Herennius Etruscus Augustus, RIC 153A

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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Homer J. Simpson
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Herennius Etruscus Augustus, RIC 153A

Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 04.05.22 23:17

Interessant - auch in der heutigen Zeit der Plemplem-Preise kommt es manchmal vor, daß man eine Münze kriegt und sich denkt: Nanu? Wo seid ihr denn alle? Wollte die sonst keiner?

Ich habe heute einen Antoninian des Herennius Etruscus bekommen, RIC 153A (vom Verkäufer korrekt bestimmt!). Das große A bedeutet, daß es in den RIC noch kurz vor Redaktionsschluß reingequetscht wurde. RIC zitiert ein Exemplar aus dem Fund von Dorchester (dürfte also im Britischen Museum sein). Die Münze ist auf Vorder- und Rückseite genau so wie der "normale" Antoninian RIC 148b, nur daß das ...NOB C durch ...AUG ersetzt wurde. Möglicherweise die Prägung des allerersten Tages, als die Nachricht in die Münzstätte kam, daß Herennius zum Augustus ernannt worden war (er war es ja leider nur wenige Wochen); bis man weitere Instruktionen hatte, prägte man erst mal den alten Typ mit identischer Legende, nur mit Augustus-Titel, weiter. Sehr kurz darauf wurde die Vs.-Legende dann grundlegend geändert, mit IMP C vorne dran und dem Namen Decius im Dativ. Ich bin echt happy, daß ich die Seltenheit dieses Stückes wohl als einziger erkannt habe und es für 85 Euro incl. bekommen habe.

Homer :-)
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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von T........s » Mi 04.05.22 23:27

Da kann man dann wohl gratulieren :)

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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von antoninus1 » Do 05.05.22 08:27

Toll!
Du schreibst ja manchmal, dass Dich Deine Erben verfluchen werden wegen Deiner Raritäten in "mäßigen" Erhaltungen. Aber hier weden sie Dich preisen :D
Gruß,
antoninus1

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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von Zwerg » Do 05.05.22 08:49

Ich google bei Homers Käufen meistens "hinterher" und habe für RIC 153A nur diesen Eintrag bei CA gefunden
https://www.coinarchives.com/a/openlink ... 98557a8b29

Glückwunsch

Klaus
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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von antoninus1 » Do 05.05.22 09:04

Das Stück auf Coinarchives hat aber schon DECIO in der Umschrift. Homers hat noch DECIVS, was wohl noch seltener ist.
Interessant finde ich ja auch die Kombination von AVG auf der Vorderseite mit PRINCIPI IVVENTVTIS auf dem Revers, was doch eigentlich nur zu einem Caesar passt.
Gruß,
antoninus1

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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von Lucius Aelius » Do 05.05.22 12:34

Sehr interessantes Stück 👍
Sieht nach einem Guss aus, wieviel wiegt denn das Stück?
Gruss
Lucius Aelius

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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von Erdnussbier » Do 05.05.22 14:46

Lucius Aelius hat geschrieben:
Do 05.05.22 12:34
Sieht nach einem Guss aus, wieviel wiegt denn das Stück?
Sieht für mich tatsächlich nicht nach einem Guss aus 8O
Ich bin da aber auch nicht der Beste im Erkennen.
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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von richard55-47 » Do 05.05.22 17:17

Die Konturen sehen schon ein wenig weich aus, besonders auf der RS. Aber auch für mich gilt:
Ich bin (da aber) auch nicht der Beste im Erkennen.
do ut des.

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Homer J. Simpson
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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von Homer J. Simpson » Do 05.05.22 17:49

Hallo, da bin ich wieder. Erst mal danke für die rege Diskussion! Also:
Technische Daten: Durchmesser 20-21 mm, Gewicht 2,71 g, Stempelachse 12 Uhr. Silberqualität mau wie üblich, aber ungereinigt.
Die Münze ist nicht gegossen, nur die Rückseite macht auf den Fotos etwas den Eindruck wegen des recht verbrauchten Rückseitenstempels.
Die von Klaus verlinkte Münze aus der letzten Leu-Auktion, die ich natürlich auch gerne gehabt hätte, die aber von 75 auf 1100 Fränkli hochging, ist nicht im RIC. Sie entspricht vom Rückseitentyp der "Caesar"-Prägung RIC 147 (mit Stab und Speer) und hat die "normale" (soweit man da von normal reden kann) Herennius-Augustus-Legende. D.h., es wurde IMP C vorangestellt und ...DECIUS NOB C durch DECIO AUG ersetzt. Bei meinem Stück hat man an der Caesar-Legende gar nichts geändert, nur ...NOB C durch AUG ersetzt.
Weitere Bilder dieses Münztyps habe ich nicht gefunden, nur eine Erwähnung hier: http://numismatics.org/ocre/id/ric.4.tr_d.153A

Homer
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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von Lucius Aelius » Do 05.05.22 18:37

Das niedrige Gewicht spricht m.E. auch dafür, dass es sich um eine irreguläre Münze handeln könnte.
Im Durchschnittswert liegen die Antoniniani der Zeit um 251 über 3 g.

Und auffällig ist auch, dass die Oberfläche an die schwachsilberhaltigen stadtrömischen Antoniniani der Zeit um etwa 258 erinnert = graugrünlich schmutzige Patina, bei der sich partiell einige silberglänzende Stellen hervorheben. Ich habe das bspw. Bei einer Konsekrationsprägung des Caesar Valerius. Will damit sagen, dass der Etruscus vielleicht aus weitaus schlechteren Silber bestehen könnte wie es 251 üblich war.

Homer, ist der Rand schmal und homogen (Oberfläche)? Wie sehen die Innenräume der Buchstaben aus (Q, M, E etc.) aus, gehen die tief nach unten oder sind die eher flau ( erhaben)?
Anhand der Fotos halte ich einen "Limesfalsa" durchaus für möglich. Das könnte u.U. erklären, warum der Etruscus-Augustus so preiswert vom Verkäufer angeboten wurde?

@Homer: Natürlich habe ich deinen RRR-Decius-Antoninian (IMP DECIUS AVG) mit der "unüblichen" Patina auch gesehen 😉
Gruss
Lucius Aelius

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Re: die spinnen, die römer(sammler)

Beitrag von Homer J. Simpson » Fr 06.05.22 01:06

I didn't expect the Spanish inquisition... ;-)

Aaalso: Ich habe gerade versucht, bessere Fotos zu machen als der Verkäufer; das ist mir aber noch nicht gelungen, im Gegenteil: Durch die hell-dunkel gescheckte Oberfläche ist das noch nicht richtig vorzeigbar.

Das Gewicht ist auf der niedrigen Seite, aber nicht aus der Norm; ich habe von Decius und Herennius Antoniniane von 2,2 bis 4,4 g. Die Münze ist sicher nicht gegossen. Die Buchstabeninnenräume sind richtig vertieft, der Schrötling recht dünn, und der Riß bei 6 Uhr geht durch und ist scharf; er verläuft nur etwas schräg, deshalb sieht es auf den Fotos so aus, als ginge er evtl. nicht durch. Der Rand ist großenteils recht gleichmäßig, aber nicht babypopo-glatt und nicht geschliffen. Die Korrosion ist am Rand ebenso wie auf den Oberflächen von Vorder- und Rückseite.

Sicher ist die Münze aus schlechtem Silber; ich habe jedoch einige sehr weißglänzende Antoniniane dieser Zeit mit sehr grobporigen Oberflächen, von denen ich annehme, daß sie vor der chemischen Reinigung evtl. ähnliche Oberflächen hatten wie dieses Stück. Ich werde die Probe aufs Exempel nicht machen. Ein "Limesfalsum" (bzw. eine antike Weißmetall-Gußfälschung) würde auch die Einordnung des Münztyps nicht erleichtern, da sie ja ein Abguß einer echten Münze sein müßte; und diese Vorderseiten-Legende ist nur für diesen Münztyp 153A beschrieben. Interessant wäre natürlich, das Stück des Britischen Museums zu sehen (ich habe gelesen, der Dorchester Hoard sei wohl dort gelandet; ich glaube, Curtis hat das geschrieben). Auf der Website habe ich die Münze aber nicht gefunden.

Eine irreguläre Prägung kann ich nicht ausschließen, aber der Stil sowie die Kombination eines ordentlichen Vorderseitenstempels (frisch gemacht für den neuen Augustus) und eines verschlissenen Rückseitenstempels (lag noch von den Caesarprägungen rum) legen mir doch eher eine offizielle Prägung in der chaotischen Situation in Rom 251 nahe.

Viele Grüße,

Homer
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Re: Herennius Etruscus Augustus, RIC 153A

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 06.05.22 08:43

Danke für deine Rückantwort.
Natürlich will ich dein Stück nicht schlecht reden 😉, sondern wollte lediglich meinen ersten Eindruck vermitteln. Da ist die Gefahr, nur anhand von Fotos zu beurteilen, natürlich größer danebenzuliegen wie wenn man das Stück in den Händen hält. Den von dir erwähnten Schrötlingsriss habe ich bspw. gar nicht wahrgenommen, sondern mich hauptsächlich auf das Buchstabenrelief konzentriert.
Deine Darlegungen überzeugen, dass das Stück doch geprägt ist. Wenn es dir nicht zu viel Mühe macht würde ich gerne interessenshalber deinen 2,2-g-Antoninian sehen.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Herennius Etruscus Augustus, RIC 153A

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 06.05.22 09:11

Den Dorchester Hort hatte Mattingly 1939 im NC publiziert
Der Dorchester Hort im NC 1939
https://archive.org/stream/in.ernet.dli ... c_djvu.txt
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Herennius Etruscus Augustus, RIC 153A

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 06.05.22 09:17

Gruss
Lucius Aelius

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Amentia
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Re: Herennius Etruscus Augustus, RIC 153A

Beitrag von Amentia » Fr 06.05.22 11:52

Zunächst eine Mal Glückwunsch.

Die Oberfläche errinert mich an ein paar meiner echten und offiziellen Römer und einige echte offizielle Stücke die ich in der Vergangenheit schon gesehen habe.
Das wirkt so als ob die einen Silbersud hätten obwohl dem nicht so ist.
Ich denke, dass das Erscheinungsbild mit einer schlechten Silberqualität und/oder suboptimalen Umwelteinflüssen und/oder einer verbesserungswürdigen Reinigung zusammenhängen könnte.

Darf ich fragen, ob das Silber an manchen Stellen durch eine dunkle Tönung oder Verschmutzung so dunkel wirkt?
Bei manchen Münzen kann eine professionelle Reingung Wunder bewirken nur dürfte das hier nur eine Experte machen, da man die mit schlechter Reinigung gänzlich zerstören würde.


Anbei Bilder von Gordian+Grodian, Trajan+ Severus Alexander wo das Silber auch komisch wirkt und man meinen könnte es gäbe einen Silbersud.
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