Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mi 14.10.20 20:05

Vielen Dank Justus!!!
Allerdings erscheint es mir auch hier wahrscheinlich, dass noch entsprechende Stücke für Licinius I auftauchen könnten.
In der Tat erdenklich, gibt es ja schon weitere Prägungen aus dieser Zeit des Licinius aus Trier. Vorausgesetzt, er
residierte auch dort, oder er war zu Besuch? Ich weiß es nicht. Nur ein Kaiser der anwesend ist, kann
auch Münzen auswerfen.

vg Laurentius

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mo 02.11.20 06:49

SOLI INVICTO

Lang lebe der unbesiegbare Sonnengott!

Hier die etwas seltenere Variante der constantinischen "Sol-Prägungen" aus Trier.
In Form eines reduzierten Follis und mit verkürzter RV-Legende.
"SOL INVICTO" anstatt "SOLI INVICTO COMITI". Die Botschaft dahinter sollte wohl
die gleiche sein. Was sagen die Lateiner dazu?

1/2 Follis Trier, PTR
∅ 19mm, 2,1g
AV: CONSTANTINVS AVG
RV: SOLI INVICTO
RIC 899, K 136.179
halber sol ptr.jpg
vg Laurentius

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Homer J. Simpson
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 02.11.20 12:16

Das hier ist ja ein Halbfollis, wahrscheinlich nur eine Verkürzung der Legende als Anpassung ans kleinere Nominal. Daß der unbesiegbare Sonnengott ihren Kaiser begleiten sollte, wußten die Leute ja schon von den Folles.

Homer
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mo 02.11.20 19:14

Das hier ist ja ein Halbfollis, wahrscheinlich nur eine Verkürzung der Legende als Anpassung ans kleinere Nominal.
Ok, das hört sich plausibel an, danke Dir.

Die Bezeichnung "reduzierter Follis" war etwas unglücklich von mir gewählt. Die
Münze ist zwar im Verhältnis gegenüber einem normalen Follis in Durchmesser und
Gewicht reduziert, aber es handelt sich natürlich nicht um einen "reduzierten Follis"
in dem Sinne, wie wir ihn kennen.

vg Laurentius

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Lucius Aelius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Di 03.11.20 15:39

Ich hatte mich sehr gefreut, diese Münze kürzlich erwerben zu können:

Follis der ersten Reduktion vom "Caesar" Constantinus
Dez. 308 - Mitte 310 n.Chr.
Prägestätte: Thessaloniki
RIC 32b
Gewicht: 7,07 g

c.jpg
b.jpg
Avers: Büste des Constantinus mit Lorbeerkranz n.r.
CONSTANTINVS • FILIVS • AVGGVSTORVM
Constantinus, Sohn der (beiden) Augusti (Galerius und Licinius)

Revers: Nackter Genius mit chlamys um die Schultern und einem kalathos auf dem Kopf steht n.l., in der Linken cornucopiua, in der Rechten patera mit heruaslaufendem Trankopfer.
GENIO CAESARIS
Dem Schutzgeist des Caesaren

Stern / Δ (im Feld)
Emissionszeichen / griechische Zahlenbuchstaben „4“ für die vierte officina monetae

• SACRA MONETA • THESSALONICAE • (im Abschnitt)
Heiliges (im Sinne von unverfälscht) Geld aus (der Prägestätte) Thessaloniki

Was die Münze interessant macht ist der Legendenbestandteil FIL AVGG.
„Nach der Abdankung von Diocletian und Maximian im Jahre 305 waren Galerius und Constantius Chlorus in die Position der Augusti aufgerückt. Wohl wider Erwarten waren aber nicht Constantin als Sohn des Constantius Chlorus und Maxentius als Sohn des Altkaisers Maximian zu Caesares ernannt worden, sondern zwei von Galerius protegierte Männer – Severus und Maximinus Daia. Die zweite Tetrarchie hatte Constantin die Teilhabe an der Herrschaft [als Caesar] verweigert, den ehrgeizigen jungen Mann ins politische Abseits gestellt und in ihm damit einen politischen Gegner geschaffen. Constantin, der, so Lactantius, von Galerius als Gefahr betrachtet wurde, floh nach Aussage mehrerer Quellen nach Britannien, wo er nach dem Tod seines Vaters von dessen Truppen zum Augustus erhoben wurde und somit die Nachfolgeregelung der Tetrarchie in Frage stellte“ (König, Bekehrungsversuche: Untersuchungen zum Christianisierungsprozess im römischen Westreich, S. 437). „Die Erhebung Konstantins [zum Augustus] erfolgte am 25. Juli 306 im kaiserlichen Truppenlager in Eburacum. … Der Konstantin angetragene Titel war der eines Augustus, gleichbedeutend Imperator. Die Form der Machtübertragung stellte bereits eine Belastung für das regierende Kaiserkollegium dar. Mit der Wahl des gegenüber einem Caesar höherrangigen Kaisertitel des Augustus mussten die Amtskollegen erst recht herausgefordert sein“ (Schwinden, Konstantins Erhebung zum Kaiser und die Vergöttlichung seines Vaters Constantius, in: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier, Heft 39, S. 65). „Einige Tage nachher wurde das lorbeergeschmückte Bild Konstantins dem Galerius überbracht. Lange überlegte er bei sich, ob er es annehmen sollte“ (Laktanz, De mortibus persecutorum, 25). Denn die Erhebung Constantins blieb so oder so „nach tetrarchischen Vorstellungen eine Usurpation“ (Wolfgang Kuhoff). Mit diesem Schritt begann eine grundlegende Änderung im tetrarchischen Herrschaftssystem: die Rückkehr zum blutsdynastischen Prinzip, für welches das römische Heer schon immer empfänglich gewesen war. Galerius, der lt. Laktanz „nahe daran [war], daß er Bild und Überbringer verbrennen ließ“, gab sich dennoch kompromissbereit und ernannte Constantinus im Aug./Sep. 306 n.Chr. zum Caesar des Westens. Der Seniorkaiser konnte den Emporkömmling unmöglich als Imperator zulassen; damit wären das politische System der Tetrarchie (mit seiner Nachfolgeregelung) ad absurdum geführt und gleichzeitig neue Thronprätendenten auf den Plan gerufen worden. Sicherliche eine weitschauende Sorge des Seniorkaisers, die von den christlichen Historienschreibern - vielleicht zu Unrecht - in Argwohn und Machtgier der christenfeindlichen "Bestie" Galerius umgedeutet wurde.
Um die politischen Wirren im römischen Staat zu ordnen*, fand am 11. Nov. 308 n.Chr. die Kaiserkonferenz von Carnuntum statt. Auf ihr wurde Licinius zum neuen Augustus des Westens ernannt. Constantinus, der somit de jure dem Licinius unterstellt wäre, mißbilligte die Herabstufung, der östliche Caesar Maximinus protestierte gegen die Wahl von Licinius. Um die beiden Caesaren zu besänftigen ernannte sie Galerius zu filii Augustorum (Söhne der Augusti). Dieser etwas leere Titel sollte ihr unumstössliches Recht verdeutlichen, ihrem jewei-ligen Augustus zu gegebener Zeit als Kaiser nachzufolgen. Dieser Versuch der Beschwichtigung schlug allerdings fehl: Constantin ließ in keiner seiner Prägestätten (London, Trier, Lugdunum) Münzen mit der neuen Titulatur herstellen und emittierte weiter mit IMP CONSTANTINVS PF AVG / Maximinus, der zwar Münzen mit dem neuen Titel in Alexandria und Antiochia verausgabte, erhob sich anderthalb Jahre nach Carnuntum schließlich selbst zum Augustus. Die anderen Ausgaben mit FIL AUG(G) stammen aus den Münzstätten Siscia, Thessaloniki und Nicomedia, die dem Seniorkaiser Galerius unterstanden:
Siscia = Constantinus, Maximinus / FIL AVGG - GENIO AVGVSTI
Thessaloniki = Constantinus, Maximinus / FIL AVGG - GENIO CAESARIS
Thessaloniki = Constantinus, Maximinus / FIL AVGG - VIRTVTI EXERCITVS
Nicomedia = Constantinus / FIL AVG - GENIO CAESARIS CMH
Nicomedia = Constantinus / FIL AVG - VIRTVTI EXERCITVS CMH
Antiochia = Constantinus / FIL AVG - GENIO FIL AVGG
Antiochia = Constantinus / FIL AVG - GENIO CAESARIS
Alexandria = Constantinus / FIL AVG - GENIO CAESARIS
Alexandria = Constantinus / FIL AVG - VIRTVTI EXERCITVS

* Mittlerweile herrschten vier Augusti. Der rechtmäßige Kaiser Galerius verwaltete mit seinem Caesar Maximinus den Osten. Im Westen dagegen herrschte eine verworrene Situation. Seit dem Tod des Severus II. gab es keinen offiziellen Kaiser für den Westen, dafür aber die die beiden Usurpatoren Constantinus (Britannien, Gallien, Hispanien) und Maxentius (Italien, Afri-ca) sowie den sich wieder zum Kaiser ernannten Maximianus Herculius.

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Lucius Aelius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Di 03.11.20 16:28

Homer J. Simpson hat geschrieben:
Mo 02.11.20 12:16
Das hier ist ja ein Halbfollis, wahrscheinlich nur eine Verkürzung der Legende als Anpassung ans kleinere Nominal. Daß der unbesiegbare Sonnengott ihren Kaiser begleiten sollte, wußten die Leute ja schon von den Folles.

Homer
Vielleicht ist RIC 899 (wird 310/11 n.Chr. datiert) auch nur der Vorläufer der späteren, massenhaft ausgeprägten SOLI INVICTO COMITI-Emissionen?
Ca. 311/12 n.Chr. kam bspw. der Sol-Typ mit Umschrift COMITI AVGG NN heraus. Es wäre vorstellbar, dass dies dann mit SOLI INVICTO gekoppelt worden ist.
Mangelnder Platz für eine ausgeschriebene Legende kann ich mir nur schwer als Erklärung vorstellen, denn damals hat man sogar so etwas auf Teil-Folles zustande gebracht: download/file.php?id=148639&mode=view Und die Trierer werden den Thessalonikern in puncto Stempelschnittfertigkeit wohl in nichts nachgestanden haben.

Nur so ein Gedanke. Um Konkretes beizutragen müste man sich in die verschiedenen Emissionen tiefer einarbeiten ...

Gruß
Lucius Aelius

@Laurentius,
ein sehr schöner Halbfollis, den du da gezeigt hast, Gratulation! Den Kopf des Sol anzuschauen ist ein Genuss.

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von bajor69 » Di 03.11.20 19:48

Hallo Lucius Aelius.
Zu Deinen Constantin kann ich das Stück aus Siscia beisteuern.
Wolle
Das Foto ist leider nicht gut gelungen.
Dateianhänge
Const.3.jpg
Wer seine Wurzeln nicht kennt, kann seine Zukunft nicht gestalten.

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Di 03.11.20 20:38

@ Lucius & Wolle

Zwei nette Belegstücke betreffend der Reduktion Constantins. Es ist verblüffend,
welch spannende Geschichte man anhand einer Münz-Legende deuten kann!
Vielleicht ist RIC 899 (wird 310/11 n.Chr. datiert) auch nur der Vorläufer der späteren, massenhaft ausgeprägten SOLI INVICTO COMITI-Emissionen?
Eine interessante These. Der Sache werde ich versuchen, noch etwas näher auf den Grund zu gehen.

vg Laurentius

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Mi 04.11.20 06:44

Hallo Wolle, danke fürs Zeigen deines Exemplars.
Gruss Lucius Aelius

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von bajor69 » Mi 04.11.20 20:18

Gern geschehen. :D Auch Dir Dank für das Zeigen. Ist immer wieder interessant, was man noch so alles lernen kann.
Wolle
Wer seine Wurzeln nicht kennt, kann seine Zukunft nicht gestalten.

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