gefütterte / plattierte Severina

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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didius
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gefütterte / plattierte Severina

Beitrag von didius » So 04.10.09 22:42

Hallo zusammen,

auf den Scan's kommt es nicht richtig raus, aber diese Severina sieht aus, als wäre sie plattiert, d.h. der Kern sieht aus wie aus Kupfer/Bronze. Aber darüber kommt eine eindeutig hauchdünne silberne Auflage.

Av:
SEVERINAE AVG
Büste auf Mondsichel
Rv:
CONCORDIAE MILITVM
Concordia zwischen zwei Standarten
Ex:
SXXI

Serdica, RIC V/I, 13

Mir war nicht bewust, dass zu dieser Zeit noch gefütterte / plattierte Stücke hergestellt wurden. Habt ihr noch Infos dazu?

Viele Grüße
didius
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Severina_rv_s.jpg
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andi89
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Beitrag von andi89 » Mo 05.10.09 13:36

Hallo!

Ob nun diese Severina subaerat ist oder nicht, kann ich anhand der Bilder nicht beurteilen; es gibt aber zum Beispiel auch von Valerian I Stücke, die eindeutig plattiert sind. Von daher ist es also nich ganz unwahrscheinlich, dass es auch ein paar Jahre danach noch solche Stücke gab.

Andi
"...nam idem velle atque idem nolle, ea demum perniciosa amicitia est." (frei nach C. Sallustius Crispus)

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Mo 05.10.09 13:48

Die Stücke von Valerian I. sind aber aus einer Zeit, als die Münzen noch aus Weissmetall waren, was bei Severina nicht mehr der Fall ist. Ein subärater, mit einer Silberschicht überzogener Antoninian der Severina macht keinen Sinn, weil der Silbergehalt der regulären Stücke zu niedrig ist, als dass es sich lohnen würde. Oder anders gesagt: eine Bronzemünze mit einer aufgeprägten Silberschicht hätte einen höheren Silbergehalt als eine reguläre Münze mit Silbersud, und würde im Umlauf ausserdem sofort auffallen, weil sie anders aussähe.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.

diwidat
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Beitrag von diwidat » Mo 05.10.09 14:03

Hallo didius,

mit Deinem Negerkampf im Tunnel kann man (ich) nun wirklich nichts anfangen.
Man kann aber deutlich erkennen wo die beprägte Oberfläche aufhört und das Kernmaterial angängt.
Ob das eine Plattierung ist, oder eine Schicht Hornsilber ist nicht zu unterscheiden.

Beim scannen lege doch mal ein weißes Blatt Papier (Karton) bei offenem Deckel auf die Münze - und dann scan in Farbe - das könnte helfen :D
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didius
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Beitrag von didius » Mo 05.10.09 16:20

Ok, ok, ...

ich gebs ja zu, ist fast nicht zu erkennen. Ich werd mich heute abend mal um bessere Bilder bemühen.

Ich hoffe, dann wird es deutlicher.

Viele Grüße
Daniel

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Beitrag von diwidat » Mo 05.10.09 19:05

Hallo didius, dann viel Glück am Scanner

Hintergrund weißes Papier, Auflösung auf 600 dpi, Helligkeit etwas hoch gedreht, das Ergebnis randnah beschnitten (Tischansichten brauchen wir keine) - und auch wichtig - das Licht sollte von oben (auf die Haare) auf die Münze fallen (erkennt man an den Schatten!), also Münze vor dem Scannen um 180 Grad auf der Glasplatte drehen.
Auch noch wichtig: In Farbe scannen, dann sieht man was Silber und was Bronze ist

Anschließend (wenn das Bild auf dem eigenen Bildschirm gut zu erkennen ist = der Operator ist zufrieden) die Bildgröße einstellen - Auflösung auf 72 dpi (mehr kann der Bildschirm eh nicht anzeigen) und die Breite (Höhe) auf ca. 500 Pixel einstellen = ergibt nach der Komprimierung (Speicherung) mit -> .jpg eine Bildgröße von unter 85 kB - also im Forum einstellbar.

Wenn es dann immer noch nichts wird - einfach mal jemanden fragen.

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Beitrag von didius » Mo 05.10.09 20:04

hier jetzt der neue versuch
ich hatte doch gestern tatsächlich die grundeinstellung am scanner umgestellt

speziell auf dem revers kann man gut den unterschied erkennen
in der hand ist die auflage deutlich silbern glänzend und der rest kupfern
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Beitrag von areich » Mo 05.10.09 20:14

Jetzt sieht man auch die bösen grünen Flecken. :(

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Beitrag von Pscipio » Mo 05.10.09 20:22

Ich sehe da keine Silberschicht. Was genau da passiert, weiss ich nicht, aber es sieht so aus, als löse sich die ganze oberse Schicht inkl. Patina ab, wohl weil die Münze zu stark gereingt wurde.

Gruss, Pscipio
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Beitrag von didius » Mo 05.10.09 22:17

Ich habs noch mal mit einem Foto versucht.
Das silbrig schwarze Glänzen gibts auch in Natura.

Gibt es eventuell einen chemischen Prozess, der den kleinen Silbergehalt dieser Antoniniane quasi an die Oberfläche transportiert, mit der Patina "verschmilzt", und dann diesen Effekt erzeugt?

didius
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Beitrag von beachcomber » Mo 05.10.09 23:50

ich denke auch diese antoniniane hatten ursprünglich einen silbersud.
durch die prägung wird die oberste schicht verdichtet, und unter bestimmten umweltbedingungen, kann durchaus korrosion in so einer form auftreten, dass die münze so delaminiert aussieht.
grüsse
frank

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Beitrag von diwidat » Di 06.10.09 00:20

Einen Effekt hat es zumindest gehabt, - ob Münze kaputt oder nicht ->

Du hast gelernt wie man eine Münze fotografiert - da gibt es fast keine Steigerung mehr :B-fly:
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Beitrag von drakenumi1 » Di 06.10.09 12:39

Ich komme noch einmal auf die Problematik von möglicher Silber-Plattierung später Antoniniane zurück: Nachdem ich auch in meiner Sammlung ein solches Exemplar geortet habe, allerdings von Probus. Die vielfach durchgebrochene Beschichtung hat eindeutig einen solchen Charakter, daß die entstandenen Silberkanten so dick und scharf sind, daß man sich daran schneiden kann, bzw. daß die gesamte Rückseite wie ein Reibeisen wirkt. Daß diese Silberschicht auf dem Wege der üblichen Silbersudbeschichtung erzeugt worden sein könnte, scheint mir völlig unmöglich. Auch die Entstehung der Schicht im Verlaufe einer "lebenslangen" Entmischung einer leicht silberhaltigen Schrötlingslegierung scheint mir völlig abwegig, da der Silberanteil der Legierung extrem zu niedrig ist und man die jetzt vorliegende Silberschicht vom Untergrund abziehen kann (s. das kleine Silberläppchen im Detailscan).
Dieser Probus ist in dieser Beschichtungsart nicht das einzige Exemplar, an das ich mich schwach erinnere. Noch zwei weitere Exemplare wurden mir in noch zerfressenerer Erhaltung vorgelegt, habe ich allerdings nicht gekauft.
Von der Echtheit der Stücke bin ich völlig überzeugt, so daß als Fazit übrigbleibt, festzutellen, daß es wohl auch im späteren Antoninianzeitalter wenigstens aus einer oder wenigen Münzstätten plattierte Prägungen gab.
Der Probus hier kommt wohl gemäß des "Epsilon" im Abschnitt aus Cyzikus (?):
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Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

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Beitrag von justus » Di 06.10.09 14:49

drakenumi1 hat geschrieben:Von der Echtheit der Stücke bin ich völlig überzeugt, so daß als Fazit übrigbleibt, festzutellen, daß es wohl auch im späteren Antoninianzeitalter wenigstens aus einer oder wenigen Münzstätten plattierte Prägungen gab.
Ganz meiner Meinung. Ich vertrete schon lange die Ansicht, dass Plattierungen, schon wegen des hohen technischen Aufwandes, sowie der doch sehr spezifischen Kenntnisse seitens der Münzarbeiter, offiziell in staatlichen Münzstätten hergestellt wurden. Falschmünzer dürften nicht oder nur in sehr wenigen Fällen (etwa ehemalige Münzarbeiter) über die notwendigen Kenntnisse verfügt haben, wie Versuche in neuerer Zeit zeigen, bei denen es nicht gelungen ist, diesen Vorgang der Plattierung eines Rohlings und anschließender gelungener Prägung, mit einfachen Mitteln zu bewerkstelligen.
mit freundlichem Gruß

IVSTVS
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Beitrag von Pscipio » Di 06.10.09 14:52

Jetzt übertreibst du aber! Unabhänging von der Frage, ob manche gefütterte Denare durch offizielle Prägestätten ausgebeben wurden (das Thema haben wir schon so oft durchgekaut), gibt es auf jeden Fall genügend gefütterte Denare von offensichtlich inoffiziellem Stil, die klar beweisen, dass die Technik ausserhalb der regulären Prägestätten durchaus beherrscht wurde.

Silbersud kann, wenn er perfekt erhalten ist, wie eine Silberplattierung aussehen.
Nata vimpi curmi da.

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