verlor nicht nur die Schlacht, sondern auch sein Leben. Er wurde später bei Lysimacheia beigesetzt. Nach dem Tod des Lysimachos endeten die Diadochenkriege und es hatte sich die hellenistische Staatenwelt etabliert.

(5) Zusammenfassung
Zielstrebend hatte Lysimachos ein Reich erobert, das als Wirtschaftsgebiet kleinasiatische Manufakturen und europäische Rohstoffbezirke 
glücklich vereinigte. Ephesos verlegte er unmittelbar ans Meer und nannte es um in Arsinoe, nach seiner Frau. Dorthin überführte er die Einwohner von Lebedos und Kolophon. Als Wohltäter oder Gründer wurde er kultisch verehrt in Ephesos, Priene, Kassandra und Samothrake, wo Arsinoe einen Tempel der Kabiren weihte. Seine Münzen wurden auch noch nach seinem Tode in griechischen Handelsstädten für den Verkehr mit den Balkanvölkern nachgeprägt. Die nächste Münze ist aus der Zeit der späten römischen Republik

Es handelt sich um die Nachahmung eines Goldstaters des Lysimachos (323-281 v. Chr.), geprägt zur Bezahlung der thrakischen Söldner, die Brutus anwarb für seinen Kampf gegen Octavian und Marcus Antonius. Gefunden wurden sie zusammen mit den berühmten Kosonstateren in Rumänien 
(Harlan J. Berk)
tomis_lysimachos_AMNG2480.jpg
3. Münze:
Königreich Thrakien, Tomis, Marcus Junius Brutus, 85-42 v. Chr.
AV - Goldstater, 8.30g, 20mm, 0°
      geprägt 44-42 v. Chr. in Byzantion, Kallatis, Tomis  und Istros
Av.: Kopf des vergöttlichten Alexander n. r.,diademiert und mit Ammonshorn, dahinter Punkt und Monogramm
Rv.: BAΣIΛEΩ[Σ] - ΛYΣIMAXOY
        dazwischen behelmte Athena Nikephoros n. l. sitzend, hält Nike in der re. Hand, die den Namen         des Herrschers bekränzt, stützt den li. Ellbogen auf Schild, hinter ihr schräg der Speer
        im li Feld ΘEM, im Feld unter dem  Sitz TO, Punkt vor dem Knie
        unter dem Thron liegender Dreizack n. l., darüber und darunter je ein Delphin
Ref.: a) AMNG I/2, 2480, Taf. XXI, 6 (Ex. aus London, stempelgleich)
         b) Mithridates VI de Callatay S.141, dies D4/R1 (stempelgleich)
         c) SNG Copenhagen 1093 (stempelgleich, aber DIO)
         d) SNG Stockholm 839 (Vs. stempelgleich)
         e) Fabricius 308 (Vs. stempelgleich)
         f) Müller 27
         g) Moushmov 1785
VZ, mint state

(5) Städtegründungen
Wie sein Vorbild Alexander - und eigentlich alle großen Herrscher - betätigte sich auch Lysimachos als Städtegründer. Zudem gab er mehreren Städten andere Namen, z.B. Antigoneia am Askanios nannte er um in Nikaia und Antigoneia Troas in Alexandreia Troas. Andere Städte benannte er nach Familienangehörigen, z.B. Ephesos nach seiner Frau Arsinoe in Arsinea und Smyrna nach seiner Tochter Eurydike in Eurydikeia. Nach seinem Tod erhielten sie wieder ihre alten Namen. 309 v. Chr. gründete er Lysimacheia als Hauptstadt seines Reiches. An der engsten Stelle des Hellespont gelegen kontrollierte es die Route von Sestos in das Hinterland von Thrakien. Um Einwohner für seine neue Stadt zu gewinnen, zerstörte Lysimachos das benachbarte Kardia und siedelte dessen Einwohner und die anderer Städte des Chersonnesos hierher um. Lysimacheia muß sehr schnell zu großer Pracht und Wohlstand gekommen sein. 277 v. Chr. wurde die Stadt aber durch ein schweres Erdbeben zerstört. Dann litt sie unter dem Krieg der Römer gegen Philipp V. und wurde 144 v.Chr. von den Thrakern zerstört. Von diesen Schlägen konnte sich die Stadt nicht mehr erholen und verfiel in römischer Zeit immer mehr. Pausanias schreibt, daß sich hier das Grabmal des Lysimachos befunden habe.

Quellen:
(1) Strabo
(2) Diodoros
(3) Arrian
(4) Pausanias, Reisen in Griechenland
(5) Plutarch)

Literatur:
(1) Der Kleine Pauly
(2) Harlan J. Berk
(3) Lichtenberger/Nieswandt/Salzmann, Ein Porträt des Lysimachos? Anmerkungen zu einem anonymen Herrscherbild auf den Münzen von Lysimacheia, in "Asia Minor Studies Band 65, 2008
(4) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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Orecic
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Orecic » Fr 21.01.22 15:42

Hallo Timestheus,

Vielen Dank für die lange Literatur-Liste!

Altamura2
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » So 23.01.22 08:43

Orecic hat geschrieben:
Fr 21.01.22 15:42
Hallo Timestheus,

Vielen Dank für die lange Literatur-Liste!
Beim Suchen musst Du aber etwas aufpassen, er hatte die putzige Idee, bei den englischsprachigen Artikeln den Titel zu übersetzen :D :
Timestheus hat geschrieben:
Fr 21.01.22 11:19
... David Woods - Fulvia und der Löwe ...
=> "Fulvia and the lion": https://www.academia.edu/44813321/Fulvia_and_the_Lion
Timestheus hat geschrieben:
Fr 21.01.22 11:19
... Richard Witschonke - Die Zeichen auf den Münzen der römischen Republik ...
=> "The use of die marks on Roman Republican coinage": https://brooklynsabbatical.files.wordpr ... ks-rbn.pdf
Timestheus hat geschrieben:
Fr 21.01.22 11:19
... Roberta Stewart - Opferkrug und Krummstab auf Münzen der römischen Republik ...
=> "The Jug and Lituus on Roman Republican Coin Types: Ritual Symbols and Political Power": https://www.academia.edu/41091372/_The_ ... ical_Power_

Ich hoffe, dass man die anderen mit Google auch so findet, einen Teil (oder alle?) gibt es nämlich online.

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 27.01.22 20:56

Syllaeus - der nabatäische Superminister

Das nabatäische Königreich
Ursprünglich stammten die Nabatäer (Nabatu) aus Arabien. Um 550 v. Chr. zogen sie in das Ostjordanland und das Gebiet um Petra ein. Möglicherweise vertrieben sie dabei die Edomiter. Als, auch räuberische, Karawanenhändler kontrollierten sie in großem Umfang die Handelswege nach Südarabien und gewannen so ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. erhebliche wirtschaftliche und politische Macht (Wikipedia). Ihre wichtigsten Städte waren die Hauptstadt Petra (heute Weltkulturerbe) im heutigen Jordanien und Bosra im heutigen Syrien.

In der Zeit von 150 v. Chr. bis 105 n. Chr. schlossen sie sich zum Königreich Nabataea zusammen. Um 85 v. Chr. eroberten sie unter König Aretas III. sogar Damaskus. 63 v.Chr wurden sie unter Pompeius römische Vasallen. Dennoch konnte Aretas die Einheit seines Reiches wahren. Erst unter Trajan verloren die Nabatäer 106 n. Chr. ihre relative Unabhängigkeit und wurden als römische Provinz Arabia Petraea mit der Hauptstadt Bosra ins Römische Reich eingegliedert.
200px-Al_Khazneh_Petra_edit_2.jpg
Schatzhaus (Khazne al-Firaun) genanntes Grab der nabatäischen Hauptstadt Petra (Wikipedia)

Außergewöhnlich war das Bewässerungssystem der Nabatäer, die sog. Sturzwasserbewässerung, die sie vervollkommneten.

Aus der nabatäischen Schrift, geprägt durch ihren kursiven Duktus, ging im 4.- bis 5.Jh. die arabische Schrift hervor (Wikipedia)
Eine der interessantesten Persönlichkeiten Nabateas war Syllaeus (griech. Syllaios) (6 v. Chr. in Rom hingerichtet), Minister unter Obodas III. (30-9 v. Chr.) und Aretas IV. (9 v. Chr.-40 n. Chr.).

1. Münze:
Reich der Nabatäer, Obodas III. & Syllaeus, 30-9 v.Chr.
Obodas nabatäisch ABDT (Abadat)
AE 14, 2.67g, 13.73mm, 0°
Petra, 9 v. Chr.
Vs. belorbeerter Kopf des Obodas III. n. r.
      [hinter dem Kopf Monogramm 2]
Rs. 2 gekreuzte Cornuacopiae
      im li. Feld ש  (für Syllaeus), im re. Feld ח  (für Harithat = Aretas)
Ref.: Meshorer Nabataean 42
selten, SS, Sandpatina
nabatea_obodasIII&syllaeus_Meshorer42.jpg
Anmerkung:
Es verwundert natürlich, daß eine Münze, die augenscheinlich das Portrait des Obodas zeigt, mit Het für Aretas gekennzeichnet ist. CNG erklärt es folgendermaßen: Diese Münze wurde unter Aretas IV. geprägt. Aber da er von Augustus noch nicht anerkannt worden war, hat er mit dem Portrait des Obodas eine Art von Good Will aufzeigen wollen.

2. Münze:
Reich der Nabatäer, Obodas III. & Syllaeus, 30-9 v.Chr.
Obodas nabatäisch  ABDT (Abadat)
AE 16, 3.63g, 15.75mm, 0°
Petra, 9 v. Chr.
Vs. belorbeerter Kopf des Obodas III. n.  r.
      hinter dem Kopf ש  (für Syllaeus)
Rs. 2 gekreuzte Cornuacopiae
       zwischen ihnen ש  (für Syllaeus), im re. Feld ח (?)
Ref.: Meshorer Nabatean 43 var.
S+, Sandpatina
nabatea_obodasIII&syllaeus_Meshorer43var.jpg
Diese 2. Münze ist deshalb von Interesse, weil hier das Shin für Syllaeus auf der Vs. hinter dem Kopf des Obodas erscheint. Dies zeigt, zu welcher Bedeutung Syllaeus inzwischen im Nabatäerreich aufgestiegen war!

Strabo erzählt, daß Obodas kein großes Interesse an politischen und militärischen Angelegenheiten hatte. So hatte er einen großen Teil seiner Befehlsgewalt an seinen Minister Syllaeus abgegeben, der später an seinem Tod durch Gift verantwortlich gewesen sein soll.

Der Feldzug des Aelius Gallus:
Nachdem Ägypten dem römischen Reich angegliedert worden war, sah sich Augustus einer Reihe von Problemen gegenüber. Von Süden gab es regelmäßige Invasíonen der Kushiten und arabische Piraten lauerten im Roten Meer. Am bedeutensten aber war, daß die Römer riesige Mengen an Weihrauch und Myrrhe aus Süd-Arabien für ihre Tempel brauchten. Dieser Handel aber lag in der Hand der Nabatäer

So entschloß sich Augustus 26 v. Chr., Aelius Gallus, seinen Proconsul von Ägypten, zu beauftragen, die Länder südlich von Ägypten bis Äthiopien zu erforschen, um einen Weg in das Weihrauchland, das heutige Yemen, zu finden. Damit wollte Rom unabhängig von den Zahlungen an die Nabatäer werden. Dieser Feldzug wird in allen Einzelheiten von Strabo geschildert, der ein Freund von Aelius Gallus war..

Nach einer ersten Expedition nach Äthiopien sollte Gallus auf einer zweiten Expedition auf der arabischen Seite des Roten Meeres nach Süden vorgehen. Dabei sollte er die Nabatäer, die als loyale Verbündete der Römer galten, als Führer anstellen.
.
Syllaeus befand sich in einem Dilemma. Sollten die Römer Erfolg haben, konnten sie einfach durch das Rote Meer nach Süd-Arabien segeln und dort direkt einkaufen. Damit wären die Nabatäer von diesem lukrativen Handel ausgeschlossen und ihr Wohlstand bedroht. Syllaeus fand eine Lösung: Er setzte sich mit seinen Kamelreitern an die Spitze des römischen Expeditionsheeres von 10000 Mann, führte dieses aber durch unwegsame Gegenden und Wüsten ohne Wasser und ohne die Möglichkeit, sich zu versorgen. Die begleitenden Schiffe ließ er entlang felsiger Küsten ohne Häfen fahren. Dabei verlor Gallus viele Schiffe mitsamt ihrer Mannschaft nicht durch feindliche Angriffe, sondern durch die schwierige Navigation. Die Armee, die an Land marschierte, litt an schweren Magen-Darm-Leiden, Gelenkbeschwerden, und Krankheiten des Landes, die durch die Pflanzen und das Wasser verursacht waren, das die Soldaten zu sich nehmen mußten. Gallus entschied, den Sommer und Winter über im Land zu bleiben, bis seine Soldaten sich wieder erholt hatten.

Im Frühling brach er wieder auf und erreichte nach tagelangem Marsch Medina, wo ihn Aretas freundlich empfing. Nach einem 50tägigen Marsch durch die Wüste kam er nach Mekka, wo der König geflohen war. Etwas später wurden sie von Barbaren angegriffen. Diese waren den Römern nicht gewachsen und verloren 10000 Mann, die Römer nur 2! Nach einem Marsch, der insgesamt 6 Monate gedauert hatte, entschloß sich Gallus, die Expedition endgültig abzubrechen. Wie er später von Gefangenen hörte, war er nur 2 Tage vom heutigen Yemen, dem Land des Weihrauchs entfernt.

Auf dem Rückweg benutzte er eine andere Route, die nur 60 Tage dauerte anstattvon 6 Monaten. Er erreichte Alexandria mit nur wenigen Soldaten. Die meisten waren durch Krankheiten, Hunger, Durst und an Erschöpfung gestorben. Dies war eines der kühnsten Unternehmen der Römer auf der arabischen Halbinsel, aber ihr Ziel, den Handel mit den Gewürzen aus Süd-Arabien in die Hand zu bekommen, hatten sie nicht erreicht. Es war ein riesiger Fehlschlag. Gallus klagte Syllaeus des Verrats an, weil er ihn absichtlich ins Verderben geführt habe. Aber Syllaeus konnte seinen Kopf aus der Schlinge ziehen.

Syllaeus verabschiedete sich vom Heer und kehrte nach Petra zurück, wo er als Held gefeiert wurde. Er hatte nicht nur der römischen Armee eine Niederlage beigebracht, sondern sie auch dazu benutzt, seinen Konkurrenten, das Königreich Saba in Süd-Arabien zu schwächen. Obodas machte Syllaeus zum Obersten Minister und dieser begann sofort Verhandlungen mit den Römern und mit Herodes dem Großen, der lange Zeit der Feind der Nabatäer gewesen war. 9 v. Chr. wurde Obodas ermordet, möglicherweise vergiftet von Syllaeus. Aber Nachfolger wurde nicht Syllaeus, sondern Aeneas, der Sohn des Obodas, der sich jetzt Aretas IV. nannte.

Das Ende des Syllaeus:
Während seines Besuchs in Judaea hatte Syllaeus Herodes' Schwester Salome getroffen und sich in sie verliebt. Herodes aber brüskierte ihn mit der Forderung, daß er sich dann zum Judentum bekehren müßte, für Syllaeus völlig unmöglich.

Die Beziehungen zwischen den benachbarten Klientelkönigreichen verschlechterten sich weiter, als Obodas und Syllaeus mit eigenen Söldnern Aufstandsbewegungen in der Trachonitis unterstützten. Als Herodes daraufhin dort militärisch eingriff, verklagte Syllaeus ihn bei Augustus. Aber Nikolaos von Damaskus, der Botschafter und Hofchronist von Herodes, konnte die Vorwürfe in Rom entkräften.

Er legte überzeugende Beweise für Syllaeus' zahlreiche Verbrechen vor: ehebrecherische Beziehungen, Unterstützung von Banditen, Vernachlässigung der Schuldenrückzahlung und vor allem Irreführung des Augustus über Ursache und Schwere der Angriffe auf Judäa. Syllaeus wurde zum Tode verurteilt und wie alle Verräter vom Tarpejishen Felsen zu Tode gestürzt.

Da Aretas IV. Inzwischen die Thronfolge in Petra angetreten hatte, ohne sich vorher von Augustus bestätigen zu lassen, erwog Augustus zunächst, das Nabatäerreich dem Herodes zu übergeben. Aufgrund dessen hohen Alters und der Unsicherheiten über seine Nachfolge nahm er dann davon Abstand und bestätigte Aretas als Klientelkönig. Dieser herrschte dann bis 40 n. Chr.
Gewürzrouten.jpg
Petra als Schlüssel zu den Gewürzrouten (Wikipedia)

Quellen:
(1) Josephus, Jüdische Altertümer
(2) Cassius Dio, Römische Geschichte
(3) Plinius der Ältere, Naturae Historia
(4) Strabo, Geographika

Sekundärliteratur:
(1) Nada AL-Rawabdeh, About the Nabataean Minister Syllaeus from New Silver Coins, Mediterranean Archaeology and Archaeometry,
Vol. 15, No. 1,(2015)
(2) Ya'akov Meshorer, Nabatean Coins, QEDEM 3,  1975
(3) Der Kleine Pauly
(4) Wikipedia

Mit freundlichen Grüßen
Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 28.01.22 11:14

Sesterz des Kaisers Trajanus
Sommer 115 n.Chr.
Münzstätte: Rom
RIC 655, BMC 1017, C 176

Drapierte Büste des Trajan mit Lorbeerkranz n.r.
IMPERATORI CAESARI NERVAE TRAIANO OPTIMO AVGVSTO GERMANICO DACICO PONTIFICI MAXIMO TRIBVNICIA POTESTATE CONSVLI V PATRI PATRIAE

Revers: Trajan sitzt in Rüstung auf einem tribunal n.r., die Linke huldvoll der versammelten Menge entgegenstreckend. Neben dem Kaiser zwei Offiziere n.r. Vor dem tribunal ein Liktor (?) in Tunica und Umhang n.r. und fünf Soldaten n.l. = zwei Legionäre mit Helm, Brustpanzer und Schild, die Rechte im Grußgestus, dahinter ein geschirrtes Pferd n.r. mit scharrendem rechten Vorderhuf und n.l. gewendetem Kopf sowie ein weiterer vollgerüsteter Legionär (kein Grußgestus ); im Hintergrund die Köpfe zweier signiferi (Träger der Feldzeichen einer Centurie mit über den Kopf gezogenen Tierfell) und drei vexilla. Die Szene spiegelt die Akklamation Trajans zum Imperator durch das versammelte Heer in Mesopotamien wider.
IMPERATOR VIII
SENATVS CONSVLTO



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a.jpg


Im Vertrag von Rhandaia 64 n.Chr. war zwischen Römern und Parthern festgelegt worden, dass die in Parthien herrschenden Arsakiden aus ihrer Familie den armenischen König benennen durften, die formale Investitur sollte jedoch durch den römischen Kai-ser erfolgen. 111 n.Chr. (?) setzte der Partherkönig Osroes I. ohne Absprache mit Rom seinen Neffen Axidares auf den armenischen Thron. Das nahm Trajan zum Anlass, gegen die Parther ins Feld zu ziehen. „Seit 112 begann die Reichsprägung mit einer proagandistischen Vorbereitung eines neuen Krieges. Zudem wurde in Vorbereitung auf den Zug der Münzausstoß, vor allem die Zahl der Goldprägungen, wesentlich erhöht“ (Hartmann, Die Ziele der Orientpolitik Trajans, in: Interkulturalität in der Alten Welt, 2010, S. 611).

Der Kaiser „hatte seinen Partherfeldzug gut vorbereitet. Sein strategischer Plan sah als ersten Schritt die Sicherung der Nordnke vor: Eroberung von Armenien und Bündnisse mit Fürsten aus dem Gebiet des Kaukassus [Anm.: Nach diesem Muster lief auch der Feldzug des Lucius Verus und anderer Kaiser ab … sofern es sich nicht wie bei L. S. Severus um einen Raubüberfall handelte]“ (Tubach, Im Schatten des Sonnengottes, S. 213). Dass die Kampagne aus wirtschaftlichen Gründen geführt worden sein soll (Kontrolle der Fernost-Handelsroute bis zum Persischen Golf) sah Finley als anachronistisch an; für ihn war Trajans „falsch berechneter und teurer Angriff auf Parthien“ einer von vielen römischen „Handelskriege“, die nur in den Büchern moderner Historiker existierten (The Ancient Economy, 1999). Dio nannte Ruhmsucht als wahres Motiv Trajans für den Krieg (LXVIII, 17, 1)1; dafür spricht allein die gewaltige römische Truppenkonzentration gegenüber dem durch inneren Zwist geschwächten Parthern.

Am 27. Okt. 113 n.Chr. brach Trajan nach Osten auf, wo mindestens 10 Legionen bereitstanden: legio I Adiutrix, legio II Traiana fortis, legio III Gallica (?), legio IIII Scythia, legio VI Ferrata, legio VII Claudia, legio VII Gemina, legio X Fretensis, legio XV Aollinaris (?), legio XVI Flavia Firma sowie Vexillationen der legio I Italica, legio III Augusta, legio III Cyrenaica, legio XI Claudia, legio XII Fulminata (?), legio XIII Gemina und legio XXX Ulpia Victrix. Der in die Enge getriebene Osroes ließ Axidares zugunsten von dessen Bruder Parthamasiris absetzen. Als der Kaiser Athen erreichte, traf er dort eine Gesandtschaft des Osroes, die um Frieden und Bestätigung des neuen armenischen Königs bitten sollte; sie wurde aber von Trajan abschlägig beschieden.

Der Kaiser traf am 7. Jan. 114 n.Chr. in Antiochia ein. Im Frühjahr 114 n.Chr. begann der Feldzug mit Trajans Vorstoss über Melitene2 auf Arsamosata3, „das er ohne Kampf einnahm“ (Dio, ebd., 19. 2). Ende des Frühlings erreichte er Satala (Longden, Notes on the Partihan Campaigns of Trajan, S. 9). Parthamasiris kapitulierte und erschien in Elegia vor. Trajan in dem Glauben, dieser werde ihn in seiner Königswürde bestätigen. Doch der Kaiser, ließ ihn wissen, er werde das besiegte Land zur römischen Provinz machen4; der enttäuschte Parthamasiris fand kurz darauf unter ungeklärten Umständen den Tod. „Nach der Entfernung von Parthamasiris machten solche Häuptlinge, die nicht nach Satala gekommen waren, ihre Ehrerbietung; und dieser Teil der Kampagne scheint zumindest vor August beendet gewesen zu sein“ (Londgen, ebd., S. 10). Die neue Provinz Armenien „sicherte der Kaiser durch eine Kette von Klientelherrschern, die vom Schwarzen Meer über den Kaukasus bis an die medische Grenze reichte: Eutrop und Festus führen Albanien, Iberien und Kolchis als Klientelreiche an“ (Hartmann, ebd., S. 613).

„Trajan verließ Armenien wahrscheinlich Ende Juli und erreichte Nisibis im September. Letzteres – wie auch später Batnae – wurde im Jahr 114 besetzt (Lightfoot, S. 117-18 [5])“ (Encyclopaedia Iranica, Trajan [online]). Der osrhoenische König Abargus VII. zog aus seiner Hauptstadt Edessa dem Kaiser entgegen und brachte ihm 250 Pferde in Rüstung sowie 60.000 Pfeile als Geschenk. Osrhoene wurde von Trajan als Protektorat unter Hoheit des Abargus eingegliedert, während Batnae, die Hauptstadt des anthemusischen Königs Sporaces erst unterworfen werden mussten (vgl. Classical Association Nothern Ireland, Sentius the Centurion and Trajan's Conquest of Adiabene [online]).

Weil Trajan den parthischen Klientelfürsten Mebarsapes6 von Adiabene und Mannus7 von Singara mißtraute, rückte er zu Beginn des Frühjahrs 115 n.Chr. (Dio, ebd., 26.1) gegen beide vor. „So kam es, dass Singara und einige andere Orte [u.a. Hatra] kampflos von Lusius besetzt wurden [8]“ (Dio, ebd., 22. 2) auch das sehr gut befestigte Adenystrae9 nahmen die Römer ohne Schwierigkeit ein, da ihnen der dort gefangen gehaltene Centurio Sentius die Tore öffnen konnte. Jetzt hatte Trajan seine Südflanke in Mesopotamien gesichert und konnte über den Tigris nach Adiabene einmarschieren. Zu diesem Zwecke hatte er über den Winter Boote aus dem Holz der Wälder um Nisibis bauen lassen, mit deren Hilfe10 er den Strom gegenüber den Bergen von Corduene überwand (Dio, ebd., 26. 1). Ungewiss bleibt, wie weit die Römer in Adeabene vorrückten – es wird aber auf Grund von Dio, LXVIII 26. 4 angenommen, dass das ganze Königreich Adiabene überrannt wurde. Der Verweis auf die „Hφάίστου υησοι“ im 13. Buch von Arrians Parthica (fr. 13 Roos) kann als Hinweis gedeutet werden, dass die Römer bis Kirkuk vordrangen11. Dio, LXVIII, 27. 1 erwähnte zudem Trajans Besuch in den Teergruben, die beim Bau der Mauern von Babylon verwendet wurden. Obwohl zahlreiche Oberflächenablagerungen und Bitumenseiten im Gebiet zwischen dem Tigris und dem Zagros-Gebirge nachgewiesen wurden, ist die genaue Lage der Hephaesti insula nicht bekannt. Es könnte derselbe Ort gewesen sein wie jener, den Quintus Curtius Rufus bei Alexanders Marsch erwähnte: er wurde Mennis genannt und lag drei Tagesmärsche südlich von Arbela. Nach einer älteren Überlieferung kamen die Bitumen für babylons Mauern aber nicht aus Adiabene, sondern aus der Gegend der Stadt Hit am Südufer des Euphrat (Herodoes, I. I79); sie scheinen in der Antike auch viel wichtiger gewesen zu sein als die Teergruben im Norden rund um Kirkuk.
Es gibt also keine Beweise, dass Trajan von Adiabene dirket nach Babylon und Ktesiphon marschierte12 (Lightfoot, ebd., S. 120).

IMP VIII auf der Münze bezieht sich somit wohl auf die Erfolge in Mesopotamien, denn im Jahre 115 n.Chr. wurde Trajan dreimal zum Imperator akklamiert (VIII – X).



1 Den gleichen Grund nannte Dio für den Partherfeldzug des Septimius Severus; die Annexion östlicher Gebiete riefe nur neue Kriege mit dem Nachbarn hervor und sei zudem eine recht kostspielige Sache.

2 Eine Notiz in Procopius besagt, dass Trajan die Stadt in den Rang eines Municipiums erhob (Aed. III. 4. I7). Wenn der Anlass dafür der kaiserliche Besuch 114 n.Chr. war, wass am wahrscheinlichsten erscheint, dann wird seine Marschroute hier entlang verlaufen sein.

3 Plinius bezeichnete den Ort als eine der vier Hauptstädte Armeniens. Einmal in Arsamosata würde Trajan von Nordarmenien durch die gewaltigste aller Gebirgsbarrieren ausgeschlossen, zu deren Umgehung es notwendig wäre, entweder nach Westen zum Euphrat zurückzukehren oder dem Pighi Su in einer Richtung zu folgen, die ihn direkt nach Elegeia führen würde (Quelle: Londgen, ebd., S. 9).

4 Nachdem die Nachricht von der Eroberung Armeniens in Rom eingetroffen war, sprach der Senat dem Kaiser alle üblichen Ehrungen in großer Fülle zu (sicherlich auch die 7. Imperator-Akklamation) und ver- lieh ihm zudem noch den Titel Optimus (Dio, LXVIII, 18 und 23), von Kienast in seiner Kaisertabelle auf Aug. - 1. Sep. 114 n.Chr. datierte. „Auf den Titel Optimus war er viel stolzer als auf alle anderen“ (Dio, ebd., 23, 2).

5 Es ist wahrscheinlich, dass nach Ankunft in Elegia der Armenienfeldzug Trajan noch einige Zeit beschäftigte. Viele Gelehrte möchten den Kaiser noch vor Ende dieses Kriegsjahres in Mesopotamien sehen, wo lt. Dio (LXVIII, 18. 3) zuerst Nisibis und dann Batnae besetzt wurden. Dies ist in der Tat möglich, wenn Trajan den Krieg sehr früh begonnen hat:
Aufbruch Antiochia am 1. April . . . . . . Ankunft Satala am 21. Mai . . . . . . . . . ca. 760 km = 51 Tage
Aufbruch Satala am 23. Mai . . . . . . . . . Ankunft Elegia am 3. Juni . . . . . . . . . . ca. 180 km = 12 Tage
Aufbruch Armenien am 31. Juli . . . . . Ankunft Nisibis am 15. Sep. . . . . . . . . . ca. 690 km = 46 Tage
Trajan hätte also noch Zeit gehabt, Batnae einzunehmen, bevor er sich für den Winter nach Edessa zurückzog. Welche der beiden Hauptpässe von Armenien nach Nordmesopotamien Trajan wählte ist unklar (Ergani oder Bitlis). Freya Starkast bemerkte hierzu sehr treffend: Durch das Herausdrücken einer großen Landzunge, d.h. der Annexion von Armenien, die automatisch den Tigris an die Stelle des Euphrats als Grenzfluss setzte, machte die Eroberung Mesopotamiens für Trajan unabdingbar (Romeo in the Euphrates, 1966, S. 209). Das erklärt den langen und ermüdenden Feldzug von 114 n.Chr.: ohne die Sicherung der Pässe über das östliche Taurus-Gebirge und des davorliegenden Mesopotamiens mit Nisibis als wichtigsten Knotenpunkt der nordmesopotamischen Ebene hätten die Parther leicht nach Armenien vorrücken können!


6 Mebarspaes nutzte die Schwäche der Parther aus, um ihre Oberherrschaft abzuschütteln. Er hatte die an Adiabene angrenzenden Teile Armeniens und Mesopotamiens besetzt, gab aber vor, sie den Römern zurück-geben zu wollen – doch „Trajan erwiderte, er würde ihm nicht glauben, bis er zu ihm komme, wie er es immer wieder verspreche, und seine Angebote durch Taten bestätige“ (Dio, ebd., 22. 1).

7 Mannus herrschte über den arabischen Stamm der Σαρακηνοί (Sarazenen), sein Gebiet lag zwischen Osrhoene und Adiabene. Er war der Vasall des Mebarsapes und unterstützte ihn mit Truppen gegen die Römer.

8 Benett schrieb in seiner revidierten Ausgabe (Trajan, 2001, S. 195), dass Trajan ostwärts zog und Lusius Quietus, vom Kaspischen Meer aus, nach Westen vorrückte , so dass ihre Armeen eine erfolgreiche Zangenbewegung durchführten.

9 Der Ort wurde von Hoffmann (ZDMG xxxii, 741) mit dem mittelalterlichen Dunaisir bei Mardin, etwa 50 Meilen westlich von Nisibis, identifiziert.

10 Diese Boote wurden zum Bau einer Pontonbrücke über den Fluss verwendet, obwohl sie manchmal fälschlicherweise als die Flussflotte angesehen wurden, die Trajan auf seinem Marsch nach Ktesiphon begleitete. Wenn letzteres der Fall war, müssen die Boote natürlich aus dem Tigris genommenund über Land zu einem Punkt, wo der Khabur schiffbar war, transportiert worden sein. Von dort konnten sie den Euphrat hinauf fahren (Lightfoot, ebd., S. 119 f.). Trajan wollte dann an der schmalsten Stelle zwischen Euphrat und Tigris dann einen Kanal bauen laasen, damit die Schiffe auf dem Tigris weiterfahren konnten. Aber weil das Gefälle zwischen beiden Flüssen unterschiedlich ist, hatte er Angst, dass der Euphrat durch das ablaufende Wasser unschiffbar geworden wäre. Aus diesem Grunde ließ er seine Schiffe an besagter Stelle über Land ziehen.

11 Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Alexander der Grosse die gleiche Strecke (Gaugamela – Arbela – Kirkuk) genommen hatte, was gut zu Trajans imitatio Alexandri passen würde.

12 Darüber hinaus gab es für Trajan einen sehr triftigen Grund, zum Euphrat zurückzukehren, nämlich die Kontrolle über die Streitmacht zu übernehmen, die den Fluss entlang gezogen waren, und zu sehen, wie er sie am besten mit seinen eigenen Truppen vereinen könnte (Longden, ebd., S. 14). Damit erklärt sich auch, warum Trajan den Winter 115/116 n.Chr. in Antiochia vernbrachte (Ankunft vor dem 13. Dez. 115 n.Chr.).





Aus dem oben Gesagtem habe ich folgende Karte entworfen:

Trajan.jpg
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Fr 28.01.22 11:42

Peter43 hat geschrieben:
Do 27.01.22 20:56
... Das nabatäische Königreich ...
Das ist in der Tat eines der interessanteren Reiche der Antike, da war manches etwas anders als anderwo :D .
Vielleicht ein paar Ergänzungen dazu.

Der Meshorer ist ja nun nicht mehr ganz taufrisch, ein aktualisiertes Kompendium über die Münzprägung der Nabatäer ist Rachel Barkay, "Coinage of the Nabataeans", Jerusalem 2019, das man in vollem Umfang online findet:
http://www.accla.org/documents/Barkay2019Qedem58.pdf

Inzwischen wird auch davon ausgegangen, dass es keine Trennung in einen Obodas II und einen Obodas III gibt. Es gab nur einen, der von etwa 30 bis 9 v. Chr. regierte und erst der zweite seines Namens war. Die hier gezeigten Münzen laufen bei Barkay also unter Obodas II (bzw. nur unter Syllaeus).

Die Argumentation dafür findet man in Martin Huth, "Some Nabataean questions reconsidered", in M. Huth und P. van Alfen, Coins of the Caravan Kingdoms, ANS NS 25, New York 2010, S. 213-226:
https://www.academia.edu/8847114/Some_N ... pp_213_226
in Rachel Barkay, "The Coinage of the Nabataean King Obodas II (c. 30–9 BC)", NC Vol. 176, 2016, S. 83-109:
https://www.academia.edu/33995707/The_N ... 6_Offprint
und zusammengefasst auch in dem Buch von Barkay ab Seite 23.

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Perinawa » Fr 28.01.22 12:09

Dieser
Lucius Aelius hat geschrieben:
Fr 28.01.22 11:14
Sesterz des Kaisers Trajanus
und die Geschichte dazu

zeigt mal wieder deutlich, dass es nicht die Erhaltung ist, die die wahre Schönheit einer Münze ausmacht.

Grüsse
Rainer
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Perinawa » Do 03.02.22 16:47


Der Triumph des Sulla


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sulla_rev.JPG

Die "Triumphmünze" des Sulla RRC 367 ist sicherlich ein beliebter und interessanter Münztyp der republikanischen Prägungen, wirft aber bei ihrer genauen Betrachtung eine Menge Fragen auf. Zwar werden die Eckdaten wie Prägeort, -zeitraum und Anlass gewöhnlich nach Crawford zitiert, doch muss man diese Angaben mit einem fettgedruckten Fragezeichen versehen. Anscheinend hat Rainer Albert (Die Münzen der Römischen Republik) auch nur die Daten aus dem Crawford übernommen (und nicht wie bei vielen anderen die Neudatierung Woyteks aufführt. Zu Alberts Verteidigung sei angemerkt, dass Woytek die Münze auch nur in einer Fussnote erwähnt). Zusammen mit dem Typ RRC 359, der Sulla ebenfalls als Imperator ausweist, wird die Münze seit vielen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert, und mittlerweile stehen zu Datierung und Prägeort weit über 20 verschiedene Thesen im Raum.

So legt W. Hollstein RRC 367 nach Italien bei einem Zeitfenster von 83 - 82 v.Chr. B. Woytek schlägt bei gleicher Prägestätte vorsichtig die Zeit nach dem 1. Mithridatischen Krieg vor, wogegen P. Assenmaker sogar eine Prägung während des Bundesgenossenkrieges 90 - 89 v.Chr. für möglich hält.


Prägezeitraum

Die Nennung eines Proquästors L. MANLI PROQ wird regulär mit L. Manlius Torquatus unter dem Hinweis aufgelöst, dass es keine adäquate Ersatzperson gäbe. Jedoch hat bereits T. Mommsen (Mommsen 1860, S. 594 insbes. Fn 379) darauf aufmerksam gemacht, dass es sich auch um den (älteren) L. Manlius, welcher Statthalter der Gallia Narbonensis war, handeln könnte. Dieser wurde um 118 v.Chr. geboren und bekleidete 78 v.Chr. das Amt des Prokonsuls. Vom jüngeren Manlius (Torquatus) weiss man, dass er um 108 v.Chr. geboren wurde und 65 v.Chr. Konsul war. Diese beiden Möglichkeiten in der Person des auf der Münze genannten Proquästors lassen wiederum den Prägezeitraum in einer relativ grossen Zeitspanne - zwischen 90 und 82 v.Chr. möglich werden.

Die grössere Schwierigkeit zur Datierung stellt allerdings der auf der Münze verewigte Titel des Imperators IM(P) dar. Während kaiserzeitliche Prägungen an ihrer imperatorischen Akklamation verhältnismässig präzise datiert werden können, muss man imperatorische Münzen der Republik diffiziler betrachten, denn in der hier relevanten Zeit gab es mehrere Möglichkeiten, zu diesem Titel zu gelangen. Wie im Prinzipat konnte der siegreiche Feldherr durch die Truppen akklamiert werden, aber auch der Senat konnte einen Sieger als Imperator bezeichnen (Rosenberg 1914, Sp. 1140ff.). Nach P. Assenmaker könnte es sogar möglich sein, dass Sulla den Titel den Titel ohne vorherige Akklamation geführt haben könnte - nur aus der Tatsache, dass er als regierender Magistrat ein Imperium innehatte. Diese Möglichkeit wäre im Jahr 89 v.Chr. nach dem Tod des Konsuls L. Porcius Cato gegeben gewesen, wobei tatsächlich das Imperium auf Sulla übergegangen sein könnte (Assenmaker 2013, S.253 u. 264). Huber legt RRC 367 allerdings noch vor dem 1. Mithridatischen Krieg und Sullas Aufbruch in den Osten (Katharina Huber: Die Prägungen des Lucius Cornelius Sulla mit imperator und imperator iterum und deren Zirkulationsverhalten zu Zeiten der Republik und des Prinzipats, 2019 in: Sammlungen und Sammler Tagungsband zum 8. Österreichischen Numismatikertag, S. 148).

Um die Verwirrung jetzt komplett zu machen, muss noch ein weiterer Münztyp betrachtet werden: RRC 359 weist in seiner Legende das "wiederholte Imperium" (IMPER ITERVM) aus. Man müsste also annehmen, dass diese Prägung nach RRC 367 geschehen sein muss. Hier sind sich jedoch die meisten Experten einig, dass die Verwendung der Iterierung kein Beweis für die chronologische Ordnung der Münzen sein kann. Nach T. Mommsen war sie eher "optional", Crawford und andere nehmen an, dass "iterum" auf dem Typ RRC 367 einfach weggelassen wurde. Woytek erklärt noch etwas ausführlicher, dass Sulla mit der Iterierung das Prinzip verletzt habe, dass ein Kriegsherr in einem Feldzug nur einmal zum Imperator ausgerufen werden dürfte. Mit RRC 367, die Woytek einer italischen Münzstätte zuordnet, wollte Sulla dann die staatsrechtlich einwandfreie Titulatur verwenden (B. Woytek: Arma et Nummi, S. 501 Fn. 787).


Prägestätte

Crawford nennt allgemein als Münzstätte "Mint - moving with Sulla"; in vielen Beschreibungen wird als Ort der Münzprägung eine Heeresmünzstätte in Süditalien vermerkt, was jedoch von vielen bezweifelt wird. Als wichtiger Grund wird die Stempelstellung angeführt: RRC 367 weist generell eine irreguläre Stempelstellung auf, was auf eine Fertigung in Rom oder im näheren Umland hindeutet. Im Gegensatz dazu findet man bei RRC 359 regulär eine Stempelstellung von 12 Uhr, die fast ausschliesslich im Osten, also in Kleinasien und Griechenland, anzutreffen war. Auch den Stil von RRC 367 sehen viele Wissenschaftler als stadtrömisch an.


Reversdarstellung

Auf der Rückseite von RRC 367 ist eine Quadriga mit dem Triumphator Sulla zu sehen, der von einer fliegenden Victoria bekränzt wird. Er hält in einer Hand die Zügel und in der anderen einen caduceus. Allgemein wird diese Darstellung dahingehend interpretiert, dass sie den Triumphzug des Sulla Ende 81 v.Chr. zeigt. Dieser wurde ihm aufgrund seiner "Erfolge" gegen Mithridates gewährt (Plutarch: Sulla 34, 1-2, Appian: Book I, 101, u.v.a.). Bedenken sollte man aber mE zwei Dinge: Erstens fand die Münzprägung vor der eigentlichen Zeremonie statt, und die Feier beschrieb einen militärischen Erfolg, der eigentlich keiner war. Weder wurde der König von Pontos im Feld besiegt, noch konnte er im Triumphzug vorgeführt werden. Der Krieg zwischen Rom und Mithridates endete schliesslich damit, dass letzterer im Jahr 84 v.Chr. auf der Konferenz von Dardanos nachgab und die römischen Friedensbedingungen annahm.

Man kann sogar behaupten, dass der Sieg über Mithridates nur ein Vorwand war, um seinen Triumphzug zu rechtfertigen. Denn das, was Sulla in Wirklichkeit feierte, war sein Sieg über die Popularen im Bürgerkrieg, was ihm letztendlich den Titel "dictator" bescherte. Und so konnte er sich seinen Triumphzug selbst gewähren, weil er duch seine Machtbefugnisse als dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae den Krieg gegen Mithridates im Nachhinein noch legitimieren konnte. Denn das populare Regime hatte Sulla geächtet, und somit hatte er auch den Krieg gegen Mithridates de facto ohne Mandat geführt und beendet, um in Italien einen Bürgerkrieg zu bestreiten (Klaus Bringmann - Geschichte der Römischen Republik). Aber das ist eine andere Geschichte...


Die Bedeutung des caduceus

Der caduceus in Verbindung mit der Victoria ist zwar aussergewöhnlich, aber nicht einzigartig. Auf den Münzen RRC 448/1 und RRC 460/4 ist eine Victoria zu finden, die selbst einen cacuceus hält. Hölscher meint dazu, dass dies auf den Zusammenhang zwischen Sieg, Frieden und Götterverehrung hinweist. Nach Crawford könnte der caduceus ein Zeichen dafür sein, dass der Sieg früher als erhofft erreicht werden soll. Nimmt man jetzt ein Prägedatum nach dem 1. Mithridatischen Krieg an - die Meinung vertritt auch Woytek, also etwa 83 - 82 v.Chr., muss man die Deutung der Darstellung überdenken. Sulla begann Anfang 83 v.Chr. seinen zweiten Marsch auf Rom, und Mithridates hatte kurz vorher die Friedensbedingungen der Römer akzeptiert. Wenn man nun der Ansicht Crawfords folgt, wäre für ein Münzmotiv, das einen schnellen Sieg über Mithridates erhofft, kein Raum. Auch der Hinweis auf ein in der Zukunft liegendes Ereignis wie ein Triumphzug anlässlich des gewonnenen Krieges halte ich für abwegig, und das auch im Hinblick darauf, dass sich Sulla den Triumphzug erst Ende 82 v.Chr. "staatsrechtlich korrekt" in seiner Rolle als dictator hätte genehmigen können. Sullas Marsch nach Rom stand ganz unter dem Zeichen des Bürgerkriegs, und es ist daher naheliegend, dass man die Bedeutung des Münzmotivs im Bestreben Sullas sucht, die Popularen so schnell wie möglich zu besiegen. So war der Triumph, der Ende Januar 81 v.Chr. öffentlich begangen wurde, nur "auf dem Papier" ein Akt des Sieges über Mithridates, um dem Gesetz zu genügen - was Sulla politisch wie auch persönlich wirklich feierte, war sein Erfolg im Bürgerkrieg und den Sieg über die Popularen.


Fazit

Es ist schwierig bis unmöglich, die Münze endgültig zu erklären, weil es zu viele unbekannte Variablen gibt. So ist jede Expertenmeinung, die ich dazu gehört habe, in sich schlüssig, und kann auch nicht widerlegt werden. Ich selbst tendiere allerdings zur oben beschriebenen These, sowohl was die Datierung, die Münzstätte als auch die Deutung des Motivs betrifft. Eine früheres Datum wäre natürlich möglich, würde aber die Aussage der Münze nicht beeinflussen. Ich möchte jedoch nochmals eindeutig hervorheben, dass dies nur eine der Interpretationsmöglichkeiten wiedergibt.


Sulla_Glyptothek_Munich_309.jpg
(Portraitbüste Sullas (?) - Glyptothek München / Quelle: wikimedia)


Quellen:

- Michael H. Crawford - Roman Republican Coinage
- Rainer Albert - Die Münzen der Römischen Republik
- Klaus Bringmann - Geschichte der Römischen Republik
- Katharina Huber: Die Prägungen des Lucius Cornelius Sulla mit imperator und imperator iterum und deren Zirkulationsverhalten...
- Bernhard Woytek - Arma et Nummi
- Tonio Hölscher - Die Bedeutung der Münzen für das Verständnis der politischen Repräsentationskunst der späten römischen Republik
- Plutarch
- Appian
- wikipedia


Grüsse
Rainer


PS. Wahrscheinlich übersehe ich etwas wichtiges, aber ist es nicht auch denkbar, dass die Emission RRC 367 Ende 82 / Anfang 81 v.Chr. geschlagen wurde? Sulla hat nach seiner Ernennung zum dictator jedenfalls die Legitimation zu seinem Triumphzug gehabt. Der Stil weist ja auch eher in Richtung Rom und nähere Umgebung. Und es ist ja auch von anderen Münzen bekannt, dass grosse Emissionen in relativ kurzer Zeit gefertigt werden konnten... :roll:
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 03.02.22 20:00

Diesen Typ hätte ich auch gerne. Aber irgendwie hat es bisher nicht geklappt.

Jochn
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Do 03.02.22 21:02

Sehr interessant und äußerst spannend, was du hier präsentierst!

Huber schreibt: "Somit gibt eszwei Personen namens L. Manlius, die jeweils als Proquästor für die Prägung von Sullas imperatorischenTypen verantwortlich gewesen sein könnten und daher sind nach wie vor alle Datierungsvarianten möglich".
Ist dem so? Kann sich der ältere Manlius mit einem mutmaßliche Prägedatum 83/82 v.Chr. und dem cursus honorum überhaupt in Einklang bringen lassen, wenn er bereits 78 v,Chr. Prokonsul war? Lucius Manlius Torquatus war 84-81 Proquästor, 65 Konsul und 63 Prokonsul, eine ähnliche Karriere bei Lucius Licinius Lucullus (ab 88 v.Chr. mehrere Jahre Quästor bei Sulla, 79 Ädil, 77-75 Proprätor und 74 Consul).
Wenn hier also der ältere Manlius als Proquästor auf deiner Münze erschien, dann sollte das Prägedatum doch älter als 83/82 v.Chr. sein, weil besagter Manlius 83/82 schon längst das Amt des Proquästors hinter sich hatte oder? Demnach wäre Lucius Manlius Torquatustatsächlich wahrscheinlicher.

Viel habe ich auf die Schnelle aber nicht über diesen Torquatus herausfinden können. Wäre vielleicht ein Ansatzpunkt :roll:
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Perinawa » Do 03.02.22 21:46

Peter43 hat geschrieben:
Do 03.02.22 20:00
Diesen Typ hätte ich auch gerne. Aber irgendwie hat es bisher nicht geklappt.
Ich habe auch lange die Augen offen (und die Geldbörse geschlossen) halten müssen. Bei diesem Typ wollte ich sowohl die Victoria als auch das SVLLA IM(P) auf der Münze sehen, und das ganze ohne Haus und Hof verkaufen zu müssen. Die Münze ist zwar häufig, aber wie so oft war der Stempel zu gross/breit für die kleinen Schrötlinge.

Und irgendwie macht es auch Spass, auf etwas warten zu müssen, denn dann ist die Freude später doppelt gross.
Lucius Aelius hat geschrieben:
Do 03.02.22 21:02
Demnach wäre Lucius Manlius Torquatustatsächlich wahrscheinlicher.
Das denke ich allerdings auch. Ich würde die Münze ja sowieso eher sehr früh datieren (siehe meine Anm.). Huber hat ansich ja die verschiedenen Thesen, bzw. einige wichtige, nur zusammengefasst, was für eine Übersicht aber sehr hilfreich war. Alle mehr als 25 Thesen zu lesen sprengt dann doch meinen Rahmen als Hobby"historiker". Und über Torquatus habe ich auch nichts gescheites gefunden. Und wenn er noch bis 81 v.Chr. Proquästor war, kommt mir das sehr entgegen. :D

Vielen Dank!

Grüsse
Rainer
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 11.02.22 11:29

Einige Bemerkungen zur Libertas

Libertas (Freiheit) ist ein abstrakter Begriff, der personifiziert und vergöttlicht wurde, um ihn den Menschen faßbarer zu machen. So wurde auch eine Mythologie behauptet: Nach Hyginus war sie die Tochter des Juppiter und der Juno. Deshalb gibt es nach Stevenson zwei verschiedene Abbildungen auf den Münzen. Bei einer ist sie eine weibliche Figur mit bloßem Kopf. Dabei handelt es sich um die römische Libertas. Bei der anderen trägt sie ein Diadem und ist verschleiert. Das ist die Göttin der Freiheit, deren Tempel auf dem Aventin stand.

Da der Begriff der Freiheit so umfassend und wide-sprüchlich ist, - man denke an die Parolen der Französischen Revolution -, werde ich mich hier nur auf Details beschränken, die mir interessant vorkommen.

Münze #1:
M. Junius Brutus, 85 -42 v. Chr., Cäsarmörder, gens Junia
AR - Denar, 3.96g, 19mm, 135°
       Rom, 54 v. Chr.
Av.: Büste der Libertas n. r., Haare zrurückgerollt zu einem Knoten im Nacken, teilweise über den Hals fallend, 
kein Juwel im Haar über der Stirn, einreihige Perlenhalskette mit zahlreichen tropfenförmigen Anhängern, 
kreuzförmiger Ohrring
       li. dahinter von oben nach unten LIBERTAS
Rv.: 3 togati, der Consul L. Junius Brutus, begleitet von zwei Liktoren vor und hinter ihm, 
vor ihnen ein accensus (Amtsbote), alle n. l. schreitend
        im Abschnitt: BRVTVS
Ref.: Crawford 433/1; Sydenham 906a; Kent-Overbeck 71; Junia 31a; BMCRR 3861; Russo RBW 1542
VZ, Rs. Etwas exzentrisch
Pedigree:
ex CNG, Februar 2005
junius_brutus_Cr433.JPG
Anmerkung:
Der Reverstyp erinnert an die Vertreibung von Tarquinius Superbus, dem letzten römischen König, durch L. Junius Brutus im Jahre 509 v. Chr. Dieser war ein Vorfahr des Münzmeisters und wurde danach zum ersten Consul der neu gegründeten Republik gewählt. Tacitus (Annalen I, 1) schreibt: 'Libertatem et consulatum L. Brutus instituit (Die Freiheit und das Consulat hat L. Brutus eingeführt)'. Dieser Typ zeigt die ausgeprägt republikanische Einstellung des Brutus. Cäsar hätte es wissen können! Diese Münze diente auch als Vorbild für die Rückseite des Kosonstaters.

Natürlich stand die Libertas (der Republik) im Mittelpunkt der Handlungen der Cäsarmörder. Aber wie mehrdeutig dieser Begriff ist, erkennt man daran, daß auch Caesar ihn benutzte, wenn er davon sprach, die Republik wieder zu befreien.

Der Tempel der Libertas auf dem Aventin war von T. Sempronius Gracchus (cos. 238). mit Strafgeldern gebaut worden. Livius erzählt von einer Feier seines Sohnes, des Siegers von Benevent 214. Dabei handelte es sich um die Feier des vorwiegend von Sklaven erfochtenen Sieges, die nunmehr mit der libertas belohnt wurden (Roscher).

Dieser Tempel war kostbar ausgestattet, besonders das Atrium, das zuletzt von Asinius Pollus erneuert wurde. Dieses atrium Libertatis war eigentlich ein profanes Gebäude. Zur Zeit des 2. Punischen Krieges wurde es von 2 Censoren restauriert und erweitert. Es diente verschiedenen offiziellen Zwecken, insbesondere als Amtslokal der Censoren und dem Aushang von Gesetzesveröffentlichungen. Dort trafen sich Gelehrte zu Versammlungen und Gesprächen. Im Tempel selbst waren die öffentlichen Akten der Stadt Rom aufbewahrt. Weihungen fanden häufig statt, z.B. nach dem Sturz Sejans, Neros, Domitians des Commodus oder bei der Thronbesteigung des Nerva.

Daneben gab es auf dem Aventin noch einen Tempel des Juppiter Libertas oder Juppiter Liber, der von Augustus wiederhergestellt wurde. Roscher vermutet, daß der besondere Kult der Libertas aus dem des Iuppiter Liber Libertas hervorgegangen und gewissermaßen aus ihm losgelöst worden sei, zu einer Zeit, wo sich die ursprüngliche Bedeutung von Liber Libertas bereits verschoben hatte. So wäre dies der ursprünglichere Tempel.

Nachdem Cicero ins Exil gehen mußte, widmete Clodius dessen Haus auf dem Palatin der Libertas, das ihm später aber wieder zurückgegeben wurde. Als es hieß, daß Caesar nach seinen Siegen der Republik die Freiheit zurückgeben werde, beschloß der Senat 46 ihr einen weiteren Tempel zu bauen (Cass. Dio), was aber wohl nicht verwirklicht wurde.

Mythologie:
Da die Libertas die Personifikation eines abstrakten Begriffes war, gibt es auch keine Mythologie. Die Erzählung des Hyginus, daß sie die Tochter des Juppiter und der Juno gewesen sei, steht völlig isoliert. Dies ist wohl nur der Versuch eines Mythographen, der Hyginus auch gewesen ist, eine Mythologie zu begründen.

Münze #2
Claudius 41-54
AE - As, 10.97g, 26mm, 180°
       Rom, 41
Av.: TI CLAVDIVS CAESAR AVG P M TR P IM[P]
       bloßer Kopf n. l., jugendliches Portrait
Rv.: LIBERTAS - AVGVSTA
       Libertas, in langer Kleidung, frontal stehend, n. r. blickend, hält pilleus (Freiheitsmütze) in der
       re. Hand und streckt die li.  Hand aus
       li. und re. im Feld großes S - C
Ref.: RIC I, 97; C. 47; BMCR 145, pl. 35, 3
S-SS, schwarzgrüne Patina
claudius_97.jpg
Anmerkung:
Curtis Clay: Dies ist das seltene früheste Portrait, das wir aus der Regierungszeit des Claudius kennen, jugendlich und mit starken Anklängen an seinen Bruder Germanicus. Ich selbst habe es bisher nicht gesehen. Überhaupt habe ich nur 3-4 dieser idealisierten, frühen Portraits gefunden. I think Jochen's coin will have a rank high among the luckiest first purchases ever made!

Die Freiheitsmütze (lat. pilleus) war die Mütze, die Sklaven bei der Freilassung überreicht wurde. Dabei wurden sie mit einem Stab leicht geschlagen, den die Libertas auf Darstellungen oft in der Hand hält. Nach ihrer Freilassung waren die libertini römische Bürger, aber dem civis Romanus immer noch untergeordnet, was auch für ihre Söhne galt.

Der Pileus war eine eng anliegende Kopfbedeckung aus Fell, Filz oder Wolle, die von Handwerkern und Reisenden getragen wurde, so z.B. auch von Odysseus. Als Symbol der libertas wurde er auch von den Feiernden an den Saturnalien getragen. Er wurde unter Sondernamen auch zur Kappe römischer sacerdotes, pontifices und flamines. Von daher eignete sich bald der christliche Klerus des Pileus an. Sein Ursprung soll wohl etruskisch sein (Pauly). Am bekanntesten aber wurde seine Benutzung in der Französischen Revolution, wo er allerdings mit der phrygischen Mütze verwechselt wurde. Hier ist ein Bild des berühmten Gemäldes "Die Freiheit führt das Volk an" von Eugene Delacroix,1830, heute im Louvre/Paris.
Eugène_Delacroix_-_Le_28_Juillet._La_Liberté_guidant_le_peuple.jpg

Beachtenswert an der obigen Münze ist der Ausdruck LIBERTAS AVGUSTA. Damit ist die Libertas nicht mehr ein alle betreffender abstrakter Begriff, sondern wird hier eng an den Kaiser selbst geknüpft. Er ist jetzt derjenige, der die Libertas vertritt, sie schenkt, sie aber auch versagen kann.

Münze #3:
Kilikien, Seleucia ad Calycadnum, Gordian III., 238-244
AE 35, 21.23g, 34.68mm, 180°
geprägt nach 241 n. Chr.
Av. MAP ANTΩNIOC ΓOPΔIANOC / CEB
      Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n. r.
      c/m: Delta mit kleinem Kreis in der Mitte (Howgego 670)
Rv.  CEΛEYKEΩN TΩN ΠPOC TΩ
      im li und re Feld in 3 Zeilen:
      KA - Λ / YK - AΔ / N - Ω
      Aphrodite, in langem Gewand, in eleganter Biegung frontal stehend, Kopf n. r. gewandt, sich in
      einem Spiegel in der erhobenen Linken betrac tend; zu jeder Seite ein geflügelter Erote, der ihr zugewandt in beiden
Händen eine Hochzeitsfackel  empor hält..
      im Abschnitt in 2 Zeilen: EΛEVΘE / PAC
Ref.: SNG Levante 774 var. (Sod); SNG Paris 1029 var, (Sod)
hübsches SS
seleukeia_ad_cal_gordianIII_SNGlev774.jpg
Anmerkung:
Dies ist eine Münze aus einer Serie von dreien zur Hochzeit des Gordian III. mit Tranquillina. Kommentar von Patricia Lawrence, 26.7.05: Thank you for posting it! One of my favorite coins.

Die Libertas der kleinasiatischen Städte
EΛEVΘEPAC, Gen. (lat. libertas) galt für die Städte, die durch den Senatus Consultum die Rechte und Privilegien der Libertas erhalten hatten.

Die Eleutheria war auch noch in der römischem Kaiserzeit ein sehr geschätztes Privileg, welches Rom den Städten verleihen konnte. Die Städte lebten, wie z.B. der jüngere Plinius im Hinblick auf Amisos zum Ausdruck bringt (ep. 10, 93), nach ihren eigenen Gesetzen. Die Möglichkeiten der Statthalter stießen dort rasch an ihre Grenzen. Außerdem brachte der Status steuerliche Vergünstigungen. Schließlich durften offenbar grundsätzlich nur civitates liberae bzw. civitates foederatae (verbündete Städte) Silbermünzen emittieren. Wahrscheinlich brauchten dafür aber selbst diese privilegierten Poleis eine gesonderte kaiserliche Erlaubnis. Seleukeia hatte diese Libertas und emittierte gelegentlich auch Silbergeld (“Laterarius”, Ziegler).

Münze #4
Constantin I. der Große, 307-337
AU - Solidus, 4.48g, 19mm, 0°
         Ticinum, Herbst 315
Av.: CONSTANTI - NVS P F AVG
       belorbeerter Kopf n r.
Rv.: RESTITVTORI LIBERTATIS
       Kaiser in Militärkleidung n. r. stehend, hält Kurzszepter in der li. Hand und empfängt Globus von      
 Roma, die auf Thron n. r. sitzt, und Zepter hält.
      im Abschnitt SMT
Ref.: RIC VII, Ticinum 31; Hunterian Museum
selten (R4), fast VZ
constantinI_ticinum_31.jpg
Nach dem Terrorregime des Maxentius ist die Bezeichnung RESTITVTOR LIBERTATIS (= der Wiederhersteller der Freiheit) für Constantin wohl berechtigt gewesen. Aber tatsächlich bedeutet der Ausdruck Liberator hier nichts anderes als die Beseitigung von Nebenkaisern! (J. Vogt, Orbis, 162). Soweit war der Begriff der Libertas inzwischen verkommen!

Quellen:
(1) Tacitus, Annalen
(2) Cassius Dio, Römische Geschichte
(3) Hyginus, Fabulae
(4) Titus Livius, Ab urbe condita

Literatur:
(1) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, Leipzig 1770
(2) Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie
(3) Seth W. Stevenson, Dictionary of Roman Coins
(4) Der Kleine Pauly
(5) Wikipedia

Mit freundlichen Grüßen
Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mo 14.02.22 17:07

Der Hortfund von Sarmizegetusa von 1998 - Eine Fundgeschichte

Die Koson-Stater, und vielleicht auch ihre Geschichte und ihre Problematik, sind weit bekannt. Weniger bekannt ist, daß zusammen mit ihnen Goldstater vom mithridatischen Lysimachus-Typ gefunden wurden, die historisch zumindestens ebenso interessant sind. Über diese möchte ich hier berichten.

2004 kaufte ich von Harlan J. Berk den folgenden Goldstater:

Die Münze:
AV - Goldstater, 8.30g, 20mm, 0°
      geprägt 44-42 v. Chr. in Tomis
Av.: Kopf des vergöttlichten Alexander n.r., mit Königsbinde und Ammonshorn,
       dahinter Punkt und Monogramm in den Locken hinter dem Kopf (X)
Rv.: ΒΑΣΙΛΕΩ[Σ] - ΛΥΣΙΜΑΧΟΥ (beide von oben  nach unten)
       dazwischen Athena Nikephoros n.l. sitzend, im Chiton und Himation, mit korinthischem Helm (mit Busch) und Ägis, auf der vorgestreckten        Rechten die Nike n. l., die den Namen des Herrschers bekränzt, die Linke auf den Schild gestützt; im Hintergrund lehnt die Lanze
       im li. Feld ΘΕΜ, unter dem Sitz TO, Punkt vor dem Knie, unter dem Thron liegender Dreizack n. l., darüber und darunter je ein Delphin
Ref.: a) AMNG I/2, 2480, Taf. XXI, 6 (Ex. aus London, stempelgleich, auch mit dem X in den Locken!)
            2. Klasse. roher Stil, Portrait an Pharnakes II. erinnernd, von Regling auf 89-72 v.Chr. bestimmt. Nicht von Mithradates selbst geprägt.
         b) Mithridates VI de Callatay S.141, dies D4/R1 (stempelgleich)
         c) Moushmov 1785 (Bild bei wildwinds.com, stempelgleich)
VZ, mint state
tomis_lysimachos_AMNG2480.jpg
Anmerkung:
Dieser Stater entspricht dem Lysimachus-Typ in Triton III, 1999, Los 476, S.97 (typisch das X in den Locken hinter dem Kopf)
Die Legierung, aus der diese Lysimachus-Typen bestehen, ist ähnlich der, die auch für die zahlreichen Koson-Stater mit Monogramm benutzt wurde. Sie besteht aus Feingold mit Silber- (bis 5%) und Kupfer- (bis 0.30%) Anteil. Dies war wahrscheinlich das Gold, daß während dieser Zeit in der Balkanregion zirkulierte (Constantinescu)

Geschichte der Lysimachus-Typen:
Das älteste Dokument, in dem die Lysimachus-Typen erwähnt werden, stammt von Wolfgang Lazius, das 1598 veröffentlicht wurde, das er aber bereits 1551 geschrieben hatte. Er schildert darin, wie der Schatz in den Gewässern des Flusses Sargetia gefunden wurde, in einem Gewölbe, das im oberen Teil durch die Wurzeln eines Baumes zerstört war. Dort sollen Fischer 40000(!) Goldmünzen entdeckt haben. Die meisten von ihnen trugen in griechischer Sprache den Namen des thrakischen Königs Lysimachus ("magna ex parte Lysimachi Thraciae regis Graecam inscriptionem ostendebant"). Durch die anschließende Suche durch die Behörden wurden noch einige tausend Münzen mehr entdeckt.

Ebenfalls aus dem 16. Jh. stammt das Fragment einer Predigt von Mathesius Sarepta, der 1554 dieses Ereignis erwähnt. Er konnte sogar einige Münzen selbst in Augenschein nehmen und identifizierte sie als Münzen des Lysimachus und des Koson-Typs. Die letzteren beschrieb er ausführlich.

Ascanio Centorio schildert diese Episode in einem Werk von 1566 etwas anders. Bei ihm waren es starke Regenfälle und Überschwemmungen, die den Schatz freilegten. Dies geschah in der Nähe von Ruinen einer dakischen Stadt in der Nähe von Devna. Nach ihm war es eine riesige Menge von Münzen, er schätzt sie auf mehr als hunderttausend! Seine Beschreibung aber ist genau: "auf der einen Seite war das Abbild des Lysimachus und auf der anderen Seite eine Victoria".

Es ist bekannt, daß diese Münzen damals als "Heidenmünzen" bezeichnet wurden und als mittelalterliche Fälschungen angesehen wurden. Dieser Meinung ist noch 1998 Constantin Preda!

Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer mehr dieser Münzen entdeckt, vereinzelt oder in Horten. Vom Beginn des 19. Jh. gibt es ein Dokument, das eine detaillierte Beschreibung einer Lysimachus-Type enthält. Diese Münze habe auf ihrer Rückseite ‘tridens cum delphini […] in area monograma ΘΕΜ[…] intra sellam ΤΟ’ (Winkler 1960).

Die Fundgeschichte von 1998:
Die Fundgeschichte von 1998 ist inzwischen aufgeklärt. Sie hat sich folgendermaßen abgespielt:
Im August 1998 haben 2 Schatzsucher, D. Baci und M. Mihăilă, bei Sarmizetegusa Regia in den Oresti-Bergen in Rumänien einen riesigen Hort aus etwa 3600 Statern des mithridatischen Lysimachus-Typs gefunden, sowie einige Stater von Pharnakes II. und einige von Asander als Archon. Dies fand an einem Ort statt names "Şesul Căprăreţei lângă cărare (Ebene der Ziege - in der Nähe des Weges)". Diese Münzen wurden illegal ausgegraben und in den internationalen Markt gebracht. Wir wissen aber, daß einige dieser Münzen (einschließlich der Münzen von Pharnakes II und von Asander) sich Ende 1999 noch in Rumänien befanden, denn sie wurden zu dieser Zeit im Haus von Traian Stănilă gesehen, danach aber nicht mehr.

Nachdem diese Münzen in der Öffentlichkeit bekannt wurden, begann eine intensive Debatte.

Im September 1999 schrieben Harlan J. Berk und Donald Macdonald im Auktionskatalog Triton III über das jüngste Auftauchen dieser Münzen:
"Over the summer of 1999, two important groups of gold staters, presumably from recent finds, came onto the market. One contained posthumous Lysimachos staters and the other was a small group of Pharnakes II and Asander staters. No find spot is known, nor do we know if the coins represent one hoard, two hoards or more."

Damals waren die Fundumstände noch nicht bekannt und es wurden mehrere Fundorte diskutiert. Um die Herkunft zu verschleiern, hatten die Finder nämlich unterschiedliche Fundorte angegeben.

Entstehungsgeschichte des Horts von 1998:
Harlan J. Berk schrieb zu meiner Münze: "Es ist die Nachahmung eines Goldstaters des Lysimachus (323-281 v.Chr.), geprägt zur Bezahlung der thrakischen Söldner, die Brutus anwarb für seinen Kampf gegen Octavian und Marcus Antonius".
Eine andere Interpretation war dagegen: Sie seien bereits geprägt worden unter Mithradates VI. 88-87 v. Chr. während des 1. Mithradatischen Krieges. Die wahrscheinlichste Theorie ist heute aber eine andere:

Diese Lysimachos-Stater waren geprägt worden in Tomis, Istros, Kallatis und Byzantium. Sie stammen also alle von der westlichen Schwarzmeerküste. Dort begann ihre Reise, die sie in das mehr als 600km entfernte Sarmizetegusa Regia brachte. Es war ein Hort einer kleinen Menge von Statern des Pharnakes II. und des Asander als Archon von der westlichen Küste des Schwarzen Meeres, das Burebista erobert hatte (Warum nicht auch aus Olbia?), gemischt mit Tausenden von Statern des mithridatischen Lysimachus-Typs. Wahrscheinlich stammt er aus dem Jahr 46 v.Chr. und ist entstanden im Anschluß an Burebistas Feldzug von Olbia nach Apollonia Pontika. Wir sehen, daß wir nur dann mehr erfahren können, wenn wir uns mit Burebista und seiner Zeit beschäftigen.

Exkurs: Burebista und seine Zeit

Burebista (gest. um 44 v. Chr.) war der erste König des vereinigten Staates der Daker. Teils mit Gewalt vereinigte er die geto-dakischen Stämme und wurde 82 v. Chr. ihr König. Er baute die Festung Sarmizegetusa Regia. Sarmizegetusa Regia, auch Sarmizegetusa (nicht zu verwechseln mit der römischen Kolonie Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa) war bis zur Zerstörung im Jahre 106 im zweiten Dakerkrieg des römischen Kaisers Trajan ein militärischer Stützpunkt und die Hauptstadt des antiken Reichs der Daker
Burebista_statue_in_Orastie2.jpg
Statue des Burebista in Orastie (Roamata, Wikimedia)

Zahlreiche Funde bei archäologischen Ausgrabungen in der Region deuten auf eine Besiedlung bis in die Jungsteinzeit zurück. Die gesamte archäologische Stätte steht nach dem 2001 verabschiedeten Gesetz Nr. 422/2001 als historisches Denkmal unter Schutz.
1024px-RO-Sarmizegetusa_Regia_1.jpg
Sarmizegetus Regia (Lysy, Wikimedia)

Erwähnt wird Burebista bei Strabo als Byrebistas und Boirebistas und in Jordanes "Getica" als Buruista. Durch Eroberungen vergrößerte er das dakische Kernland beträchtlich. Zwischen 55 und wahrscheinlich vor 48 v. Chr. eroberte er die griechischen Küstenstädte am Schwarzen Meer von Olbia im Norden bis Apollonia Pontika im Süden. Auf dem Höhepunkt seiner Macht erstreckte sich sein Reich von der mittleren Donau bis zum Schwarzen Meer. Im römischen Bürgerkrieg stand er auf Seite des Pompeius. Nach dessen Niederlage plante Caesar einen Feldzug gegen die Daker, der aber durch seinen Tod verhindert wurde.
Dacia_ca_44_BC.jpg
Karte des dakischen Reiches am Ende von Burebistas Regierungszeit ca. 44 v.Chr. (Curtisimo, Cointalk)

44 v. Chr. fiel Burebista selbst einer Veschwörung dakischer Adliger zum Opfer und das dakische Reich zerfiel in Teilkönigtümer.

Quellen:
(1) Strabo, Geographika
(2) Jordanes, Getika
(3) Wikipedia

Literatur:
(1) Regling, AMNG I/2, 1910
(2) Der Kleine Pauly
(3) Lucian Munteanu, Some Remarks Concerning the Gold Coins with the Legend ‘ΚΟΣΩΝ’, in N, Holmes (ed), Proceedings of the “XIV International       Numismatic Congress, Glasgow 2009”, I, Glasgow 2011.
(4) Lucian Monteanu, Quelques considerations concernant les decouvertes des monnaies d'or de type Lysimaque dans la Dacie intra-carpatique, in       Ethnic Contacts and Cultural Exchanges North and West of the Black Sea from the Greek Colonization to the Ottoman Conquest, Iaşi, 2005
(5) Emanuel Petac, About the Sarmizegetusa Hoard from 1998 and the Possible Chronology of  Burebista’s Campaign to the Black Sea Border,       Notae Numismatica, Tom XIII, Krakau 2018
(6) Bogdan Constantinescu et al., Archaeometallurgical  Characterization of Ancient Gold Artifacts from Romanian Museums using XRF, Micro-PIXE and       Micro-SR-XRF Methods, 2012
(7) Constantin Preda, Ein neuer Vorschlag zur Chronologie der Koson-Münzen, in Stephanos Numismatikos 1998, herausgeben von Dr. Ulrike Peter,
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
(8) Judit Winkler (1960), ‘Note despre colecţia monetară a lui Dániel Lészay’, Studii şi Cercetări de Numismatică 3, pp. 451-64.
(9) "A beautiful Gold Stater... of Brutus?", Curtisomo,  Cointalk

Mit freundlichen Grüßen
Jochen

Anmerkung:
Diese Recherchen habe ich für mich selbst gemacht, um dem Hintergrund meiner Lysimachus-Type nachzugehen. Falls jemand sie interessant findet, würde ich mich freuen.
Zuletzt geändert von Peter43 am Mo 14.02.22 20:00, insgesamt 2-mal geändert.
Omnes vulnerant, ultima necat.

T........s

Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von T........s » Mo 14.02.22 17:09

Oh sehr schön - solche interessanten "Geschichten" sind faszinierend. Danke Jochen - wieder eine Abendlektüre.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 20.02.22 15:50

Antiochos IV. von Kommagene

Die Geschichte eines römischen Klientelkönigs

Die Münze:
Königreich Kommagene, Antiochos IV. Epiphanes, 38-72 n. Chr.
AE 28, 13.32g, 27.71mm
Av.: ΒΑΣΙΛΕ[ΥΣ MEΓ] - AΣ ANTIOXOΣ
       diademierter Kopf n. r.
Rv.: KOMMAΓ - HNΩN
       Skorpion, gekrönt mit gebändertem Kranz, alles im Lorbeerkranz
Ref.: BMC 6; Butcher 1; RPC 3854; cf Sear Greek  Imperial Coins 5507
S+, braun-schwarze Patina
commagene_antiochusIV_RPC3854.jpg

Kommagene:
Kommagene war eine Landschaft in Nordsyrien am Südhang des Taurus und erstreckte sich bis zum Euphrat. Der Name kommt wohl von dem regionalen Fürstentum Kummuh aus dem 12. Jh. v. Chr., von dem aber erst seit dem 9. Jh. schriftliche Informationen bekannt sind. Nach dem Tod Alexander des Großen kam es bei den Auseinandersetzungen zwischen den Diadochen an das Seleukidenreich. Unter Ptolemaios wurde es 163 v. Chr. von diesem unabhängig. Der bedeutendste König war Antiochos I. (69-ca.36 v. Chr.).
Seine strategische Bedeutung lag in der Beherrschung von Übergängen über den Taurus und seiner Lage zwischen den beiden Weltreichen der Römer und der Perser. In der Antike war es mit dichten Wäldern bedeckt und exportierte Holz. Heute ist es verkarstet.

Antiochos IV.
Antiochos IV. 38-72 n. Chr., Sohn des Antiochos III. von Kommagene, war der letzte König von Kommagene. Er war armenisch-griechisch-medischer Herkunft und durch Laodike VII. Thea, der Mutter von Antiochos I. von Kommagene, ein direkter Abkömmling der griechischen Seleukiden.

Als sein Vater 17 n. Chr. starb, befand sich das kommagenische Reich in politischer Unruhe. Ein Grund dafür war, daß Antiochos IV. und seine Schwester Iotapa zu jung waren, um dem Vater auf den Thron zu folgen, und es deshalb keine ordnende Autorität im Reich gab. Es gab 2 Gruppen: die eine war dafür, Kommagene der Herrschaft des Römischen Reiches unterzuordnen, die andere, die Herrschaft des Königs zu behalten. Sie beschlossen, eine Botschaft nach Rom zu senden und sich der Entscheidung Roms zu unterwerfen. Dies markierte das Ende der Unabhängigkeit Kommagenes. Tiberius entschied sich, Kommagene der römischen Provinz Syrien anzugliedern, was von vielen Bürgern Kommagenes begrüßt wurde.

Antiochos und seine Schwester Iotapa wurden nach Rom geschickt, wo sie am berühmten Hof der Antonia minor, einer Nichte des Augustus und jüngsten Tochter des Marcus Antonius, aufwuchsen. Antonia minor war eine sehr einflußreiche Frau und erzog zahlreiche auswärtige Prinzen und Prinzessinnen. Damit half ihr Kreis mit bei der Sicherung von Roms Außengrenzen und Angelegenheiten der Klientelkönige.

Antiochos erhielt das römische Bürgerrecht und fügte seinem Namen ein Gaius Iulius an, wie es üblich war. Er nannte sich jetzt Gaius Iulius Antiochus IV. Epiphanes. Epiphanes (griech. = der Erschienene, d.h. Gott) sollte seine Göttlichkeit unterstreichen. Seine Schwester bekam den Namen Iulia Iotapa.

38 n. Chr. erhielt Antiochos von Caligula, dem Enkelsohn der Antonia minor, seine väterliche Herrschaft zurück. Zusätzlich wurde sie um Teile der kilikischen Küste erweitert. Dazu gab ihm Caligula sämtliche Steuern, die sich in den 20 Jahren als römischer Provinz angesammelt hatten, zurück, angeblich 1 Million Aurei(!). Das war sehr ungewöhnlich und der Grund bleibt unklar. Vielleicht war es ein Ausdruck von Caligulas bekannter Exzentrizität! Er war mit Caligula eng befreundet und es heißt, daß er und Agrippa I. ihn in Tyrannei unterrichtet hätten. Diese Freundschaft aber hielt nicht lange. Kurze Zeit später wurde er von Caligula wieder abgesetzt.

Er erhielt sein Königreich erst wieder zurück, als Claudius 41 n. Chr. Kaiser wurde. Man sieht wer hier das Sagen hatte: Rom schaltete und waltete nach Belieben!

Antiochos war mit seiner Schwester Iotapa verheiratet. 43 verlobte er seinen ältesten Sohn Gaius Iulius Archelaos Antiochos Epiphanes mit Drusilla, einer Tochter des jüdischen Königs Agrippa I., aber zu einer Hochzeit kam es nicht. Stattdessen heiratete Epiphanes einige Zeit später Claudia Capitolina, die Tochter des Gelehrten Tiberius Claudius Balbillus. Daneben hatte Antiochos noch zwei weitere Kinder mit Iotapa: Kallinikos und Iotapa die Jüngere. 47 feierte Antiochos zu Ehren des Claudius Spiele.

52 n. Chr. schlug Antiochos einen Aufstand babarischer Stämme, der Kleitai, in Kilikien nieder (Tacitus). Gegen diese hatten die Römer bereits 36 n. Chr. eine Strafexpedition unternommen. Antiochos konnte Troxibor, ihren Anführer, töten und den Rest "befrieden".

54 und 58 kam er dem Befehl Kaiser Neros nach und half den Römern bei ihrem Krieg gegen die Parther. 59 n. Chr. diente er unter Cn. Domitius Corbulo gegen König Tiridates I. von Armenien, dem Bruder des parthischen Königs Vologases I. Dafür erhielt er 61 n. Chr. Teile von Armenien.

69 stand er auf der Seite von Vespasian und damals sprach man von ihm als dem reichsten Klientelkönig. 70 schickte er Truppen unter seinem Sohn Epiphanes zu Titus, um ihm bei der Belagerung von Jerusalem zu helfen.

Der Untergang des Antiochos kam nur 2 Jahre später. 72 wurde er von L. Caesennius Paetus, dem römischen Statthalter von Syrien, wahrscheinlich zu Unrecht, der Konspiration mit den Parthern beschuldigt und von Vespasian abgesetzt, danach aber in großen Ehren von ihm aufgenommen. Kommagene wurde wieder römische Provinz. Dies sollte nicht das einzige Mal bleiben, daß ein Staat, der eine selbständige Rolle zwischen den beiden Supermächten Rom und Persien spielen wollte, zwischen ihnen zerrieben wurde.

Epiphanes und Kallinikos, die beiden Söhne des Antiochos, flohen nach einem kurzen Zusammenstoß mit den Römern zu den Parthern. Antiochos ging zunächst nach Sparta und dann nach Rom, wo er den Rest seines Lebens mit seinen Söhnen verbrachte und mit großem Respekt behandelt wurde.

Zu den Enkeln von Antiochos und Iotapa gehörte Philoppapos (65-116), einer der damals prominentesten Griechen des römischen Reiches und ein Freund der Kaiser Trajan und Hadrian, und seine Schwester, die Dichterin Iulia Balbilla, die Hofpoetin von Hadrian. Sie schrieb im schon damals altertümlichen äolischen Dialekt der Sappho und ist eine der wenigen Römerinnen, von denen bekannt ist, daß sie dichterisch tätig waren.

In seiner Regierungszeit gründete Antiochos die Städte Germanikopolis, Neronias und zu Ehren seiner verstorbenen Frau und Schwester die Stadt Iotapa, das heutige Aytap in der Türkei, das durch seinen natürlichen Hafen an der kilikischen Küste strategisch wichtig war.

Auf einigen Münzen, wie auch auf unserer, nannte sich Antiochos ΒΑΣΙΛΕΥΣ MEΓAΣ, Großkönig. Das zeigt seine politischen Ambitionen. die ohne Zweifel eine Rolle bei seinem Niedergang spielten.
commagene_50D.jpg
Kommagene um 50 n. Chr., vor seiner größten Ausdehnung

Quellen:
(1) Tacitus, Annalen
(2) Cassius Dio, Römische Geschichte
(3) Josephus, Jüdische Altertümer
(4) Josephus, Bellum Judaicum

Literatur:
(1) Der Kleine Pauly

Online-Quellen:
(1) Wikipedia

Freundliche Grüße
Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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