Seltenheitsangaben im RIC

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nephrurus
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Seltenheitsangaben im RIC

Beitrag von nephrurus » Fr 10.04.09 20:34

kürzlich habe ich eine Münze erworben, die im neuen RIC-Band II als R2 eingestuft wird. was bedeutet dies konkret? gibt es dafür genauere Erläuterungen?

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Julianus v. Pannonien
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Beitrag von Julianus v. Pannonien » Fr 10.04.09 20:39

hallo nephrurus

folgende Angabe hab ich im Amerikanischen Forum gefunden,

Villeicht hilft dir das etwas weiter, erscheint mir recht plausibel
jedoch bezieht sich diese Angabe glaube ich auf die älteren RIC bände.


C: Common to very common
S: Scarce
R: Rare
R2: [Rare] 11-15 known
R3: [Rare] 6 to 10 known
R4: [Rare] 2 to 5 known
R5: [Rare] Unique


Grüsse JvP
Zuletzt geändert von Julianus v. Pannonien am Fr 10.04.09 20:40, insgesamt 1-mal geändert.
"VICTORIOSO SEMPER"

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quisquam
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Beitrag von quisquam » Fr 10.04.09 20:40

"R2 = very few examples known, or, if a die study exists, very few (1-3) die-combinations known" (RIC II² Einführung xxii)

Die größte Seltenheit im RIC II² ist R3 mit nur einem den Autoren bekannten Exemplar.

Vorösterliche Grüße, Stefan
Zuletzt geändert von quisquam am Fr 10.04.09 20:46, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von nephrurus » Fr 10.04.09 20:43

vielen Dank für Eure Informationen!
Dass die Münze selten ist, habe ich anhand der Rückseite sofort gesehen - scheint sich aber gelohnt zu haben :wink: - ich habe bei coinarchives nur ein vergleichbares Exemplar gefunden.

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Beitrag von quisquam » Fr 10.04.09 20:45

Fehlt jetzt nur noch ein Bild, damit auch wir unsere Freude an dem Stück haben können!

Grüße, Stefan
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Beitrag von nephrurus » Fr 10.04.09 20:48

ich verspreche, ein Bild nachzuliefern. im Moment habe ich meine Kamera nicht hier und die Münze ist mit Antikwachs eingerieben.

es ist diese Münze- allerdings längst nicht so schön erhalten wie diese hier:

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 71&Lot=220

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Beitrag von quisquam » Fr 10.04.09 21:33

Wow, ein recht früher Sesterz! Na, dann gratuliere ich schon mal, auch ohne die Münze gesehen zu haben.

Für RIC II² 210 ist nur ein Rs-Stempel bekannt, will heißen nur eine "die-combination" mit diesem Vorderseitentyp. Ob dieser Stempel mit anderen Vorderseiten gekoppelt ist (z. B. mit Rechtsportrait wie bei RIC 209, für diese Münze sind 2 Rückseitenstempel bekannt) kann ich dem RIC nicht entnehmen.

Grüße, Stefan
Zuletzt geändert von quisquam am Sa 11.04.09 14:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von nephrurus » Fr 10.04.09 21:36

vielen Dank für die zusätzlichen Informationen!

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Beitrag von kc » Fr 10.04.09 22:09

ist es nicht auch so, dass schon in den alten ausgaben seltenheitsangaben mit unterschiedlicher gewichtung vorhanden waren?
das ist mir z.b. bei carausius aufgefallen. dort ist die höchste seltenheitsangabe für ae-antoniniane R3, nur die Denare und Aurei haben R4. R5er gibt es hier überhaupt nicht. wenn man im vergleich hierzu einen häufigeren herrscher heranzieht, nehmen wir gordianus, dann sind deutliche unterschiede zu erkennen. hier werden auch R5er genannt, die dann extrem selten sind.
ich habe vor ein paar tagen einen carausius antoninian mit wildschweinmotiv bei ebay.uk gesehen, welcher im RIC als R3 aufgeführt ist. dieses motiv ist allerdings so selten, dass es dieses münzlein häufigkeitsmäßig locker mit einem R4er von Gordianus aufnehmen könnte.
irgendwo werden hier also unterschiede gemacht.
Suche Asse, Dupondii und Sesterzen der Flavier.

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Beitrag von nephrurus » Fr 10.04.09 22:14

kc hat geschrieben:ist es nicht auch so, dass schon in den alten ausgaben seltenheitsangaben mit unterschiedlicher gewichtung vorhanden waren?
das ist mir z.b. bei carausius aufgefallen. dort ist die höchste seltenheitsangabe für ae-antoniniane R3, nur die Denare und Aurei haben R4. R5er gibt es hier überhaupt nicht. wenn man im vergleich hierzu einen häufigeren herrscher heranzieht, nehmen wir gordianus, dann sind deutliche unterschiede zu erkennen. hier werden auch R5er genannt, die dann extrem selten sind.
ich habe vor ein paar tagen einen carausius antoninian mit wildschweinmotiv bei ebay.uk gesehen, welcher im RIC als R3 aufgeführt ist. dieses motiv ist allerdings so selten, dass es dieses münzlein häufigkeitsmäßig locker mit einem R4er von Gordianus aufnehmen könnte.
irgendwo werden hier also unterschiede gemacht.
geht es dabei nicht auch danach, wieviele Exemplare der jeweiligen Typen bekannt sind (z.B. Museeen) ? Der von mir oben beschriebene RIC Band ist nu überarbeitet, daher betrachte ich die Seltenheitsangaben dort als verbindlich. Bei den älteren Bänden bin ich mir da z.T. nicht sicher - gerade beim 3.Jhdt.

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Beitrag von klausklage » Fr 10.04.09 22:53

Die Seltenheitsangaben im RIC sind teils ziemlich unbrauchbar. Die Quadrantes von Trajan zB sind alle als "scarce" bewertet, obwohl einige Typen davon mehrmals pro Woche bei eBay auftauchen, andere sieht man so gut wie nie. Für Trophäenrückseiten listet der RIC bei Trajan drei Variationen (RIC 147, 147 a und 147 b), obwohl es eigentlich noch mehr gibt. Alle angebotenen Exemplare sind aber RIC 147 b (oder Variationen davon), von den anderen beiden konnte ich nur mit größter Mühe überhaupt Bilder finden.
Gruß,
Olaf
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Beitrag von Zwerg » Fr 10.04.09 23:09

Das ist im Forum m.W. mittlerweile mehrmals diskutiert wurden (suchen könnt ihr selber)

Die Verfasser stellen fest, wie oft sie diese Münze in den von ihnen untersuchten Sammlungen gefunden haben.

Das gilt dann auch für eine constantinische Kleinbronze in einer bestimmten Emission und Offizin - da kann es schon einmal R3 und mehr geben

Das hat überhaupt nichts mir der Seltenheit am "Markt" und dem Wert zu tun.

In diesem Fall wird es sich sicherlich nicht um eine häufige Münze handeln.
Herzlichen Glückwunsch.

Grüße
Zwerg
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Beitrag von quisquam » Sa 11.04.09 13:51

Die oben angesprochenen Münzen von Traian sind ein schlechtes Beispiel, da der alte RIC II von 1926 und dementsprechend überholt ist. Nicht umsonst liegt jetzt endlich für die Flavier ein komlett neuer Band vor.

In diesem neuen RIC II ist zur Einstufung R3/R2 zu lesen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis aus einer als R3 gelisteten Münze (1 Exemplar den Autoren bekannt) R2 wird und für viele Münzen die Einstufung als R2 oder R3 wohl eher den Stand der Nachforschung wiederspiegelt als die tatsächliche Seltenheit. Was die Aussagekraft dieser Grade, zumindest am oberen Ende, angeht, ist der RIC also durchaus selbstkritisch.

Grüße, Stefan
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Beitrag von chinamul » Sa 11.04.09 15:13

Es ist doch kein Wunder, daß sich die Seltenheitsangaben ständig in Richtung "weniger selten" bewegen. Durch den regen Datenaustausch im Internet werden den Erstellern der Kataloge immer neue Münzen bekannt, von denen sie ohne dieses technische Kommunikationsmittel nie erfahren hätten. Daß dazu noch die zahllosen Münzen kommen, die durch die Verbreitung der Sonden in den Staaten des früheren Ostblocks offenbar massenweise gefunden werden, beschleunigt diesen Prozeß zusätzlich.
Logischerweise kann eine Münze also immer nur weniger selten werden, nie aber seltener, wenn man einmal von einigen wenigen kostbaren Ausnahmestücken absieht. Bei denen kann es natürlich schon passieren, daß sich einige solvente Sammler die wenigen Stücke aufkaufen, sie in ihre Sammlungen legen und damit auf Dauer dem Handel entziehen, womit ihr Seltenheitsgrad dann zunimmt.

Gruß

chinamul
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Beitrag von quisquam » Sa 11.04.09 17:25

Hallo chinamul,

alles richtig und eigentlich selbstverständlich. Es geht in diesem Kommentar im RIC aber vor allem darum, wie dubios eine Einstufung als R3 ist (Zitat RIC: "R3 is a dubious term"), und eine so eingestufte Münze unter Umständen genauso häufig oder gar häufiger ist als eine als R2 eingestufte Münze.

Grüße, Stefan
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