Beschnittene Gold- und Silbermuenzlein?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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cepasaccus
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Beschnittene Gold- und Silbermuenzlein?

Beitrag von cepasaccus » Sa 14.11.09 00:47

Ich habe mich gerade beim Zaehneputzen gefragt, ob die Roemer ihre guten Edelmetallmuenzen beschnitten haben? Ich kann mich nicht erinnern, dass mir sowas schon mal aufgefallen waere. Ehrlich gesagt sind die einzigen beschnittenen Muenzen, die ich bis zum Ende des Mittelalters kenne, Groschen.

valete
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Theo
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Beitrag von Theo » Sa 14.11.09 01:27

ich habe irgendwo gelesen, dass manche abgefeilt wurden....

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Sa 14.11.09 01:27

Es gibt viele beschnittene Solidi und Siliquae.

Gruss, Pscipio
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Sa 14.11.09 02:06

Ich habe sogar den Eindruck, daß die meisten Siliquae beschnitten sind.

Mit freundlichem Gruß
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quisquam
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Beitrag von quisquam » Sa 14.11.09 08:18

In diesem Zusammenhang ist dieser Artikel vielleicht ganz interessant:
http://imperialcoins.com/newsletters/vo ... me2-3.html

Grüße, Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.

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beachcomber
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Beitrag von beachcomber » Sa 14.11.09 10:06

Es gibt viele beschnittene Solidi und Siliquae.
wobei ich glaube, dass das erst in nachrömischer zeit passiert ist, als das reich schon zerfallen war, und die 'barbaren' noch keine eigene münzprägung hatten.
grüsse
frank

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cepasaccus
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Beitrag von cepasaccus » Sa 14.11.09 13:29

Liegt der Mangel an Beschnitt einfach nur daran, dass man nicht auf diese Idee gekommen ist, oder liegt es daran, dass der ideologische Wert der gepraegten Muenzeinheit gegenueber dem Edelmetallgehalt im Vordergrund stand?

Obiger Artikel ist auch in anderem Zusammenhang interessant:

"There are sound academic reasons for this ‘change-of heart‘– if it can be so termed - because the finds made by the often controversial ‘treasure hunters’, trawling the fields of England and Wales on their weekend forays into the countryside, are revealing important new evidence (...) relating to Roman coins from the period c355 to c410."

valete
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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Do 19.11.09 09:04

Römische Münzen mit dem Kaiserbild waren nach damaligem Rechtsverständnis fast schon sakrale Gegenstände (der Kaiser war bereits zu Lebzeiten fast gottgleich) - Manipulationen daran (Fälschungen, aber auch Verfälschungen, wie Abfeilen) galten mithin als crimen laesae maiestatis (Majestätsbeleidigung): Darauf stand der Tod!

Natürlich wird es trotzdem auch zur hohen Kaiserzeit hin und wieder solche Fälle gegeben haben. Aber um das Vertrauen in die Währung nicht zu erschüttern, sind gerade die Goldmünzen (sofern sie nicht eh sofort Richtung Indien etc. für Luxusgüter abgeflossen waren) wohl regelmäßig nachgewogen und manipulierte Stücke sofort eingeschmolzen worden - zumindest bei den Fiskalbehörden und sonstigen "offiziellen" Stellen.

Erst im 5. Jh. ff. nahm - mit sinkender Macht des traditionellen Kaisertums und zunehmender Macht der Kirche - das Beschneiden der Münzen zu. Deshalb findet man heute recht oft zeitgenössisch beschnittene spätantike/byzantinische Solidi.
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Beitrag von Peter43 » Do 19.11.09 11:12

Zur Sakrosanktheit, von der Chandragupta berichtet, ein Beispiel. Dio Cassius berichtet von Caracalla folgendes:

Ein junger Ritter brachte ein Geldstück mit dem Bild des Kaisers in ein Bordell; das sahen einige und zeigten ihn an, worauf er ins Gefängnis gebracht wurde, um hingerichtet zu werden. Er kam indessen wieder frei, da der Kaiser inzwischen den Tod gefunden hatte.

Mit freundlichem Gruß
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Stater
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Beitrag von Stater » Do 19.11.09 11:17

Ich war der Meinung, dass vor allem Mangel an Wechselgeld und nicht die verlorene Furcht vor Repressalien der Grund der "Manipulationen" gewesen ist.


Gruß

Stater

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Beitrag von klausklage » Do 19.11.09 12:13

War nicht der Perlkranz auf den Münzen gerade dazu eingeführt worden, das Beschneiden oder Abfeilen vom Metall zu unterbinden?
Olaf
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Beitrag von chinamul » Do 19.11.09 12:57

Das nützte aber leider immer dann nichts, wenn unbeprägte Partien teilweise über den Perlstab hinausreichten. Wenn professionelle "Beschnippler" massenhaft an vielen Solidi jeweils auch nur wenige hundertstel Gramm wegnahmen, konnte das in der Summe für sie doch recht einträglich sein. Das war allerdings nicht ganz ohne Risiko, denn die Gewichte der Solidi wurden rigoros überwacht und entsprechende Manipulationen wurden wohl auch streng bestraft. Die Münze hatte ihren Namen ja vor allem daher, daß sie bezüglich ihres Feingehaltes und Gewichts verläßlich, eben solide war.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Chandragupta » Do 19.11.09 16:33

... und es gab, wie uns die Archäologie verrät (sowie diverse moderne Auktionskataloge, wo solche Dinge angeboten werden...), einen wichtigen Alltagsgegenstand(!) für zumindest nicht bettelarme Menschen: "EXAGIVM SOLIDI" - also die geeichten Solidus-Gewichtsstücke aus Bronze zum leichten Nachprüfen mittels Handwaage. Offenbar ein echtes "Must have" der damaligen Zeit... ;)

Guckt Ihr hier: http://www.acsearch.info/search.html?se ... r=1&it=1#0

Wer es noch nicht weiß, und sich schon immer gewundert hat, wieso der GoldGEHALT auch heute noch in "Karat" angegeben wird, und ausgerechnet 24 Karat 100% Feingehalt entsprechen:
Ein Solidus (das war das standardisierte Normgewicht in der Spätantike, so wie heute das Gramm) wog halt 24 Karat (griech.: Kerata) und enthielt dabei auch "24 Karat Gold" (weil er aus Feingold geprägt wurde). War ein (gewichtsmäßiger) "Solidus" zu 50% legiert, enthielt der eben nur 12 Karat an feinem Gold. Er war also "12 Karat". Wir haben es hier mit einem der ältesten noch gültigen Maß- und Gewichtssysteme der Welt zu tun! (Okay, Zoll ["Daumenbreite"] und Fuß mal außen vor gelassen... ;) )
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Beitrag von Peter43 » Do 19.11.09 17:20

Hallo Chandra!

Ich glaube, daß Du mit Karat etwas durcheinanderbringst. Das Karat bei Edelmetallen ist keine Gewichtseinheit, sondern gibt die Feinheit an, wie Du richtig sagst. Also 24 Karat = 100% Edelmetall. Solidi aus 50% Legierung sind mir nicht bekannt, aber ich kenne nicht alles. Da bin ich sozusagen neugierig.

1 Karat als Gewichtseinheit bei Edelsteinen sind 0.2g. Bei 24 Karat sind das 4.8g. Nun sind die Solidi zwar aus 24 Karat Gold, wiegen aber weniger als 4.8g, nämlich nur 4.55g. Der Wert betrug nämlich 1/72 des römischen Pfundes, was bisweilen durch die Zahl LXXII auf der Münze ausgedrückt wurde. Da findet sich nichts von Karat.

Also schön erfunden, aber geschichtlich nicht wahr.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von cepasaccus » Do 19.11.09 17:47

Karat ist durchaus ein Gewicht. 1 Mark = 24 Karat fuer Gold, genauso wie 1 Mark = 16 Lot fuer Silber. Vgl.:

http://www.zeno.org/Brockhaus-1837/A/Gewicht

oder auch

http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_(Gewicht)
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