in den Diskussionen zum geplanten KGSG ist schon an vielen verstreuten Stellen argumentiert worden, warum die Behandlung von (antiken, aber auch mittelalterlichen/frühneuzeitlichen) Münzen als "archäologisches Kulturgut" gar nicht sinnvoll machbar ist. Insbesondere, was die Rückgabeansprüche heutiger Staaten betrifft. Aber auch allgemein bzgl. den vorgesehenen Dokumentationspflichten hinsichtlich Provenienz, also der "Begleiturkunde" für jede einzelne Münze.
Ich fange mal ganz unsortiert an:
1) Herkunfts-/Prägeort: Dieser mag bei modernen Münzen und auch bei vielen Münzen der griechischen Poleis absolut eindeutig sein - es gibt aber massenweise Münzen, wo das die moderne Forschung allenfalls anhand von Beizeichen etc. vermuten kann, wo sie seinerzeit geprägt wurden. Ja genau: gemeint sind gerade die "Massenprägungen" großer historischer Reichsgebilde. Schaut man mal genauer hin, schreibt hier in den Katalogen oft nur einer vom anderen ab, bzw. man vermutet(!) den damaligen Prägeort anhand von Häufungen bei Funden bzw. aufgrund des Stiles.
Weil ich mich sehr für Kushana/Indien interessiere: Da wird zwar oft mit Münzstättennamen hantiert ("Taxila", "Peshawar"), aber klar ist da rein gar nichts. Der große Göbl hat das schon asolut richtig gemacht: Er spricht bloß von "Mzst A" und "B" und "C" ... diese mögen auf dem Gebiet heute ganz verschiedener Staaten gelegen haben; im besagten Beispiel: Indien, Pakistan, Afghanistan. Wem steht eine bestimmte Münze jetzt konkret zu? Ist übrigens auch bei römischen Reichsprägungen so, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt.
(BTW: Ich kenne da eine Münzhandlung in Solingen, die schreibt in ihren Katalogen "seit Ewigkeiten" stets "politically correct" den "modernen Namen" des Prägeortes dazu, der bei Kleinasien meist sehr türkisch klingt. Mir hat mal ein Grieche gesagt, dessen Vorfahren 1922 von den Türken-Horden gewaltsam aus Smyrna vertrieben wurden, daß ihn das sehr verletze, wenn eine typologisch/sprachlich rein griechische(!) Münze von Smyrna und Umgebung dort jetzt den Prägeort "Izmir" hat; von irgendwelchen heutigen türkischen Kuhkaffs mal ganz abgesehen, die der Gebildete eh nur unter ihrem antiken, griechischen Namen kennt, wie er auch auf der Münze aufgeprägt ist.)
2) Fundort: Dieser ist selbst bei "archäologischen" Münzen in >99,9% aller Fälle nicht mehr bekannt, da auch Sammlermünzen oft schon vor Jahrhunderten gefunden, und gesammelt und dabei dann mehrfach vererbt, verkauft, in Lots eingefügt, aus diesen wieder herausgelöst, ggf. nochmals gereinigt, wieder verkauft, ... wurden. Und das hat keiner "lückenlos dokumentiert"; mal ganz davon ab, daß Münzhändler/Auktionatoren - zurecht! - die Identität ihrer Einlieferer geheim hielten und halten. Und wenn ich voriges Jahr selbst auf einer renommierten Auktion ein Stück erworben habe, dann weiß ich davon nur: Losnummer soundso der X. Auktion Fa. Y in Z-Stadt, am dd.mm.2014 für xyz,- € inkl. Aufgeld gekauft. Ob die Münze aus einer alten Sammlung stammt, oder doch recht neu aus dem Boden gekommen ist, das kann ein Kenner zwar anhand der Patina vermuten ... aber eben auch nur vermuten.
Sogar wissenschaftlich korrekt erfaßte/publizierte (Groß-)Funde wurden und werden nach ihrer Bearbeitung durch Museen ganz offiziell über den Handel "verwertet". Klar, was wollen die mit hunderten ewig gleicher Münzen?! Ein paar Belegstücke je Typ/Variante aus dem Großfund genügen doch für wissenschaftliche Zwecke... Auch hier wurde und wird das vom Handel verschleiert. Ggf. fordern das die Einlieferer sogar selber so, weil es ein schlechtes Licht auf das jeweilige Land wirft, daß sich dessen Museen auch durch ganz offizielle Verkäufe von Dubletten finanzieren müssen...
3) passend zu 2): Wanderungsbewegungen der Münzen in ihrer Eigenschaft als Zahlungsmittel im Alltag. Münzen wandern von Hand zu Hand, dazu sind sie da - und das taten sie schon immer auch über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg! Gerade zu jenen Zeiten, wo sie Kurantgeld waren, also einen intrinsischen Metallwert hatten, durch den sich ihre Kaufkraft bemaß, die international gleich war: Gold ist Gold ist Gold, und Silber ist Silber ist Silber!

4) Individualisierung der konkreten Münze: Münzen sind in riesigen Stückzahlen seriell hergestellte Massenprodukte. Ihre Unterscheidung erfolgt "eigentlich" allein anhand der Katalogangabe. Okay, bei antiken Münzen haben wir noch deren individuelle Schrötlingsform/-fehler, die Patinierung, Prägeschwächen, das genaue Gewicht (sofern wirklich mg-gemau gewogen wurde und das Stück dann nicht nachträglich bearbeitet ist: da genügt es schon, nur etwas Antikwachs zur Konservierung drauf zu verreiben...). Für die geforderte "Fotodokumentation" müßte dann eine extrem(!) hohe Auflösung benutzt werden (unter 2400 Pixel pro Zoll bei kleinen Münzen läuft da nix), am besten auch mit verschiedenen Lichteinfallswinkeln, um Kratzer/Doppelschläge etc. besser darstellen zu können. Sprich: da muß ein Profi ran ... mit entsprechenden Kosten!!
Je neuzeitlicher eine Münze wird, umso schwieriger wird das alles, da die individuellen Merkmale immer weniger werden - bei Maschinenprägung ja auch klar. Ich habe als Nebenhobby so ein paar Anlage-Goldmünzen aus dem 19./frühen 20.Jh. hier - zum Tagespreis mal hier und da in Wechselstuben bzw. auf Münzbörsen gekauft. Könnte nach dem KGSG-Entwurf wegen der 100-Jahres-Grenze bald auch "archäologisch" sein - obwohl hier natürlich die wenigsten Stücke jemals "vergraben" waren, sondern eben als Geld fungierten: Zu "ihrer Zeit" als Alltagszahlungsmittel, dann in "Familienschätzen" deponiert, vererbt, wegen ihres Materialwertes als Wertspeicher bewahrt, bis sie dann zunehmend auch einen numismatischen "Nebenwert" bekamen. Aber es gibt auch einzelne Exemplare genau dieser - im Millionenauflagen je Jahr/Münzstätte geprägten - Münzen, die durchaus "archäologisch" sein können. Ich weiß von einem Sondengänger, der vor ein paar Jahren Napoleonische Münzen bei Leipzig ausgebuddelt hat (also dort, wo 1813 der kleine Korse mal "eens off'n Deez gekricht hat", wie die Sachsen sagen...). Solche speziellen Ausnahmen dürfen aber kein Grund sein, nun alle derartigen Münzen und ihre Besitzer pauschal unter Generalverdacht zu stellen! Auch wenn der besagte Sondler ggf.(!) gegen das "Schatzregal" im Königrei... ähhh: BRD-Bundesland Sachsen verstoßen haben sollte... weshalb er sich naturgemäß hüten wird, genau diese "Provenienz" anzugeben, wenn er die Münze bei Geldnot weitergibt. Die schafft er dann einfach zum nächsten anonymen Goldankauf. (Genau das will das Gesetz ja "eigentlich" bekämpfen - es wird in der Praxis jedoch genau das Gegenteil bewirken: Notfalls werden Goldmünzen eben eingeschmolzen...

Und ich habe da manche Jahrgänge doppelt - weiß aber nicht mehr, welches Exemplar ich wann gekauft habe, obwohl ich in meinen Aufzeichungen schon immer die Jahrgangs/Münzzeichen-Angabe sowie die Erhaltung notiert habe. Nicht aber das Gewicht ... eine wirklich präzise Laborwaage mit Auflösung 0,001 g habe ich auch erst seit vorigem Jahr. Und selbst dann gibt es Stücke, die eben beide exakt gleich 6,447 g wiegen (leicht zirkulierte LMU-20er - Erhaltungsgrad vz). Unterschiede bei Kratzern etc. erkennt man allenfalls unterm Mikroskop... "Begleitpaß" zu jeder Münze? Wie soll das gehen?!

Es gibt sicher noch viel mehr Punkte, die ich vergessen habe - Ring frei für Ergänzungen!!
