Mein kleinster Römer - Bestimmung - Theodosius

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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lasta
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Mein kleinster Römer - Bestimmung - Theodosius

Beitrag von lasta » So 20.12.09 00:25

Mein kleinster Römer wiegt gerade mal 0,67g (12mm) und ärgert mich mit seiner wenig bestimmbaren Averslegende. Das Zeichen vor IVS PF AVG kann man nicht interpretieren. Im Revers kann man zw. 13:30 und 14:30 lediglich "VS" erkennen (aber nicht im Bild).

Ich würde mal annehmen, es handelt sich um Arcadius oder Theodosius I.
Was meint ihr?
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arcad_theod_ius.jpg

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » So 20.12.09 00:43

Hallo lasta!

Es ist der Typ SALVS REI - PVBLICAE, Victoria n.l. gehend, zieht Gefangenen hinter sich her. Wurde geprägt für Theodosius I., Valentinian II., Arcadius und Honorius.

Theodosius hat hier immer eine gebrochene Legende, scheidet also aus. Valentinian scheidet aus, weil die Legende zu lang wäre. Bleiben also nur Arcadius und Honorius. Die vorhandenen Buchstaben sehen aber eher aus wie DIVSPFAVG als RIVSPFAVG. Deshalb würde ich auf Arcadius tippen.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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justus
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Beitrag von justus » So 20.12.09 01:48

Da ich den ersten erkennbaren Buchstaben der Avers-Legende für ein "D" halte, käme folgende Beschreibung in Frage.

Arcadius
AE4, 388 – 392 AD.
Av. [D N ARCA]DIVS P F AVG / Drapierte, gepanzerte Büste mit Perlendiadem n. r.
Rv. [SALVS – ]REI[PVBLICAE] / Viktoria n. l. schreitend, hält Tropaea über der r. Schulter und zieht Gefangenen hinter sich her. Im Feld l. Kreuz , Kreuz im Kreis oder Christogramm.

Das Münzzeichen kann ich leider nicht erkennen, was zur genauen Bestimmung aber notwendig wäre. In Frage kämen z. B.

Antiochia – RIC IX 70 -----> ANT (Γ, Δ) mit Kreuz oder Christogramm
Constantinopolis – RIC IX 86 -----> CONS (A, Β, Γ, Δ)
Cyzicus – RIC IX 26 -----> SMK (A, Β, Γ, Δ) mit Kreuz oder Christogramm
Heraclea – RIC IX 26 -----> SMH (A, Β, Γ, Δ)
Nicomedia – RIC IX 45 -----> SMN (A, Β, Δ) mit Kreuz oder Christogramm und weiteren Beizeichen
mit freundlichem Gruß

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lasta
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Ostrom

Beitrag von lasta » So 20.12.09 01:54

Aha, gebrochene Legende ist Theo. Nachdem das Stück aus dem Ostreich kommt, ist es nun plausibler, daß es Arcadius ist.
Danke Peter!
Es wäre interessant zu wissen, wie weit man nach der Trennung in Ost- und Westrom die jeweils andere Währung als Zahlungsmittel akzeptierte. Ich glaube das war kein Problem, aber die Vermischung an der Grenze war vielleicht geringer als zuvor.

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Beitrag von justus » So 20.12.09 10:13

Theodosius I. (griechisch Θεοδόσιος A', eigentlich Flavius Theodosius), war von 379 bis 394 Kaiser im Osten des römischen Reiches und ab September 394 für einige Monate letzter Alleinherrscher des Gesamtreiches.

Nach seinem Tod 395 führte die damit verbundene Aufteilung des Reiches in zwei Herrschaftsbereiche unter seinen beiden Söhnen jedoch letztlich zur endgültigen Trennung in ein Weströmisches und ein Oströmisches Reich, auch wenn diese von den Zeitgenossen nie als solche wahrgenommen wurde und das Imperium Romanum auch staatsrechtlich als Einheit fortbestand.

Theodosius I. -----> http://de.wikipedia.org/wiki/Theodosius_I. und seine Söhne
Arcadius / Ostrom -----> http://de.wikipedia.org/wiki/Arcadius
Honorius / Westrom -----> http://de.wikipedia.org/wiki/Honorius

Ost- und Westrom waren also verwaltungs-, aber natürlich nicht währungstechnisch getrennt. :wink:
mit freundlichem Gruß

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Prägestätte und Größenvergleich

Beitrag von lasta » So 20.12.09 10:53

Ich habe mich noch nicht mit dem Thema beschäftigt, sonst wären die Fragen nicht so seicht. Deine Hilfestellung ist natürlich sehr interessant für mich.
Währungseinheit:
Ich habe jetzt einen Arcadius bei mir in der Sammlung entdeckt der im weströmischen Siscia geprägt wurde. Also das ist nicht einmal eine verwaltungstechnische Trennung :D Leider funktioniert momentan wildwinds nicht um sich das mal näher anzusehen.

Prägestätte:
was für Prägestätte hat die Münze Arcadius2 (14mm, 1.19g)?

Nominale:
Also ich habe drei Münzen von Arcadius mit den Gewichten: ~2.4g (2.49, 2.41, 2.20) ~18mm
Dann gibt es mehrere so um ~1.2g (1,16,1.30,1.10, 1.23, 1.35, 1.01, 1.31, 1.19) ~ 14mm

Ist die anfangs vorgestellt kleinste Münze mit 0,67g (12mm) eine eigene Kategorie oder nur ein zu klein geratener Schrötling der Kategorie 1.2g?
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groessenvergleich.jpg
Arcadius2.jpg
Zuletzt geändert von lasta am So 20.12.09 13:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von justus » So 20.12.09 11:35

Hallo lasta.

hier eine kleine Aufstellung von spätrömischen Nominalen (nicht komplett):

Follis -----> ca. 2,8 cm oder weniger, 9 - 10 g, manchmal mit Silbersud und auf reduziertem Modul.
Radiatus -----> während der Tetrarchie eingeführt, gleiche Maße und Gestaltung wie der frühere AR-Antoninian.
Doppelmaiorina -----> ca. 3 cm, ca. 7,6 - 9 g
Centenionalis -----> ca. 2 cm, ca. 4 - 5 g
Maiorina -----> ca. 2 cm, ca. 4 – 5 g
Halbcentenionalis -----> ca. 0,9 - 1,0 cm , ca. 1,3 - 1,8 g

Die oben angeführten Bezeichnungen für römische Münzen sind umstritten und änderten sich im Laufe der Zeit. Die Unterscheidung wird an Hand des Durchmesser, nicht nach Gewicht vorgenommen, wobei wir die römischen Bezeichnungen in den meisten Fällen nicht kennen. Meiner Meinung nach sind die unten angeführten Bezeichnungen und Unterscheidungsmerkmale für spätrömische Folles geeigneter:

Æ1 -----> über 2,5 cm
Æ2 -----> ca. 2,1 - 2,5 cm
Æ3 -----> ca. 1,7 - 2,1 cm
Æ4 oder Minimus (lat. der Kleinste) -----> unter 1,7 cm

Also ich habe drei Münzen von Arcadius mit den Gewichten: ~2.4g (2.49, 2.41, 2.20)
-----> vermutlich alle Æ3 Folles
Dann gibt es mehrere so um ~1.2g (1,16,1.30,1.10, 1.23, 1.35, 1.01, 1.31, 1.19)
-----> vermutlich alle Æ4 Folles

Follis -----> Der Name Follis bedeutet ursprünglich "Beutel" und hat sich vermutlich über die Bedeutungsverschiebung auf den Inhalt des Beutels als Bezeichnung für eine fest abgezählte Menge an Kleingeld eingebürgert. Der Follis ist eine kupferreiche Bronzemünze, die teilweise mit einer Silberauflage oder einem Silbersud überzogen ist.
Zuletzt geändert von justus am So 20.12.09 12:05, insgesamt 1-mal geändert.
mit freundlichem Gruß

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Beitrag von justus » So 20.12.09 11:59

zu Arcadius2 ----->

Ich tippe mal auf Constantinopel, also ...

RIC IX Constantinople 86 c
Æ4 oder Minimus, geprägt 28. Aug. 388 – 15. Mai 392
Münzzeichen CONS Γ (= Constantinopolis, 3. Offizin)
Seltenheitsgrad C2 (C = common = gewöhnlich)
:wink:
mit freundlichem Gruß

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Beitrag von tomate » So 20.12.09 12:26

Hallo geehrte Münzverrückte,

ich besitze auch so ein winziges Exemplar in einem leider sehr schlechten Zustand. Totgereinigt und stark abgegriffen. Leider ist eine Bestimmung so nicht möglich.

Liebe Grüsse Thomas
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Beitrag von Numis-Student » Di 22.12.09 14:25

Hallo Thomas,
das ist aber ein anderer Rs-Typ: stehender Kaiser mit Labarum.
Schöne Grüße,
MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Beitrag von tomate » Di 22.12.09 14:37

Hallo Numis-Student,
leider habe ich keine Richtung in welche Zeit ich diese Münze einordnen könnte. Die Vorderseitenabbildung ist zu schlecht um einen Kaiser zu erkennen. Bin einfach noch zu ungeübt.
Danke Dir herzlich für den Tip mit der Rückseiten.

Liebe Grüsse Thomas.

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Beitrag von Numis-Student » Di 22.12.09 14:47

Hallo,
es könnte sowas gewesen sein: http://www.muenzauktion.com/cgb/item.php5?id=10098
Schöne Grüße,
MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Beitrag von tomate » Di 22.12.09 15:56

Danke für Deine Hilfe Numis-Student,

mein Exemplar hat den Duchmesser von 10-12 mm. Unter welcher Führung wurden eigendlich so kleine Exemplare geprägt?

Liebe Grüsse, Thomas.

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Beitrag von quisquam » Di 22.12.09 18:04

tomate hat geschrieben:Unter welcher Führung wurden eigendlich so kleine Exemplare geprägt?
Valentinian II., Theodosius I., Honorius, Arcadius ...

Ich sag mal aus dem Stegreif: So ab den 90er Jahren des 4. Jahrhunderts.

Grüße, Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.

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Beitrag von justus » Di 22.12.09 18:57

Solche Æ 4 oder "Minimi" gab es auch schon in der Zeit der Konstantinischen Dynastie. Anbei ein Photo einer "VRBS-ROMA-Münze" aus meiner Spätrömersammlung, die aus einem Münzfund von der Trierer Römerbrücke stammt.

Urbs Roma
Æ 14 (Minimus), Trier 332/333 AD.
Av. URBS ROMA / Behelmte Büste mit Visier und Federbusch n. r.
Rv. Ohne Legende / Wölfin mit Zwillingen. Darüber zwei Sterne. Im Abschnitt TRP Zweig nach rechts.
Gewicht: 1,04 g. Durchmesser: 11 mm.
Referenz: RIC VIII Trier 92.

Leider sind so kleine Münzen mit meinen bescheidenen Mitteln weder gut zu scannen, noch zu photographieren, sorry! :roll:
mit freundlichem Gruß

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