Brandenburg

Alles was von Europäern so geprägt wurde
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mimach
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Re: Brandenburg

Beitrag von mimach » Mo 31.08.20 23:45

Hallo Ischbierra,

Das sieht nach A. Eberhagen die Nummer 216 aus, eine städtische Prägung aus Salzwedel.
"Adler, Schwingen aus drei sternförmig ausgebreiteten Flügelfedern, Kugeln aus Flügelkuppen, Kopf nach links, ohne Fänge, glatter Rand.
Prägestädte: Salzwedel
Prägezeit: 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts"


Quelle: A. Eberhagen - Die Zeit der Hohlpfennigprägungen in Salzwedel nach dem Jahre 1314 - Sonderdruck 1989
Hier der Link zum Download: https://www.altmarkgeschichte.de/voe.php?pid=so_1.php
Dateianhänge
A. Eberhagen - Nr. 216.PNG
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jot-ka
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Re: Brandenburg

Beitrag von jot-ka » Di 01.09.20 12:54

Hallo ischbierra & mimach,
bei diesen früheren Salzwedeler Pfennigen der 2. H. 14 Jh. ist die genaue Zuordnung nicht immer einfach.
Die Pfennige waren 'ewige Pfennige' und entsprechend lange im Umlauf und so sind sie auch erhalten.
Die Abb. bei Eberhard sind nicht so scharf und es gibt Pfennige, die man der einen oder anderen Eberhagen-Nummer zuordnen kann.
Gewicht und Silber wurden im Laufe Jahrzehnte verringert.
In einem der Beiträge ist meine Vermutung geäußert:
"Bei manchen Salzwedeler Pfennigen habe ich den Eindruck, daß das Aussehen älterer abgenutzter Pfennige aus dem Geldumlauf
im Stempelschnitt nachgeahmt wurde."
viewtopic.php?f=7&t=48340&start=30#p404801
viewtopic.php?f=7&t=48340&start=225#p423087
Im Handel sieht man diese Stücke oft als "B 2a" bestimmt.
Schöne Grüße
jot-ka

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ischbierra
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Re: Brandenburg

Beitrag von ischbierra » Di 01.09.20 14:22

Herzlichen Dank Euch beiden für die Einordnungen. Es ist also doch vor Friedrich II.
Gruß ischbierra

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jot-ka
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Re: Brandenburg

Beitrag von jot-ka » So 06.09.20 18:53

Unter den Brandenburg/Preußen-Sammlern gibt es welche,
die großen Wert darauf legen, von jedem Fürsten wenigstens eine Münze in der Sammlung zu haben.
Schwierig wird es bei Jaczo, Albrecht dem Bären und Albrecht Achilles.
Jaczo ist selten im Angebot, der Bär ist meist nur 4-st. zu haben und Achilles ist fast so selten wie Jaczo.
Aber bei ihm gibt es eine Notlösung: Die Gulden aus Schwabach !
Für uns Märker allerdings nur die mit dem Zepterschild, die ab 1470 geprägt wurden,
als mit Albrecht die Mark und die fränkischen Liegenschaften der Hohenzollern aus einer Hand regiert wurden.
So wie 1415-1440 unter Friedrich I.
Hier ist so ein Stück:
3,31 g; v. Schr. 332 (Angabe des Auktionshauses)
Ursprünglich war die Rs. mit rotem Kerzenwachs bekleckert.
Habe das vorsichtig mit Zahnstochern entfernt,
sehr vosichtig, um die alte Goldpatina zu erhalten.
Im Bereich 3:00 und 8:00-9:00 sind noch Reste erkennbar.
Das ist Absicht, etwas Mittelalter sollte erhalten bleiben.
Wer noch den Auktionskatalog Möller, Frühjahr 1994, hat, kann den ursprünglichen Zustand sehen (#353).
Vs.: Johannes der Täufer mit dem Agnus Dei auf einem Tablett mit der Linken haltend,
die Rechte rafft das Gewand, damit man den Brackenkopf zwischen seinen Beinen besser sieht.
Rs.: In den Winkeln eines Blumenkreuzes die Wappen von Brandenburg, Pommern,
Burggrafschaft Nürnberg und Zollern, in der Mitte der Zepterschild.
Auf den späteren Groschen von Johann Cicero und Joachim I. & Albrecht ist die Standartreihenfolge B-N-Z-P.
Schöne Grüße, jot-ka
Dateianhänge
Albrecht-Schwabach.jpg

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Re: Brandenburg

Beitrag von jot-ka » So 13.09.20 12:12

Um den Faden mit Albrecht Achilles wiederaufzunehmen,
seine Regierungszeit als Kurfürst von (Gesamt-)Brandenburg dauerte von 1470-1486.
Heute muß man nicht mehr unbedingt zu den Gulden mit dem Zepterschild greifen,
einige Hohlpfennige, kurfürstliche und städtische, lassen sich Dank der Forschungen
von Herrn Tewes in die Zeit Albrechts einordnen.
Drei Beispiele dafür hier:
viewtopic.php?f=7&t=48340&start=15#p403689
Bf. 7b / T 22, dessen Prägung mit der Münzreform 1468 in der Mzst. Brandenburg begann,
vermutet Herr Tewes noch bis 1475 geprägt.
Siehe dazu
Lothar Tewes: "Brandenburgisches Geld zur Finanzierung der Pommernabwehr 1470/72 in der Neumark"
Numismatisches Nachrichtenblatt, Ausgabe November 2009, 58. Jahrgang, (NNB 11/09), S. 433 - 438

Während der Regierungszeit Albrechts wurden in der Mark auch Groschen geprägt.
Als Mzst. wird allgemein Brandenburg angenommen.
Bahrfeldt schreibt in seiner Bearbeitung des Fundes aus Beenz bei Lychen (u.a. 1 Exemplar Bf. 41):
"Numismatisch ist wenig über diesen Kurfürsten bekannt. Seine Groschen scheinen geringwertiger
angeordnet zu sein als bisher. Übrigens sind sie selten und kommen meist nur in geringer Erhaltung vor."
Zitat aus:
Emil Bahrfeldt "Ein märkischer Groschenfund aus dem 15. und 16. Jahrhundert" in
"Mittelaltermünzen"
Ausgewählte Schriften 1881 - 1928"
ZENTRALANTIQUARIAT DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK LEIPZIG 1987

In Bahrfeldts Bd. II finden wir auf S. 57:
"Urkundlich wird unter Albrecht die Prägestätte Brandenburg im Jahre 1472 ... gemeldet." ...
"Diese seltenen Groschen entsprechen im Gehalte denen Friedrichs II.,
im Gewichte stehen sie aber höher als jene (nach den jetzigen Wägungen), auf 98 Stück aus der Mark."

An anderer Stelle habe ich mal gelesen, daß diese Münzen wegen des höheren Gewichtes
damals aus dem Verkehr gekippt wurden und deshalb heute so selten sind.

Die Groschenprägung unter Friedrich II. in der Mzst. Brandenburg endete 1468, der Kreuztyp der Rs.,
der nach der Münzreform 1468 wieder verwendet wurde, fehlt. Den gibt es nur aus Rathenow und Königsberg.
Für die Stempel der Groschen Albrechts wurden neue Punzensätze verwendet,
was auf eine Lücke zwischen den Prägungen 1468-1470 in der Mzst. Brandenburg schließen läßt.
Eine durchgehende Prägung von Groschen kann es in der Mzst. Brandenburg nicht gegeben haben.
Das Dreiblatt über den Schilden könnte man als das Zeichen des Münzmeisters Michael Hemelporte deuten.
Albrecht Achilles.jpg
Bf. 41b, 2,52 g

Schöne Grüße, jot-ka
edit: Text ist korrigiert.
Zuletzt geändert von jot-ka am Do 22.10.20 11:45, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Brandenburg / Brakteat Bahrfeldt I. 72

Beitrag von mimach » Di 06.10.20 18:07

Hallo liebe Münzsammler,

ich suche für folgenden Brakteat vertiefende Literatur.
Es handelt sich dabei um Bahrfeldt, Band 1, Nr. 72.
Die Beschreibung des Fundes habe ich dem Jahresbericht von 1879 des Altmärker Geschichtsvereins gefunden.
http://altmark-geschichte.de/pdf_jahres ... V_1879.pdf (Autor: Generalmajor Robert von Graba*, Seite 99 bis 112)

In seinem ersten Band "Das Münzwesen der Mark Brandenburg" weißt Emil Bahrfeldt den Brakteat dem Markgrafen Otto II. (1184-1205) zu,
schließt diesen Brakteaten aber nicht für Albrecht II. aus. [Albrecht II. = als Graf 1186-1205]
Damit folgt er zum Teil dem oben erwähnten Jahresbericht, denn dieser Typ ist im Brakteatenfund von Bömenzien mit 255 Stück auf dem ehemaligen Gebiet Albrechts vorgekommen. - Auszug und Tafel aus dem Jahresbericht unter dem Foto. -

Brakteat Otto I. - Brandenburg - Bahrfeldt I. 72 - Pic.jpg
Danke im Voraus für Euren Fingerzeig!
Christian


Tafel.jpg
Seite 106.jpg
Seite 107.jpg
*von Graba besaß eine große Sammlung an Brakteaten, darunter auch ein Exemplar dieses Typs. Die Sammlung wurde 1910 versteigert.
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/digli ... 1910_02_09
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Re: Brandenburg / Brakteat Bahrfeldt I. 72

Beitrag von mimach » Do 08.10.20 14:49

mimach hat geschrieben:
Di 06.10.20 18:07
Hallo liebe Münzsammler,

ich suche für folgenden Brakteat vertiefende Literatur.
Es handelt sich dabei um Bahrfeldt, Band 1, Nr. 72.
Die Beschreibung des Fundes habe ich dem Jahresbericht...
Ich will etwas genauer mit meiner Suchanfrage sein.
Ich konnte bisher keine vertiefende Literatur zu den Brakteaten der Söhne Otto I. aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts ausfindig machen, abseits von Emil Bahrfeldt.

Es gibt super Beiträge zu den ersten brandenburgischen Münzprägungen (Bernd Kluge - Die Anfänge der Münzprägung in Brandenburg - Numismatisches Heft 2011 Nr. 19) und von H.D. Dannenberg zu den Brakteaten des 13. Jahrhunderts (Hans-Dieter Dannenberg - Bemerkungen zu brandenburgischen Brakteaten des 13. Jahrhunderts - Numismatisches Heft, Jahrgang 2000).
In der neuen Literatur werden viele Sachen korrigiert oder ergänzt, z.B. dass die Brandenburger Denare in der Regel keine einzeln zuweisbare Prägestätte hatten, was man aber noch zu Bahrfeldts Zeiten als gegeben annahm.
Nach so etwas suche ich für diese Brakteaten.

Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe!
Christian
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Dünnpfennig, ca. 1140-50 mit der Erwähnung Brandenburg - Bahrfeldt 1 Variante

Beitrag von mimach » Do 17.12.20 15:01

Dank Jot-ka's Beitrag (siehe Zitat unten) über den ersten Dünnpfennig mit der Erwähnung von Brandenburg,
konnte ich auch ein Exempar dieser Prägung suchen und finden. (Siehe Beitrag von jot-ka: viewtopic.php?p=513347#p513347 )

Bei meinem Stück handelt es sich auch um eine Variante von Bahrfeldt 1, wahrscheinlich die Nummer 1b.
Der "Schimmelreiter" ist schon sehr mitgenommen. Warum dieser Münztyp auch als Dünnpfennig bezeichnet wird, ist bei diesem Exemplar sehr anschaulich. Das Silberblech ist so dünn, das Teile der Prägung auf die andere Seite durchscheinen.

Unten habe ich meinen Versuch eingestellt die Umschrift und die Elemente des Pfennigs zu entschlüsseln.
Die Umschrift ist rückläufig.
Denar - Brandenburg - Pribislav-Heinrich - nach 1140 - Bahrfeldt I. 1 - Zuordnung -pic.jpg
Hier die Zeichnung aus Bahrfeldt Band I. zum Vergleich.
Bahrfelft Band I - Nummer 1b - Zeichnung.jpg


Katalognr: Bahrfeldt I. 1
Münzherr: Pribislav-Heinreich (1127-1150)
Prägezeitraum: nach 1140 bis 1150
Durchmesser: 22,20mm
Gewicht: 0,78g

Vorderseite
Denar - Brandenburg - Pribislav-Heinrich - nach 1140 - Bahrfeldt I. 1 - AV.jpg


Rückseite
Denar - Brandenburg - Pribislav-Heinrich - nach 1140 - Bahrfeldt I. 1 - RV.jpg


Zusätzlich zu den Infos von jot-ka (siehe Unten) konnte ich noch folgende schöne Erläuterung des Münzbildes von Bernd Kluge finden,
erschienen in: 'Beiträge zu brandenburgisch/preußischen Numismatik, NH 19, 2011' unter dem Titel "Die Anfänge der Münzprägung in Brandenburg bis um 1170 Pribislav-Heinrich, Albrecht der Bär, Jacza und Otto I."

Zum Reiterbild des Avers:
"Das Reiterbild ist von uns von späteren Brakteaten, namentlich aus Thüringen, so vertraut, dass wir es als ungewöhnliches Motiv gar nicht mehr wahrnehmen. Das ist es aber in der ersten Hälfte des 12. Jh. durchaus. ... Der Ritter, zumal in Rüstung und mit Fahnenlanze, ist nicht irgendein Bild, sondern verknüpfte sich bei den slawischen Zeitgenossen ganz fraglos mit den Attributen christlich und deutsch. Ihnen dürften dabei die durchaus die gefürchteten deutschen Panzerreiter vor Augen stehen, ... die militärische Trumpfkarte der Deutschen im Slawenkampf.
Heinreich wollte sich also bei seinen slawischen und noch größtenteils heidnischen Untertanen keineswegs beliebt machen. Er setzt auf Macht und Abschreckung."

Zu den Bild der Burg des Revers:
"Auch das Burgbild scheint aus heutiger Sicht nicht ungewöhnlich. Burg und ummauerte Stadt sind vielfach Topoi der mittelalterlichen Münzprägung, ... Die viertürmige Heinrichsburg sieht aber ungewöhnlich aus. Hans-Dietrich Kahl hat deshalb etwa an das heidnische Triglawheiligtum gedacht und die Darstellung aus Vorder- und Rückseite als das Anrennen des christlichen Ritters gegen den heidnischen Göttertempel gedeutet. ...
Für den Reiter/Burg-Typ hat Hans-Dieter Dannenberg (2004) bei 46 untersuchten Exemplaren mindestens 11 Vorder- und 8 Rückseitenstempel ermittelt."

Zur Begriffsklärung Triglaw: https://de.wikipedia.org/wiki/Triglaw


jot-ka hat geschrieben:
Fr 20.03.20 16:13
Irgendwo im Forum war dieser Denar schon einmal.
Wegen einer Bestimmungsanfrage kommt er hier noch einmal ausführlich.
Ein Dünnpfennig mit zwei für Brandenburg-Sammler wichtigen Merkmalen:
1. Das ist die älteste für Brandenburg gesicherte Prägung und
2. die erste Nennung von 'BRANDENBURG' auf einer Münze!!!
Geprägt wurden diese Stücke unter dem Slawenfürsten Przibislaw/Heinrich
in seiner Burg auf der heutigen Dominsel in der Stadt Brandenburg a.d. Havel.
Sein Herrschaftsbereich erstreckte sich etwa über die heutigen Kreise
BRB, HVL, P, PM und Teile von B (Spandau bis an die Havel)
Przibislaw und seine Gattin ließen sich 1137 taufen (Heinrich & Petrissa).
Die Prägezeit dieser Münze wird in den 1140er Jahren vermutet.
Die Umschriften sind linksläufig - nicht gespiegelt.
Bahrfeldt Bf. 1 (in diesem Fall 1b)
Gewicht: 0,79 g
Dm.: 22-23 mm
Preis: umgerechnet 461,50 €, Auktion Künker 33, Los 19, 1996
Dieses Exemplar gehört schon zu den besseren Erhaltungen.
Augrund der Vorkommen im Handel in den letzten Jahrzehnten im Vergleich zu Bf. 3 (bei dem die Exemplarzahl genau bekannt ist)
kann man von 800±100 existierenden Exemplaren ausgehen.
Vs.: Der Fürst eine Fahne vor sich haltend auf einem Pferd nach rechts reitend, hinter ihm ein Kreuz
Rs.: Symbolische Stadtdarstellung
Schöne Grüße aus HVL, und bleibt gesund!
j.k.
Bf_1b.jpg
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Die ersten Groschen Brandenburgs – der letzte, erste Brandenburger aus Königsberg in der Neumark +ÜBERSICHT GROSCHEN

Beitrag von mimach » Sa 24.04.21 22:07

Die Einführung des Groschens im Kurfürstentum Brandenburg erfolgte im Jahr 1459 durch Kurfürst Friedrich II. (1440 bis 1470).(*1) Initialfunken dafür könnte die Reduzierung des Silbergehaltes der zu dem Zeitpunkt dominanten sächsisch/hessischen Unionsgroschen von 1,18 g auf 1,03 g im Jahr 1459 gewesen sein, der in den Folgejahren einer weiteren Inflation unterlag.(*2) Nachahmungen des Unions „GROSSVS“ wurden bereits in Braunschweig-Herzberg, Quedlinburg, Henneberg-Schleusingen, Braunschweig-Salzheldern und Anhalt-Zerbst geprägt. Aus diesem Vorbild entlehnt sich auch die Bezeichnung der ersten Brandenburger Groschen aus den Münzstätten Havelberg und Brandenburg in den Jahren von 1459 bis 1465 als „GOSSVS MARCHI“ oder „GROSSVS NOVVS“.

Die unterwertige Groschenprägung wurde durch Sachsen und Hessen bereits nach sechs Jahren um 1465 beendet. Die brandenburgisch-kurfürstliche Regierung versuchte trotzdem noch nach 1465 eine Landesgroschenprägung zu einem geringeren Münzfuß zu etablieren, deren Wert nun nur noch die Hälfte der gleichzeitig in Sachsen und Böhmen geprägten Groschen entsprach.(*3) Das Festhalten Sachsens an einer hochwertigen Ausprägung und die nach 50 Jahren wieder einsetzende böhmische Groschenprägung zwang Brandenburg letztendlich zur Beendigung der Landesgroschenprägung mit dem Tod des Kurfürsten Friedrich II. im Jahr 1470. Erst ein Vierteljahrhundert später sollte sich unter veränderten Bedingungen eine eigenständige, von Kursachsen unabhängige, kurbrandenburgische Groschenprägung etablieren. Der hier vorgestellte Groschen gehört in die kurze Prägeperiode ab 1466 bis 1470, in der Nachahmungen des Unions-Groschen durch Mansfeld-Eisleben und Mainz-Heiligenstadt schon seit ungefähr 1460 die moderne Bezeichnung MONETA trugen.(*4)

Nach der chronologischen Einordnung von Lothar Tewes gab es zwischen 1459 und 1470 sechs verschiedene Groschensorten. (Siehe Kasten) Der Königsberger gehört zur 6. und letzten Sorte der „Kreuz-Schild-Groschen“.

Der Kurfürst bestellte laut Urkunde vom 14. Juli 1468 Michael Hemelporte zum Münzmeister in Königsberg. Dieser war zuvor in Havelberg und Rathenow Münzmeister.
Die Neumark wurde unter Friedrich II., wegen seiner resoluten Machtansprüche gegenüber den Städten Berlin und Cölln auch Eisenzahn oder der Eiserne genannt, im Jahr 1455 wieder unter die brandenburgische Herrschaft gebracht. Friedrich II. stritt mit den pommerschen Herzögen über die Vorherrschaft in diesem Gebiet. Ein Konflikt, der noch kurz vor seinem Tod, in kriegerische Auseinandersetzungen mit Pommern um die Neumark führen sollte. Es ist somit wenig verwunderlich, dass mit Hemelporte ein altgedienter Münzmeister nach Königsberg bestellt wurde, um dort die Ausprägung der wichtigen Münztypen zu organisieren. Das heute sehr geringe Aufkommen Königsberger Groschen ist wahrscheinlich mit den Kriegen von 1468/69, 1470/72 und die Dominanz pommerscher Prägungen in der Neumark zu begründen. So Tewes: „Vermutlich wird Michel(*) Hemelporte mit seinen Münzknechten noch beim Aufbau einer Münzschmiede gewesen sein, als Herzog Erich II. von Pommern-Wolgast im August/September 1468 mit einem Heer in die Neumark einfiel und auch Königsberg/NM bedrohte. Bis zum Sommer des anschließenden Jahres zogen sich die Kämpfe um Königsberg/NM hin, bis ein Erlass des Kaisers vom 14. Juli 1469 allen weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Pommern und Brandenburgern Einhalt gebot und ein Waffenstillstand geschlossen werden musste.“(*5)

Zum Münzfuß der brandenburgischen Groschen
Von Lothar Tewes stammt auch folgende Aussage zum Münzfuß der brandenburgischen Groschen: (*6)
„Die bedeutendste monetäre Zäsur zur Regierungszeit des Kurfürsten Friedrichs II. von Hohenzollern ist unstrittig die Anweisung des Landesherrn an seinen Münzmeister Giese Brewitz in Neustadt-Brandenburg, aus der folgendes hervorgeht: „... das er in unnser newennstat Brandburg muntzen und slahen sol groschenn unnd pfenning, einen groschenn uff acht pfennig und widerumb acht pfennig vor einen groschenn, so das das pagament ein gewegene mark sechs lot im Silber und zwen unnd newntzig groschenn am zal haben sol“ (vgl. Bahrfeldt 1895, S. 448/49).“
Bei der von Tewes zitierten Quelle handelt es sich laut Emil Bahrfeldt um die Urkunde zur dritten Bestellung von Giese Brewitz zum Münzmeister in der Stadt Brandenburg vom 23. Juni 1463. (*7)

Die Mark, auch Kölner-Mark war eine mittelalterliche Gewichtseinheit von 233,855 Gramm. Eine Mark enthielt 16 Loth (1 Loth = 14,616 Gramm). Die Gewichtsmark zur Ausprägung der Groschen sollte laut der genannten Quelle 6 Loth feines Silber enthalten, das entspräche 87,696 g Feinsilber, auf eine Mark gerechnet ein Feingehalt von 37,5%. Aus dieser Gewichtsmark sollten 92 Groschen geschlagen werden. Laut Anweisung durch den Kurfürsten mussten noch 1 Groschen Remedium und zusätzlich 6 Groschen Schlagschatz (*8) herausgezogen werden, demnach 17,793 g Rau- und 6,672 g Feingewicht. Es verblieben 216,062 g Raugewicht mit 81,024 g Feinsilber für das Schlagen von 92 Groschen. Entsprechend müsste ein Groschen ein Raugewicht von ungefähr 2,348 g und einen Anteil Feinsilber von 0,88 g haben.

Die von Emil Bahrfeldt untersuchten Groschengewichte zeigen dies zumindest für die ältesten Groschen aus den Münzstätten Brandenburg und Havelberg. Er kommt zu folgendem Schluß: (*9)
„Als Ergebniss der Untersuchungen der Groschen Friedrichs II. aus seinen Münzstätten Brandenburg, Havelberg, Rathenow und Königsberg ist zu wiederholen, dass in keinem Falle das in den Urkunden von 1463, 1464, 1466 und 1468 gleichmässig vorgeschriebene Gewicht: 92 Stück aus der gemischten Mark, also eine Schwere von 2'542 Gm. für das Stück, erreicht worden ist.“ (Bahrfeldt berücksichtigte bei dieser Berechnung nicht das durch den Kurfürsten vorgeschriebene Remedium und den eingeforderten Schlagschatz.)
Für die fünfzehn von ihm untersuchten Groschen aus Königsberg ermittelte er ein Durchschnittsgewicht von 2,258 g.

Durchschnittsgewichte nach Bahrfeldt:
Brandenburg 2,329 g
Havelberg 2,338 g
Rathenow 2,290 g
Königberg 2,258 g

1460 wurde durch Magdeburg eine Untersuchung (Probation) des tatsächlichen Feingehalts der Groschen aus Sachsen, Hessen und den brandenburgischen Münzstätten Havelberg und Brandenburg vorgenommen. Das Ergebnis weicht in allen Typen vom offiziellen Wert ab: (*10)
Sachsen = 0,85 g / Hessen = 0,82 g / Brandenburg = 0,89 g / Havelberg 0,83 g
Eine Ausnahme scheinen die Prägungen aus der Mzst. Brandenburg zu sein.


Der Königsberger Groschen

Groschen - ca 1468-70 - Ktm Brandenburg, Königsberg in der Neumark - Bahrfeldt 40e var - AV.jpg
Avers:
Adlerschild zwischen zwei Rosetten.
Umschrift: ein Kreuz, das Münzmeisterzeichen (schmales Kreuz des Michael Hemelporte), FREDERIAS . D . G. IMPI . ELEATOR

Groschen - ca 1468-70 - Ktm Brandenburg, Königsberg in der Neumark - Bahrfeldt 40e var - RV.jpg
Revers:
MONETA NO MARCh KOINGSBER’

Gewicht: 2,27 g
Durchmesser: 25,19 mm

Referenz:
Tewes Nr. 14
Bahrfeldt (Band 2) Nr. 40e (Avers) und Nr. 40f (Revers)
Slg. Tesmer 2289 (dieses Exemplar)

Zur Erhaltung:
Bahrfeldt schreibt über die Königsberger Groschen:
„Die … Groschen sind von allen am leichtesten, doch mag mein diesbezügliches Ergebniss zum Theil daraus entspringen, dass ich wegen ihrer Seltenheit nur wenige habe untersuchen können, die noch dazu stark durch Rost und durch den Umlauf gelitten hatten. … Ihre Ausprägung muss überdies schwach stattgefunden haben, da nur die eine seltene Sorte mit dem Kreuztypus bekannt geworden ist.“ (*11)

Das hier vorgestellte Exemplar zeigt eine schöne Patina mit einer feinen Tönung. Die Ausprägung und Umschrift sind deutlich erkennbar. Es ist anzunehmen, dass es sich nicht um ein Exemplar aus den bekannten Funden der letzten zwei Jahrhunderte handelt, sondern um ein Liebhaberstück, dass das vergangene halbe Millennium in Sammlungen überstanden hat.


Bahrfeldt 40c - Königsberg NM Groschen.JPG
Bahrfeldt 40 c - Groschen aus Königsberg/NM ohne das Münzmeisterzeichen Hemelportes auf dem Revers.
(Bildquelle: Emil Bahrfeldt: Das Münzwesen der Mark Brandenburg (Band 2) – 1415 bis 1640, Tafel III)



Der Ort Königsberg in der Neumark

Die folgenden geschichtlichen Daten der Stadt Neumark entstammen der deutschsprachigen Wikipedia.

10. bis 12. Jahrhundert
Vom 10. bis 12. Jahrhundert existierte hier eine frühslawische Burg, vermutlich mit einem Markt. Verkehrsgünstig gelegen, entwickelte sich der wechselweise zu den großpolnischen Fürstentümern oder den pommerschen Piastenherzogtümern gehörende Ort schnell, nach 1200 soll dem Ort durch Herzog Barnim I. das Magdeburger Stadtrecht verliehen worden sein.
Brandenburgische Zeit
Der Name „Konigesberge“ wurde 1244 zum ersten Mal erwähnt. Um 1255 soll der böhmische König Ottokar II. zusammen mit Markgraf Otto von Brandenburg, seinem Marschall, und einem großen Heer aus Elbing in die Region gekommen sein. Nach Überlassung der „terra Konigesberge“ 1267 durch die Bischöfe von Brandenburg an die Markgrafen von Brandenburg, erhielt die Stadt Konigesberge die Marktrechte und die Gerichtsbarkeit. Königsberg wurde zeitweise Hauptort der Neumark. Von 1310 bis 1329 erlebte die Stadt durch den Getreidehandel einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ihr wurden die Marktprivilegien verliehen. 1320 erfolgte der Bau des Rathauses.
Die Waren wurden über die Flüsse Röhricke und Oder verschifft. Im 13. und 14. Jahrhundert erhielt Königsberg in der Neumark eine Stadtmauer mit drei Stadttoren (Schwedter Tor, Bernikower Tor und das im 19. Jahrhundert abgerissene Vierradener Tor) sowie mehrere Wehrtürme. Während der Zeit der Großen Pest (1347–1350) soll Markgraf Ludwig von Brandenburg seinem Statthalter den Auftrag erteilt haben, sämtliche Juden von Königsberg in der Neumark zu verbrennen. Der Statthalter soll den Vollzug des Pogroms bestätigt haben.
Neumark auf Karte aus Preußen-Atlas 1440 bis 1608 .jpg
Die Neumark auf als Teil Brandenburg - 1440 bis 1608
(Quelle: Preußen-Atlas von J. Mück, 1915, Reprint Archiv Verlag Braunschweig)


Von 1402 bis 1454 gehörte Königsberg in der Neumark zum Ordensstaat des deutschen Ritterordens, danach wieder zu Brandenburg. Ebenfalls in dieser Zeit wurde anstelle einer Feldsteinkirche die St.-Marien-Kirche und etwa um 1410 ein neues Rathaus erbaut. Beide Bauwerke gehören zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik in der Neumark.
Beim Einfall der Hussiten 1433 hielt die Stadt einer kurzen Belagerung stand. Im 15. Jahrhundert erlebte sie eine neue wirtschaftliche Blüte. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde sie dreimal von der Pest heimgesucht, der jeweils ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Königsberg in der Neumark von Wallensteins und Gustav Adolfs Truppen besetzt, die Stadt im Laufe des Krieges zu 52 Prozent zerstört.
Wappen Königsberg - um 1700.jpg
Historisches Wappen der Stadt Königsberg
Das Wappen der Stadt Königsberg zeigt laut Augustin Kehrbergers Chronik den Stifter der Stadt Königsberg „Ottocaro“(Otto IV. "mit dem Pfeil", 1267 bis 1308/09). Die Adler auf dem Schild und der Adlerflug führten laut dem Chronisten die damaligen Markgrafen und Kurfürsten "Johannis I." (Johann I., 1220-1266) und sein Bruder Ottonis III. (Otto III. "der Fromme", 1220-1267).


Seit 1700 erfolgte eine wirtschaftliche Belebung. Während des Siebenjährigen Krieges wurde die Stadt 1759 Sitz der neumärkischen Regierung.
Königsbergs Haupterwerbszweig war der Ackerbau. Daneben gab es Baumwollwebereien, die aber ihren Niedergang um 1840 in der Industrialisierung fanden. Seit 1809 war Königsberg in der Neumark Sitz der Kreisverwaltung des Kreises Königsberg/NM.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Königsberg in der Neumark eine evangelische gotische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, eine Synagoge, ein ehemaliges Augustinerkloster aus dem 14. Jahrhundert, ein gotisches Rathaus, ein Gymnasium, ein evangelisches Schullehrerseminar, eine landwirtschaftliche und gärtnerische Lehranstalt mit Wiesenbauschule und war Sitz eines Amtsgerichts.
Die Rote Armee, die Königsberg am 4. Februar 1945 nahezu kampflos besetzt hatte, brannte am 16. Februar die gesamte Innenstadt mit der Marienkirche und dem Rathaus nieder. Königsberg war zu 75 Prozent zerstört.
Seit 1945
Noch vor Kriegsende unterstellte die Rote Armee die eroberte Stadt der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Es folgte ab Juli 1945 die „wilde“ Vertreibung der grenznahen Bevölkerung aus der Neumark, verbunden mit einer zögernden Besiedlung durch Polen. Königsberg wurde zunächst in Władysławsko umbenannt. Durch Verordnung des Ministers für Nationale Verteidigung vom 21. August 1945 wurde die Stadt erneut umbenannt: in Królewiec bzw. Królewiec nad Odrą. Der Zusatz nad Odrą wurde offenbar hinzugefügt, um Verwechslungen mit der Stadt Königsberg (Preußen), die auf Polnisch Królewiec heißt, zu verhindern. Aus gleichem Grund könnte auch die Umbenennung zum 7. Mai 1946 per Gesetz in Chojna nad Odrą erfolgt sein.
Kupferstich Königsberg Neumark - aus Augustini Kehrbergers.jpg
Königsberg in der brandenburgischen Neumark
Kupferstich aus: Augustini Kehrbergers „Erleuterter historisch-chronologischer Abriß, Der Stadt Königsberg in der Neu-Mark“, 1724.



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Kasten:
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Die ersten Groschen Brandenburgs von 1459 bis 1470
- Eine Chronologische Ordnung nach Tewes


I. Sorte - 1459-63

Art: Kreuzgroschen
Titel: Markgraf „MARC“
Wertbezeichnung:GROSSVS NOVVS
Merkmal: das Münzmeisterzeichen „Stern“ von Giese Brewitz in der Umschrift
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 1 - Mzt. Brandenburg, Bf. 28a-c (1459-63)
Tewes 2 - Mzt. Havelberg, Bf. 34a-c (1460-63)


II. Sorte - 1463-64

Art: Kreuzgroschen
Titel: Markgraf „MARC“
Wertbezeichnung:GROSSVS NOVVS
Merkmal: das Münzmeisterzeichen „Stern“ von Giese Brewitz in der Umschrift sowie in einem Kreuzwinkel

Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 3 - Brandenburg, Bf. 30 (1463-64)
Tewes 4 - Havelberg, Bf. 36a-o (1463-64)

Art: Kreuzgroschen
Titel: w.v.
Wertbezeichnung: w.v.
Merkmal: im Kreuzwinkel das Münzmeisterzeichen „fünfblättrige Rosette“ eines unbekannten Münzmeisters

Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 5 - Brandenburg, Bf. 29a-d (1463-64)

Art: Kreuzgroschen
Titel: w.v.
Wertbezeichnung: w.v.
Merkmal:das Münzmeisterzeichen „Dreiblatt“ von Michael Hemelporte in der Umschrift und im Kreuzwinkel

Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 6 - Havelberg, Bf. 35a-d (1464)


III. Sorte - 1464-65

Art: Kreuzgroschen
Titel: Markgraf (MAR) und Kurfürst (ELECT)
Wertbezeichnung:GROSSVS MARCHI
Merkmal:das Münzmeisterzeichen „Stern“ von Giese Brewitz
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 7 - Brandenburg, Bf. 31a-d (1464-65)

Art:Kreuzgroschen
Titel: w.v.
Wertbezeichnung: w.v.
Merkmal: Kreuzgroschen aus den Umschriften GROSSVS MARCHI und GROSSVS NOVVS (Zwittergroschen, durch die Verwechslung mit einem alten Prägestempel)
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 7a - Brandenburg, Bf. 28d-e und Bf. 31d (1464-65)

Art:Schildgroschen
Titel: Doppeltitel Markgraf (MAR) und Kurfürst (ELECTOR)
Wertbezeichnung: GROSSVS MARCH
Merkmal: in der Umschrift das Münzmeisterzeichen „fünfblättrige Rose“ eines unbekannten Münzmeisters

Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 8 - Brandenburg, Bf. 32 (1464-65)


IV. Sorte - 1466-70

Art: Schildgroschen
Titel:Kurfürst (ELECTO)
Wertbezeichnung: GROSSVS NOVVS
Merkmal: das Münzmeisterzeichen „Stern“ von Giese Brewitz in der Umschrift

Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 9 - Havelberg, 37k (1464)

Art:Schildgroschen
Titel: w.v.
Wertbezeichnung: w.v.
Merkmal: das Münzmeisterzeichen „Dreiblatt“ von Michael Hemelporte
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 10 - Havelberg, 37a-i (1464-70)


V. Sorte - 1466-70

Art:Schildgroschen
Titel:Kurfürst (ELECTOR)
Wertbezeichnung: MONETA NOVVS oder MONETA NO
Merkmal: in der Umschrift das „Kreuz“ eines unbekannten Münzmeisters oder Giese Brewitz
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 11 - Brandenburg, Bf. 33a-vv (1466-70)

Art:Schildgroschen
Titel: w.v.
Wertbezeichnung: w.v.
Merkmal: zusätzlich zum Kreuz in der Umschrift das Münzmeisterzeichen „Dreiblatt“ von Michael Hemelporte
 Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:

Tewes 12 - Rathenow, Bf. 39a-r (1466-70)


VI. Sorte - 1466-70

Art:Schild-Kreuz-Groschen
Titel: Kurfürst (ELECTOR)
Wertbezeichnung: MONETA NOVVS oder MONETA NO oder MONETA NOVA
Merkmal:in der Umschrift meist das Münzmeisterzeichen „Dreiblatt“ von Michael Hemelporte
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 13 - Rathenow, Bf. 38a-ii (1466-70)

Art: Schild-Kreuz-Groschen
Titel:w.v.
Wertbezeichnung:w.v.
Merkmal: w.v.
Zuordnung nach Tewes / Bahrfeldt:
Tewes 14 - Königsberg i.d. Neumark, Bf. 40a-l (1468-70)

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Referenzen und Quellen:
*1 - Für eine umfassende Geschichte zum Beginn der Groschenprägung in Brandenburg empfehle ich den Aufsatz von Lothar Tewes: „Die frühen kurbrandenburgischen Groschenprägungen von 1459 bis 1470 - Versuch einer Neuordnung“ (Beiträge zur brandenburgisch/preussischen Numismatik - Numismatische Hefte des Arbeitskreises Brandenburg/Preussen, Nr. 8, Jahr 2000). (NH 8 ) Die hier vorgestellten Daten wurden dieser Abhandlung entnommen.
*2 - Nach offiziellem Münzfuß sollte der Unionsgroschen Sachsens und Hessens ab 1457 zu 84 ½ Stück aus der Kölner Mark mit einem Feingehalt von 1,18 g Silber geschlagen werden. Ab 1459 sank offizielle Feingehalt. (1459 = 1,03 g / 1460 = 0,95 g / 1461 = 0,87 g / 1462 = 0,80 g / 1464 = 0,70 g)
*3 - Ab 1465 betrug der Feingehalt des neuen sächsischen Horngroschen 1,46 g Silber.
*4 - Tewes, NH 8, 2000, S. 39, 40
*5 - Lothar Tewes: Das brandenburgische Geld zur Finanzierung der Pommernabwehr 1470/72 in der Neumark, NNB 11/09, S. 435
*6 - Lothar Tewes: Das brandenburgische Geld zur Finanzierung der Pommernabwehr 1470/72 in der Neumark, NNB 11/09, S. 434
*7 & *8 - Emil Bahrfeldt - Das Münzwesen der Mark Brandenburg - 1415 bis 1640, S. 448:
Dritte Bestallung des Giese Brewitz zum Münzmeister in Brandenburg, 23. Juni 1463: „…und wenn er sulch muntz probiren wolt, der sol das tun an der stat do dy geslagen wirt. …, doch so lanng er unnser muntz schlehet, sol er uns zu slahgschatz by seinen eydenn von iglicher feynen marck silbers, so vil er der vermuntzet, reichen und gebenn sechs groschen.”
*9 - Emil Bahrfeldt - Das Münzwesen der Mark Brandenburg - 1415 bis 1640, S. 53
*10 - Tewes, NH 8, 2000, S. 44
*11 - Emil Bahrfeldt - Das Münzwesen der Mark Brandenburg - 1415 bis 1640, S. 52, 53
* korrigiert, Tewes schreibt falsch "Michel Hemelporte"
Zuletzt geändert von mimach am Mo 03.05.21 14:37, insgesamt 25-mal geändert.
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Re: Brandenburg

Beitrag von Erst Ludwig » Sa 24.04.21 22:32

Hallo mimach.
Mal wieder ein ganz hervorragender Beitrag von Dir.
Wenn ich Deine Arbeiten lese, dann fangen die Münzen an zu leben !
Bahrfeld hätte Dir auf die Schulter geklopft und gesagt, " super gemacht " !
Der Königsberger Groschen ist von traumhafter Qualität !
Absolutes Hammer Stück !

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Re: Brandenburg

Beitrag von jot-ka » So 25.04.21 16:22

Hallo mimach,
herzlichen Glückwunsch zu dem Tesmer-Exemplar!
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Re: Brandenburg

Beitrag von mimach » So 25.04.21 17:23

Hallo jot-ka,
vielen Dank. Axel Tesmer hatte wirklich eine außergewöhnliche Sammlung. Ich bin stolz darauf den Königsberger erhalten zu haben. Der ausführliche Beitrag ist eine Würdigung.
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Re: Brandenburg

Beitrag von Erst Ludwig » So 25.04.21 20:01

mimach hat geschrieben:
So 25.04.21 17:23
Ich bin stolz darauf den Königsberger erhalten zu haben.
Kannst Du auch !
Es ist das qualitätvollste Stück dieses Typ`s was der offizielle Markt seit Jahrzehnten gesehen hat !

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Re: Brandenburg

Beitrag von jot-ka » Di 27.04.21 18:47

Es ist wohl nicht übertrieben, die Slg. Tesmer als Jahrhundertsammlung zu bezeichnen.
Sehr viele seltene Stücke und meist in Top-Erhaltungen.
Z.T. ergab diese Kombination auch Mondscheinpreise,
während andere nicht so gut erhaltene Stücke unter Wert zugeschlagen wurden.
Z.B. ein Groschen Frankfurt 1529 für 45€ - noch unter dem Schätzpreis.
In den 90ern kamen 2 Exemplare in den Handel, und das war's dann seitdem.
Der ist richtig selten!

Ein anderer Groschen, Brandenburg 1518, ist ein weiterer Ausrutscher nach unten.
Der war früher nur als Unikum aus der Slg. Bahrfeldt bekannt,
bis der Fund Gnoien ein zweites Exemplar brachte.
Ein 3. Ex. gab es bei 2013 ebay und Slg. Tesmer enthielt ein 4. Stück.

Die Preisentwicklung in zeitlicher Abfolge:
387,00 2007 Komplett-Preis (WAG 40/100)
611,19 2013 ebay
170,00 2021 Slg. Tesmer (Künker 348/2366) Zuschlag ohne %e etc.

Die Rs. stammen alle vom gleichen Stempel.
Das Bild links ist kombiniert aus einer Vs. von 257c/a aus 1517 und dem Rs.-St. von 1518.
Beide Vs.-St. kommen bereits mit Rs.-St- aus 1517 vor.
Brb_J1518.jpg
SG, jot-ka
Zuletzt geändert von jot-ka am Mo 03.05.21 19:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Brandenburg

Beitrag von mimach » Di 27.04.21 21:02

Hallo jot-ka,
danke für deine Einschätzung. Ich habe mir die Nummer in der Sammlung Tesmer genauer angesehen. Sehr interessantes Exemplar.
Künker erwähnt die Ausarbeitung von Kluge. Dort taucht Bahrfeldt 257 nur auf Tafel 8, Nr. E4 als Vorderseite für den Groschen von 1517 auf.
Ich konnte für 1518 keine Groschenprägung für Brandenburg bei Bahrfeldt finden. Kluge erwähnt bekannte Funde von 1518 im Fund von Gnoien, Nr. 59.
Du erwähnst Gnoien auch. Gibt es da mehr Groschen aus Brandenburg von 1518?
Kannst du uns eine gute Fundaufarbeitung für Gnoien empfehlen?
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