Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

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Goseharzer
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Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Goseharzer » Mi 14.01.26 19:36

Hallo, ich hatte mich bereits am 21.12.2025 mit einer ähnlichen Bitte (siehe unten) erfolgreich an das Forum gewandt.Die Experten haben in absolut beeindruckender Geschwindigkeit die Münze richtig zugeordnet und bestimmt.

Nach der nun vollständigen Durchsicht des Nachlasses des bekannten Goslarer Heimatforschers Hans-Günther Griep habe ich nun noch eine zweite Kupfermünze gefunden, die ich nicht zuordnen kann und auf die ebenfalls die nachfolgende Beschreibung in dem Beitrag der Harz-Zeitschrift von 1964 „Ausgrabungen und Bodenfunde im Stadtgebiet Goslar. Teil II auf S. 99 zutrifft:

„ …. In einem aus der Altstadt zum Hubertusweg gelangten Erdaushub ist 1959 eine römische Kupfermünze gefunden worden. Deren Prägung ist ebenfalls so weit verwittert, daß eine nähere Bestimmung bisher nicht möglich war. Angeblich stammt der Schutt aus der Umgebung des Rosentores, einem ebenfalls interessanten und historisch umstrittenen Platz. .…“


Diese nachfolgend abgebildete Kupfermünze weist sehr starke Korrosionsspuren auf. Der Nachweis eines Fundes einer römischen Kupfermünze im Stadtgebiet von Goslar und ihre Altersbestimmung wäre von sehr großer stadtgeschichtlicher Bedeutung. Der Durchmesser der Münze beträgt 25 Millimeter, die Dicke 0,6 Millimeter. Das Gewicht beträgt 1,6 Gramm.

Vielleicht können auch hier die Experten bei der Bestimmung der Münze im Forum nochmals weiterhelfen.

A(1).jpg
B.jpg
C.jpg
D.jpg

Besten Dank im Voraus und Grüße aus der UNESCO-Welterbestadt Goslar,



Goseharzer hat geschrieben:
So 21.12.25 23:32
Hallo, ich bin neu im Forum und habe eine sehr diffizile Fragestellung. Ich bearbeite zur Zeit ehrenamtlich den Nachlass des bekannten Goslarer Heimatforschers Hans-Günther Griep. Darunter befindet sich auch eine Kupfermünze, die von Griep in dem Beitrag der Harz-Zeitschrift von 1964 „Ausgrabungen und Bodenfunde im Stadtgebiet Goslar. Teil II auf S. 99 wie folgt beschrieben wird:

„ …. In einem aus der Altstadt zum Hubertusweg gelangten Erdaushub ist 1959 eine römische Kupfermünze gefunden worden. Deren Prägung ist ebenfalls so weit verwittert, daß eine nähere Bestimmung bisher nicht möglich war. Angeblich stammt der Schutt aus der Umgebung des Rosentores, einem ebenfalls interessanten und historisch umstrittenen Platz. .…“

Durch die Fortschritte seither in der Forschung habe ich die Hoffnung, dass ich diese nachfolgend abgebildete Kupfermünze trotz der starken Korrosionsspuren bestimmen lässt. Der Nachweis eines Fundes einer römischen Kupfermünze im Stadtgebiet von Goslar und ihre Altersbestimmung wäre von sehr großer stadtgeschichtlicher Bedeutung. Der Durchmesser der Münze beträgt 22,5 Millimeter, die Dicke 0,9 Millimeter. Das Gewicht beträgt 3,2 Gramm. Auf einer Seite der Münze schemenhaft erkennbar ist eine Figur ? sowie am oberen Rand der Buchstaben S und schemenhaft eventuell der Buchstabe O. Die andere Seite der Münze zeigt ebenfalls eine umlaufende Beschriftung.
Vielleicht können hier die Experten bei der Bestimmung der Münze im Forum weiterhelfen.
Vielleicht liefern die Münzfunde von Schlacht am ca. 40 km von Goslar entfernten Harzhorn (235/236 n. Chr.) ein Indiz für eine zeitliche Einordnung.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Harz
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Atalaya » Mi 14.01.26 21:12

Also ich bin mir auch in diesem Fall ziemlich sicher, dass es sich um eine römische Münze handelt. Vielleicht ein Knopf? Wie sieht die Rückseite aus?

Aber ich kann ehrlich gesagt auch nicht verstehen, welche Bedeutung der Fund einer römischen Münze im Stadtgebiet von Goslar haben soll. Eine einzelne Münze sagt doch gar nichts aus.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Goseharzer » Mi 14.01.26 21:44

Der erste Satz ist für mich im Gesamtkontext mißverständlich "Also ich bin mir auch in diesem Fall ziemlich sicher, dass es sich um eine römische Münze handelt." Wurde dort das Wort "nicht" vergessen ?

Die ersten beiden Bilder zeigen die "Vorderseite" und die nächsten zwei Bilder die "Rückseite". Stadtgeschichtlich ist ein Fund römischer Artefakte insofern bedeutsam, dass es in Goslar eine "villa romana" gab. Handelt es sich bei der Münze um eine römische Münze, wäre die zeitliche Einordnung in Hinblick auf die Schlacht am Harzhorn interessang, die ca. 40 km entfernt stattfand.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Atalaya » Mi 14.01.26 22:14

Ja, da habe ich zuviel am Text rumgefeilt. Das ist keine römische Münze.

Was soll denn eine villa romana sein? Natürlich haben auf dem Gebiet des heutigen Goslar in der Eisenzeit Menschen gesiedelt und dort oder in der Nähe Bergbau betrieben. Trotzdem sagt eine einzelne Münze ohne Fundzusammenhang wenig aus.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Goseharzer » Mi 14.01.26 23:35

Ihrer Einschätzung, das es sich nicht um eine römische Münze handelt, kann ich folgen. Aber was ist es dann? Eine 1958 aufgefundene stark korridierte Kupfermünze wurde zumindest 1968 durch Griep als "römische" Münze beschrieben - insofern ist dort ein Fundzusammenhang gegeben. Nur die Zuschreibung der Kupfermünze als "römisch" war dann falsch. Sehr wenige weitere römische Artefakte (u.a. ein Keramikscherben) sind aber für Goslar beschrieben und auch Bergbau und Metallbearbeitung hat nach aktuellem Forschungsstand mindestens seit der Bronzezeit am Rammelsberg in Goslar stattgefunden. Für mich als Numismatik-Laie nicht plausibel ist, daß auf der Vorderseite der Münze/Wertmarke/Jetons das glockenförmige Symbol sich als Einprägung relativ deutlich erhalten hat und sich auf der Rückseite der Münze/Wertmarke/Jetons schemenhaft und quasi als "Durchprägung/Durchstanzung" als Erhebung abzeichnet. Der Begriff "villa romana" wurde für Goslar erstmalig im 19. Jh geprägt und bezieht sich wohl auf eine befestigte Baulichkeit im römischen Stil. Bisher wurde eine römische oder auch fränkische Gründung zwar ausgeschlossen, was aber wohl nach den Funden vom Harzhorn und Hedemünden nicht mehr vollständig auszuschließen ist.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Chippi » Do 15.01.26 06:42

Man könnte auch von einer einseitigen Marke ausgehen, z.B. wurden sie im Bergbau benutzt. Gibt aber noch mehr Einsatzgebiete.

Gruß Chippi
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Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Atalaya » Do 15.01.26 10:22

Welche Kompetenz hatte denn Herr Griep römische Münzen zu erkennen? Warum wäre seiner Aussage zu trauen?

Dass das Gebiet, welches heute von der Stadt Goslar eingenommen wird, seit der Bronzezeit an den Fernhandel angeschlossen war, ist ja klar. Deswegen würden auch einzelne römische Objekte überhaupt nicht verwundern. Um aber eine auf Dauer angelegte römische Präsenz in diesem Gebiet zu belegen, wären schon eindeutig römische Befunde im Sinne von typischen Fundamentgräben usw. notwendig.

Die Befundlage in Hedemünden ist spannend aber keineswegs abschließend geklärt. Das Harzhorn-Ereignis war ja nur ein flüchtiger Vorgang, dessen archäologische Spuren glücklicherweise aufgefunden wurden. Beide Fundstellen helfen aber wenig in Bezug auf den Nordrand des Harzes.

Wenn der Begriff "villa romana" im 19. Jhdt. aufkam, sagt er doch nichts aus. Davon abgesehen, kann sich romana auch auf das mittelalterliche Rom beziehen; bei den Beziehungen Goslars zum Kaisertum wäre das keine Überraschung.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Goseharzer » Do 15.01.26 11:27

Der Heimatforscher Griep - siehe

https://museumsverein-goslar.de/presse/ ... her-griep/

arbeitete u.a. auch eng mit dem Goslarer Prof. Adalbert Büttner siehe

https://www.abebooks.de/9783786117056/M ... KnPRE4Vo6a

zusammen, wenn es um Münzfragen ging. Insofern ist die Publikation des Fundes und Einstufung als "römische" Kupfermünze zumindest der Überrprüfung würdig, da ich dieses Objekt ohne weitere Angaben in einer mit "Nr. 1" beschrifteten Zellophantüte im sehr umfangreichen Nachlass von Griep aufgefunden habe. Diese Beschriftung "Nr. 1" würde auch zu dem im Beitrag beschriebenen frühen Fundzeitpunk im Jahr 1958 sprechen, als Griep mit der systematischen Beschreibung von Ausgrabungen und Bodenfunden im Stadtgebiet von Goslar begann. Interessant ist der 1983 ebenfalls von Griep beschriebene Fund eines Gefäßscherben der römischen Kaiserzeit auf dem Pfalzhügel - heute Standort der Kaiserpfalz.
griep.jpg
Für eine "Bergbau-Fahrmarke" , wie in dem Beitrag von Chippy vorgeschlagen, halte ich das Objekt nicht, da alle mir bekannten Harzer Fahrmarken gelocht und i.d.R. nummeriert waren - siehe auch

https://www.karl-heupel.de/dokuwiki/dok ... rken:start
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Atalaya » Do 15.01.26 15:42

Wie wurde denn damals die Münze interpretiert?
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Lackland » Do 15.01.26 16:29

Hallo,

zuerst einmal möchte ich Atalaya und Chippi beipflichten! Ihre Aussagen haben Hand und Fuß!

Nun meine Ergänzungen/Meinung:

Die gezeigte Marke (nichts anderes ist es) ist stadtgeschichtlich NICHT bedeutsam. Vermutlich nicht einmal, wenn es einen gesicherten Fundkontext (zum Beispiel Lesefund in einer römischen Villa Rustica) gäbe.

Wir haben hier eine zeitlich absolut nicht eingrenzbare Kupfermarke, die möglicherweise als Wertmarke für irgendeinen Zweck genutzt wurde. Der Bergbau liegt da durchaus im Bereich des Möglichen. Auch eine zeitweilige Nutzung als Kleingeldersatz ist nicht auszuschließen.

Viele Grüße

Lackland
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Goseharzer » Do 15.01.26 17:08

Hallo,

ad 1 - Wie wurde denn damals die Münze interpretiert?

Dies steht in Anfrage wie folgt:

Nach der nun vollständigen Durchsicht des Nachlasses des bekannten Goslarer Heimatforschers Hans-Günther Griep habe ich nun noch eine zweite Kupfermünze gefunden, die ich nicht zuordnen kann und auf die ebenfalls die nachfolgende Beschreibung in dem Beitrag der Harz-Zeitschrift von 1964 „Ausgrabungen und Bodenfunde im Stadtgebiet Goslar. Teil II auf S. 99 zutrifft:

„ …. In einem aus der Altstadt zum Hubertusweg gelangten Erdaushub ist 1959 eine römische Kupfermünze gefunden worden. Deren Prägung ist ebenfalls so weit verwittert, daß eine nähere Bestimmung bisher nicht möglich war. Angeblich stammt der Schutt aus der Umgebung des Rosentores, einem ebenfalls interessanten und historisch umstrittenen Platz. .…“



ad 2 - zum Fundkontext - siehe oben.

Ich hatte die Hoffnung, das jemand im Forum anhand des schemenhaft erkennbaren Symbols - ähnlich einer Glocke oder einem Schildwappen - spontan eine Zuordnung/Bestimmung liefern könnte.

Ich werde jetzt das Objekt über das NLD - Arbeitsstelle Montanarchäologie mal in das archäometallurgische Forschungsprojekt einliefern. Mal schauen ob dabei eine Kupfer-Provenienzanalyse möglich ist.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Atalaya » Do 15.01.26 19:58

Ja, aber welche Bedeutung maß Hans-Günther Griep denn nun der von ihm gefundenen römischen Münze zu? Mir liegt der Band der Harz-Zeitschrift nicht vor. Die zitierte Beschreibung der Fundumstände entspricht jedenfalls einem Streufund ohne jegliche Aussagekraft, außer über sich selbst.
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von chlor35 » Do 15.01.26 20:07

Hallo Goseharzer,

noch ein paar Bemerkungen von meiner Seite, um Dir die sicherlich richtigen Aussagen der Kollegen (= nicht römisch, sondern (vorm. spätes) Mittelalter, keine Münze, sondern eine Marke oder Zeichen) vielleicht besser verständlich zu machen.

a) Wie wurde die Marke hergestellt? Aus einem Kupferblecht, das wahrscheinlich noch von Hand getrieben worden ist, wurden mit einer Schere Ronden ausgeschnitten oder mit einem Locheisen ausgestanzt. Die Ronden wurden auf eine weiche Unterlage gelegt (wahrscheinlich ein Holzblock) und mit Hammerschlag einseitig "gestempelt". Der Stempel besaß eine erhabene Gravur. Die einseitige Stempelung hat sich wegen der weichen Unterlage durchgedrückt. Daraus lässt sich m. E. folgern, dass es der Person, die die Marke hergestellt hat, insbesondere auf die gestempelte Seite der Marke ankam (Foto 1 und 2).
b) Die meisten Leute im Mittelalter konnten nicht lesen, deshalb musste die Abbildung auf der Marke immer auch selbsterklärend sein. Das heißt, was immer Du darin erkennst, kann der Zweck der Marke sein. Marken dienten u.a. dazu eine Art Berechtigungsausweis zu sein, z.B. für arme Leute für den Bezug von kostenlosen oder verbilligten Lebensmitteln oder Holz. Oder sie dienten als Nachweis dafür, dass Leistung erbracht worden sind, z.B. Bezahlung von Steuern (Ungeld), oder Erbringen einer Arbeitsleistung. Wenn Du darin eine Glocke siehst, könnte es sich um eine kirchliche Almosenmarke handeln. Ich sehe darin eher ein gesichertes Stollenprofil und würde darin eine Bergwerksmarke vermuten. Das wird sich sicher nicht klären lassen.
c) Marken besitzen immer nur eine regionale Gültigkeit (z.B. in einer Stadt). Deshalb stammen Marken fast immer aus der Region in der sie gefunden werden. D.h. auch, die Marke hat sehr wahrscheinlich mit Goslar zu tun und der Rohstoff Kupfer stammt auch ziemlich sicher aus der Region.

Ich hoffe die Erklärungen helfen (ein bisschen)
Thomas

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tilos
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von tilos » Do 15.01.26 20:14

Goseharzer hat geschrieben:
Do 15.01.26 11:27
---
Für eine "Bergbau-Fahrmarke" , wie in dem Beitrag von Chippy vorgeschlagen, halte ich das Objekt nicht, da alle mir bekannten Harzer Fahrmarken gelocht und i.d.R. nummeriert waren - siehe auch
https://www.karl-heupel.de/dokuwiki/dok ... rken:start
Da möchte ich einen kleinen Irrtum deinerseits aufklären. Chippi sprach von einer Bergbaumarke, nicht explizit von einer Fahrmarke (o. Schießmarke o. Werkzeugmarke ...). Zu den Berbaumarken gehören z.B. auch die sogen. Huntsmarken, diese überwiegend auf Kupfer geprägt und ohne Lochung.

Deine einseitige Marke ist sicher nicht römisch, eher neuzeitlich und in typischer Weise (für dünne Kupferrohlinge) durchgeprägt. Um eine Bergbaumarke wird es sich vermutlich trotzdem nicht handeln. Kurz hatte ich an einen "Zeugen" aus der Bodenvermessung gedacht, aber die sind zumeist aus Keramik.

Grüße
Tilos
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Goseharzer
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Re: Bestimmung einer sehr stark korrodierten Kupfermünze - stadtgeschichtlich sehr bedeutsam

Beitrag von Goseharzer » Do 15.01.26 21:52

Hallo in die Runde,

vielen Dank an dieser Stelle schon einmal für die rege Teilnahme und die zahlreichen Antworten und wertvollen Anregungen bisher. Die Beschreibung von Chlor35 des münzänhlichen Objektes als eine aus einem Kupferblech gestanzte Wertmarke ist für mich am plausibelsten und trifft das Objekt am besten. Ich werde mit dieser Beschreibung einmal bei den mir bekannten Montanhistorikern, Museumsleuten und Lokalhistorikern nach weiteren Informationen suchen, ob dort dieses eingeprägte Symbol bekannt ist und werde natürlich sofort hier im Forum berichten. Möglicherweise kommt ja auch eine Tormarke infrage, da Griep als Fundort den Bereich des Rosentores - eines der Goslarer Stadttore - angiebt. Allerdings habe ich bislang noch an keiner Stelle in der Literatur Hinweise auf Tormarken für Goslar gefunden. Auch ein Bezug zum direkt daneben befindlichen Kloster Neuwerk wäre vielleicht möglich.
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chlor35 (Fr 16.01.26 10:51)

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