Quadrans und Semis unterscheiden

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

dictator perpetuus
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Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von dictator perpetuus » Di 08.02.22 17:58

Oft wird ja diskutiert, wie man Asse und Dupondien unterscheidet, was auch nicht immer einfach ist. Es gibt einige Münzen, bei denen Auktionshäuser scheinbar auch nicht in der Lage dazu sind.
Hier zum Beispiel die mit unter 10€ günstigste Münze aus meiner gesamten Sammlung:
14 TrajanQuadrans2.jpg
Savoca hatte diese Münze (15mm, 3,08 Gramm) bei eBay als Semis verkauft. Was die Masse angeht, macht das für mich keinen Sinn und es müsste ein Quadrans sein. Ein Semis müsste für meine Begriffe mindestens 4 Gramm wiegen und im Mittel ca. 20mm Durchmesser haben - was beispielsweise auf meinen Tiberius-Lugdunum-Semis auch zutrifft.
Die Münze taucht ja öfter mal auf und wird aus meiner Sicht fast willkürlich mal als Quadrans, mal als Semis angeboten - oder ich übersehe da etwas.

Ganz ähnlich verhält es sich mit einer recht beliebten Münze, die etwas später unter Hadrian geprägt wurde:
https://www.biddr.com/auctions/savoca/b ... &l=2113438
https://www.biddr.com/auctions/savoca/b ... &l=2113437

Mit 3,7 Gramm könnte dereine ja vielleicht als Semis durchgehen, aber mit 2,3? Das kann doch irgendwie eigentlich nicht sein? Die Münze habe ich auch schon oft als Quadrans angebeoten gesehen (wenn jemand ein sehr schönes Exemplar hat, kann er mir das im Übrigen gerne anbieten).

Da stellt sich die Frage, wissen einfach die Numismatiker heute nicht, ob welches Nominal das zu der Zeit war oder gab es die beiden Typen als Semis und Quadrans? Konnten dann die Leute vor 1900 Jahren überhaupt sicher sein, ob sie einen Semis oder Quadrans haben? Vom Material her dachte ich, gab es da anders als bei Assen und Dupondien nur unter Nero Unterschiede.

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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Numis-Student » Di 08.02.22 18:08

Nabend Herr Diktator ;-)

Zuerst: diese ganzen Kleinmünzen (werttechnisch gesehen, also bis zum Sesterz) wurden al marco ausgeprägt. Eine bestimmte Anzahl musste also ein bestimmtes Gewicht haben; ob das eine Einzelstück dabei ein Gramm schwerer war als ein anderes, spielte keine Rolle.

Soweit ich weiß, war der entscheidende (und in der Antike ohne Patina gut sichtbare) Unterschied das Metall: Quadrantes aus Kupfer/Bronze, der etwa gleichschwere Semis aus dem als wertvoller angesehenen Messing / Aurichalcum.

Schöne Grüße
MR
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von dictator perpetuus » Di 08.02.22 18:28

OK danke schonmal. Bei so einem korrodierten Trajan könnte man ja an einer unauffälligen Stelle ein winziges Loch in die Patina machen. Ob die Patina für Messing spricht? Dieses Braun habe ich sehr häufig bei Sesterzen gesehen.

Jetzt stellt sich noch die Frage, in welchem Zeitraum kann man sich drauf verlassen, dass so ein Semis wirklich aus Messing und nicht aus Bronze ist? Ich habe mal gelesen, das wäre nur bei Nero so (wohl eine Falschinformation). Aber ein >4Gramm Semis aus dem dritten Jahrhundert dürfte kaum aus Messing sein, nehme ich an.

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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Numis-Student » Di 08.02.22 18:44

Ich würde eher nach entpatinierten Exemplaren dieses Typs in Auktionen suchen ;-)

Du solltest dich darauf verlassen können, dass ein Bildtyp auch ein Nominal ist...

Ein über 4 g schwerer Semis aus dem dritten Jahrhundert wäre mir auch neu... Andererseits: mein Traianus Decius Semis aus Messing bringt 3,60g auf die Waage.
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Lucius Aelius » Di 08.02.22 19:21

Man kann die Frage sehr schnell beantworten:
Es ist ein Semis.
Hier der Hintergrund ab S. 17:
https://www.academia.edu/15759796/M%C3% ... inararbeit
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Perinawa » Di 08.02.22 19:23

Danke für die Lektüre für mein nächstes Wochenende. Ich meine, dass du den Artikel schon mal verlinkt hattest, aber er ist untergegangen. Bei Gelegenheit sollten wir solche interessanten Veröffentlichungen mal im Literatur-thread sammeln und ordnen. Ich ärgere mich öfter, dass ich dann irgendwann nichts mehr finde.

Grüsse
Rainer
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Homer J. Simpson » Di 08.02.22 19:36

Meine Faustregel ist immer:

Kaiserporträt - Semis, kein Kaiserporträt - Quadrans.

Homer
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Mynter » Di 08.02.22 19:43

Homer J. Simpson hat geschrieben:
Di 08.02.22 19:36
Meine Faustregel ist immer:

Kaiserporträt - Semis, kein Kaiserporträt - Quadrans.

Homer
Aber was machen wir dann mit den Münzen vom Typ " Trajanportrait/ Wölfin " ? Können das wirklich Quadranten sein ?
Grüsse, Mynter

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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Homer J. Simpson » Di 08.02.22 19:55

Nein, Semisses. Die mit "Herakleskopf / Wildschwein" wären dann Quadranten.
Aber wie gesagt, das ist nur eine Faustregel. Muß z.B. für woanders als in Rom geprägte auch nicht zutreffen.

Homer
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Lucius Aelius » Di 08.02.22 19:59

Perinawa hat geschrieben:
Di 08.02.22 19:23
Ich meine, dass du den Artikel schon mal verlinkt hattest
Ich glaube sogar 2x schon.
Interessante Links speichere ich mir grundsätzlich immer sofort im Archiv meines Computers.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Perinawa » Di 08.02.22 20:22

Lucius Aelius hat geschrieben:
Di 08.02.22 19:59
Interessante Links speichere ich mir grundsätzlich immer sofort im Archiv meines Computers.
Mache ich normalerweise auch. Ich sollte nur ab und zu mal meine Lesezeichen sortieren... :oops:
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von dictator perpetuus » Di 08.02.22 21:48

Numis-Student hat geschrieben:
Di 08.02.22 18:44
Du solltest dich darauf verlassen können, dass ein Bildtyp auch ein Nominal ist...
Kann man das? Asse und Dupondii, Aurei und Denare oder Quinare und Halbaurei sind doch auch oft mit dem gleichen Stempel geschlagen.
Numis-Student hat geschrieben:
Di 08.02.22 18:44
Ein über 4 g schwerer Semis aus dem dritten Jahrhundert wäre mir auch neu... Andererseits: mein Traianus Decius Semis aus Messing bringt 3,60g auf die Waage.
https://www.biddr.com/auctions/gaertner ... &l=2494412

So oft laufen die mir nicht üüber den Weg, der hier wiegt aber sogar mehr als mein Tiberius.
Homer J. Simpson hat geschrieben:
Di 08.02.22 19:36
Meine Faustregel ist immer:

Kaiserporträt - Semis, kein Kaiserporträt - Quadrans.
Trifft aut meinem RIC auch auf den Hadrianadler RIC 624/625 zu. Aber wieso kommen so viele auf die Idee, dass das ein Semis sei?

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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Numis-Student » Di 08.02.22 22:20

Gut, Quinare und Halbaurei sind beides Seltenheiten, da macht es Sinn, dass ein Stempel für beide verwendet wird.

Aber bei Aurei und Denaren ist doch eigentlich nicht üblich, oft sind ja auch die die Aureistempel deutlich sauberer und feiner geschnitten.
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Re: Quadrans und Semis unterscheiden

Beitrag von Xanthos » Mi 09.02.22 11:54

Ich habe es mittlerweile aufgegeben, bei der Unterscheidung von Quadrantes und Semisses nach einer Logik zu suchen. Grösse und Gewicht sind, wie schon von Numis-Student beschrieben, keine zuverlässigen Kriterien. Aber auch das Metall (bzw. dessen Farbe) nicht. Ich habe von beiden Nominalen Exemplare, bei denen die Metallfarbe gerade umgekehrt ist. Ich übernehme deshalb meistens einfach die Nominalangabe der zitierten Literatur.

Noch spezieller wird es bei den Kleinnominalen, die z.B. unter Traian für Syrien geprägt wurden. Dort schreibe ich mittlerweile nur noch wie Woytek "AE" und dann die Schrötlingsgrösse (unterteilt in 2 Grössen: AE19/21, AE23/25).

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