gallienus-special

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Lucius Aelius
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Re: gallienus-special

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 22.08.25 20:56

Dieser Antoninian aus Samosata lässt sich anhand der Beizeichen sehr gut datieren.
Die letzte Samosata-Emission der Samtherrschaft von Gallienus und Valerianus unterteilte sich in zwei Abschnitte: anfangs ohne Beizeichen im Reversfeld, später mit Beizeichen. Die nachfolgende kurze Emission des Gallienus als alleiniger Kaiser wurde zusätzlich durch einen Punkt unterhalb der Büste auf dem Avers gekennzeichnet. Die ersten Münzen vom Usurpator Macrianus trugen vorne ebenfalls diesen Punkt, kurz darauf wurde er auf den Münzen weggelassen.
Anhand dieser Spezifikationen lässt sich die hier gezeigte Münze ausgezeichnet datieren: Geprägt nach der Gefangennahme des Seniorkaisers Valerian durch die Perser Mitte 260 n.Chr. (reversseitig steht zudem AVG und nicht AVGG) bis es zur Erhebung von Macrianus und Quietus als Gegenkaiser ca. Sep. 260 n.Chr. kam.
Dass vorderseitig zwei Punkte unter der Büste zu sehen sind ist der Tatsache geschuldet, dass ein leichter Doppelschlag vorliegt.
Die Münzprägestätte von Samosata (ein strategisch bedeutsamer Ort, lag er doch an einer viel genutzten Furt des Euphrat, aufgrund dessen eine der wichtigsten Strassen im syrischen Großraum hier entlangführte) befand sich wohl auf der Akropolis der Stadt. Schade, dass diese antike Stätte mittlerweile unerreichbar geworden ist und ihre Geheimnisse mit ins nasse Grab genommen hat, haben doch die Türken das gesamte Euphrattal mit ihrem erbauten Staudamm unter Wasser gesetzt.


20250822_193437.jpg
20250822_193450.jpg
Ich habe einige Samosata-Antoniniani von Valerian 256 bis 258/59 und auch einen Antoninian des Usurpators Quietus 260/61 - allesamt aus schlechten Billon, so wie man es aus Syrien und zu jener Zeit gewohnt ist. Dieser Gallienus scheint aber vom Metallglanz her mehr Silberanteile zu besitzen, was mir beim Auspacken der Münze sofort ins Auge stach.
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Lucius Aelius

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Lucius Aelius
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Re: gallienus-special

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 25.08.25 19:08

Und noch ein Antoninian, diesmal aus Rom. Dieser Typ - RIC 157, Göbl 175k, C 765 - stammt aus der 4. Emission 157(/158) n.Chr. Die Münze ist aus noch relativ guten Billon (dem Aussehen nach schätze ich mal um 25% Ag), hat einen Durchmesser von 24 mm und wiegt 2,42 g.

20250825_180830.jpg
20250825_180853.jpg

Stadtrömische Stücke mit der Umschrift IMP GALLIENVS P F AVG G[ERMANICVS] M[AXIMVS] gibt es verschiedene Münztypen, u.a. mit Reverslegende VICTORIA G M. Man sollte meinen, dass sie, da ja aus der selben Emission stammend, ähnlich aussehen sollten, doch habe ich ein recht "häßliches Entlein", was schon arg aus der Reihe tanzt:
3,02 g, nur 19 mm mit einem auffallend kleineren Perlkreisrand (!) wie der obige Antoninian, Legierung mit 10 - allerbestenfalls 12% Ag.
20250825_182834.jpg
20250825_182736.jpg

Es ist schon auffallend, wie sich die Billonlegierung der stadtrömischen Münzstätte innerhalb von 2 - 3 Jahren sprunghaft verschlechterte, während Mediolanum und Köln zur selben Zeit ihre (wohl ausschließlich für die Legionen bestimmten) Antoniniani mit einem deutlich höheren Silbergehalt ausgaben.
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Re: gallienus-special

Beitrag von Perinawa » Fr 29.08.25 20:18

Perinawa hat geschrieben:
Sa 02.08.25 14:23
Um das Sommerloch ein wenig zu füllen, stelle ich mal meinen ersten Legions-Antoninianus des Gallienus vor.
Und der jetzt auch nach langer Wartezeit endlich eingetroffen ist.

Der zweite Legions-Galli ist auch unterwegs. Das Suchtpotential ist hoch; vor allem bei der Legion XXX. :D

gallienus_leg_xxx.jpg

Gallienus
Antoninianus
Mediolanum
261 AD.
Av.: GALLIENVS AVG - Radiate head of Gallienus to right
Rev.: LEG XXX VLP VII P VII F, Neptune standing right, holding trident and dolphin
3,33 Gr.
RIC 369; MIR 36, 1025r

Grüsse
Rainer

Wie viele Ex. verzeichnet Goebl?
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Homer J. Simpson
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Re: gallienus-special

Beitrag von Homer J. Simpson » Fr 29.08.25 21:35

Das Zitat ist richtig; 14 Ex. bei Göbl.

Homer
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!

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