Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Lucius Aelius
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 09.12.19 19:46

Perinawa hat geschrieben:
Mo 09.12.19 13:25
Als die Gemahlin des Kaisers Antoninus Pius, Faustina sen. im Jahre 142 n. Chr. gestorben war, wurde sie vom Senat konsekriert.
Gestatte eine kleine Korrektur: Antoninus Pius verlor seine Frau bereits im 3. Jahr seiner Herrschaft, also im Zeitraum Juli 140 - Juli 141 (siehe HA Pius 6, 7: "tertio anno imperii sui Faustinam uxorem perditit"). Aus den fasti Ostienses erfahren wir, dass Faustina ihr Begräbnis im November (ohne Jahresangabe) erhielt.
Das Todesdatum der Kaiserin liegt also Ende Okt./Nov. 140.
Zuletzt geändert von Lucius Aelius am Di 10.12.19 07:55, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mo 09.12.19 20:25

Du hattest mir das ja auch noch geschrieben, und ich habe es einfach verwechselt: Nicht ein Jahr später, sondern früher. Angegeben wird ja fast immer 141 n.Chr.

Vielen Dank für die Richtigstellung; ich ändere das dann ab.

Grüsse
Rainer
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Perinawa
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 11.12.19 13:03

Der Tempel der Vesta

Der Tempel der Vesta gehört zusammen mit dem Haus der Vestalinnen und der Regia zu einem Komplex im Herzen des Forum Romanums. Die Regia war ursprünglich Teil eines Königspalastes; in späteren Zeiten residierte hier der Pontifex Maximus. Die Vestalinnen wohnten gleich nebenan und gleichermassen nahe der heiligen Tempelstätte, die zu behüten sie gelobt hatten.


full.jpg


Das Heiligtum gilt als eines der ältesten und vornehmsten Sakralbauten Roms, denn der Ursprung des Vesta-Kultes reicht weit zurück in die Zeit der ersten Könige. Der Sage nach sei bereits die Mutter des Romulus, Rhea Siliva, Vestalin gewesen. Der legendären Überlieferung zufolge soll Numa Pompilius, dem das Kultleben Roms sehr am Herzen lag, den Vestatempel errichtet haben. Er war es auch, der das ältere königliche Feuer auf das Feuerheiligtum der Vesta übertragen hat. Es war kein zerstörendes Feuer wie das des Vulcanus, sondern ein warmes, lebendspendendes, das auch im häuslichen Herd glühte. Das Herdfeuer galt als Symbol von Frieden und Wohlergehen und war umschliessendes Sinnbild wohlgeordneter Verhältnisse. So wurde Vesta, die neue Beschützerin des Herdfeuers, die im übrigen kein anthropomorphes Kultbild besass, in Gestalt des heiligen Feuers in ihrem Tempel verehrt.

Zum Tempel gehörte ein Nebenraum, in dem nicht nur die Kultmittel aufbewahrt wurden, sondern auch die sacra, die heiligen Gegenstände. Es handelt sich dabei um die sogenannten pignora imperii, Unterpfänder des Reiches, die den göttergewollten Fortbestand der römischen Herrschaft garantierten. Darunter befand sich das troische Palladium, ein archaisches Götterbild, das die Form einer Statuette der der stehenden, bewaffneten Pallas Athena hatte. Der Sage nach ist sie einst als Gabe der Athena vom Himmel gefallen und versprach der Stadt, in der es sich befand, Schutz. So gelang die Eroberung Trojas erst, als der listenreiche Odysseus das Palladium in seinen Besitz bringen konnte. Schliesslich wurde es Aeneas, dem legänderen Stammvater Roms, ausgehändigt, dem es sodann gelang, den troischen Talisman zusammen mit seinem greisen Vater sicher aus dem brennenden Ilion zu schaffen. Von dort gelangte das Palladium dann nach Italien, wo es letztendlich im Vestatempel seine neue Heimstätte fand.


Auf einem Denar der Sabina ist rückseitig Vesta dargestellt, die in ihrer Hand das Palladium hoch hält. Die Vorderseite zeigt das zänkische Eheweib des Hadrian übrigens mit ihrer ganz besonderen und bei Münzsammlern beliebten 'Hochsteckfrisur'.

P1190435.jpg

Sabina
Denar
Rom
128-134 n. Chr.
Av.: Drapierte Büste mit Diadem n. r. - SABINA AVGVSTA HADRIANI AVG P P
Rev.: verschleierte Vesta sitzt mit Szepter und Palladium n. l.
2,57 Gr.
RIC 413a


Über die wichtige Relique wachte ein weibliches Sextett, die Vestalinnen. Der Kult wurde von sechs jungfräulichen Priesterinnen besorgt, die in klösterlicher Abgeschiedenheit im Atrium Vestae auf dem Forum lebten. Bereits im Alter zwischen sechs und zehn Jahren wurden die Mädchen vom Pontifex Maximus aus patrizischen Familien "ergriffen" (lat. capere) und den Vestalinnen zur Erziehung übergeben, so dass es nicht an Nachwuchs für das spätere Amt mangelte. Damit waren sie nicht nur der väterlichen Gewalt entzogen, sondern auch aus der gesamten römischen Rechtsordnung ausgegliedert. Nunmehr unterlagen sie ausschliesslich dem priesterlichen Recht- und Sittenkodex mit all seinen Vor- und Nachteilen. Sie genossen die Vorrechte eines volljährigen männlichen Bürgers und konnten ihre Geschäfte ohne Vormund erledigen. Wenn sie öffentlich erschienen, ging ein Liktor vor ihnen her. Diese Sonderstellung im römischen Sozialgefüge bezahlten sie jedoch mit dem Verlust ihrer persönlichen Freiheit. Dreissig Jahre dauerte der Dienst; danach durften sie in ihre Familie zurück oder eine eigene gründen, ersatzweise konnten sie auch in einem Anbau als erfahrene Gehilfin weiterleben. Viele zogen letzteres vor und blieben ihr Leben lang der Vesta treu. Ihre wichtigste Aufgabe war die Unterhaltung des heiligen Feuers, das inmitten des Tempels brannte. Erlosch dieses, so bedeutete das nicht nur Unheil und verkündetet den Untergang der Stadt, sondern auch Rutenstreiche für die unachtsame Vestalin, die es verlöschen liess. Schlimmer traf es jedoch diejenige, die das Gelübde der Keuschheit verletzte. Dieser gesellschaftliche "Super-Gau" galt als verabscheuungswürdiges Verbrechen, ein crimen incestum, das Unheil über das Gemeinwesen zu bringen drohte. Aus diesem Grund musste das schwarze Schaf von der Herde getrennt und aus der Gesellschaft eliminiert werden. Da ihr Blut nicht vergossen werden durfte, wurde die Sünderin am Rande der Stadt lebendig begraben.

P1010450.jpg


Die heute noch sichtbaren Reste stammen von der letzten Restaurierung, die Julia Domna, die Frau des Septimius Severus, im Jahre 191 n. Chr. durchführen liess. Der Tempel erhob sich auf einem runden Marmorpodium aus der augustäischen Zeit, darüber standen korinthische Säulen, und ein Spitzdach mit einer Öffnung in der Mitte rundete den Bau im wahrsten Sinne des Wortes ab. Der Tempel brannte im Laufe der Jahrhundete mehrmals ab, was natürlich dem ständig brennenden Feuer zu verdanken war, doch seine runde Grundstruktur hielt er über die lange Zeit bei. In der frühesten Zeit war er sicherlich nur eine einfache Hütte. So stellte ihn sich auch Ovid vor - vielleicht wusste er es sogar aus der Überlieferung - und schrieb: Jetzt siehst du ehern das Dach, das einstmals mit Stroh nur gedeckt war; zäh aus Weidengeflecht waren die Wände erbaut.

forum_romanum_vestatempel_II.jpg

Das ursprünglich kleine Haus der Vestalinnen wurde nach dem Brand von 64 n. Chr. wieder aufgebaut und vergrössert. Es umfasste nun auch die öffentliche Domus des Pontifex Maximus. Vom Mittelhof mit Laubengang und zahlreichen Statuen gingen verschiedene Räume ab, die in mehreren Stockwerken übereinander lagen.

P1040026_ShiftN.jpg
P1010442.jpg



Im Jahr 55 v. Chr. wartete der Münzbeamte Q. Cassius Longinus mit einer ganz besonderen Überraschung auf, als er auf einem Denar gleich zwei bemerkenswerte Taten eines Vorfahren darstellen liess. Die Rückseite der Münze zeigt den Tempel der Vesta; in seinem Inneren steht der elfenbeinerne Amtsstuhl (sella curulis), auf dem die höheren Beamten Platz zu nehmen pflegten, wenn sie in offizieller Funktion agierten. Rechts daneben ist eine Stimmtafel (tabella) mit der Aufschrift A(bsolvo = ich vergebe) und C(ondemno = ich verdamme) abgebildet, links des Tempels steht die dazugehörende Wahlurne (cista).


Mit diesem Motiv rief der Münzmeister den Prozess gegen die Vestalinnen in Erinnerung, den sein Urgrossvater geführt hatte. Man hatte drei Vestalinnen der Unzucht angeklagt, und nach Ansicht des Volkes war das Urteil des Pontifex Maximus zu milde ausgefallen. Besagter Urahn, der für seine Strenge bekannt war, wurde daraufhin mit der Wiederaufnahme des Prozesses beauftragt und die Sünderinnen ihrer gerechten Strafe zugeführt.


Andererseits erinnert die Abbildung der Stimmtafel und der Wahlurne daran, dass der Vorfahr in seiner Eigenschaft als Volkstribun jene Gesetzesinitiative eingebracht hat, die als Lex Cassia, die Abstimmung durch Stimmtafeln beim Volksgericht, in die Geschichte einging. Nicht umsonst hat Cicero die Stimmtäfelchen als "Bürgen der Freiheit" bezeichnet.

P1190433.jpg

Q. Cassius Longinus
Denar
Rom
55 v. Chr.
Av.: Kopf der Vesta mit Schleier n. r. - Q. CASSIVS - VEST
Rev. Rundtempel der Vesta; sichtbar sind sechs Säulen; auf der Spitze des mit Längsstreifen gegliederten Daches Statue mit Patera und Szepter; beidseitig an der Dachunterkante Greifenprotome(?). Im Innern sella curulis, im Felde l. Wahlurne, r. Stimmtäfelchen mit A(bsolvo) C(ondemno).
3,81 Gr.
Cr. 428/1
Syd. 917



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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Iulia » So 15.12.19 21:28

Ein großer Lesegenuss, ich freu' mich auf die Fortsetzung!

Gruß,
Iulia

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Di 24.12.19 13:12

Iulia hat geschrieben:
So 15.12.19 21:28
Ein großer Lesegenuss, ich freu' mich auf die Fortsetzung!

Gruß,
Iulia
Vielen Dank, liebe Iulia. Die Fortsetzungen folgen natürlich. Die Münzen, die ich noch dazu habe, bedürfen allerdings noch Aufbereitung, was die Verbindung der Bauten zu den Prägungen anbelangt. Dann wird das "Material" im Laufe der Zeit natürlich auch etwas dünn, weil die Darstellungen natürlich recht beliebt und dementsprechend teuer sind. Aber man kann auch mit unspektukalären Münzen, die nicht in den "Bauten Roms auf Münzen und Medaillen" verzeichnet sind, eine Bresche schlagen.

Grüsse
Rainer
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von alex456 » Di 24.12.19 14:12

Freue mich schon auf deine neuen Beiträge. Ich habe auch noch einige „Bauten“, die ich vorstellen werde. Allerdings werde ich erst im neuen Jahr dazu kommen.

Frohe Weihnachten wünscht
Alex

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von alex456 » Mi 22.01.20 17:48

Castra Praetoria

Hallo,
damit dieser Thread nicht in der Versenkung verschwindet will ich mal wieder einen –wenn auch kurzen- Text zu den Bauten Roms auf Münzen schreiben.
Heute soll es um einen militärisches Bauwerk gehen. Und zwar um das Prätorianerlager. Hierzu schrieb Tacitus, dass unter der Regierung des Tiberius, zwischen 20 und 23 n. u. Z., erstmals die Prätorianer in einem Lager zusammengefasst wurden.
„Die bisher mäßige Gewalt der Präfektur steigerte er, indem er die in der Stadt zerstreuten Kohorten in einem Lager zusammenzog, damit sie zu gleicher Zeit ihre Befehle erhielten und durch Anzahl, Stärke und gegenseitigen Anblick mehr Vertrauen zu sich selbst und für andere mehr Furchtbarkeit gewönnen“ (Tacitus, Annalen, 4,2.).
Ähnliches berichtet auch Sueton, wenn er schreibt: „Hauptsächliche Sorgfalt verwendete er [Tiberius] auf den Schutz der öffentlichen Sicherheit. In Rom richtete er Standlager ein, um in ihnen die Prätorianerkohorten, die zuvor zerstreut […] einquartiert lagen, besser zusammenzuhalten“ (Sueton, Tiberius 37,1.)
Weiter berichtet Tacitus, dass sich „fern von den Lockerungen der Stadt [von einem] Wall [umgeben]“, nach Ansicht Tiberius, eine strengere Disziplin in der Truppe aufrechterhalten ließe (Tacitus, Annalen, 4,2.).
Also handelte es sich bei der Zusammenfassung der Garde in einem Lager zum einen um eine schlichte Effizienzsteigerung, aber zum anderen vor allem um ein Mittel, um diese besser kontrollieren zu können.
Angelegt wurde das Lager schließlich im Nordosten Roms auf dem servinischen Agger (siehe Abb. 1).
Plan_Rome-_Castra_Praetoria.png
Abb. 1 Lagerplan: Von Joris1919, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1939245, letzter Zugriff: 22.01.2020.
Mauerverlauf mit abgerundeter Nordostecke: Von Gustavo La Pizza - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84528704, letzter Zugriff: 22.01.2020.
Die Darstellung der Münze mit zwei Toren, einem mehrgeschossigen Aufbau und im Inneren mit der Lagergöttin, die mit einem Feldzeichen und Zepter thront (siehe Münze 1), ist natürlich nur eine sehr vereinfachte Darstellung, die lediglich, die für die Wiedererkennung wichtigsten Bestandteile berücksichtigte.
Münze 1 AV .JPG
Münze 1
Münze 2 RV..JPG
Münze 1
Aureus
Rom, 44-45 n.u.Z.
Av. Kopf des Claudius mit Eichenkranz (corona civica) nach r
Rv. IMPER RECEPT [auf der Lagermauer = Imperator Receptus]. Das Prätorianerlager in Rom, mittig im Fahnenheiligtum die Lagergöttin mit Nackenknoten und Zepter n. l., l. ein Adlerfeldzeichen (aquila), nach l.
RIC 25 7,64g

Der Zweck der Emission war vielmehr eine Danksagung an die Prätorianer, die Claudius ja bekanntermaßen nach der Ermordung des Caligula in dieses Lager brachten und zum Kaiser ausriefen. Passend hierzu habe ich auch einen Denar (siehe Münze 2), der dieses Ereignis ebenfalls feiert.
Der tatsächliche Aufbau entspricht dagegen einem typischen römischen Militärlager.
AV3.JPG
Münze 2 Av
RV4.JPG
Münze 2 Rv
Claudius
41-54 n. u. Z.
Denar (Lugdunum, 41-42 n. u. Z.)
Av. Kopf mit Eichenkranz n. r.
Rs. Claudius als Togatus reicht Praetorianer mit Aquila die Hand
RIC 12; C. 78
3,47g

Ab 271 n. u. Z. wurde die Anlage in die Aurelianische Mauer miteinbezogen, wobei ein Teil der Lagermauer nach einer Erhöhung die Stadtmauer bildete. Hiervon sind noch heute Teile erhalten (siehe Abb. 2 und Abb. 3).
1280px-Castra_Praetoria_-_01-12-2019_ALT.jpg
Abb. 2 Mauerverlauf mit abgerundeter Nordostecke: Von Gustavo La Pizza - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84528704, letzter Zugriff: 22.01.2020.
1280px-Castra_Praetoria_North_Wall.JPG
Abb. 3 Reste der Nordmauer: Von <a href="https://nl.wikipedia.org/wiki/User:Joris1919" class="extiw" title="nl:User:Joris1919">Joris1919</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1939245">Link</a>, letzter Zugriff: 22.01.2020.
Wie gesagt, nur ein kurzer Beitrag. Aber leider habe ich im Moment zu wenig Zeit. Ich hoffe er gefällt dennoch!

Gruß
Alex

Literatur:
Schörner, Hadwiga, Architekturdarstellungen auf spätrepublikanischen und kaiserzeitlichen Münzen, in: Jenaer Hefte zur klassischen Archäologie 6, Jena 2005, S. 115.

Quellen:
Abgebildete Münzen
Tacitus, Analen, 4, 2.
Sueton, Tiberius 37,1

Bildquellen:
Lagerplan: Von Joris1919, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1939245, letzter Zugriff: 22.01.2020.
Mauerverlauf mit abgerundeter Nordostecke: Von Gustavo La Pizza - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.p ... d=84528704, letzter Zugriff: 22.01.2020.
Reste der Nordmauer: Von <a href="https://nl.wikipedia.org/wiki/User:Joris1919" class="extiw" title="nl:User:Joris1919">Joris1919</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.p ... 5">Link</a>, letzter Zugriff: 22.01.2020.

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 22.01.20 19:10

Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Die Münzen dazu werde ich so schnell nicht in der Sammlung haben.

Eigentlich habe ich noch einiges zum Vorstellen hier, aber zu den Münzen wollte ich eigentlich im Dezember in Rom noch die passenden Fotos machen. Leider musste die Reise ausfallen, so dass es noch etwas dauern wird, bis ich neues "Material" habe... :(

Grüsse
Rainer
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Homer J. Simpson » Fr 24.01.20 23:46

Noch eine kleine Ergänzung zum Vestatempel: Hier kann ich dessen recht detaillierte Abbildung auf der Rückseite eines Julia-Domna-Denars beisteuern, den ich vor langer Zeit (Anfang 2004) mal aus der Bucht fischen konnte.

Homer
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758.jpg
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 29.01.20 17:21

Die Lupa Romana​

Die römische Wölfin ist wohl das bekannteste Symbol für die Stadt Rom. Ungebrochen seit der römischen Zeit verkörpert die Lupa Romana die göttliche Herkunft des Stadtgründers Romulus, den Sohn des Kriegsgottes Mars, sowie des Ewigkeitsanspruchs, der aeternitas, der Stadt und des Imperiums. Sie ist nicht nur ein ausserordentlich beliebtes Motiv auf Münzen und Medaillen, sondern wurde auch als Propaganda von Mussolini verwandt und diente als Emblem den olympischen Spielen 1960. Allgegenwärtig ist das Muttertier beim Säugen von Romulus und Remus im Stadtbild Roms: an den Lieferwagen des Frischmilchvertriebs von Lazio, als Emblem an den Eimern der städtischen Müllabfuhr und an den Schals und Tattoos der Tifosi von SR Roma.

Die Lupa Romana steht eng mit der mythologischen Stadtgründung in Verbindung, von der es einige Versionen gibt. Die bekannteste erzählt Fabius Pictor, wonach die beiden Zwillinge Romulus und Remus in einem Floß auf dem Tiber ausgesetzt wurden, das schliesslich am Palatin strandete. Ein Wölfin, ein dem Mars heiliges Tier, fand die beiden und säugte sie, bis sie schliesslich von dem Hirten Faustulus und dessen Frau aufgezogen wurden. Als sie erwachsen waren, gründeten sie eine neue Stadt. Da sie sich friedlich nicht einigen konnten, wer die Stadt regieren sollte, tötete Romulus seinen Bruder im Laufe eines Streits. König der neuen Stadt wurde Romulus, nach dem die Stadt Rom benannt ist.

kapitol_IV_klein.jpg

Die kapitolinische Wölfin​

Der aufmerksame Romreisende wird sicherlich an jene Bronzegruppe denken, die er beim Besuch des Kapitols und der Kapitolinischen Museen entdeckt hat. Die bildgewordene Rom-Gründung, das Sinnbild der Romanità hat allerdings einen Haken. Noch vor wenigen Jahren galt die Kapitolinische Wölfin unbestritten als etruskisches Werk. Zweifel tauchten auf, als die Lupa für das Jubeljahr 2000 im neuen Glanz erstrahlen sollte. Die Restauratoren entdeckten, dass die Bronze nicht antik sein kann, weil es sich um ein Wachsschmelzverfahren in einem Guss handelt; eine Technik, die erst im christlichen Mittelalter aufkam. Aufschluss über das tatsächliche Alter der Figur gab dann 2012 eine Radiokarbon-Untersuchung: Die Bronzeskulptur entstand erst im 11. oder 12. Jahrhundert.

mc_woelfin_II_klein.jpg

Aber wer ist dann diese Wölfin, die uns so unverwandt und zähnebleckend entgegenblickt?

Es könnte sich um das Wappentier der Grafen von Tusculum handeln, die im Hochmittelalter zu Roms führenden Patriziern gehörten. Acht Päpste stellte die Familie, die es darüber hinaus verstand, die Kurie über Mätressenwirtschaft gefügig zu halten. Dieser Typ von Nobilität war der geborene Feind republikanisch gesinnter Bürger. 1191 griffen römische Bürgermilizen die Stadt Tusculum an und zerstörten sie zusammen mit der Burg der Grafen. Die Kapitolinische Wölfin, in der wir das ehrwürdige Symbol von Senat und Republik von Rom verehren, könnte also eine Kriegstrophäe von Bürgern sein, die einen Adelssitz geplündert hatten.

Eine andere These mit politischem Hintergrund besagt, dass die Römer die Statue selbst gegossen haben sollen. In den Jahren 1143/1144 kam es in Rom zu Aufständen der Stadtbevölkerung gegen die Stadtherrschaft des Papstes. Die römischen Bürger besonnen sich ihrer antiken Vergangenheit und errichteten einen neuen Senat, der von nun an vom Kapitol aus die Geschicke der Stadt lenken sollte. Die mittelalterliche Nachbildung der Wölfin war damit ein klares Signal an den Papst: Die Römer sahen sich als Nachfahren von Romulus und Remus, als freie und selbstbestimmte Bürger.

Dass die Zwillinge unter den Zitzen der Lupa aus der Renaissance stammen, hatte man schon länger gewusst. Sie entstanden im Auftrag von Papst Sixtus IV, der die Bronze im Jahr 1471 auf das Kapitol versetzen ließ. Damit bekräftigte der Pontifex, dass er nicht nur der Oberhirte über die Christen auf dem Erdkreis, sondern auch der weltliche Herrscher Roms sei.


Die antike Lupa-Zwillinge-Gruppe​

Und was ist mit jener Bronzewölfin, von der Titus Livius, Cicero, Dionysios von Halikarnass und andere berichten? In der Tat hatte mindestens eine im alten Rom gestanden. Nach einer literarisch bezeugten Weihung durch ogulnische Aedile im Jahre 296 v.Chr. befand sich ein Monument der Lupa-Zwillinge-Gruppe im Lupercal, einer Höhle am Fusse des Palatin, neben der Ficus Ruminalis. Diese Statuensetzung ist der erste chronologisch ganz sichere Anhaltspunkt für die Verbreitung der Zwillingslegende in Rom überhaupt. Derselbe Quintus Ogulnius Gallus, der zusammen mit seinem Bruder als Aedil die Aufstellung der Statuengruppe veranwortet hatte, liess wohl als Konsul im Jahre 269 v.Chr. die erste römische Silbermünze mit dem Bild der die Zwillinge säugende Wölfin schmücken. (vgl. auch unten: "Die römische Wölfin auf den Münzen")

Ebenfalls soll auf dem Comitium am Forum Romanum eine solche Gruppe gestanden haben, wie Plinius erzählt. Weiterhin berichtet Cicero von der Statue einer Wölfin, die im Jahr 65 v. Chr. von einem Blitz getroffen wurde. Nach den antiken Zeugnissen wendet sich das mütterliche Tier stets besorgt nach den Kleinen um, und sieht damit ganz anders aus als die oben erwähnte Kapitolinische Wölfin. Ob es sich tatsächlich um zwei verschiedene Monumente gehandelt hat, oder ob die Gruppe im Laufe der Zeit ihren Standort gewechselt hat, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Nach Klaus Stefan Freyberger (Das Forum Romanum) stand die Gruppe auf dem Comitium in unmittelbarer Nähe zur Ficus Ruminalis und der Statue des Marsyas. So wird der ein oder andere gleich an die Abbildung auf den plutei traiani denken. Hier sind nur die erwähnten beiden abgebildet, doch das Fehlen der Lupa-Zwillinge-Gruppe bedeutet nicht, dass sie nicht auch zu trajanischer Zeit dort stand. Es fällt auf, dass die Kulisse des Forum Romanums zwar baulich korrekt wiedergegeben ist, aber aus der ungeheueren Fülle von Monumenten, die in trajanischer Zeit auf der Platzanlage standen, nur Marsyas und der Feigenbaum abgebildet sind. Diese zeugen von Libertas und Liberalitas und stehen damit im Kontext der gesamten Darstellung, die in ihrem Hauptmotiv die Alimentatio Italiae und die Adlocutio beschreiben. Die Abbildung der Wölfin mit den Zwillingen als Sinnbild der Stadtgründung hätte bei diesem politisch propagandistischen Hintergrund keinen Sinn ergeben.

Über den Verbleib der originalen lupa-Zwillinge-Gruppe trägt Maria Radnoti-Alföldi Indizien zusammen, wonach sie zunächst 455 n.Chr. von den Vandalen geraubt und nach Karthago verbracht worden, nach der Rückeroberung Nordafrikas in Belisars Triumph nach Konstantinopel gekommen sei, wo sie, zusammen mit vielen anderen antiken Monumenten, im Hippodrom gestanden habe - bis sie 1204 der Eroberung durch die westlichen Kreuzfahrer zum Opfer fiel. Sie soll im Schmelzofen gelandet sein, um daraus Kupfermünzen zu schlagen.


"La Lupa del Campidoglio"​

Es gab sogar noch eine weitere römische Wölfin, von deren Existenz die meisten jedoch nichts wissen, da sie schon in der zweiten Hälfte der 1950'er verschwand. Am 28. August 1872 beschloss der Stadtrat von Rom unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Pietro Venturi, eine lebende Wölfin als Wahrzeichen Roms auf dem Kapitolshügel in einer speziellen Hütte unterzubringen und sogar die Kosten für ihren Unterhalt festzulegen; 23,50 Lire pro Monat. Er stellte dafür einen Hausmeister ein, der nicht weit entfernt eine Wohnung hatte.

Wölfin auf dem Kapitol.jpg

Das war nicht das erste Mal, dass ein lebendes Wildtier als Symbolträger Einzug in die ewige Stadt fand. Bereits zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts wurde auf dem Kapitol ein Exemplar eines Löwen, damals das Symbol der Stadt, aufbewahrt. Es dauerte nicht lange, bis es dem Tier an einem Sonntagmorgen im Jahr 1414 gelang, die Freiheit zu erlangen und mehrere Kinder zu töten oder zu verstümmeln.

Die Wölfin wurde sofort zu einer Attraktion, vor allem für die Kleinen, die stehen blieben, um sie beim Hin- und Hergehen in dem engen, feuchten und dunklen Käfig zu beobachten. Sein Verhalten ist der Ursprung des Ausdrucks "me pari la lupa der Campidojo", der in Rom von einem ruhelosen Menschen, der nicht stillstehen kann, verwendet wird.

Anfänglich hatte der Wolf sein Domizil gleich neben der Cordonata, der grossen Freitreppe Michelangelos, die zum Kapitolsplatz führt. Der Platz war in etwa dort, wo heute die Rienzi-Statue steht.

https://www.romasparita.eu/foto-roma-sp ... pitolina-2

kapitol_XI_klein.jpg

1935 verlegte man den Käfig dann direkt an die Via Teatro di Marcello am Abhang des Tarpejischen Felsens, wo die arme Kreatur nun auch noch dem Verkehrslärm der grossen Strasse ausgesetzt war. Zu allem Überfluss kam jetzt auch noch ein Adler hinzu, der in einem weiteren Käfig zur Schau gestellt wurde. Der Ort liegt in etwa zwischen dem Kapitol und dem Marcellustheater. Grundsätzlich steht eine Unmenge an Stadtbussen nebst einer grossen Anzahl hektischer Passanten genau davor, so dass man meist achtlos vorübergeht.

https://www.romasparita.eu/storia-cultu ... ila-romana

Es sollte bis 1954 dauern, als eine gerade mal dreijährige Wölfin nach kurzer Qual und trotz der Fürsorge des Zootierarztes Dr. Bartolino verendete und heftige Diskussionen in der Stadt auslöste. Trotz der zahlreichen Inventionen wurde nur der Käfig vergrössert und artgerechter ausgestattet; statt der Wölfin fiel die Wahl nunmehr auf ein männliches Tier. Doch einige Jahre später endete der Brauch dann glücklicherweise endgültig, und der leere Käfig wurde von einem Baum beschattet, den Prinz Baldassarre Odescalchi 1911 aus Argentinien mitbrachte.

https://www.google.de/maps/@41.893169,1 ... 312!8i6656

La_grotta_della_lupa_a_campidoglio_klein.jpg


Die Ficus Ruminalis​


Der Legende nach Plutarch zufolge wurden Romulus und Remus unter einem Feigenbaum am Tiber gefunden, wo sie die Wölfin fand und säugte - der Name wird meist von (alt)lateinisch rumis ("Zitze") abgeleitet. Eine andere These berücksichtigt die jüngere lateinische Übersetzung mit "Mamma". Beides meint nicht die Brüste, sondern nur die Brustknospe. In Verbindung mit Feigengewächsen hatte das schon im alten Ägypten seine Bedeutung. Ritzt oder schneidet man sie, läuft weisser Milchsaft aus. Feigenbäume wurden als nährende Mütter gesehen. Ist die Ficus also ein säugender Baum, ein "Zitzenbaum"? Kein Wort davon - die Säugende ist ja die Wölfin, aber sie wird nicht "ruminalis" genannt!

Ebenso wie die Statuengruppe der Wölfin mit den Zwillingen ist auch für die Ficus Ruminalis der Standort des Comitiums überliefert. Dieser ist auf den plutei traiani abgebildet.

plutei traiani_klein.jpg

"Mit Verehrung gepflegt wird ein Feigenbaum, der auf dem Forum selbst, und zwar auf dem Versammlungsplatz (comitium) gewachsen ist, [...] daneben ist ein Wunderbild in Erz geweiht, als wäre der Feigenbaum selbst zum Versammlungsplatz gekommen, wobei Attus Navius Augur war." (Plinius)

Auch soll auch eine Ficus Ruminalis am Lupercal gestanden haben, wie Ovid berichtet. Nach Wisemann bildeten die beiden Bäume möglicherweise sogar die Endpunkte des Luperkalienlaufes und standen somit auch in einer rituellen Beziehung.

Wenn der Baum einging, wie nach Tacitus Überlieferung in der Regierungszeit Neros geschehen war, galt das als ausserordentlich schlechtes Omen und sorgte für entsprechende Unruhe. Die Priester hatten dann schnell einen neuen Setzling auszubringen. Plinius beschreibt diese Neupflanzung als eine übliche Praxis. Die rituelle Neupflanzung verdeutlicht die zentrale Bedeutung des Baumes als Symbol der Fortdauer des römischen Staates.

Im 20. Jahrhundert wurden auf dem Comitium wieder drei Feigenbäume am mutmaßlichen Standort angepflanzt.



Die römische Wölfin auf den Münzen​

Das Beste natürlich zum Schluss. Zahlreich sind die Münzabbildungen der Lupa Romana mit den Zwillingen auf den Prägungen der römischen Zeit, die von der Republik bis in die späte Kaiserzeit reichen. Die älteste Darstellung finden sich auf republikanischen Didrachmen von ca. 269 v.Chr. Diese in Anlehnung an die hellenistische Welt geschaffenen Silbermünzen begünstigten den Aufstieg Roms zu einem wichtigen Handelszentrum der antiken Welt. Geprägt wurden sie auf Betreiben des Konsuls Quintus Ogulnius Gallus, der als als kurulischer Ädil aus Strafgeldern für Wucher 296 v.Chr. das bronzene Denkmal der Lupa-Zwillinge-Gruppe 296 errichten liess. (Vgl. oben: "Die antike Lupa-Zwillinge-Gruppe")

LC_klein.jpg
Abb.: H. Luckenbach, Kunst und Geschichte. Große Ausgabe, 1. Teil: Altertum. München/Berlin 9. Aufl. 1913, 108.


Eine der interessantesten Prägungen stammt aus dem Jahr 137 v.Chr. Ein republikanischer Denar des Münzmeisters Sextus Pompeius Faustulus zeigt auf seiner rückseitigen Darstellung das gesamte Ensemble der römischen Wölfin mit den Zwillingen nebst der Ficus Ruminalis. Am linken Rand kann man gerade noch den Hirten Faustulus erkennen, der als Urahne der Familie des Monetarius gilt. Dieser gehörte der gens Pompeia an, die aus Picenum nordöstlich von Rom stammte. Der Name der Landschaft wird von picus (Specht), dem Mars heiligen Vogel, abgeleitet, und so ist es nicht abwegig zu behaupten, dass auf dem Feigenbaum auch ein ebensolcher Vogel zu erkennen ist. Somit vermittelt die Münze nicht nur einen Eindruck des Monumentes, sondern erzählt einen Teil der mythologischen Gründungsgeschichte Roms und verweist nebenbei noch auf die Herkunft des Münzmeisters. Mehr kann man auf einem gut 19 Milimeter kleinen Silberstück wohl kaum abbilden.

P1190751_klein.jpg
Sextus Pompeius Faustulus
Denar
Rom
137 v. Chr.
Av.: Kopf der Roma n.r., rechts X, links Kanne
Rev. Lupa Romana und die Zwillinge, links Faustulus, im Hintergrund die Ficus Ruminalis mit Specht, rechts SEX.PO [FOSTLVS], im Abschnitt ROMA
3,87 Gr.
Cr. 235/1
Syd. 461


Übrigens, eine Darstellung der Lupa-Zwillinge-Gruppe findet sich auch auf auf der Hafenszene des berühmten Torlonia-Reliefs. Das Orginal ist vom 04.04.2020 bis zum 10.01.2021 im Kapitolinischen Museum in Rom im Rahmen der Sonderausstellung "The Torlonia Marbles - Collecting Masterpieces" zu bewundern.

http://www.museicapitolini.org/en/node/1006712


Roma bella mi appare...
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trevcol
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von trevcol » Do 30.01.20 17:32

Super - Vielen Dank für die interessanten Beiträge :D

Perinawa
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 11.03.20 18:10

Rom hat im Laufe seiner Jahrhunderte als politisches und religiöses Zentrum des römischen Reiches unzählige Tempel, Heiligtümer und Denkmäler erlebt. Augustus selbst berichtet in seiner Res Gestae, dass er bald nach dem Sieg bei Actium nicht weniger als 82 Tempel der Stadt restauriert und "keinen ausgelassen habe, der der Reparatur bedurfte". Gleichzeitig liess er noch 80 Bildnisstatuen von sich selbst einschmelzen. Und die Liste der stadtrömischen Ehrenstatuen aus republikanischer Zeit, die Plinius in seiner Naturgeschichte beschreibt, scheint so endlos lang wie die Berichte anderer historischer Schriftsteller über die vielen Bauten Roms. Die antiken Hinterlassenschaften, die sich heute dem Besucher der Stadt präsentieren, stellen nur einen winzigen Teil von dem dar, was Rom im Laufe der Zeit hervorgebracht hat. Von wenigen Stätten wissen wir beinahe alles, andere sind nur fragmentarisch erhalten oder ausschliesslich durch die niedergeschriebene Geschichte bekannt. Oder von den Münzen...


Das "Standbild der Desultores"

ist ein solches Ehrenmal, das ausschliesslich von den Münzen bekannt ist. Ein republikanischer Denar von ca. 111/112 v.Chr. (Crawford 297/1a) zeigt auf seiner Rückseite zwei Pferde, auf einem davon sitzt ein Reiter, ein sogenannter "Desultor". Diese Kunstreiter, wie wir sie heute bezeichnen würden, waren in der Lage, während des Laufs der Pferde von einem Tier zum anderen zu springen. Solche Vorführungen waren fester Bestandteil der Ludi Apollinaris, also jener Spiele, die zu Ehren Apollos abgehalten wurden. Dass es sich um eine Statue gehandelt haben muss, besagt die Inschrift DSS (De Senatus Sententia) auf der Basis - eine damals gängige Beschriftung für Ehrenstatuen und Denkmäler. Plinius berichtet in seiner Naturgeschichte (34. XI) zwar von der Statue eines Zweigespannes für Personen, die nach niedergelegtem Prätoramt die Rennbahn durchfahren hatten - ebenfalls eine Vorführung während der Ludi Apollinaris, doch kann man hier nicht von einer Identität mit der Darstellung auf der vorliegenden Münze ausgehen. Weitere Informationen darüber wurden nicht überliefert, so dass die Münze den einzigen Hinweis auf die Existenz des Ehrenmals darstellt. Über den Münzmeister Ti. Quinctius (oder Ti. Quinctilius) ist so gut wie nichts bekannt. Es ist möglich, dass er aus Reate (heute: Rieti), dem Hauptort der Sabiner, stammte. Dort ist der Hercules Respiciens, der auf der Münzvorderseite abgebildet ist, inschriftlich belegt (CIL IX, 4673).

P1190889.jpg

Anm.: Eine Darstellung eines Desultor zeigt sich auch auf einem republikanischen Denar des Caius Marcius Censorinus (Crawford 346/1). Hier kann man jedoch davon ausgehen, dass es sich um eine reine Szenendarstellung handelt, und nicht um das gleiche oder ein ähnliches Standbild. Eine ähnliche Problematik in der Erklärung ergibt sich übrigens auch bei den zahlreichen Reiterdarstellungen auf republikanischen Münzen - vgl. hierzu "Stadtrömische Ehrenstatuen in republikanischer Zeit" von Markus Sehlmeyer (S. 179 f.).


Über den Standort ist nichts bekannt. Vielleicht hat sie in der Nähe des Tempel des Apollo Sosianus gestanden, der bereits im Jahre 431 v.Chr. geweiht wurde. Die wenigen heute noch sichtbaren Reste in Form von drei im Jahre 1940 wiederaufgerichteten Säulen verlieren sich fast vor der Fassade des Marcellustheaters. Die Weihung des Tempels erfolgte allerdings unter dem Namen Apollo Medicus, dem Heilbringer, denn die Römer hatten den Tempel aufgrund einer weniger Jahre zuvor grassierenden Seuche gelobt.

DSC_2126.jpg
Restitution_temple_apollon_sosianus_1.jpg

Erhalten hat sich ferner ein Teil des Fries, das im Museo Centrale Montemartini in Rom ausgestellt ist. Die Darstellung eines Triumphzuges verweist auf eine interessante Verwendung des Tempels; an ihm kam sozusagen kein siegreicher General vorbei, wollte er denn einen Triumphzug einfordern. Der Sakralbau lag am Ende des Marsfeldes gerade noch ausserhalb des Pomeriums. Hier fanden die Verhandlungen zwischen Senat und dem Feldherren über die Bewilligung des Triumphes statt, denn hätte der Siegreiche die heilige Grenze zum Stadtgebiet überschritten, wäre damit der Anspruch auf einen triumphalen Einzug in die Stadt verwirkt gewesen.

P1020393.jpg

Leider existieren vom Tempel des Apollo Sosianus so gut wie keine numismatischen Zeugnisse. Ein Medaillon des Quintillus zeigt auf seiner Rückseite eine Statue des Apollo im Tempel mit der Legende APOLLINI COSERVATORI , von dem jedoch nicht gesichert gesagt werden kann, dass es sich um jenen Tempel des Apollo Sosianus handelt. (Gnecchi II : Qvintillo 1 - Tav. 117 N.7)

Quintillus.jpg

Der Ort selbst ist wiederum mit den Ludi Apollinaris eng verbunden. Es wird angenommen, dass hier seit dem Jahre 212 v.Chr. die Bühnenvorführungen der Spiele stattfanden; zunächst noch ohne eigenes Theater, dann in provisorischen hölzernen Bauten und letztendlich im Steinbau des Cäsar- bzw. Marcellustheaters. In erster Linie sind die Spiele als religionspolitische Maßnahme zu rechnen, die Rom während des so unglücklich verlaufenden Krieges gegen Hannibal anstrengte. Die genaue Gründungsgeschichte der Ludi Apollinaris, die den Rahmen hier sprengen würde, erzählt Livius (Ab urbe condita 25,12,9ff.). In ihrer Anfangszeit eintägig wuchsen die Spiele in der Kaiserzeit zu einer achttägigen Feier vom 6. Bis 13. Juli, wobei der Ausrichter der Veranstaltung immer der Stadtprätor war. Zu den verschiedenen Darbietungen im Rahmen der ludi gibt es unterschiedliche Meinungen; fest steht jedenfalls, dass sowohl Bühnenaufführungen als auch Zirkusspiele wie die oben erwähnten Wagenrennen der Prätoren und die Vorführungen der Desultoren geboten wurden.

Einige Münzen aus der römischen Republik bezeugen die Spiele, so wie die Denare der Calpurnii Pisones mit dem bekannten galoppierenden Reiter auf dem Revers. Die Münzbilder deuten darauf hin, dass die Spiele - zumindest im Jahre 211 v.Chr. - auf Initiative eines Ahnen der Münzmeister, dem damaligen Prätor C. Calpurnius Piso zurückgehen. Der Kopf des Apollo auf der Vorderseite bestätigt ebenfalls, dass die Münzen zum Gedenken an die Ludi Apollinaris geprägt wurden.

P1190814.jpg

Tiefer mit der Materie beschäftigt sich u.a. Frank Bernstein in "Ludi Publici - Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung der öffentlichen Spiele im republikanischen Rom"; insbesondere zu den Münzen empfiehlt sich "Die Apollinarspiele zur Zeit der Republik" von Franz X. Ryan.


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