Preise für Bronzemünzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Lehrling
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Preise für Bronzemünzen

Beitrag von Lehrling » Do 03.02.05 14:43

Hallo allerseits,

seit geraumer Zeit verfolge ich die interessanten Beiträge in diesem Forum und habe endlich den Mut gefasst in die Öffentlichkeit zu treten. Da ich noch am Anfang meiner Sammlung stehe und nur äußerst bescheidene Kenntnisse verfüge habe ich gleich folgende Frage:

Warum sind Bronzemünzen (im Vergleich zu Silbermünzen) so teuer? Schließlich ist doch Silber teurer. Außerdem dürfte doch die Anzahl der hergestellten Stücke größer sein.

Liegt es daran, daß diese begehrter sind (>Nachfrage) oder hat einfach der Zahn der Zeit mehr am unedleren Metall genagt (<Angebot)?

Oder liege ich total daneben und es gibt andere Ursachen.

Danke im voraus.

andi89
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Beitrag von andi89 » Do 03.02.05 14:51

Hallo!

Ich weiß ja nicht genau, für welche Bronzemünzen du dich genau interessierst, aber es git auch Münzen aus Bronze die sind wesentlich billiger als eine durchschnittliche Silberne. Das sind wohl vor allem Follis. Die Bronzemünzen, die teurer sind als Silbermünzen, dass sind meistens Asse, Dupondien oder Sesterzen.

andi89

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Beitrag von Pscipio » Do 03.02.05 14:57

Hallo Lehrling

Der Preis einer römischen Münze wird bei Silber- und Bronzemünzen durch den Materialwert kaum beeinflusst. Ausschlaggebend sind vielmehr Seltenheit, Erhaltung, künstlerische Qualität, Ästhetik, usw. Da es nur schwer möglich ist, über eine solche Fülle von verschiedensten Münzen aus mehreren Jahrhunderten der Prägung etwas allgemeingültiges zu sagen, muss man es wohl bei der oben erwähnten Einschätzung belassen. Genaueres kann man sonst nur zu Einzelstücken oder allenfalls zu ähnlichen Stücken einer gemeinsamen Epoche oder eines Kaisers sagen.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.

Lehrling
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Beitrag von Lehrling » Do 03.02.05 15:08

Ui Ui,

das ging aber fix! Tja, so etwas habe ich mir schon gedacht, dass sich das nicht so pauschal sagen lässt.... Nun gut, da ich hier schon einiges über "Bronzefraß" gelesen habe (und dadurch vorsichtig/verängstigt bin), werde ich meine Sammlung mit Denaren beginnen, zumindest so lange das mein Geldbeutel aushält.

Gruß Lehrling

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Beitrag von Pscipio » Do 03.02.05 15:41

Schlussendlich muss jeder Sammler selbst entscheiden, wie und was er sammeln will. Mir persönlich ist (auch wenn sich so etwas nur schwer generalisieren lässt) eine tolle Grossbronze oftmals lieber als ein toller Denar.

Das wichtigste bleibt, dass man mit seinen Münzen zufrieden ist. Was andere Sammler und Leute davon halten, sollte nur von untergeordneter Bedeutung sein. Wie chinamul (wenn es mir recht ist) kürzlich trefflich sagte: Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.

Fridericus
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Beitrag von Fridericus » Sa 05.02.05 17:19

Ein weiterer Grund ist, daß die Bronzenmünzen der Römer (ich spreche hier von den Großbronzen bis zum 3. Jahrhundert) oftmals ansprechender sind als die Edelmetallmünzen (einfach auch aufgrund des größeren Formats) und daher gesuchter sind. Außerdem haben sich die Edelmetalle über die Jahrtausende besser erhalten als die stark korrosionsanfälligen Bronzemünzen. Und es gibt Kaiser (vor allem ab den Severern), die mehr Silber als Bronze ausgeprägt haben.

klaupo
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Beitrag von klaupo » Sa 05.02.05 17:41

Liegt es daran, daß diese begehrter sind (>Nachfrage) oder hat einfach der Zahn der Zeit mehr am unedleren Metall genagt (<Angebot)?

Oder liege ich total daneben und es gibt andere Ursachen.
Hallo,

es gibt noch einen weiteren Grund für die oft geringe Erhaltung von Sesterzen, der hier noch nie angesprochen wurde: In Frankreich z.B. waren Sesterzen bis zum Jahr 1850 kursgültiges Umlaufgeld und liefen neben anderen Nominalen wie denen des Ancien Régime um. Und ca. 1500 Jahre Umlauf machen sich halt auch an der Erhaltung bemerkbar!

Gruß klaupo

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Beitrag von richard55-47 » Sa 05.02.05 21:04

@ klaupo

Das haut mich um, das höre ich zum ersten Mal. In welchem Verhältnis stand denn der Wert der Sesterzen zur offiziellen Währung? Oder anders: welchem Nominal stand der Sesterz gleich?
do ut des.

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Zwerg
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Beitrag von Zwerg » Sa 05.02.05 21:30

Hallo klaupo
jetzt machst du mich neugierig!

Wo ist der Karnevalsscherz???

Grüße
Zwerg
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klaupo
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Beitrag von klaupo » Sa 05.02.05 21:57

Zum Karneval würd's ja passen ... :D ... aber dem ist nicht so!

Meine Quelle ist durchaus seriös (Numismatique et change, Nr. 179, Decembre 1986). In dem Artikel geht es u.a. darum, welche Münztypen 1848 in Frankreich umliefen. Es war eine kunterbunte Mischung, darunter auch die „sesterces romains“, deren Geldwert vermutlich Kupfermünzen gleicher Größe und vergleichbaren Gewichts angeglichen war. Alle diese Münzen wurden nun zu Beginn der 2. Republik (1848 - 1851) eingezogen und der Gegenwert ausgezahlt, und da der Sesterz nach Gewicht und Größe in etwa dem 12 Deniers Stück oder auch dem Sol entsprach, erhielt man dafür einen Gegenwert von 5 Centimes ausbezahlt. ... Dafür würde ich heute vermutlich den einen oder anderen kaufen.

Gruß ... und aus gegebenem Anlaß Helau!

klaupo
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Beitrag von Zwerg » Sa 05.02.05 22:12

Man lernt wirklich nie aus!


Grüße
Zwerg

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » So 06.02.05 15:53

@klaupo

Diese Info haut mich auch um :-D
Nata vimpi curmi da.

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chinamul
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Beitrag von chinamul » So 06.02.05 19:16

Das war bei den Chinesen nicht viel anders: Dort liefen bis zum Ende der Lochmünzenära, also bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls Münzen mit um, die z. T. fast 2000 Jahre alt waren. So etwas war immer dann möglich, wenn die Form eines Geldstücks sich nicht wesentlich verändert hatte. Wer hätte denn wohl auch im alltäglichen Zahlungsverkehr ohne Brille und eine richtige Beleuchtung die Oldies mühsam heraussortieren wollen! Es ist damit einfach alles eine Frage der Akzeptanz als Zahlungsmittel. Diese Feststellung gilt natürlich nur für Scheidemünzen, und um solche handelte es sich bei den Sesterzen ja auch. Die Courantmünzen hingegen wurden natürlich genauer unter die Lupe genommen und auf ihren vollen Edelmetallgehalt hin überprüft. Und nur weil die bis in unsere Zeit weitergeprägten Maria-Theresientaler von 1780 ihr altes Feingewicht beibehielten, konnten sie als Courantmünzen bis ins 20. Jahrhundert hinein in den arabischen Ländern umlaufen.

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

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Beitrag von Peter43 » So 06.02.05 20:21

In den USA und in der Schweiz sind auch noch Münzen aus den 19.Jhdt. gültig. Ich glaube, für uns Deutsche ist das deshalb so merkwürdig, weil bei uns das Geld ständig für ungültig erklärt oder die Währung gewechselt wird!
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Beitrag von Pscipio » Mo 07.02.05 15:01

Peter43 hat geschrieben:In den USA und in der Schweiz sind auch noch Münzen aus den 19.Jhdt. gültig. Ich glaube, für uns Deutsche ist das deshalb so merkwürdig, weil bei uns das Geld ständig für ungültig erklärt oder die Währung gewechselt wird!
Das ist natürlich vor allem historisch bedingt. Sowohl die USA wie auch die Schweiz blicken auf etwa 150 Jahre (USA 140, Schweiz 157) Frieden im eigenen Land zurück, keine gewaltsamen Umstürze, kein Politsystemwechsel usw., zudem ist die Schweiz ja kein Euro-Mitgliedsstaat. Es gab also keinen Anlass zu einem Währungswechsel. Hingegen erscheinen mir sowohl der deutsche Währungswechsel nach dem 2. WK als auch der Wechsel zum Euro ziemlich nachvollziehbar.

40 Jahre alte Münzen können keinen Schweizer verblüffen, ist eine Münze 60, 70 Jahre alt, blickt man vielleicht ein zweites Mal hin, doch richtig aufmerksam werden die meisten wohl erst, wenn eine Münze 80 oder 100 Jahre alt ist. Münzen aus dem 19. Jahrhundert hingegen begegnet man kaum im Umlauf, jedenfalls habe ich noch nie eine angetroffen, die älteste Umlaufmünze, die mir auffiel, stammte aus dem Jahr 1925.

Gruss, Pscipio
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