Geschichte der Geldboerse

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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cepasaccus
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Geschichte der Geldboerse

Beitrag von cepasaccus » Mi 09.06.21 00:48

Ich schau schon eine ganze Weile hin und wieder mal, ob ich nicht was zur Geschichte der Geldboerse in ihren vielen Varianten finde. Es scheint aber niemanden wirklich zu interessieren.

Wie ist das mit dem Fach in der Geldboerse, das mit so einem Hebel verschliessbar ist und irgendwo als Fach fuer Goldmuenzen deklariert wurde? Von wann sind diese Geldboersen? Ich tippe mal darauf, dass das Fach ganz allgemein fuer Muenzen war, weil diese aus allen anderen Faechern rauspurzeln wuerden. Die Geldboersen, die ich kenne, haben aber keine grossen Faecher. Bei ein paar 5-Mark-Muenzen wird das da schon eng.

Dann gibt es noch diese braunen Geldbeutel/saecke, die ziemlich haeufig vorkommen. Bei mir gibt es ein Erbstueck in der die Silbermuenzen des Kaiserreiches aufbewahrt wurden. (Die Goldmuenzen wurden alle untertaenigst fuer Kriegsmittel abgegeben.) Ich finde diesen Beutel sehr praktisch fuer Muenzaufbewahrung. Auf ebay hat jemand so einen Beutel als Kutscherbeutel bezeichnet, aber so viele Kutscher kann es eigentlich garnicht gegeben haben.

Eine andere Art sind die Geldkatzen, die prinzipiell aus der Biedermeierzeit sein sollen, aber nicht die bunt dekorierten, die wohl spaetere Handarbeiten waren. Wenn man sich die richtige Nutzung wirklich fuer die Biedermeierzeit denkt, dann erscheinen mir die unpraktisch, weil hier in Deutschland eher Silber genutzt wurde und grosse Silbermuenzen fuer Geldkatzen eher zu gross sind. In frueheren Zeiten koennte ich mir die Geldkatzen aber gut als Transportbehaelter fuer Dukaten, Goldgulden, Pistolen und andere Goldmuenzen denken.

Die Kettentaeschchen sind huebsch handlich und man koennte Geld rein tun, aber mein Gefuehl sagt mir, dass es eher Handtaeschchen fuer die Dame auf Abendveranstaltungen waren.

Die Muenzspender sind in der Verwendung fuer mich am klarsten. Denen ist genau die Muenze und damit die Zeit zuordenbar. In D 10- und 20-Mark-Muenzen, in Grossbritannien Sovereigns und manchmal auch halbe. In LMU-Laendern 10- und 20-Francs-Stuecke. Mit den Goldmuenzen hat man dann auch gleich eine zeitliche Einordnung.

Das Thema ist fuer mich ziemlich diffus. Mit den aelteren Geldboersen sieht es dann noch dunkler fuer mich aus, bis man dann beim roemischen Ledergeldbeutel aus den Niederlanden ankommt.

Gute Nacht
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Rollentöter
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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von Rollentöter » Mi 09.06.21 10:50

Gute,

Vielleicht solltest du die "Mitnahmebehältnisse für Geld" (um es Mal allumfassend zu sagen) in drei Kategorien einteilen:
- nur für Münzen gedacht/geeigent
- nur für Geldscheine gedacht/geeignet
- die Kombiversion für beides.

Die Kombiversion stammt erst aus dem 19. Jh.

Die beiden anderen Versionen sind keine speziellen Erfindungen für Geld, sondern existierten für andere Sachen bereits vorher und wurden nur im Laufe der Zeit optimiert, angepasst bzw. weiterentwickelt. Echt Neuerfindung en wie "Münzspender' und Galoppwechsler sind da absolute Ausnahmen.
Gruß

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Wurzel
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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von Wurzel » Mi 09.06.21 10:55

Nicht zu vergessen die Geldbörse aus Zwiebelleder, für chronisch Klamme...
beim Blick hinein kommen einem sofort die Tränen

Spaß Beiseite:

gibt es Bildmaterial zu den historischen Geldbörsen?

LG

Micha
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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von Atalaya » Mi 09.06.21 11:04

Ist zwar schon älter, aber da gäbs was von Tyll Kroha:

Tyll Kroha, Von der Geldkatze zur Brieftasche, Das Fenster in der Halle der Kreissparkasse Köln 111, Mai 1981 (pdf-Datei).

Da sind überhaupt einige interessante Publikationen der geldgeschichtlichen Sammlung der Kreissparkasse Köln online.

Grüße,
Atalaya
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
Ferdinand Gregorovius, 1853

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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von Atalaya » Mi 09.06.21 15:11

cepasaccus hat geschrieben:
Mi 09.06.21 00:48
Es scheint aber niemanden wirklich zu interessieren.
Kann man jetzt eigentlich nicht sagen. :) Für Geldbörsen lohnt sich auch ein Blick in die Kunstgeschichte (mit weiterführender Literatur).
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
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cepasaccus
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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von cepasaccus » So 13.06.21 18:50

Schon mal ein guter Anfang. Danke!
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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von LordLindsey » So 13.06.21 22:14

So wie alles andere rund ums Geld stellen auch Geldbörsen einen Teil meiner Sammlung dar. Ich beschäftige mich schon länger damit, Standardliteratur gibt es natürlich nicht, aber die Aufsätze von tyll Kroha sind ein sehr guter Anfang.

Eine römische Geldbörse habe ich leider noch nicht. für die brakteaten brauchte man wohl spezielle Taschen, hab aber noch nie ein Bild gesehen. In der Neuzeit mit aufkommenden Handel wurden Geldbörsen dann wieder wichtig, und die ersten waren die Geldguertel. mit der industriellen Revolution wurde dann Geldbörse dann zum Massenartikel aus allen möglichen Werkstoffen in allen möglichen Formen.

Anbei die Exponate aus meiner Sammlung, fragen gerne :)
Dateianhänge
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Portemonnaie aus Silber und samt. 19. Jh
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Geldkatzen des 19. Jh
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Doppel Geldbörsen für 1/6 Taler und Taler des 18. Jh.
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Geldguertel und Klapp Bügel Tasche für Kaufleute und Soldaten im 17. und 18. Jh.
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Geldbörsen des 19. und 20. Jahrhundert
Zuletzt geändert von LordLindsey am So 13.06.21 22:33, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von LordLindsey » So 13.06.21 22:29

cepasaccus hat geschrieben:
Mi 09.06.21 00:48

Wie ist das mit dem Fach in der Geldboerse, das mit so einem Hebel verschliessbar ist und irgendwo als Fach fuer Goldmuenzen deklariert wurde? Von wann sind diese Geldboersen? Ich tippe mal darauf, dass das Fach ganz allgemein fuer Muenzen war, weil diese aus allen anderen Faechern rauspurzeln wuerden. Die Geldboersen, die ich kenne, haben aber keine grossen Faecher. Bei ein paar 5-Mark-Muenzen wird das da schon eng.
Die ist auf meinem Foto mittig abgebildet, für die Scheine = Billets gibt es offenes Fach, Gold kommt ins verschlossene vordere Fach, Silber in das Große Hauptfach, die gefederten Lagerungen sind für die Kleinmuenzen. mit Stempel DRGM und OEST.PAT. ich schätze um 1900

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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von LordLindsey » So 13.06.21 22:31

cepasaccus hat geschrieben:
Mi 09.06.21 00:48
em Hebel

Die Kettentaeschchen sind huebsch handlich und man koennte Geld rein tun, aber mein Gefuehl sagt mir, dass es eher Handtaeschchen fuer die Dame auf Abendveranstaltungen waren.
Nein, das sind wirklich Geldbörsen. Die passenden Hand Täschchen sind größer

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Re: Geschichte der Geldboerse

Beitrag von LordLindsey » So 13.06.21 22:33

cepasaccus hat geschrieben:
Mi 09.06.21 00:48

Die Muenzspender sind in der Verwendung fuer mich am klarsten. Denen ist genau die Muenze und damit die Zeit zuordenbar. In D 10- und 20-Mark-Muenzen, in Grossbritannien Sovereigns und manchmal auch halbe. In LMU-Laendern 10- und 20-Francs-Stuecke. Mit den Goldmuenzen hat man dann auch gleich eine zeitliche Einordnung.

Gute Nacht
S. grosses Bild links für 10 und 20 mark Gold

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