Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Peter43
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mo 12.12.22 13:28

Priamos, König von Troja

Die Münze:
Troas, Ilium, Crispina (Frau des Commodus), 178-182
AE 25, 13.7g, 24.6mm, 30°
Av.: KPICΠEINA – CEBACTH
Büste der Crispina mit Stephane, Haarknoten im Nacken, drapiert, n. r.
Rv.: ΠPIAMOC – IΛIEΩN
      Priamos in langem Gewand und mit phrygischer Mütze n. r thronend, stützt sich
mit der erhobenen Linken auf langes Szepter
Ref.: Bellinger T193; von Fritze, Ilion 92; BMC 72; RPC  IV/2, 129  (#10)
Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine Elektrotype Copy der Münze aus der Bibliotheque National in Paris aus dem 19. Jh.
(1) Münze.jpg
Was ist eine Electrotype Copy?
Dieses Verfahren ist eine galvanische Abformung eines Modells. Von dem Original wird ein Modell angefertigt, meist aus Gips, dessen Oberfläche anschließend leitfähig gemacht wird. Dieses Modell wird in ein galvanisches Bad gehängt. Unter Stromfluß schlagen sich die Metallatome des Bads auf der Oberfläche des Modells nieder. Das Modell selbst verbleibt im Innern (sog. Kerngalvanoplastik). Dieses Verfahren geht zurück auf den Anatomieprofessor Luigi Galvani am Ende des 18. Jh. und wurde dann im 19. Jh. weiterentwickelt. Schon kurz nach der Entwicklung des Verfahrens wurde es für Zwecke des Kunsthandwerks nutzbar gemachr. Große Museen stellten mit dieser Methode Kopien von Münzen her, um sie auszustellen oder an Sammler zu verkaufen. Unsere Münze wurde im t9. Jh. von der Bibliotheque National de France für Sammler hergestellt. Typisch ist immer die Rille am Rand  der  Münze.

Name:
Ursprünglich hieß Priamos Podarkes. Nachdem der heimtückische Laomedon, der zweite König von Troja, Apollo und Poseidon, die ihm die Mauern von Troja errichtet hatten, um ihren verdienten Lohn, wohl die berühmten Götterpferde, betrogen hatte, schickte Apollo ihm die Pest und Poseidon ein riesiges Meeresungeheuer. Das Orakel gab den Rat, Hesione, die Tochter des Laomedon, dem Ungeheuer zu opfern, um die Stadt zu retten. Sie wurde am Strand ausgesetzt und Laomedon versprach ihrem Retter die göttlichen Pferde. Herakles tötete das Ungeheuer. Aber wieder griff Laomedon zu Betrug und verweigerte ihm den Preis. Da führte Herakles einen Krieg gegen Troja, verwüstete es bis auf die Mauern und tötete Laomedon und seine Söhne, außer Priamos, den jüngsten. Ihn kaufte (griech. πριασθαι) Hesione ihm mit ihrem golddurchwirkten Schleier ab (Apollodor). Nach kurzer Zeit als Sklave ließ Herakles ihn frei. Hesione aber wurde von Telamon nach Griechenland entführt, was einer der Hauptgründe für den Trojanischen Krieg war. Bei dieser Geschichte handelt es sich aber um eine Volksetymologie. Eher stammt der Name Priamos vom aiolischen  per(r)amos (= basileus,  König)  (Hesych).

Genealogie:
Priamus, der letzte König von Troja, war der jüngste Sohn des trojanischen Königs Laomedon und der Strymo, einer Tochter des Skamander, nach anderen der Plakia, einer Tochter des Atreus. Seine Brüder waren Tithonos, Lampos, Klytios und Hiketaon (Homer Ilias), seine Schwestern Hesione, Killa und Astyoche (Apollodor). Nach dem Tod des Laomedon ließ Herakles ihm das Königreich, obwohl er da noch ein Kind war (Hygin), und er folgte seinem Vater auf den Thron. Er baute das zerstörte Troja wieder auf, stärker und gewaltiger  als  es  vorher  war.
(2) Priamos Detail.jpg
Priamos als orientalischer Herrscher n. l. thronend. Ausschnitt aus dem Gemälde „Helena und Priamos am Skäischen Tor“ (1808) von Richard Cook  (1784-1857)

Familie:
Priamos gründete die kinderreichste königliche Familie der Heroengeschichte. Seine erste Frau war Arisbe, die Tochter des Merops. Mit ihr zeugte er den Aiakaos, überließ sie später aber dem Hyrtakos und nahm die Hekabe (lat. Hecuba), eine Tochter des Kisseus oder des Dymas, zur Frau. Mit ihr hatte er 19 Kinder. Dazu kamen noch 50 Nebenfrauen, von denen er eine Unzahl von weiteren Kindern hatte. Hygin zählt 54 auf! Homer spricht von 50 Söhnen, von denen er allein von Hekabe 19 gehabt haben soll, nebst 12 Töchtern, die verheiratet waren, außer den unverheirateten. Alle wurden von Hekabe aufgezogen. Nach dem Tod des Hektor waren noch  9  Söhne  am  Leben.

Hekabe
Nach Hygin wurde Hekabe nach dem Untergang Trojas eine Sklavin des Odysseus. Am Ende stürzte sie sich ins Meer und wurde in einen Hund verwandelt. Das wird heute als Zeichen für eine Verwandtschaft mit Hekate gedeutet. Der Untergang Trojas stürzte Hekabe vom höchsten Mutterglück und -stolz einer Königin in tiefste Not und Sklaverei und beraubte sie ihres Mannes und aller ihrer Kinder. Sie ist die Verkörperung tiefsten Frauenunglücks und – elends im Krieg. Ihr Schicksal wurde nicht nur von Euripides („Die Troerinnen“) behandelt, sondern auch von Sartre („Les Troyennes, 1965).

Das ist mir Hecuba!“ im Sinne von „Das ist mir völlig egal!“ geht zurück auf Shakespeare, Hamlet, 2. Akt, 2. Szene. Es wurde u.a. von Bismarck 1887 benutzt, als es  um  die  orientalische  Frage  ging.

Von den 22 Töchtern ist die mythologisch bedeutsamste Kassandra. Es wird erzählt, daß Apollo ihr die Gabe der Weissagung versprach, wenn sie sich ihm hingebe. Sie wies die Liebe des Gottes zurück und Apollo verdammte sie daraufhin, daß sie stets nur drohendes Unheil wahrsagen,  aber  niemand  ihr  glauben  sollte.

Der Fluch erfüllte sich bei der Geburt des Paris, als sie forderte, das Kind der Hekabe zu töten, weil in einem Traum der Hekabe die Stadt in einem Feuersturm unterging.

In der Ilias erzählt Priamos, daß er in seiner Jugend zusammen mit den Phrygern Otreus und Mygdos am Sangarios gegen die Amazonen gekämpft habe. Vergil erwähnt Besuche von Salamis und Arkadien. Zu Beginn des Trojanischen Krieges war Priamos ein mächtiger und reicher König. Sein Reich erstreckte sich von Lesbos über Phrygien bis an den Hellespont. Phryger und thrakische Nachbarn waren seine Bundesgenossen (Pauly), vielleicht auch seine Vasallen. Aineias, der immer ein gespanntes Verhältnis zu ihm hatte, trat erst im 10. Kriegsjahr zu ihm. Durch seine strategische Lage beherrschte Troja den Zugang zum Schwarzen Meer und kontrollierte damit die griechischen Getreidetransporte.

Während  des  Trojanischen  Krieges
Während des Trojanischen Krieges spielte Priamos keine große Rolle. Er war das ehrwürdige Haupt einer zahlreichen Familie und ein bis zur Schwachheit milder, gerechter König (Roscher), der am Ende als lebensmüder Greis erscheint, der nur selten in den Gang der Ereignisse eingreift. Das entsprach seiner Auffassung, daß dies ein Krieg der Götter war, der auch von den Göttern entschieden wurde. Wegen seiner Frömmigkeit war er ein Liebling des Zeus. In der Agora hatte er zwar als König den Vorsitz, wurde aber von seinen Söhnen beherrscht. Diese beschimpfte er im Zorn als Feiglinge, Lügner, Schlemmer, die dem Volk das Vieh raubten. Der wirkliche Herrscher ist sein ältester  Sohn  Hektor.

Bei einer Teichoskopie (Mauerschau), bei der er von der Mauer auf das Schlachtfeld vor der Stadt herabblickte, bewunderte er den Mut und die Tapferkeit der Achäer. Bei diesen stand er in hoher Achtung.

Priamos versucht Hektor zur Umkehr zu bewegen
Priamos tritt erst wieder am Ende der Ilias hervor, als er sieht, wie die Griechen unter den Troern wüten und diese sich zu wilder Flucht wenden. Er befiehlt, die Tore zu öffnen. Nur Hektor bleibt daraußen. Als Achilleus heranstürmt, fleht er Hektor an, ebenfalls hereinzukommen. Er verwünscht Achilleus, der ihm schon so viele Söhne gemordet hatte. Wenn nur die letzte Hoffnung Trojas nicht sinken würde. Darum solle Hektor hereinkommen, denn er müsse sich den Seinigen erhalten. Er malt ihm sein eigenes Schicksal aus, wie sein Leichnam von Hunden zerfleischt werde. Er bietet seine ganze Beredsamkeit auf, um durch den Hinweis auf das der Stadt drohende Unheil den Sohn zur Rückkehr in die Stadt zu bewegen. Dies ist die längste Rede des Priamos. Aber vergeblich, das unerbittliche  Schicksal  erfüllte  sich.

Der Bittgang des Priamos zu Achilleus
Nachdem Achilles Hektor im Zweikampf getötet hatte, band er dessen Leichnam an seinen Kampfwagen und schleifte ihn dreimal um die Mauern von Troja. Dann zog er aus Kummer über den Tod des Patroklos den Körper des Hektor täglich dreimal um das Grab des Patroklos. Doch Apollo schützte ihn vor Fäulnis und Verletzungen. Nun folgte der schwerste Gang des unglücklichen Königs. Geleitet von Hermes begab er sich ins Lager der Griechen und sank zu den Füßen des unversöhnlichen Siegers nieder. Aber Achilleus empfing ihn würdig und es gelang ihm, den Leichnam Hektors auszulösen. Dieser Vorgang ist auch nachher in Dichtung und Kunst ein beliebter Gegenstand geblieben.

Der Tod des Priamos
Nach der Eroberung Trojas wurde er von Neoptolemos, dem Sohn des Achilles, trotz der Zusicherung, ihn zu schonen, vom Altar des Zeus weggezerrt, und nachdem er noch vor ihren Augen ihren Sohn Polites getötet hat, vor den Augen der Hekabe brutal ermordet. Dies ist nur eines der furchtbaren Verbrechen, die die Griechen an den  besiegten  Troern  verübten.

Der Schatz des Priamos
Der sog. Schatz des Priamos wurde von Heinrich Schliemann am 31.Mai 1873 bei seinen Ausgrabungen in Troja entdeckt. Er erhielt seinen Namen nach dem mythischen König. Insgesamt umfaßt er über 8000 Objekte. Schliemann schenkte den Schatz 1881 dem deutschen Volk und seit 1885 befand er sich im Völkerkundemuseum in Berlin. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er als Beutekunst in die Sowjetunion gebracht, was 1993 bestätigt wurde. Bis dahin galt er als verschollen oder zerstört. Inzwischen hat auch die Türkei Eigentumsrechte  angemeldet  (Wiki).

Doch Schliemann war einer Illusion aufgesessen. Tatsächlich stammt der „Schatz des Priamos“ aus der frühen Bronzezeit und ist mehr als tausend Jahre älter als die mutmaßliche Regentschaft des von Homer beschriebenen  Troja-Königs.
(3) Sophia_Schliemann_1873.jpg
Sophia Schliemann mit dem Großen Gehänge aus dem „Schatz des Priamos“,  1873.

Kunstgeschichte:
Darstellungen des Priamos sind in der Antike nicht häufig. Dargestellt werden meistens der Bittgang zu Achilles und dann seine Ermordung durch Neoptolemos. Das gilt auch für Darstellungen aus der Neuzeit., was die die  ausgewählten  Darstellungen zeigen.
(4) Priamos bei Achill Wien.jpg
(1)  Priamos  vor  Achilles
Attischer rotfiguriger Skyphos, Klassik, um 490 v. Chr., zugeschrieben dem Brygos-Maler, gefunden in Cerveteri,  heute  im  Kunsthistorischen  Museum  Wien
(5) Priamos bei Achill Alexandr_Ivanov.jpg
(2)  Alexander  Andrejewitsch  Iwanow  (1806-1859):
„Priamos bittet Achilles um die Herausgabe von Hektors  Leiche“,  1824
(6) Tod des Priamos.jpg
(3)  Der  Tod  des  Priamos
Priamos wird von Neoptolemos, dem Sohn des Achill, getötet, Detail einer Attischen schwarzfigurigen Amphore, spätarchaisch, ca. 520-510 v. Chr., aus Vulci

Quellen
(1)  Homer, Ilias
(2)  Apollodor, Bibliotheka
(3)  Hygin, Fabulae
(4)  Euripides, Die Troerinnen
(5)  Vergil, Aeneis

Sekundärliteratur
(1)  Wilhelm  Heinrich  Roscher,  Ausführliches  Lexikon der  griechischen  und  römischen  Literatur,  Leipzig
(2)  Benjamin  Hederich,  Gründliches  mythologisches Lexikon,  Leipzig  1770  (auch  online)
(3)  Karl  Kerenyi,  Die  Mythologie  der  Griechen,  dtv
(4)  Robert  von  Ranke-Graves,  Griechische  Mythologie, rororo
(5)  Der  Kleine  Pauly,  dtv
(6)  William  Shakespeare,  Hamlet
(7)  Jean-Paul  Sartre,  Les  Troyennes
(8)  RPC  IV.2
(9)  Aghion/Barbillon/Lissarrague,  Reclams  Lexikon        der  antiken  Götter  und  Heroen  in  der  Kunst,  1994

Online-Quellen
(1)  Wikipedia
(2)  theoi.com

Mit freundlichem Gruß
Jochen
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mo 12.12.22 13:31

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Di 13.12.22 08:49

Da hast Du Dich mal wieder tief in die Quellen gestürzt, ich kannte da im wesentlichen nur die Schwab-Version aus Kindertagen :D .

Peter43 hat geschrieben:
Mo 12.12.22 13:28
... Erfunden wurde dieses Verfahren am Ende des 18. Jh. von dem Anatomieprofessor Luigi Galvani und dann im 19. Jh. weiterentwickelt. ...
Luigi Galvani war zwar der "Entdecker der Elektrizität" (mittels der berühmten zuckenden Froschschenkel :D ), das nach ihm benannte Galvanisierungsverfahren hat er aber nicht selbst entwickelt, das entstand erst etwas später:
https://de.wikipedia.org/wiki/Galvanotechnik#Geschichte
https://en.wikipedia.org/wiki/Electroplating#History

Gruß

Altamura

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 15.12.22 09:26

Hallo ALtamura!

Danke für Deinen Einwurf. Den Hinweis auf Galvani, den mit den Froschschenkeln, habe ich bei Wikipedia gefunden:
"Grundlage aller galvanoplastischen Herstellung war die Forschung des Anatomieprofessors Luigi Galvani, der Ende des 18. Jahrhunderts Entdeckungen über Kontakte zwischen Kupfer und Eisen machte. Damit ermöglichte er die Elektroplattierung. Dabei handelt es sich um eine frühe Art der Galvanik."
Ich habe jetzt meinen Text etwas umgeformt: von "hat erfunden" auf "geht zurück auf". Ich hoffe, daß dies für Dich erträglich ist.

Jochen
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 18.12.22 12:43

Mutinus  Titinus

Neben den bekannten römischen Göttern, insbesondere den olympischen, die zu unserem Bildungsgut gehören, gab es eine Vielzahl von „kleineren Göttern“, die nicht allgemein bekannt sind. Mit diesen möchte ich mich hier  beschäftigen.

Die  Münze:
Römische Republik, Q. Titius Mutto, gens. Titia
AR – Denar, 19mm, 4.08g
         Rom, 90  v. Chr.
Av.: Bärtiger Kopf (Mutinus Titinus?) mit geflügeltem  Diadem n. r.
Rv.: Pegasus n. r. springend, auf einer Basis mit der Inschrift  Q.TIT
Ref.: Crawford 341/1; Sydenham 691; Albert 1180; Sear 238; Titia 1
Rv. Etwas  exzentrisch
Q_Titius_MuttoCrawford341_1.jpg
RE Pauly (Titius 33): Diese Darstellung weist nicht, wie man früher annahm, auf den Gentilnamen Titius hin, sondern nach Cichorius auf den Beinamen des Q. Titius, der Mutto hieß. Also Q. Titius Mutto! Von ihm ist bekannt, daß er 100 v. Chr. von L. Aelius angeklagt wurde und 87 v. Chr. als Parteigänger Sullas Münzmeister  war.

Der Kopf des Mutinus ist dem Priaposkopf der Münzen von Lampsakos in Mysien nachgebildet. Lampsakos war das Zentrum der Priapos-Verehrung.

Münze #2:
Mysia, Lampsakos, pseudo-autonom, 190-85 v. Chr.
AE – AE 20, 7.90g
Av.: Bärtiger Kopf des Priapos n. r., bekränzt mit Efeu
Rv.: Vorderteil des Pegasos n. r.
      darüber und darunter ΛAMΨA – KHNΩN
Ref.: BMC 69; SNG France 1245-2248; SNG Copenhagen 224-226; Bompois coll. 1396; SNG von Aulock 7405; Lindgren III, 259; SNG Tübingen 2311
lampsakos_SNGcop224-226.jpg
Mutinus  Titinus
Auch Mutunus, Tutunus, einzeln oder als Doppelname. Etymologisch stammt Mutinus von lat. mutto (= männliches Glied, gelegentlich auch das weibliche Geschlecht), Titinus von *tou (= schwellen). Damit hängt es auch mit muttonium zusammen, der Bezeichnung für ein phallisches Amulett. Dieses wurde als fascinum zum Schutz gegen das Böse z.B. an Häusern und Wegen  angebracht.
1024px-Fascinum_-_Clunia_-_Province_of_Burgos,_Spain.jpg
Steinblock mit der Abbildung eines fascinum aus Burgos/Spanien

Varro verglich Mutinus mit dem griech. Priapos. Das ithyphallische Bildnis des Mutinus diente nach Augustinus bei der Hochzeit (confarreatio) dazu, das Tabu des Anfangs zu brechen, indem sich die Braut auf den Phallus setzen mußte und sich so symbolisch selbst deflorierte. Dem Ritual konnte aber nur das Bildnis dienen, das im Vestatempel in einem Schrein (sacellum) an der Velia aufbewahrt wurde. Dort opferten auch die Frauen mit verschleiertem Haupt. Das Schicksal des Heiligtums ist unklar. Wahrscheinlich wurde dieser altehrwürdige Schrein zur Zeit des Augustus von Gnaeus Domitius Calvinus niedergerissen und an seiner Stelle eine Badeanlage errichtet (Wikipedia).

Indigetes Dii
Mutinus gehörte zu den sog. Indigetes Dii, einer von der Antike bis heute umstrittenen Sammelbezeichnung der Römer für eine Gruppe von Göttern, unter die man, sei es auch mißverständlich, Heroen wie Aeneas und Romulus einreihte. Eigentlich hieß Indiges jeder aus einem Menschen gewordene Gott (Serv. ad Virg.)

Insbesondere war es Aeneas, der die Ehre erhielt, daß er Iupiter Indiges oder Pater Indiges genannt wurde. Dieser wurde in einem Hain am Fluß Numicus verehrt. Da Aeneas am Numicus entrückt worden war, wurde er mit Jupiter Indiges identifiziert. Allerdings fand diese Identifizierung erst später, in augusteischer Zeit statt.

Später nannte man mißbräuchlich alle Götter Indigeten. Eigentlich sollten damit nur die einheimischen, altrömischen Götter so genannt werden (von lat. indiges = einheimisch, altrömisch). Was unter Di Indigetes zu verstehen ist, war aber schon in der Antike unklar. Eine etymologische Verbindung zu den Indigitamenta ist mehr als problematisch  (Pauly)

Die  Indigitamenta
Etymologisch stammt „Indigitamenta“ von lat. indigitare (= auf etwas hinweisen, anrufen). Es handelt sich dabei um Götterlisten, die vom Kollegium der Pontifices aufgehoben wurden, um sicherzustellen, daß die richtigen göttlichen Namen für öffentliche Gebete aufgerufen wurden und ihre richtige Reihenfolge eingehalten wurde. Bei der ängstlichen Gewissenhaftigkeit, mit der die Römer den Göttern gegenüberstanden, durfte ihnen dabei nicht der kleinste Fehler unterlaufen.

Wie viele andere römische Kulthandlungen wurden sie Numa Pompilius, dem frommen 2. König von Rom, zugeschrieben. Die moderne Standardliste hat W. H. Roscher zusammengestellt, auch wenn sich einige Wissenschaftler in einigen Punkten von ihm unterscheiden. Sie enthält über 150 Namen von Gottheiten, von denen viele für Empfängnis, Geburt und kindliche Entwicklung zuständig waren, z.B. gab Vagitanus dem Neugeborenen den ersten Schrei (vagitus). Andere waren Agrargötter. In diesem Sinne wären es alte Sondergötter gewesen. Es kann aber auch sein, daß es nur Beinamen für größere Götter für bestimmte Funktionen gewesen sind. Einige dieser Gottheiten waren bereits in der Antike nicht mehr bekannt oder ihre  Funktion  unklar.

Leider war es so, daß die Kirchenväter, z.B. Augustinus und Tertullian, kein historisches oder wissenschaftliches Interesse hatten, sondern sich lustig machten über diese Gottheiten und die ursprüngliche Liste verdorben haben, indem sie ihren Sinn verkehrt oder alberne Ergänzungen vorgenommen haben.

Anmerkungen:
(1) Conrad  Antonius Cichorius  (1863-1932),  deutscher Althistoriker, zuletzt an der Universität Bonn.  Veröffentlichte als erster deutscher Historiker die Reliefs der Trajanssäule  (1896).
(2) Marcus Terentius Varro (116-27 v.Chr.), aus Rieti, bedeutender römischer Polyhistor. Von Augustinus wird er so oft zitiert, daß dadurch seine theologischen Schriften teilweise rekonstruiert werden konnten. Von ihm stammt die Berechnung des Jahres der legendären Gründung der Stadt Rom („varronische  Zählung“)
(3) Maurus Servius Honoratius, ein spätantiker römischer Grammatiker aus dem 4.Jh., der u. a. Vergil-Kommentare geschrieben hat.
(4) Ferd. Bompois, Medailles Grecques Autonomes
Bas_relief_from_Arch_of_Marcus_Aurelius_showing_sacrifice.jpg
Marcus Aurelius (161-180) und Mitglieder der kaiserlichen Familie bringen zum Dank für den Erfolg gegen die Germanen ein Opfer dar. Im Hintergrund der Tempel des Jupiters auf dem Capitol. Basrelief vom Bogen des Marcus Aurelius, heute im Kapitolinischen Museum in Rom

Quellen
(1) Plinius, naturalis historia
(2) Varro, Antiquitates rerum divinarum
(3) Catull, Carmina
(4) Augustinus, De Civitate Dei
(5) Tertullian, Ad Nationes

Sekundärliteratur
(1) Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (auch online)
(2) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, Leipzig 1770 (auch online)
(3) Paulys Realenzyklopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE)
(4) Der Kleine Pauly, dtv
(5) Der kleine Stowasser, Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch

Online-Quellen
(1) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am So 18.12.22 19:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 18.12.22 12:46

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » So 18.12.22 17:08

Peter43 hat geschrieben:
So 18.12.22 12:43
...
Av.: Bärtiger Kopf des Mutinus Titinus mit geflügeltem Diadem n. r.
Rv.: Pegasus n. r. springend, auf einer Basis mit der Inschrift Q.TIT
Ref.: Crawford 341/1; Sydenham 691; Albert 1180; Sear 238; Titia 1
...
So ganz sicher ist das mit dem Mutinus Titinus auf dieser Münze aber nicht (um es mal vorsichtig auszudrücken) :? .
Im Crawford steht "... I do not know what the head on 1 is (there are no good grounds for regarding it as that of Mutunus Tutunus, so rightly Roscher ii, 207) ...".
Roscher schreibt dazu nämlich schon "... Ganz willkürlich ist die Annahme, daß ein auf einem Denar der gens Titia abgebildeter bärtiger Kopf mit Flügeln an den Schläfen Mutinus Titinus darstelle, den jene gens der Namensähnlichkeit wegen auf die Münze gesetzt habe ...".

Einen ganzen Artikel dazu schrieb in jüngerer Zeit Marie-Karine Lhommé, "De Mutinus Titinus à Priape ou les métamorphoses antiques et modernes d’un dieu oublié", in "Onomastique et intertextualité dans la littérature latine. Actes de la journée d'étude tenue à la Maison de l'Orient et de la Méditerranée – Jean Pouilloux, le 14 mars 2005", Lyon 2009, S. 195-220: https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-01474522/document

Auch in den meisten öffentlichen Sammlungen ist heutzutage nur noch von einem bärtigen Männerkopf die Rede.

Wir hatten dieses Thema hier auch schonmal, es scheint aber dieser unsäglichen Timestheus-Zensur zum Opfer gefallen zu sein :( .

Den ausführlichen Informationen zu diesem Kleingott tut das insgesamt aber keinen Abbruch :D .

Gruß

Altamura

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von cmetzner » So 18.12.22 21:23

So einen Denar hatte ich in einem Thread von Timestheus vorgezeigt - leider ist der Thread verschwunden.

Rom 90 v. Chr.
3,940 g; 17 x 19 mm
RRC 341/1; Sydenham 691;


Bild vom Auktionshaus:
#662-Titius-Pegasus.jpg

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mi 21.12.22 22:43

Der  Flußgott  Acheloos

Die Münze
Akarnania. Oiniadai,  219-211  v.  Chr.
AE  22,  6.91g,  22.02mm
Av.: Belorbeerter  Kopf  des  Zeus  n.  r.
        dahinter  Blitzbündel,  darunter  ΠPI
Rv.: OINIAΔAN
        Kopf des Flußgottes Acheloos als Stier mit Menschenkopf  n.  r.
       dahinter Monogramm AKAP
Ref.: BCD  Akarnania  347;  SNG  Copenhagen  402 Beläge,  sonst  fast  SS
(1) BCD Akarnania 347.jpg
Mythologie
Seinen Namen hat der Acheloos wahrscheinlich von dem alten griech. Wort αχ (= aqua, urverwandt mit dem deutschen Ach, Ache) für Wasser, weshalb sein Name von Dichtern auch für Süßwasser ganz allgemein gebraucht wurde. In der Antike hieß der Fluß auch Thoas und Acheloos war König in Aetolien. Es wird erzählt, daß der Fluß seinen endgültigen Namen erst erhalten habe, nachdem Acheloos bei einem Unglück darin ertrunken sei. Andere erzählen, der Fluß habe ursprünglich Thestios geheißen, nach dem Sohn des Ares und  der  Prisidike.
Die Eltern des Acheloos waren Okeanos und Tethys (Hesiod), aber es gibt auch andere Angaben wie Okeanos und Gaia oder Helios und Gaia. Für Okeanos und Tethys spricht, daß nach griechischer Überzeugung alle Flüsse ihren Ursprung im Meer haben.

Die  Sirenen
Aus der allgemeinen Bedeutung des Acheloos erklärt es sich, daß er der Vater der Sirenen war (Pausanias), die er mit der Muse Melpomene, Kalliope oder Terpsichore (App. Rhod.) hatte. Die Sirenen, von denen es zwei oder drei gab, waren Mischwesen aus Mensch und Vogel und konnten durch ihren betörenden Gesang Seeleute anlocken, die sie dann töteten. Bekannt ist, daß sich Odysseus an einem Mast festbinden ließ. So konnte er ihren Gesang vernehmen, ihnen aber nicht folgen. Als die Argonauten in ihre Nähe kamen. konnte Orpheus sie mit seiner Leier übertönen. Auf Aufforderung von Hera sollen sie einen Wettstreit mit den Musen ausgetragen haben, wer schöner sänge, wobei sie unterlagen. In hellenistischer Zeit findet sich die Sage, daß die Sirenen daraufhin Selbstmord begangen hätten

Die  Nymphe  Perimele
Ovid erzählt, wie Theseus auf seinem Weg nach Athen zum Acheloos kam, den er wegen seiner starken Strömung nicht überqueren konnte. Acheloos lud ihn zu einem Gastmahl ein und bat ihn, so lange zu warten, bis der Fluß sich wieder beruhigt habe. Er erzählte ihm vom Schicksal der Echinaden: Vier Nymphen opferten am Ufer des Flusses allen Göttern, tanzten, sprangen und opferten, vergaßen aber den Acheloos. Darüber erzürnt riß er mit seinem Strom das Uferland samt der Nymphen fort und die Najaden wurden zu den Inseln. Zur fünften Insel aber wurde seine Geliebte, die Nymphe Perimele, die Tochter des Hippodamas. Weil sie sich hatte verführen lassen, wurde sie von ihrem Vater von einer Klippe ins Meer gestoßen bevor sie gebären konnte. Acheloos konnte sie über Wasser halten und auf seine Bitten hin wurde sie von Poseidon in eine Insel verwandelt. Diese Inseln liegen vor der Mündung des Acheloos und bekamen später nach einem Wahrsager Echinos den Namen Echinaden. Sie sind schon früh verlandet  (Strabo).

Dieses Gastmahl von Acheloos mit Theseus wurde mehrmals auf Gemälden festgehalten. Ja, im Italien des 16. Jh. wurde es sehr beliebt als Italienisches Mittagsmahl in einer Gartengrotte unter einem schattigen Baum. In Frankreich wurden selbst Wohnungen in diesem  Stil  gebaut.
Nach Apollodor zeugte Acheloos mit Perimede, der Tochter des Aiolos und der Enarete, den Hippodamas und den Orestes. Außerdem hatte er eine Tochter Kallirrhoe, die später Gemahlin des Alkmaion wurde.

Der  Kampf  um  Deianeira
Der kalydonische König Oineus hatte mit seiner Frau Althaia eine Tochter Deianeira, deren Schönheit viele Freier anlockte. Darunter waren auch Acheloos und Herakles. Da Oineus es mit niemandem verderben wollte, versprach er seine Tochter dem, der in einem Kampfe der Sieger bleiben würde. Da niemand es mit Herakles und Acheloos aufnehmen wollte, so standen diese beiden sich im Kampf gegenüber. Der Kampf wurde mit größter Gewalt ausgeübt. Endlich hatte Herakles den Acheloos am Boden. Da Acheloos mit seiner Stärke nicht gegen ihn ankam, verwandelte er sich in eine Schlange (viele Flußgötter konnten sich verwandeln), worüber Herakles nur lachen konnte; hatte er doch schon in der Wiege zwei Schlangen überwunden. Daraufhin verwandelte sich Acheloos in einen brüllenden Stier. Aber Herakles packte ihn bei der Schulter und einem Horn und zwang ihn in den Sand, wobei er ihm das eine Horn abbrach. Voller Scham stürzte Acheloos sich in den nach ihm benannten Fluß und überließ Deianeira dem Herakles, die glücklich war, nicht dem Acheloos folgen zu müssen. Das Horn aber nahmen die Nymphen und machten daraus das Füllhorn, das Horn des Überflusses (Ovid). Nach anderen (Apollodor) war Acheloos im Besitz des Füllhorns der Amaltheia und gab dieses dem Herakles im Tausch  gegen  sein  eigenes.

Hintergrund:
Oiniadai war ein Ort in Akarnania an der Westseite von Mittelgriechenland an der Mündung des Acheloos in das Ionische Meer. Der Acheloos ist der zweitlängste, auch heute noch wasserreichste Fluß Griechenlands. Er entspringt am Berg Lakmos am Pindos-Gebirge und fließt in südlicher Richtung, bis er bei Stratos südwestlich abbiegt und hier die Grenze zwischen Aitolien und Akarnania bildet. Dort durchfließt er eine äußerst fruchtbare Ebene, die aber durch Überschwemmungen des Acheloos mit Sümpfen durchsetzt ist, und mündet dann in der Nähe von Oiniadai ins Ionische Meer.
(2) acheloos.jpg
Besonders im Oberlauf, wo er aufgrund des Untergrunds eine auffallend helle Farbe besitzt, hat er ein großes Gefälle, so daß er sehr laut ist, und viele Windungen. Der Vergleich mit einem Stiergebrüll und mit einer Schlange ist dadurch verständlich. Er bringt eine große Menge an Geschiebe mit und hat in seinem Mündungsgebiet die Inselgruppe der Echinaden aufgespült.

Der Acheloos, der in der Vorzeit auch Thoas genannt worden war, war in der Antike der am meisten verehrte Fluß der Griechen, was von allen Stämmen anerkannt wurde. Im nahen gelegenen Heiligtum von Dodona spielte er natürlich eine große Rolle, was zu seiner Verehrung beigetragen hat.

Kunstgeschichte
In der antiken Kunst kommt Acheloos oft vor. Er war ein beliebtes Motiv in der griechischen und etruskischen Kunst und kommt auch in Graeca Magna vor, z. B. auf Münzen von Metapontion, wo in seinem Namen Spiele veranstaltet wurden, weil das aitolisch besiedelt war, aber auch auf Sizilien. In der Literatur blieb er bis in die Römische Kaiserzeit als Beispiel des unglücklichen  Liebhabers  populär.
(3) Etruscan_bull_fresco.jpg
(1)  "Herakles und Deianeira und der verärgerte Stier mit dem Gesicht des Acheloos", Etruskische Wandmalerei  aus  Tarquinia,  um  550  v.  Chr.  (Wikipedia)
(4) 800px-Herakles_Achelous_Louvre_G365.jpg
(2)  "Herakles kämpft gegen den Flußgott Acheloos".
Seite A eines attischen rotfigurigen Kraters, Klassik, ca. 450 v. Chr., gefunden in Agrigent, heute im Louvre in Paris. Herakles hat Acheloos am Horn gepackt, links steht  Deianeira.
(5) Hall_of_the_Augustals.jpg
(3)  "Hercules und Achelous", Fresko aus dem Collegio degli Augustali, Herculaneum,  im  Hintergrund  Deianeira
(6) 1024px-Metropolitan_Rubens_Achelous.jpg
(4)  „Das Fest des Acheloos“ (um 1615), Peter Paul Rubens (1577-1640), zusammen mit Jan Brueghel dem Älteren (1568-1625), heute im Metropolitan Museum for Art, New York. Nach Ovid, Metamorphosen. Es waren diese Gemälde, die damals so großen Einfluß auf den  Lebensstil  hatten.

Quellen
(1)  Homer,  Odyssee
(2)  Hesiod,  Theogonie
(3)  Apollodor,  Bibliotheka
(4)  Apollonios  Rhodos,  Argonautika
(5)  Macrobius,  Saturnalia
(6)  Pausanias,  Periegesis
(7)  Ovid,  Metamorphosen

Sekundärliteratur
(1) Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Literatur, Leipzig 1889
(2) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon,  Leipzig  1770
(3) Der  Kleine  Pauly,  dtv
(4) Aghion/Barbillon/Lissarrague, Reclams Lexikon der antiken Götter und Helden, 2000

Online-Quellen
(1) Wikipedia
(2) theoi.com
(3) metmuseum.org
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Peter43
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mi 21.12.22 22:45

Inhaltsverzeichnis wieder ans Ende des Threads verschoben.
Zuletzt geändert von Peter43 am Sa 31.12.22 10:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Do 22.12.22 08:31

Peter43 hat geschrieben:
Mi 21.12.22 22:43
... (1) "Herakles und Deianeira und der verärgerte Stier mit dem Gesicht des Acheloos", Etruskische Wandmalerei aus Tarquinia, um 550 v. Chr. (Wikipedia) ...
Das steht zwar so im deutschen Wikipedia-Artikel zu Acheloos, mit Herakles und Deianeira hat diese Darstellung aber nichts zu tun :? .
In der etruskischen Malerei werden Frauen immer mit heller Haut dargestellt, Männer mit dunkler. Hier würde sich also Herakles hinter Deianeira verstecken und gleichzeitig mit ihr kopulieren, was keinen so rechten Sinn ergäbe.

Allgemein wird diese Darstellung als eine homoerotische Szene interpretiert, in der englischen Version des Wikipedia-Artikels zur Tomba dei Tori (von dort stammt dieses Bild) werden verschiedene bislang vorgebrachte Theorien kurz dargestellt (und in keiner kommen Herakles und Deianeira vor :| ): https://en.wikipedia.org/wiki/Tomb_of_the_Bulls
Etwas wissenschaftlicher hier, mit einer langen Literaturliste, ebenfalls ohne Herakles und Deianeira: https://www.researchgate.net/publicatio ... l_approach

Gruß

Altamura

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 22.12.22 22:07

Altamura2 hat geschrieben:
Do 22.12.22 08:31
In der etruskischen Malerei werden Frauen immer mit heller Haut dargestellt, Männer mit dunkler.
Allgemein wird diese Darstellung als eine homoerotische Szene interpretiert.
Da erschließt sich mir der Sinn aber auch nicht.

Jochen
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Steffl0815 » Fr 23.12.22 10:02

Also wenn ich mir den muskulösen Körper der hellhäutigen Person so anschaue, dann würde ich auch auf männlich tippen.

ps: Wollte mich mal bei Jochen (Peter43) für diese mythologischen Beiträge bedanken. Da steckt bestimmt eine Menge Arbeit dahinter und ich finde diese Beiträge immer sehr informativ!

MfG Stefan

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von rosmoe » Mo 26.12.22 12:20

Steffl0815 hat geschrieben:
Fr 23.12.22 10:02
ps: Wollte mich mal bei Jochen (Peter43) für diese mythologischen Beiträge bedanken. Da steckt bestimmt eine Menge Arbeit dahinter und ich finde diese Beiträge immer sehr informativ!

MfG Stefan
Dem kann ich mich nur anschließen !!!
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Numis-Student » Mo 26.12.22 17:01

Ja, auch inzwischen 156.000 Aufrufe dieses Beitrages sprechen in dieser Hinsicht eine klare Sprache !

Vielen Dank für die wahnsinnige Arbeit !

MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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