Etwas erkennbar? Münzen aus Kiesplatte

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

indiacoins
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Etwas erkennbar? Münzen aus Kiesplatte

Beitrag von indiacoins » Di 13.10.09 13:05

Hallo.
Eine kleine Rätseleinlage.
Ich habe hier 3 Münzen und wollte fragen, ob jemand ungefähr die Richtung sagen könnte. Es sind wohl klar römische Münzen. Alle scheinen von gleichen Regenten zu sein.
Die zwei kleinen Münzen haben 15-16mm Durchmesser und wiegen jeweils 3g. Auf beiden Seiten haben sie jeweils 1 Kopf. Die etwas größere Münze hat 20-21mm und wiegt 5,5g. Auf ihr sind auf der Vorderseite 2 Köpfe nebneinander und auf der Rückseite 1 Kopf.
Ich nehme mal stark an, daß es Bronze ist. Es schimmert bei einer Münze án 1 Stelle etwas kupferfarbenes Material durch. Ansonsten ist alles hart und rotbraun. Man bekommt auch mit Kaisernatron nichts runter. Entweder sind die Münzen plattgeschliffen oder zu hart eloxiert. EDTA-Lösung werde ich noch versuchen.

Ich habe die Münzen erst bekommen.
- Sie stammen: Das ist kein Scherz!- aus einer halben Kies-Gehwegplatte.

Mein Ur-Großvater hat 1928 ein Haus gebaut und irgendwoher verschiedendicke Platten aus Kies besorgt. Von 3-5cm dick( ca 40x40cm).

Dann hat mein Vater vor 30 Jahren einen Teil der Platten vom Weg genommen und bei seinem neuen Haus verlegt.
Nun wiederum wollte er die Dinger letzten Sommer loswerden und hat sie einfach wieder zu mir gekarrt.
Nun sollte ich sie verbauen oder entsorgen. 10 Platten konnte ich gebrauchen. Den Rest von ca 40 Platten sollte ich dann wegbringen.
Habe ich aber nicht, weil das Geld gekostet hätte.
Dann fand ich jemanden, der umsonst Fußbodenplatten für einen Hühnerstall suchte.
Dem habe ich sie dann geschenkt unter Bedingung, daß er sie ordentlich selber abholt. Er kam und ging. Er hatte die Platten genommen( und auch noch meine langen Beetbegrenzungsplatten, von denen überhaupt keine Rede gewesen war.)- Nun , war jetzt auch egal.
Aber unverschämterweise hat er den losen abgebrochnen Dreck einfach liegen gelassen, wie auch die abgesprungenen Ecken und noch eine fast halbe dicke Gehwegplatte, die schief abgebrochen war.
Ich habe dann das ganze Gebrösel kaputtgeschlagen und in den Beeten untergemischt. Und die halbe Platte habe ich auch zerschlagen. Neben den zahlreichen Steinen fand ich diese 3 total korrodierten Münzen, die ich dann vorsichtig herausbrach. Nun grübel ich natürlich, ob das nur 1 Zufallsfund war, oder ob in den anderen Platten und Müllstücken auch Münzen gewesen sind. besonders weil 3 Münzen in 1 halben Platte steckten?

Mein Vater hat vor 30 Jahren beim Umzug auch schon mal eine kleine braune Römische Münze gefunden, die leider weg ist und ich kann sie nicht mit diesen Münzen vergleichen. Vielleicht stammte sie auch aus einer Platte?

Mich würde auch interessieren, wie die Platten früher hergestellt wurden? Wurde da tatsächlich der Kies direkt mit einem Bagger aus dem Fluss gefischt, mit Beton gemischt und in Formen gegossen?
-Wenn ja, da könnte man ja dann noch auf einen riesen Goldschatz hoffen ;-) -
Und natürlich möchte ich wissen, um was für einen Herrscher es sich hier bei den Münzen handeln könnte.
Eine von den noch vorhandenen, verbauten Platten, allerdings eine von den dünneren, habe ich als Beispielbild mal angefügt, damit Ihr wißt , was ich meine.
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KIES1.JPG
KIES2.JPG
KIESPL.JPG

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Di 13.10.09 13:51

Das ist ja eine tolle Geschichte! Ich halte es für denkbar, daß man etwa aus einem Fluß Kies gewonnen hat und diesen dann zu Betonplatten verarbeitet hat. Interessant könnte sein, ob die Herkunft des Kieses noch irgendwie festzustellen wäre.
Was die Bestimmung betrifft, so würde diese wesentlich erleichtert, wenn es bessere Bilder gäbe. Bei dieser Vergrößerung wil ich mir die Augen lieber nicht verderben!

Gruß

chinamul
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Beitrag von Chippi » Di 13.10.09 14:23

Erinnern mich an Provinzmünzen, größere Bilder wären gut, wobei eine in Augenscheinnahme wohl die beste Lösung ist.

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Beitrag von Pscipio » Di 13.10.09 14:56

Und Grössenangaben. Ich tippe auf Rhoimetalkesprägungen, die gibts sowohl mit zwei als auch mit drei Köpfen.

http://www.acsearch.info/search.html?se ... r=1&it=1#0
Nata vimpi curmi da.

indiacoins
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Beitrag von indiacoins » Di 13.10.09 16:18

Hallo. Rhoimetalkes könnte bei einer der kleinen Münzen vom Aussehen her gut passen. Das wäre dann ja Augustus Ära und davon wurden hier in Norddeutschland schon oft Münzen gefunden.
Das ist schon mal ein guter Hinweis. danke.
Die Durchmesser und Gewichte habe ich oben angegeben.


Die zwei kleinen Münzen haben 15-16mm Durchmesser und wiegen jeweils 3g. Auf beiden Seiten haben sie jeweils 1 Kopf. Die etwas größere Münze hat 20-21mm und wiegt 5,5g. Auf ihr sind auf der Vorderseite 2 Köpfe nebeneinander und auf der Rückseite 1 Kopf.


Ich kann nicht weiter vergrößern mit der Webcam. Ich kann nur sagen, daß durch die Lupe auch kein einziger Buchstabe mehr zu erkennne ist. Die Münzen sind wohl tatsächlich so blankgefressen.Ich werde sie in EDTA Lösung legen und abwarten.
Die Platten könnten von überallher stammen. Ich denke aber mal, daß man 1928 ausser dem Pferdefuhrwerk nicht so große Transportmöglichkeit hatte und beschränke mich mal auf einen möglichen Umkreis von 50 bis 60km maximal.
Da wären Bremen, Bremerhafen,Oldenburg oder Porta Westfalica auf der anderen Seite. An Flüssen für ein eheamaliges Kieswerk gäbe es hier nur die Hunte, die Weser oder die Ems, welche aber schon zu weit weg ist mit 100km. Die Eisenbahn jedoch damals nur Richtung Bremen, bzw Osnabrück die andere Richtung. In Richtung Osnabrück gibt es einige Kieswerke. Ich weiß aber nicht, wo man solche Platten gefertigt hat. Heute gibt es die wohl gar nicht mehr zu kaufen.

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tilos
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Beitrag von tilos » Di 13.10.09 20:57

Ich kenn diese Dinger nur als sogen. Waschbetonplatten. Im Osten waren die ab den 60er Jahren modern. Gab es in allen Varianten, von Gehwegplatten bis zu Fassadenfertigteilen für Neubaublocks. Aber ich kann mir vorstellen, dass es derartige Platten auch schon in den 20er-30er Jahren gab.

Gruß
Tilos

gucksduhier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Waschbeton

Dietemann
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Beitrag von Dietemann » Di 13.10.09 23:45

indiacoins hat geschrieben: Ich weiß aber nicht, wo man solche Platten gefertigt hat.
Ich hatte mal eine Anleitung, diese Platten selbst herzustellen, das ist relativ einfach. Vermutlich hat Dein Großvater sie ebenfalls selbst hergestellt, dass war damals üblich bei Leuten mit Garten. Und dass er den Kies aus dem nächsten Bach oder Fluss genommen hat ist ebenfalls nicht ungewöhnlich, hier zumindest war die Flusskies- und -sandgewinnung zumindest bis zum zweiten Weltkrieg üblich.

Funde in Kiesgruben sind immer Glücksache und die Wissenschaft geht davon aus, dass nur der kleinste Teil davon entdeckt (und gemeldet) wird. Der größere Teil ruht sicherlich aufgrund der Unaufmerksamkeit der Arbeiter (wer will es Ihnen verdenken, wenn sie bei Regen und Kälte Kies schippen müssen) in irgendwelchen Straßenböschungen oder Betonfundamenten.

Von einem größeren Schatz in Deinen Betonplatten ist aber nicht auszugehen, die Münzen sehen aus, als hätten sie eine weitere Reise im Wasser hinter sich und seien wie die Kiesel abgeschliffen worden. Von daher wäre es großer Zufall, wenn sich weitere Münzen finden lassen (obwohl es nich ausgeschlossen ist).

Das ist aber trotzdem eine sehr interessante Geschichte.

Es grüßt freundlichst Dietemann
Matth.18,21-35

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tilos
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Beitrag von tilos » Mi 14.10.09 00:34

[quote="Dietemann"]...Funde in Kiesgruben sind immer Glücksache...
...die Münzen sehen aus, als hätten sie eine weitere Reise im Wasser hinter sich und seien wie die Kiesel abgeschliffen worden. Von daher wäre es großer Zufall, wenn sich weitere Münzen finden lassen .../quote]


Einige kleine korrigierende Anmerkungen seien gestattet:

Im Sediment einer klassischen Kiesgrube "lose" eingelagert wird man kaum römische Münzen finden können. Diese Ablagerungen sind i.d.R. zwischen 10.000 und 2.000.000 Jahre alt. Anders verhält es sich mit "historischen" Kiesablagerungen, z.B. jüngeren Flussschottern. Hier spricht gegen einen (längeren) Flusstransport die Tatsache, dass gleich drei Münzen zusammen gefunden wurden. Es ist eher davon auszugehen, dass die Münzen an einundderselben Stelle eingebracht, NICHT verfrachtet und später bei der Kiesgewinnung wieder zusammen "entnommen" wurden. Wenn sich die Geschichte so abgespielt hat wie hier vermutet, haben sich in der Fundstelle sicherlich noch weitaus mehr Münzen befunden.

Gruß
Tilos

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Beitrag von indiacoins » Mi 14.10.09 11:23

Ca 200m Luftlinie( 5m zu Fuss) gibt es hier den Fluss Hunte. Früher war er hier sehr breit ( ca 50m) gegabelt und es gab auch eine große Wassermühle. Dann aber wurde der Fluß nach dem Krieg von den Engländern begradigt und heute ist er vielleicht noch 8-10m breit.

Ca 20km weiter südlich wurden am Einlauf des Dümmersees in die Hunte auch mal römische Münzen gefunden.

Deshalb schrieb ich, daß hier im Bereich schon Münzen gefunden wurden.

Was aber sehr interessant ist:
Laut einem Anwohner , ging die Hunte früher bis an den Hof eines LANDWIRTES. Als die Engländer den Fluss dort begradigt hatten , soll ein Tierarzt Tonkrüge mit Münzen gefunden, bzw einfach mitgenommen haben. Ich weiß nicht, ob es 1 Krug war oder mehrere. Es hieß aber" Tonkrüge". der Tierarzt lebt wohl nicht mehr, aber sein Sohn ist sehr wohlhabend.
Ich habe den Sohn nicht danach gefragt,weil ich denke, daß er mir keine Auskunft geben wird. Wer würde das schon machen, wenn er etwas wertvolles findet, aber nicht meldet.
Der Bauer, dem jetzt der Acker gehört, auf dem die Hunte früher langlief wohnt auf einem seltsamen großen Hügel direkt am Acker. Er ist aggressiv. Es darf niemand das Feld betreten. Ich weiß, daß die Angler öfter Probleme bekommen,wenn sie zur Hunte wollen. Ich habe einen Metalldetektor gekauft, bin kaum 20 Minuten heimlich abends draufgegangen, aber da kam er schon mit dem Trecker angefahren und bin gleich wieder abgehauen. Ob es "deswegen" sein könnte, weiß ich nicht.
Ich will aber nicht angeschossen werden und betrete das Feld nicht..
Ich weiß es nicht, aber es juckt mich schon sehr. Die Stelle, wo der Acker heute liegt ist auch nur gut 300 m von unserem Haus weg.
Ich habe das ja auch mal alles dem Bremer Landesarchäologen erzählt und gezeigt, als er bei mir war. Aber irgendwie glaubt er nicht an die Geschichte mit den Römermünzen. Er hat sich nicht dafür interessiert. Sonst hätte er doch mal mit dem Bauern sprechen können.
Wenn ich nicht mehr da bin eines Tages nehme ich de die genaue Lage des Ortes wohl mit ins Grab"
Mein Onkel, selbst Landwirt sagte zu mir, daß er mich auch nicht mit dem Detektor auf dem Land sehen will. "Wenn man dort etwas findet und das rauskommt, dann sperrt der Staat den Acker bis zu 6 Monaten."

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