Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Steffl0815
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Steffl0815 » So 22.01.23 11:56

Peter43 hat geschrieben:
So 22.01.23 10:46
Zu dem Artikel über Hipparch gehört auch noch ein Exkurs über den Mechanismus von Antikythera. Falls Interesse besteht, würde ich ihn anfügen.

Jochen
Sehr gerne! Der Mechanismus von Antikythera ist für mich der unglaublichste Fund aus der Antike überhaupt. Da fällt mir ein Spruch von Arthur C. Clarke dazu ein : „ Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.“

MfG Stefan

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Peter43
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 22.01.23 14:42

O.k., hier ist er:

Exkurs: Der Mechanismus von Antikythera

Antikythera ist eine kleine Insel zwischen dem nordwestlichen Ende von Kreta und der Peloponnes. 1900 stießen dort Schwammtaucher auf das Wrack eines antiken Schiffs, das zwischen 70 und 60 v. Chr. bei einer Fahrt von Rhodos nach Epirus untergegangen war. Die Bergungsaktion dauerte über ein Jahr und bedeutete den Beginn der Unterwasserarchäologie.
NAMA_Machine_d'Anticythère_1.jpg
Fundzustand

Neben einer großen Anzahl von Marmor und Bronzestandbildern wurde auch ein Klumpen Metall entdeckt, der ins Archäologische Nationalmuseum von Athen kam. Nach 3 Monaten fiel der Klumpen auseinander und enthüllte eine große Zahl von Bronzezahnrädern von der Größe einer Münze, die mit höchster Präzision gefertigt waren. Es fanden sich insgesamt 82 Zahnräder, Inschriften und Skalen. Die Fachwelt stand vor einem Rätsel. Diese Zahnräder hätte es erst Jahrhunderte später geben dürfen. In der Antike waren sie unbekannt. 75 Jahre später begann die intensive Untersuchung. Seitdem haben Wissenschaftler der ganzen Welt dieses Objekt untersucht.  
800px-Antikytherafragments.jpg
Die  Fragmente  des  Computers

Heute ist man übereinstimmend der Überzeugung, daß diese Maschine ein astronomischer Computer ist, der am wahrscheinlichsten unter der Oberaufsicht von Hipparchos, dem großen griechischen Astronomen des 2. Jh. v. Chr., auf Rhodos entworfen und um 140 v. Chr. gebaut worden ist. Es gibt allerdings auch die Meinung, daß er von dem späteren Poseidonios (135-51) aus Rhodos stammt. Die Grundidee, die Welt mathematisch abzubilden und ein mechanisches Universum zu bauen, geht sicher auf Archimedes zurück. So ist Archimedes der eigentliche geistige Vater des Antikythera-Computers, obwohl er bereits 212 v. Chr. von den Römern erschlagen worden war.

Es war ein Computer, der Naturerscheinungen und Termine von wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen vorhersagen konnte. Er steckte in einem hölzernen Kasten und nachdem man einige Voreinstellungen vorgenommen hatte, wurde er mit einer zentralen Kurbel handgetrieben bedient.

Inzwischen hat man, auch durch modernste Computertomographie, eine Vorstellung davon, welche Funktionen dieser Computer hatte. Trotz seiner Zahnräder handelt es sich um einen Analogrechner, der viel Ähnlichkeit mit einer astronomischen Kunstuhr hat, wie sie seit dem 16. Jh. gebaut und in den Kuriositätenkabinetten  der  Fürsten  aufbewahrt  wurde.
Antkythera Mechanism.jpg
Bisher erschlossener Aufbau des Mechanismus von Antikytera

Was  der  Apparat  alles  anzeigen  konnte  (DPMA)
Der Mechanismus war ursprünglich so groß wie ein dickes Buch, mit Inschriften versehen und besaß eine Kurbel an der Seite. Er hatte 3 Hauptzifferblätter, eines auf der Vorderseite und zwei auf der Rückseite.
cover.jpg
Die  Vorderseite
Das auf der Vorderseite war ein Sonnenkalender mit Tages- und Monatsskala (Ägyptische Monatsnamen) und Babylonischen Tierkreiszeichen. Darin befand sich ein zweites Zifferblatt mit den griechischen Sternzeichen, das beweglich war, um die Schaltjahre ausgleichen  zu  können.

Das Zifferblatt hatte wahrscheinlich 3 Zeiger, einen für das Datum, und zwei weitere für die Positionen von Sonne und Mond. Es enthielt darüber hinaus auch einen zweiten Mechanismus mit einem sphärischen Modell des Mondes, das seine Phase anzeigte, also einen gebundenen Monatskalender.

Die Inschriften auf der Vorderseite des Apparates verweisen auf die Planeten Mars und Venus. Man vermutete aber, daß der Mechanismus die Positionen aller fünf den Griechen bekannten Planeten anzeigen konnte. Dies konnte 2021 bewiesen werden. Dabei liegt der Berechnung der Planetenbewegungen das ptolemäische Weltbild mit seiner Theorie der Epizyklen zugrunde. Es wurde also auch der zeitweise Rücklauf der Planeten  angezeigt.

Er war wohl also auch ein tragbares Planetarium. Darüber hinaus bot das vordere Zifferblatt ein Parapegma, mit dem Auf- und Untergang bestimmter Sterne angezeigt  wird.

Back.jpg
Die  Rückseite
Das obere der beiden spiralförmigen Zifferblätter auf der Rückseite zeigte die 235 Monate des 19-jährigen Meton-Zyklus an. An einem kleineren Hilfszifferblatt darin ließ sich die 76-jährige Kallipos-Periode ablesen. Das untere hintere Zifferblatt bildete mit 223 Unterteilungen den Saros-Finsternis-Zyklus ab. Es verfügte auch über ein kleineres Nebenzifferblatt, das den 54-jährigen  Exeligmos-Zyklus  anzeigte.

Anmerkungen:
(1) Epizykeln. Wurden von Apollonius von Perge erfunden, um den zeitweiligen Rücklauf einiger Planeten zu erklären. Dabei läuft der Planet auf einem kleinen Kreis (Epizykel), dessen Mittelpunkt auf einem großen Kreis (Deferent) um die Sonne läuft. Wurde von Ptolemaios ausgebaut und erst von Keplers elliptischen Planetenbahnen  abgelöst.

(2) Parapegma. Ein  Kalender, in dem das Datum durch steckbare Stifte  angezeigt  wird.

(3) Meton-Zyklus. Eine Periode, die 19 Sonnenjahre und 235 Mondmonate lang ist. Sie war bereits in Babylonien bekannt. Von ihnen übernahm sie Meton, athenischer Astronom aus dem 5. Jh. v. Chr.

(4) Kallippos-Periode. Eine Periode, die 76 Sonnen-jahre und 940 Mondperioden lang ist. Von Kallippos von Kyzkos (von um 370 - bis um 300 v.Chr.) eingeführt, der beobachtet hatte, daß der 19-jährige Meton-Zyklus um ¼ Tag zu lang ist.

(5) Saros-Zyklus. Eine relativ lange Reihe von Sonnen- und Mondfinsternissen, die dadurch gekennzeichnet ist, daß sich zwei direkt folgende Finsternisse sehr ähneln.Es gibt mehrere solcher Finsterniszyklen. Alle sind begrenzt gültig. Der Saroszyklus besteht aus 71 Finsternissen und ist etwa 1270 Jahre lang. Der Name stammt von Edward Halley (1691) der fälschlichwerweise den babylonischen Begriff SAR (3600 oder „im Himmel“) von Plinius dem Älteren übernommen hatte.

(6) Exeligmos-Periode. Ein Exeligmos (griech. = „Radumdrehung“) ist eine Periode von 54 Jahren und 33 Tagen, die zur Vorhersage von aufeinanderfolgenden Finsternissen, die sich ähneln, benutzt werden kann. Die Griechen kannten ihn spätestens seit 100 v. Chr.

Dies ist natürlich nur ein grober Überblick, Aber vielleicht gibt er dem einen oder dem anderen den Anstoß, sich tiefer mit diesem Wunderwerk antiker Wissenschaft zu beschäftigen.

Literatur:
(1) „Wunderwerk der Antike“, Spektrum der Wissenschaft, Nr. 8/22
(2)  Euaggelos Vallianatos, „The Antikythera Mechanism. in "Skeptical Inquirer", Vol. 46, No. 6, 2022
(3) Price, Derek de Solla, „Geers from the Greek“, 1974
(4) Antikythera Mechanism Research  Project
(5) DPMA, Antikythera-Mechanismus
(5) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » So 22.01.23 17:47

Das ist fürwahr ein interessantes Gerät, das seine Geheimnisse noch lange nicht alle preisgegeben hat 8O . Und da sich die Durchleuchtungstechniken für Industrie und Medizin stetig weiterentwickeln, kann man alle paar Jahre mit Neuigkeiten rechnen :D .
Peter43 hat geschrieben:
So 22.01.23 14:42
... Heute ist man übereinstimmend der Überzeugung, daß diese Maschine ein astronomischer Computer ist, der am wahrscheinlichsten unter der Oberaufsicht von Hipparchos, dem großen griechischen Astronomen des 2. Jh. v. Chr., auf Rhodos entworfen und um 140 v. Chr. gebaut worden ist. ...
Ganz so am wahrscheinlichsten, wie es hier steht, scheint das aber nicht zu sein :? . Es gibt da massenhaft Literatur dazu (hab' ich mich heute Nachmittag ein bisschen reingewühlt) und wirklich sicher ist da nichts :| . Man muss das aber vielleicht auch vor dem Hintergrund sehen, dass es selbst im wissenschaftlichen Bereich besser aussieht, einen Namen zu nennen, als nur mit fragendem Gesicht dazustehen :D .

Interessant fand ich auch, dass einer der ersten Berichte über den Mechanismus von Ioannis N. Svoronos stammt (genau, der mit den Ptolemäern :D ): https://archive.org/details/dasathenern ... ew=theater

Gruß

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Zwerg » So 22.01.23 18:25

Altamura2 hat geschrieben:
So 22.01.23 17:47
Interessant fand ich auch, dass einer der ersten Berichte über den Mechanismus von Ioannis N. Svoronos stammt (genau, der mit den Ptolemäern :D ):
Der hat zwar auf dem Deckel gezeichnet, aber nicht den Text zu dem Gerät verbrochen :D
Das war Perikles!
Screenshot 2023-01-22 182144.jpg
Screenshot 2023-01-22 182144.jpg (9.43 KiB) 390 mal betrachtet
Grüße
Klaus
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » So 22.01.23 18:27

Zwerg hat geschrieben:
So 22.01.23 18:25
... Der hat zwar auf dem Deckel gezeichnet, aber nicht den Text zu dem Gerät verbrochen :D ...
Tatsächlich 8O . Dann hat Svoronos also nur die Verantwortung übernommen :D .

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Homer J. Simpson » So 22.01.23 22:35

Der interessanteste Beitrag über den Antikythera-Mechanismus, den ich gefunden habe (auf Englisch):

https://www.youtube.com/watch?v=UDFaAjjWzt8

Homer
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von richard55-47 » Mo 23.01.23 09:47

Als ich vor Jahren zum ersten Mal über diesen antiken "Computer" las, war ich zuerst ungläubig, dachte an eine "Ente". Ein Kalauer fiel mir ein "Die alten Ägypter haben den Computer erfunden, konnten ihn aber nicht anwenden, weil sie die Elektrizität nicht kannten". Dann war ich fasziniert von diesem Wunderwerk.
do ut des.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mi 01.02.23 20:16

Aemilius Scaurus und Aretas III.

Münze  #1
Römische Republik, M. Aemilius Scaurus, gens Aemilia,
und Pub. Plautius Hypsaeus, gens Plautia
AR - Denar, 3.97g, 17.32mm, 215°
        Rom, 58  v. Chr.
Av.: oben [M SCAVR] / AED CVR, im Abschnitt REX ARETAS
         Der Nabatäerkönig Aretas III. Philhellenos kniet neben einem Dromedar n. r., hält in der Linken die Zügel und in der erhobenen Rechten bebänderten Olivenzweig
         im Feld li und re.EX - SC
Rv.: oben P HYPSAEV[S] / AED CVR, re. [CAPTV]
      im Abschnitt CHYPSAE C[OS] / [PREIVER]
       Jupiter in Quadriga n.l., hält Zügel in der Linken und Blitzbündel in der erhobenen Rechten; vor  den  Pferden ein Skorpion
Ref.: Crawford 422/1b; Sydenham 913; Aemilia 8; Plautia 8; BMC 3878; Hendin 740
Kratzer im Rev.-Feld bei 9h, sonst fast VZ, kleiner Schrötling
aemilius_scaurus_Cr422.1b_1.jpg
Diese Münze wurde von 2 Münzmeistern zusammen herausgegeben und behandelt 2 unterschiedliche Ereignisse der römischen Geschichte. Die Rückseite erinnert an die Eroberung der volskischen Stadt Privernum in den Latinerkriegen durch C.Plautius Decianus 329 v. Chr. Das Thema dieses Artikels soll aber die Vorderseite sein.
.
Marcus  Aemilius  Scaurus
Die gens Aemilia war eine der ältesten patrizischen Familien Roms. Sie führte sich zurück auf Mamercus, einen Sohn des Numa Pompilius, oder Aemilia, eine Tochter des Aeneas. Sie gehörte zu den angesehensten Familien der römischen Republik und der frühen Kaiserzeit, bis ihre führenen Mitglieder im 1. Jh. n. Chr. ausstarben  (Tacitus, ann.).

Marcus Aemilius Scaurus der Jüngere, der Münzmeister dieser Münze, war der Sohn des M. Aemilius Scaurus des Älteren und der Caecilia Metella. Als sein Vater starb, wurde er von Freunden der Familie erzogen. Pompeius war kurze Zeit mit dessen Schwester Aemilia Scaura verheiratet, nahm aber auch nach ihrem Tod Interesse an der Entwicklung des Scaurus. So forderte er ihn während des 3. Mithridatischen Krieges 89-63 v. Chr. als Militärtribun an.

Während dieses Feldzuges war Scaurus verantwortlich für Judaea. In Judaea war es zu dieser Zeit, nach dem Tod der Salome Alexandra, zu einem Thronstreit zwischen Johannes Hyrkanos II., dem ältesten Sohn des Alexander Jannaeus, und seinem jüngeren Bruder Aristobulos II. gekommen. Dieser verjagte Hyrkanos II. aus Jerusalem, der Zuflucht beim Nabatäerkönig Aretas III. suchte. Als Hyrkanos 63 v. Chr. mit einer Armee des Aretas zurück nach Jerusalem kam, suchte Aristobulos Hilfe bei den Römern. Mit der enormen Bestechungssumme von 8000kg Silber erreichte er bei Scaurus, daß dieser den mit Hyrkanus verbündeten Aretas III. zum Abzug von Jerusalem zwang. Danach beschuldigte Aristobulos den Scaurus bei Pompeius der Erpressung. Aber Pompeius vertraute seinem Schwager mehr und als sich die Unruhen nicht legten, griff er mit Waffengewalt ein und eroberte Jerusalem in einem Blutbad. Aristobulos wurde eingekerkert und Hyrkanus als Ethnarch eingesetzt. Damit war Judaea den Römern tributpflichtig  geworden.

Scaurus bekam den Auftrag, gegen Aretas III. vorzugehen. Er verfolgte ihn bis Petra. Nachdem ihm aber Aretas III. eine weiteres Bestechungsgeld von 6000kg Silber bezahlt hatte, zog er sich zurück. Nach dem Feldzug in Judaea kehrte Scaurus nach Rom zurück und heiratete die von Pompeius geschiedene Mucia Tertia. 58 v. Chr. wurde er kurulischer Ädil. Auf der Münze, die Scaurus damals prägen ließ, ist die Unterwerfung des Aretas III. dargestellt, was auch bei dem Triumphzug des Pompeius gefeiert wurde. Tatsächlich war es ganz anders. Dies war das erste Mal, daß ein Münzmeister ein Ereignis aus seiner eigenen Karriere auf einer Münze prägen ließ.

56 v. Chr. wurde er Prätor. Seine Bewerbung für das Konsulat scheiterte an einer Anklage wegen Ausbeutung seiner proprätorischen Provinz Sardinien, in der er 55 v. Chr. gleich dreimal(!) den Zehnten erhoben hatte. Er wurde zwar erfolgreich von Cicero verteidigt, aber nachdem er im folgenden Jahr wieder wegen Bestechung (ambitus) angeklagt wurde, wurde er trotz Ciceros Verteidigung und trotz der Zuneigung, die ihm das Volk wegen der prächtigen Spiele, die er organisierte, entgegenbrachte, verurteilt und ins Exil verbannt. Von ca. 60 bis zu seinem Tod im Exil war er noch Pontifex.

Plinius der Ältere erwähnt mehrmals seinen enormen Reichtum, der unter anderem aus den Proskriptionen seines Stiefvaters Sulla stammte, und kritisiert seine Verschwendungssucht, dessen deutlichster Ausdruck ein riesiges hölzernes Theater war. Er hatte ein Haus auf dem Palatin, das eines der wenigen Wohnhäuser ist, welches den Brand unter Nero überstanden hat, eine Villa in Tusculum und besaß eine große Sammlung an geschnittenen  Steinen (Pauly):

Aretas  III.  Philhellenos

Münze  #2
Reich der Nabatäer, Aretas III. Philhellenos, 84 - 62/61 v. Chr.
AE 20, 6.84g, 19.92mm, 0°
Damaskus, 84-71 v. Chr.
Av.: Kopf des Aretas III., diademiert, n. r.
Rv.: Tyche von Damaskus, mit Mauerkrone, auf Felsen n. l. sitzend, Mantel über den unteren Körperpartien, hält Cornucopiae im li. Arm und streckt die rechte Hand aus; unter ihr der Flußgott Chrysorhoas n. l. schwimmend
im re. Feld in 2 vertikalen Zeilen von oben nach unten:
BAΣIΛEΩΣ / APETOV
im li. Feld, durch den Arm der Tyche geteilt, ΦIΛE - ΛΛHNOΣ im unteren li. Feld AP (für APETAΣ)
Ref.: Meshorer Nabatean  6
S+, dicke Sandauflagerungen
nabatea_aretasIII_Meshorer6.JPG
Aretas III. (nabatäisch Harithath), der Sohn des Obodas I., war von 87 bis 62 v.Chr. König der Nabatäer. Nachdem er den Thron bestiegen hatte, eroberte er auf Kosten des Seleukidenkönigs Antiochos XII. den Norden des heutigen Jordaniens und den Süden Syriens. Bei dem Versuch diese Gebiete zurückzugewinnen, kam Antiochos 84 v.Chr. ums Leben. Danach konnte Aretas III. seine Herrschaft bis Damaskus ausdehnen. Im Süden reichte sein Gebiet bis ins heutige Saudi-Arabien. Dadurch kontrollierten die Nabatäer die Karawanenrouten vom Mittelmeer nach Indien. Als Syrien mit Damaskus 66 v. Chr. von den Römern erobert und zum Protektorat gemacht worden war, fiel er immer wieder in Syrien ein und verwüstete es. Zwar wurde er in einer Schlacht von den Römern geschlagen, aber der Konflikt  wurde  nicht  beendet.

Im jüdischen Thronstreit der 60er Jahre unterstützte er den Thronanwärter Hyrkanos II., obwohl dessen Lage bereits sehr schlecht war, weil er sich mit ihm mehr Vorteile für sein Reich ausrechnete. Mit einem Heer von angeblich 50.000 Reitern und zahlreichen Fußsoldaten schlug er 65 v. Chr. dessen Bruder und Konkurrenten Aristobulos II., der sich nach Jerusalem zurückziehen  mußte, wo er ihn belagerte.

Trotzdem bestieg Aristobolus mit Hilfe der Römer den Thron und Aretas III. wurde von den Römern aufgefordert, sich zurückzuziehen, und Aretas fügte sich. Aber M. Aemilius Scaurus folgte ihm 62 v. Chr. nach Petra, ein Unternehmen, das Pompeius im Jahr zuvor hatte abbrechen müssen. Mit einem Bestechungsgeld von 6000kg Silber und der Anerkennung der römischen Oberhoheit konnte Aretas ihn zur Umkehr bewegen. Dadurch verloren die Nabatäer aber nicht ihre Unabhängigkeit, auch wenn Scaurus eine Siegesmünze prägen ließ, die dies suggerierte, und Pompeius bei seinem Triumphzug die Unterwerfung des Nabatäerkönigs feierte.

Aretas III. nannte sich selbst Philhellenos, Freund der Griechen, und ließ als erster Nabatäer Münzen nach seleukidischem Vorbild prägen. Unsere Münze ahmt die Tyche von Antiochia nach. Ihre Legenden waren griechisch und sie waren wohl nur für Damaskus bestimmt (Meshorer). Spätere Münzen stammten aus Petra. Aretas errichtete in Bostra eine Wachstation am Weg nach Damaskus, aus der später die Hauptstadt des Nabatäerreiches  wurde.

Quellen
(1) Cicero, de Officiis
(2) Plinius, Naturalis historiae
(3) Flavius Josephus, Jüdischer Krieg

Literatur
(1) Ya'akov Meshorer, Nabatean Coins, Quedem 3, 1975
(2) Der Kleine Pauly

Online-Quellen
(1) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am Do 02.02.23 19:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Do 02.02.23 17:52

Interessant, das hat man ja nicht oft, dass ein und dieselbe Persönlichkeit auf zwei verschiedenen Münztypen aus unterschiedlicher Perspektive dargestellt werden :D .
Peter43 hat geschrieben:
Mi 01.02.23 20:16
... Aretas III. (nabatäisch Harithath), der Sohn des Obodas I., war von 87 bis 62 v.Chr. König der Nabatäer. Nachdem er den Thron bestiegen hatte, eroberte er auf Kosten des Seleukidenkönigs Antiochos XII. den Norden des heutigen Jordaniens und den Süden Syriens. Bei dem Versuch diese Gebiete zurückzugewinnen, kam Antiochos 84 v.Chr. ums Leben. ...
Man geht inzwischen davon aus, dass Antiochos XII erst 83/82 v. Chr. starb, da es datierte Münzen von ihm bis ins seleukidische Jahr 230=83/82 v. Chr. gibt, siehe z.B. HGC 9, S. 274 ff. Regiert hat Aretas III wohl bis 59/58, da es den Obodas II, den man früher zwischen Aretas III und Malichus I platziert hatte, gar nicht gegeben hat.
Das hat sich auch alles in dem neuen Buch von Rachel Barkay, "Coinage of the Nabataeans", Jerusalem 2019, niedergeschlagen, auf das ich hier weiter oben schonmal aufmerksam gemacht habe: viewtopic.php?f=6&t=6900&p=554067#p554067
Peter43 hat geschrieben:
Mi 01.02.23 20:16
... Aretas III. nannte sich selbst Philhellenos, Freund der Griechen, und ließ als erster Nabatäer Münzen nach ptolemäischem Vorbild prägen. ...
Du meinst vielleicht nach seleukidischem Vorbild, ptolemäische Münzen sehen anders aus 8O .

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 02.02.23 18:59

Natürlich nach dem Vorbild von Seleukidischen Münzen.

Danke'
Jochen
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