Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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dictator perpetuus
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Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von dictator perpetuus » Di 30.11.21 13:37

Mich interessiert, wie ihr ernsthafte und weniger ernsthafte Sammler wie mir eure Sammlung römischer Münzen aufbaut und was für euch eine Münze attraktiv für eure Sammlung macht. Mich interessiert auch, sammelt ihr alles an römischen Münzen, was es so gibt, habt ihr Schwerpunkte bezüglich Nominalen, Dynastien, Kaisern, Metallen, Münzstätten, Mythologie etc. oder seid ihr sogar eng auf etwas spezialisiert?
Wenn an auf den Bürgerkrieg, Augustus oder so spezialisiert ist, ist das wesentlich weniger spannend, als wenn irgendwer seinen Fokus auf weniger prominente Persönlichkeiten legt.

Ich bin jetzt grundsätzlich noch recht breit aufgestellt mit meiner noch jungen und kleinen Sammlung von 29 Münzen, die zwischen sehr günstig (günstigste Münze: Traian Quadrans Portrait/Wolf RIC 694, Erhatung s+) und mittelteuer (teuerste Münze: Lucius Verus Sesterz mit Verus und M.Aurel im Handschlag im Revers, RIC 1282, Erhaltung: gutes ss) waren.

Ich mag am liebsten Münzen vom gallischen Krieg bis Commodus, weil das aus meiner Sicht die spannendste Zeit ist. Da möchte ich irgendwann alle Kaiser von Augustus bis Commodus und die wichtigsten Akteure des Bürgerkriegs zusammenhaben. Von manchen Kaisern bietet es sich auch an, ein paar mehr Münzen zu haben, für mich v.a. Augustus. Da gibt es Münzen von vor und nach 27BC, aus Rom, aus Lugdunum u.a., den berühmten Varusgegenstempel..
Dazu möchte ich "von allem etwas". So sollte aus jeder Dynastie eine Münze dabei sein. Vom Aes grave bis möglichst kurz vor 450 soll irgendwann alles vertreten sein, aber mit Schwerpunkt von ca. 50 BC bis 192 AD. Nicht fehlen dürfen die historisch bedeutendsten Persönlichkeiten, die nicht in meinem Schwerpunktbereich liegen (z.B. Diocletianus, Constantinus I.)

Besonders interessieren (nicht nur) mich die (teils leider sehr teuren) Münzen mit besonderem historischen Bezug, besonders natürlich, wenn dieser mysthifiziert oder verklärt ist. Diese Münzen sind natürlich oft sehr teuer (Caesar DICTPERPETUO, Augustus AEGYPTO CAPTA, Varus Gegenstempel...) bis unbezahlbar (Brutus EID MAR).

Alle gängigen Nominale aus der frühen und hohen Kaiserzeit habe ich bereits zusammen, ausgenommen den Aureus, der wird noch eine Weile warten. Ich arbeite mich aber langsam hoch, was die Hochwertigkeit der Münzen angeht, generell kommen immer gefragtere und bessere erhaltenere Stücke dazu.

Was mich auch immer motiviert, ist eine Münze aus jeder Münzstätte zu besitzen, deren römische Ruinen ich selbst bereits besichtigt habe. Aus Ephesos und Rom habe ich da bereits etwas, Köln, Trier und Hierapolis sollten noch dazukommen, aus Pompei gibt es ja leider nichts (oder doch und ich weiß davon nichts?).


Ich bin kein Erhaltungssammler. Welche Erhaltung mir genügt, hängt von folgenden Faktoren ab:

- Ist die Münze in guter Erhaltung überhaupt schön? So ein Tribut-Penny ist vom Stil eher meist eher mäßig. Da spare ich mir lieber eine Menge und nehme einen mäßig erhaltenen (aber aus kompetenter Quelle). Ein Otho ist noch teurer und wird irgendwann nur der Vervollständigung dienen. So ein charakteristisches, ausdrucksstarkes Portrait von Agrippa, Galba oder Lucius Verus oder ein interessantes und schönes Revers sollte für mich dagegen schon eine gewisse Erhaltung haben, das können kleine Kunstwerke sein

- Wie teuer ist die Münze und kann oder will man sich die Münze in guter Erhaltung leisten? Man kann sich für 30€ einen abgeriebenen Marc-Aurel-Denar und für 3000€ einen guten DICT PERPETUO-Denar kaufen. Oder man kauf für 1000€ einen sehr mäßig erhaltenen DICT PERPETUO-Denar und für 150€ einen guten Marc-Aurel. In beiden Fällen hat man eine gut und eine weniger gut erhaltene Münze.

Seltenheit hat für mich keinen so großen Reiz. Ich würde nichts sammeln, weil es selten ist. Wenn ich mich für etwas Seltenes interessiere, muss ich halt leider damit leben, dass es teurer ist.

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shanxi
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von shanxi » Di 30.11.21 15:00

Meine Hauptsammelgebiete beruhen nicht auf einer durchdachten Entscheidung. Ich bin da mehr oder weniger reingerutscht. Irgendwann waren mehrere Münzen eines Gebiets da, man beschäftigt sich intensiver damit, und schon hat es einem erwischt.

Neben chinesischen Münzen sind meine drei Hauptgebiete: Münzen der Faustina II, Münzen aus Hierocaesarea und Münzen mit Artemis/Diana Rückseite.

Warum Hierocaesarea und warum Artemis/Diana Rückseiten.

Ich finde es immer etwas befremdlich, das es für jeden mickrigen Kaiser einen extra Thread und wilde Sammler gibt, aber nicht für Rückseitendarstellungen, die an unterschiedlichsten Orten und zum Teil bis heute geprägt wurden und werden. :? Warum :?:
Ich z.B. finde Artemis/Diana in ihrer Vielfalt faszinierend.

Hierocaesarea hat damit begonnen, das Artemis die bevorzugte Vorder- bzw Rückseite dieser kleinen Stadt ist. Die Anzahl der geprägten Münzen ist beschränkt, viele sind selten. Ich dürfte etwa die Hälfte aller Typen haben, dabei 5 oder 6 von denen ich das einzige bekannte Exemplar besitze.


Das Ideal ist natürlich eine Münze der Faustina II aus Hierocaesarea mit Artemis Rückseite. Von dieser Kombination habe ich leider nur eine. Die ist nicht besonders gut erhalten, aber bei nur zwei bekannten Exemplaren hat man nicht viel Auswahl.


Faustina_II_50_1.jpg


Lydia, Hierocaesarea
Faustina II
Mènodôros the Second, strategos
Obv.: ΦAVCTEINA CEBACTH, draped bust of Faustina left.
Rev.: [EΠI CTPA M]HNOΔ[ΩPOY B.], [IЄ]POKAI[CAPЄΩN] in exerque; nude hero (Perseus) standing right, seen from the back, Artemis standing left, holding bow, having quiver at shoulder; both clasping hands over lighted altar
AE, 38.14g, 36mm
Ref.: RPC IV.2 11395-1 - Diese Münze

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jschmit
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von jschmit » Di 30.11.21 15:23

Ich habe als junger Bursche Euros gesammelt, von Luxemburg bis Vatikan. Das hat dann nachgelassen und da ich immer schon von den Römern angetan war bin ich dann vor nicht allzu langer Zeit da hängen geblieben. Ich sammele bei den Römern quasi alles, es muss nur ein Gesicht auf dem Avers sein ;-) Die erste Sammlung bestand ja nur aus Münzen der julisch-claudischen Dynastie, aber die Erhaltungsgrade waren teilweise grottig. Also fast alles verkauft und neu aufgebaut. Am liebsten sind mir Bronzen, vor allem Sesterzen. Der Erhaltungsgrad ist mir schon wichtig und ich bezahle lieber 2000 für eine als 500 für selbige in schlechter. Ich kaufe aber auch Münzen mit Macken oder guter Abnutzung, wenn auch letzteres seltener und nur wenn sie mich direkt anspricht aufgrund der Patina und des Portraits.
Ich sammele gerade bis Constantin II. Ein Ziel gibt es nicht, auch wenn ich versuche soviele hübsche, verschiedene Portraits wie nur möglich zu bekommen. Bei Silberlingen ist mir Qualität noch wichtiger, da bei der Grösse ansonsten doch zuviele Details abhanden kommen. Vielleicht spezialisiere ich mich noch auf einen Kaiser nebenbei, aber das weiss ich noch nicht.

Meine Top 4 wären wohl momentan ein Vitellius AS mit aussergewöhnlichem und bis jetzt einzigartigem Portrait, den Trajan Sesterz den ich hier vorgestellt habe, der Philip I Sesterz mit dem tollen Revers und der Vespasian Denar.

Grüsse, Joel
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von Numis-Student » Di 30.11.21 15:32

Ich habe (im Kurzdurchgang) als Kind mit Urlaubsresten begonnen, wobei für mich sehr schnell "alte" Münzen reizvoller waren als "neue". Also waren Pfennige der deutschen Kaiserzeit spannender als italienische Lire der 1980er. Dann war mein ältestes Stück ein sächsischer Pfennig von 1777, und irgendwann fand ich auf einem Flohmarkt ein paar Spätrömer. Langsam kristallisierten sich römische Münzen, genauer gesagt Münzen der römischen Kaiserzeit als ein Schwerpunkt meiner Sammlung heraus.
Grundsätzlich bin ich nach wie vor " Köppesammler", also von jedem Kaiser und Angehörigen eine Münze.

Natürlich gibt es von den häufigen Kaisern mehrere Stücke, bis zu ca. 60 bei Gallienus oder Constantin I.

Inzwischen hat sich durch die Diplomarbeit über die Münzprägung des Probus da noch ein wissenschaftlich motivierter Schwerpunkt ergeben; diese ca. 500 Stück betrachte ich aber nicht als Teil meiner allgemeinen Römersammlung.

Wie entscheide ich, welche Münze ich kaufe ?

Bei Probus alles bestimmbare im Günstig-Bereich

Bei der allgemeinen Römersammlung:

Fehlende Kaiser / Personen
Silber ist mir etwas sympathischer als AE, für (spätantikes) Gold reicht das Geld zu selten.
Bevorzugt Linksportraits
Gerne ungewöhnliche Rückseiten
Ansprechende Portraits
Es ist aber auch immer eine Preisfrage: Standardkaiser, Standardrückseite: Für 50 oder 70€ uninteressant, bei 20€ sieht die Sache anders aus ;-)
Die Qualität sollte zumindest ein s-ss oder ein ss- oder so etwas sein. Für nur vz fehlt mir das Geld, es sollte aber ein harmonischer Gesamteindruck entstehen.

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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von kiko217 » Di 30.11.21 15:39

Mir gefallen drei Gebiete:

- aes grave, weil da beindruckend schwere Klötze dabei sind, die meine haptischen Sinne ansprechen.
- Republiksdenare, weil die m.E. viel spannendere Geschichten erzählen als die Denare der Kaiserzeit.
- Sesterzen hauptsächlich bis Commodus, weil sie durch Farbe, Größe und Gewicht beeindrucken.

Nach Commodus wird mein historisches Interesse geringer. Nach Gallienus wird es noch geringer. Den Kleinmünzen der späten Kaiserzeit kann ich nicht viel abgewinnen. Wenige Rückseiten von Interesse, die Kaiser haben kaum noch ein individuelles Äußeres.

Anfangs habe ich aber alles gesammelt, was mir preisgünstig in die Finger fiel. Wie shanxi beschrieben hat, stellt man irgenwann fest, dass das eine Gebiet mehr fesselt als das andere.

Interessante Fragestellung übrigens, ich hoffe auf viel Beteiligung.

Schönen Feierabend

Kiko

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Timestheus
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von Timestheus » Di 30.11.21 17:29

Ich hatte vor rund 30 Jahren eine antike Münze auf dem Flohmarkt entdeckt. Total abgegriffen und wenig zu erkennen für mich. Der nächste Münzhändler war in Tübingen und so habe ich mich auf den Weg dorthin gemacht. Der hat mir dann bei der Bestimmung geholfen - aber er hat mir nicht einfach gesagt was für eine Münze es ist - sondern hat mir Literatur und immer wieder paar Tipps gegeben. Am Ende hat er mir noch die letzten Infos gegeben - und damit war ich dann "angefixt". Nachdem war ich dann Alls 1-2 Wochen bei dem guten Mann und habe mir bei ihm eine Münze gekauft.

War auch so ein positiv bekloppter der sich super auskannte und auch viel drumherum wusste. So artete ein Münzkauf vor Ort immer in etwas 2-3 Stunden Geschichtsstunde um die zur Auswahl stehenden Münzen aus. Aber er war halt auch ein absolut begeisterter Sammler und konnte einen super in den Bann ziehen. War ne schöne Zeit.

Ich war um die 20 Jahre jung und konnte mir meistens nur Münzen um die 100-200 Euro das Stück als Maximum leisten. Mein absolutes Schmuckstück war ein Caligula As - ich glaube da habe ich auch um die 300-400 Euro ausgegeben. Zustand war bei dem Preis natürlich eher mittelmäßig. Ich glaub ich war froh das man Caligula noch erkannte - die Rückseite war aber ziemlich weg.

Dann kam halt irgendwann die Partnerin, dann meine Tochter und natürlich auch finanzielle Investitionen. So wanderte die ganze Sammlung - ich muss grob schätzen - für 2500-3000 Euro über "die Theke". Was vor 30 Jahren auch schon ein großer Betrag für ein junges Paar war. Und seitdem war Stille.

---

Ich weiß gar nicht, wie ich überhaupt auf den Trichter gekommen war mich wieder dem Sammeln zu widmen. Einmal klar die Corona Pausen, es kommt wieder der Winter, ich hatte eben ein Projekt fertig gestellt. Und wollte irgendwas machen wo ich richtig gut abschalten kann. Aber wie es letztendlich wieder antike Münzen wurden kann ich nicht mal genau sagen - obwohl ja nur paar Wochen her.

Der Plan war - ha ha - imperatorische Prägungen (Bürgerkrieg) bis Marc Aurel zu sammeln. Ab Marc Aurel ist für mich ein Epochen Bruch - das passte ganz gut, so die Theorie.

Dann habe ich mich hier im Forum angemeldet und gleich mal festgestellt wie naiv "ich fang dann einfach mal an" sein kann. Ich musste (und muss noch immer) feststellen, dass man beileibe nicht überall kaufen kann - oder eher bestimmte Portale ganz vermeiden sollte. Mir war nie bewusst wie viele Fälschungen da draußen unterwegs sind. Dann musste ich lernen was geschnitzte Münzen sind und das man da auch die Finger von lässt - und noch gefühlt andere tausend Dinge - welche einem vor allem beim Kauf von Bronzen - wenn man unerfahren ist - passieren kann.

Richtigerweise bekam ich den Tipp - erst mal nur Denare zu sammeln. Das geht in dem angestrebten Zeitraum ja auch super.

Bei meiner ersten Shopping Tour gab es aber an dem Wochenende keine für mich schönen Kaiserzeit Denare - dafür jede Menge aus dem Bürgerkrieg und nicht zwei, drei andere Republikaner. Also keine einzige aus der Kaiserzeit. Dafür halt einen Costa / Brutus und einen Spinther / Cassius. Dazu noch was von Marcus Antonius und zwei der Sabiner. Irgendwie hatte ich mich dann auch noch in den Koson Goldstater verschafft - der kam dann auch in die Sammlung.

Und da jetzt jede Menge Republikaner in der Sammlung waren - hatte ich begonnen mich damit zu beschäftigen. Zu dem Koson Stater wollte ich noch den Republikanischen Denar haben. Dann entdeckte ich einen tollen Turrinus Denar mit Sol und Luna und vielen Sternen und las mich ein was die Darstellung von Sol & Luna auf den Republikanern betraf. Also mussten weitere Sol & Luna Denare her. Dann kam irgendwann mal ein Elefanten Denar dazu. Dann habe ich die anderen Elefanten Denare entdeckt - also machte ich mich auf die Suche nach diesen Exemplaren...


Lange Rede - kurzer Sinn. Je mehr Republikaner Denare ich hatte und je mehr ich um die Münzen drumherum recherchierte - desto mehr entdeckte ich weitere Denare die einen Bezug zueinander hatten - sei es durch die Familienzugehörigkeit, sei es durch die Ereignisse, sei es durch die gemeinsamen Symbole.

Und so komme ich da irgendwie nicht mehr raus aus der Geschichte. Es werden immer mehr Republikaner. Und es gibt einfach noch zu viele Exemplare, die ich historisch interessant finde um das "Hauptsammelgebiet" zu verlassen. Einzig wenn ich etwas verteilt bin - kann es vorkommen, dass ich etwas ersteigere, was ich nicht so ganz vor hatte. Dann wandert auch mal eine Münze aus der Kaiserzeit in die Sammlung. Aber nicht absichtlich.
Veritas? Quid est veritas?
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von dictator perpetuus » Di 30.11.21 22:37

Timestheus hat geschrieben:
Di 30.11.21 17:29
Mein absolutes Schmuckstück war ein Caligula As - ich glaube da habe ich auch um die 300-400 Euro ausgegeben. Zustand war bei dem Preis natürlich eher mittelmäßig. Ich glaub ich war froh das man Caligula noch erkannte - die Rückseite war aber ziemlich weg.
Den habe ich auch lange gejagt. Der Caligula musste einfach in die Sammlung, allein des "Promifaktors" wegen.
Ich hatte eigentlich gedacht, für 120 bekomme ich einen guten. Dann habe ich relativ lange überlegt, einen ganz schäbigen zu schießen. Da wurde ich dann eines Besseren belehrt. Schockiert war ich, was so einer schon gebracht hat:
https://www.biddr.com/auctions/savoca/b ... &l=1919817

Und dann habe ich immerhin noch einen mäßigen für einen mäßigen Preis gefunden, und zwar den hier:
https://www.biddr.com/auctions/savoca/b ... &l=1953554

Mir reicht der für die Erhaltung. Deutlich besser wird es für den Preis denke ich so schnell nicht geben.

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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von Timestheus » Di 30.11.21 23:01

Genau den Typ hatte ich auch. Ich glaub das ist eh die Darstellung, welche am verbreiteten ist? Bei meinem war die Vorderseite etwas besser, dafür aber Rückseite wirklich fast komplett abgegriffen… aber damals war mir der Kopf lieber…
Veritas? Quid est veritas?
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von dictator perpetuus » Di 30.11.21 23:32

Timestheus hat geschrieben:
Di 30.11.21 23:01
Genau den Typ hatte ich auch. Ich glaub das ist eh die Darstellung, welche am verbreiteten ist?
Ich glaube, es gibt nur den. Wenn es noch einen gibt, ist der extrem selten und sauteuer. Das ist eigentlich der einzige Caligula, der überhaupt einigermaßen erschwinglich ist. Die beliebten Schwestern-Sesterzen und die Denare sind ja bereits deutlich teurer.
Caligula hat halt viel für Germanicus und Agrippa geprägt, war nicht so lange im Amt und einige Münzen sind vielleicht einer damnatio memoriae zum Opfer gefallen.Dadurch ist seine Darstellung im Verhältnis zur Nachfrage wegen seiner Bekanntheit recht selten.
So ein Schwesternsesterz wäre irgendwann einmal auch etwas für mich. Allgemein finde ich, dass die unter Caligula geprägten Bronzemünzen vom Stil her sehr gut sind. Der hier wird mir beispielsweise zu teuer, ist aber auch ein toller Typus finde ich - noch besser wäre, wenn der nicht geglättet wäre:
https://www.biddr.com/auctions/numismat ... &l=2333904
Auch die Agrippa-Portraits sind klasse.

Präferenz in der nächsten Zeit haben aber die noch fehlenden:
1. Marcus Aurelius
2. Commodus
3. Crispina (dann wäre der ganze Clan von Antoninus Pius bis Commodus mit Frauen bei mir komplett)
4. Titus (leider auch meist recht teuer)
5. Eine Münze mit Münzstätte Köln
6. Eine Münze mit Münzstätte Trier
7. Galba

Caesar explodiert momentan immer im Preis und ist deshalb erstmal etwas zurückgestellt, genauso der Tiberius-Denar - zumal ich einen Lugdunum-Semis von Tiberius vor einiger Zeit als "Beifang" geschossen habe.

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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von KarlAntonMartini » Di 30.11.21 23:35

Römer sammle ich, soweit sie aus Großbritannien stammen, also in Londinium oder der immer noch rätselhaften Münzstätte C geprägt wurden. Dabei versuche ich erst mal, die Kaiser komplett zu bekommen ( fehlen noch Severus II und Constantius II, ob es Münzen mit Porträts von Fausta und Helena aus Londinium gibt, hab ich noch nicht recherchiert), dann auch die Rückseiten. Bisher alles AE, AR ist selten und teuer, AU definitiv unerschwinglich. Erhaltungen möglichst ss und besser (da muß ich bei Carausius und Tetricus noch nachfassen). Römer machen nur einen sehr kleinen Bereich in meiner Großbritannien-Generalsammlung aus, es kommt eigentlich nur was dazu, wenn ich es in einer Auktion entdecke. Wichtig ist für mich nicht das Haben der Münze, sondern die Erfassung des historischen Hintergrunds. Limitierender Faktor ist für mich die Zeit, die es zum Studium der Angebote braucht. Geld natürlich auch, aber die von mir angestrebten Römer sind bisher immer UHUs gewesen. - Neulich hab ich auf der Jagd nach Literatur über indische Fürstenstaaten ein Buch gefunden über römische Fundmünzen in Indien. Was es nicht alles gibt! Grüße, KarlAntonMartini (und mit der Bitte um Nachsicht, daß ich mich als Teilzeit-Römersammler hier dazugeselle.)
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von mike h » Mi 01.12.21 00:22

Ist echt schwierig... aber mal ne Kurzform.

Als Jugendlicher hab ich angefangen, wie Malte.
Alles, was ich nicht kannte, hab ich gesammelt.
Danach hab ich dann die Gedenkmünzen aus Deutschland gesammelt.... bis ich mit 20 Geld brauchte.

Das war mir dann erst mal eine Lehre.

Bis ich mit vielleicht 35 Jahren wieder angefangen hab... auch wieder silberne Gedenkmünzen.
Als die dann zu CU-Nickel wurden, hab ich wieder aufgehört.
Vor einigen Jahren hab ich ein paar Römer geschenkt bekommen.
Das hat dann wieder mein Interesse geweckt.

Sehr schnell hatte ich meine Vorliebe für die großen Bronzen aus dem Kaiserreich entdeckt.
Da die aber ziemlich teuer sind, habe ich irgendwann angefangen, nach restverschmutzten Münzen zu suchen.
Die sind einfach billiger.
Und erfreulicherweise haben mich einige Forumskollegen angeleitet, wie man die reinigt, ohne sie zu zerstören.

Und daraus hat sich dann eigentlich mein eigentliches Hobby entwickelt:
Ich reinige verkrustete und korrodierte Münzen.
Wobei ich natürlich darauf achte, das sie aus dem Kaiserreich sind.
Die Sammlung fällt dabei ganz nebenbei ab...

Besonders in der jetzigen Situation bekommt man damit recht gut die Zeit rum:

Jagen, reinigen, fotografieren, bestimmen.... und manchmal immer noch: ärgern.
Aber meistens kann ich mich sehr gut daran erfreuen.

Martin
130 Köppe /201 (Kampmann)
1.) Ziel erreicht!

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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von klausklage » Mi 01.12.21 02:00

Meinen ersten Römer in der Hand gehabt habe ich mit 19. An der Uni meiner Heimatstadt gab es eine Art Tag der offenen Tür, ich habe mich dann spaßeshalber in eine Vorlesung über römische Geschichte gesetzt und der Prof hatte ein paar Münzen aus seiner Privatsammlung mitgebracht, die er in dem kleinen Hörerkreis (vielleicht zehn Leute in einem kleinen Seminarraum) herumgehen ließ. Da hatte ich von Preisen natürlich noch keine Ahnung und dachte, sowas würde ich mir eh nie leisten können.

Im Referendariat (so mit etwa 26) entdeckte ich dann ganz zufällig eine neue Webseite, die hieß ieh-bäh oder so ähnlich, und da konnte man neben allem möglichen Trödel auch antike Münzen kaufen. Ich schaute eine Weile zu und hab dann einfach aus Spaß ein Lot von drei Spätrömern (Gratian und so'n Zeug) ersteigert für knapp 30 DM. In der Folgezeit kamen immer mehr aus der gleichen Quelle dazu, alles ziemlich niedrigpreisig und ohne thematische Eingrenzung, Hauptsache Antike. Die meisten aus dieser Zeit habe ich längst weiterverkauft.

Nach etwa 2-3 Jahren habe ich mir dann gedacht, eine richtige Sammlung sollte einen thematischen Schwerpunkt haben. Nach Durchsicht aller Exemplare kam ich zum Ergebnis, dass ich die meisten Münzen von Trajan hatte - nämlich drei :lol: . Von allen anderen Kaisern waren es weniger. Naja, Trajan hat ganz nette Motive, die Münzen sind vergleichsweise bezahlbar, und so war die Wahl gefallen. Andere Kaiser (gerade des 2. Jh.) habe ich eine Zeitlang noch weiter gekauft, aber das ist immer weniger geworden. Heute suche ich meist ganz gezielt mit der Suchfunktion nach "Trajan" und schaue mir die anderen Münzen nicht einmal mehr an.

Außerdem bin ich immer mehr Erhaltungssammler geworden, achte also schon sehr auf Erhaltung oder Seltenheit. Eine häufige Münze in ss oder schlechter würde ich heute nicht mehr kaufen. Und da gut erhaltene und seltene Münzen leider nicht ganz billig sind, kaufe ich halt nicht mehr so viele, sondern liege auf der Lauer, notfalls auch mal 2-3 Monate ganz ohne Neukauf, und biete dann lieber etwas höher, wenn eine kommt, die ich unbedingt haben will - und die geht dann in den meisten Fällen trotzdem für das Vierfache meines Gebots weg :oops:.

Ich habe noch eine kleine Spezialsammlung mit Justitia-Darstellungen. Da fehlen mir auch noch ein paar von den gängigen Typen. Und der Aureus von Pescennius Niger wird wahrscheinlich nie kommen. Man kann halt nicht alles haben!

Olaf
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LordLindsey
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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von LordLindsey » Mi 01.12.21 20:15

Ich habe mit 14 Jahren wie die meisten wohl mit den deutschen muenzen nach 1871 angefangen, mit zunehmend finanziellen Möglichkeiten und auch Mobilität (muenzboersen!) aber schnell großes Interesse an “älteren” Muenzen und numismatischen Objekten aller Art (Papiergeld, Muenzwaagen, Spardosen, Muenzschmuck, etc.) entwickelt. Ich habe also mein sammelgebiet nie aufgegeben, sonder ständig erweitert, darunter natürlich auch römische Muenzen.

Um mich thematisch zu fokussieren, habe ich mich hierbei auf “Deutsche Geldgeschichte” (von den Kelten bis zum Euro :)) beschränkt, was mir besonderes bei dem Kapitel “römische Muenzen” hilft. Die wichtigsten Ereignisse der 500 Jahre von Caesar bis Jovinus in Germanien sind wunderbar in der Muenzpraegung dokumentiert.

Das Thema Erhaltung sehe ich sehr pragmatisch und dient für mich eher als finanzieller als als numismatischer Wertmesser. Also ein abgenutzter Denar kann interessanter sein als praegefrischer Solidus. Ist auch abhängig von der Muenze: ein Tiberius Denar muss nicht top sein, bei meinem Germanicus Signis Receptis Dupondius war mir die Erhaltung sehr wichtig. Erst kürzlich habe ich eine für GERMANIEN sehr wichtige, aber leider an sich (für mein Empfinden) unbezahlbare Muenze im “leicht bearbeiteten” Zustand, dafür bezahlbar, gekauft und erfreue mich trotz dieser Einschränkung an deren Präsenz. Wie gesagt: pragmatisch und nicht dogmatisch :)

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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von Peter43 » Mi 01.12.21 23:26

Seit rund 10 Jahren ist mein Hauptsammelgebiet Nikopolis ad Istrum. Zusammen mit Nina Hristova (leider vor 4 Jahren gestorben) und Gospodin Jekov, Numismatikern und Historikern der Universität Blagoevgrad in Bulgarien gebe ich die Monographie der Münzprägung dieser römischen Provinzstadt heraus. Mein Ziel war ein Sammelgebiet, über das ich mehr weiß als irgendjemand anderer. Diesem Ziel bin ich inzwischen sehr nahe gekommen. Seitdem kaufe ich fast nur noch Münzen, die in unserer Monographie noch nicht gelistet sind. Das waren allein im letzten Jahr mehr als 150 neue Typen! Immerhin ist Nikopolis die Provinzstadt des römischen Reiches, die die meisten Münztypen herausgebracht hat. Demnächst veröffentlichen wir die 11. Ausgabe mit mehr als 2500 Typen, alle beschrieben und abgebildet. Damit ist diese Monographie die umfassendste weltweit. Immer mehr große Auktionshäuser gehen dazu über, diese als Referenzwerk zu benutzen. Demnächst auch CNG.

Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Welche Sammelgebiete sammelt ihr und warum?

Beitrag von tilos » Do 02.12.21 01:59

Angefangen mit dem Münzen sammeln hat das bei mir Mitte der 1980er Jahre, als ich (als gelernter Ossi) seitlich vom Stadtstrand von Sosopol/Bulgarien (Apollonia Pontike) aus dem Spülsaum hunderte zumeist kleine Metallobjekte (Eisen, Blei, Kupfer, Bronze, Silber, Gold) rausklauben konnte. Darunter befanden sich mehrere Dutzend Münzen, u.a. auch örtliche griechische Stadtprägungen. Nach der Wende habe ich zudem rund ums Mittelmeer die Augen offen gehalten (zu Lande und zu Wasser), durchaus mit Erfolg. Auch war ich in vielen Ländern auf Basaren/Märkten unterwegs. Einige der selbst gefundenen Münzen wurden mit ihren Funddaten in archäologische/numismatische Datenbanken aufgenommen. Gelegentlich wurden an den Stücken auch röntgenologische und metallurgische Untersuchungen durchgeführt.

Besonders interessieren mich provinzialrömische Prägungen rund ums Mittelmeer, Schwerpunkt Kleinasien und Nordafrika. Den größeren Teil dabei machen alexandrinische Prägungen aus, Ptolemäer eingeschlossen. Zudem interessieren mich antike Spielsteine und Tesserae sowie als Spielsteine oder Gewichte nachverwendete Münzen. Intensiv sammle ich seit ca. 15 Jahren.

Gruß in die Runde
Tilos

Sosopol bb.jpg
Tagesausbeute nach ca. 3h intensiven Suchens

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